Pichling bei Köflach
Ortschaft in der Stadtgemeinde Köflach
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Pichling bei Köflach ist eine Ortschaft in der Weststeiermark und gleichnamiger Stadtteil der Stadtgemeinde Köflach im Bezirk Voitsberg in der Steiermark. Pichling bei Köflach ist zugleich auch der Name einer Katastralgemeinde von Köflach. Die Ortschaft hat 3631 Einwohner (Stand: 1. Jänner 2026).[1] Ab den 1930er-Jahren wuchs die Bevölkerung in Pichling durch den Zuzug von Arbeitern für den Kohlebergbau im Bezirk stark an.
| Pichling bei Köflach (Stadtteil) Ortschaft Katastralgemeinde Pichling bei Köflach | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Pol. Bezirk, Bundesland | Voitsberg (VO), Steiermark | |
| Gerichtsbezirk | Voitsberg | |
| Pol. Gemeinde | Köflach | |
| Koordinaten | 47° 2′ 56″ N, 15° 4′ 41″ O | |
| Höhe | 496 m ü. A. | |
| Einwohner der Ortschaft | 3631 (1. Jän. 2026) | |
| Fläche d. KG | 4,81 km² (31. Dez. 2023) | |
| Statistische Kennzeichnung | ||
| Ortschaftskennziffer | 16163 | |
| Katastralgemeindenummer | 63351 | |
| Zählsprengel/ -bezirk | Pichling-West, Bahnhof, Pichling-Zentrum, Pichling-Ost, Pichling-Süd, Pichling-Südwest, Puchbach (61631 ) | |
Blick vom Bergweg auf Pichling bei Köflach | ||
| Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; GIS-Stmk | ||
Lage und Geographie
Pichling bei Köflach liegt im südlichen Teil der Stadtgemeinde Köflach, südlich des Stadtgebietes. Der Ort selbst liegt an den Ufern des Lankowitzbachs, im westlichen Teil des Köflach-Voitsberger Beckens.
Direkt westlich von Pichling bei Köflach verläuft die Packer Straße (B 70), die Köflach mit Edelschrott verbindet. Durch den Ort selbst verläuft die St. Martiner-Straße (L346) die Pichling bei Köflach mit Sankt Martin am Wöllmißberg verbindet.
Auf dem Gebiet der Katastralgemeinde bestehen neben der gleichnamigen Ortschaft Pichling bei Köflach auch noch die Hans Giegerl-Siedlung, die Hartwald-Siedlung sowie die Packer Siedlung.
Geschichte

Eine Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Ortes lässt sich durch den Fund eines Flachbeils aus graugrünen Amphibolit bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. Bei Pichling gab es in der frühen Bronzezeit von etwa 2300 bis 1600 vor unserer Zeit eine ausgedehnte Siedlung. Auf diese lässt eine rund 25 Hektar große Fundzone auf beiden Seiten des Lankowitzbaches schließen, in der vor allem Grobkeramik aber auch ein Beil aufgefunden wurde. Aus der Römerzeit hat sich ein etwa 400 Meter mal 200 Meter großes Hügelgräberfeld erhalten. Ein Teil der Gräber wurden ergraben und lassen sich teilweise in das 1. oder 2. Jahrhundert verorten. Im Raum um Pichling lassen sich zwei römerzeitliche Siedlungen nachweisen, die vom 1. bis zum 4. Jahrhundert bestanden. Bei einer dieser Siedlungen dürfte es sich um eine Villa rustica gehandelt haben. Eine aus etwa 75 Grabbauten bestehende Gräberstraße aus dem 1. und 2. Jahrhundert wurden 1994 entdeckt. Diese Straße führte von der römischen Siedlung in Richtung Nordwesten.[2]
Der heutige Ort Pichling geht auf eine hochmittelalterliche Gründungssiedlung im 12. Jahrhundert zurück. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort 1268/1269 im Rationarium Styriae als Puchlarn. Weitere Erwähnungen datieren 1301 als puhloeren bei Preimaspurch, 1429 als Pühlein bei Preymarspurkh, 1473 als Puelarn in Koflacher pharr, 1673/83 als Püchling sowie schließlich 1882 als Pichling bei Köflach. Der Ortsname ist ein unechter -ing-Name da sich bis in das 17. Jahrhundert hinein der mittelhochdeutsche Dativ Plural von -ern findet, der soviel wie bei den Bewohnern bedeutet. Der Namensteil Pichl- leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort pühel für Hügel oder Erhebung ab. Der Ortsname bedeutet also soviel wie bei den Bewohnern des Hügels.[3]
Bis zur Abschaffung der Grundherrschaften im Jahr 1848 gehörten die Bewohner Pichlings im Verlauf der Jahrhunderte zu verschiedenen Herrschaften. So hatten die Herrschaften Altkainach, Greißenegg (mit dem Amt Weyern), Kleinkainach (mit dem Mitteramt), Lankowitz (mit dem Amt Lankowitz), Ligist, Piber (mit dem Amt Köflach), Reiteregg (mit dem Amt Gößnitz) Untertanen im Ort. Einige Bewohner gehörten zur Pfarrgült von Köflach und der Gült des Voitsberger Karmeliterklosters. Das Marchfutter wurde an die Herrschaft Lankowitz gereicht, während der Zehnt an Lankowitz und Piber ging. Der Ort war Teil des Werbbezirks Piber.[4]
In den Jahren 1350 und 1640 kam es zu Ausbrüchen der Pest in Pichling. Durch den zweiten Ausbruch wurde Pichling vermutlich fast vollständig entvölkert und es wurde am Weg nach Hasendorf ein eigener Pestfriedhof angelegt. Dieser Friedhof war um 1880 noch als Freithofacker bekannt.[5]
Mit der Konstituierung der freien Gemeinden im Jahr 1850 wurde der Pichling eine freie Ortsgemeinde. Im Jahr 1922 scheiterte eine erste geplante Zusammenlegung mit Köflach. Am 1. Jänner 1952 wurde schließlich die Gemeinde Pichling zusammen mit Köflach, Gradenberg und Piber zur Stadtgemeinde Köflach zusammengelegt.[4]
Bis in die 1930er-Jahre bestand Pichling aus verstreuten Keuschen sowie einer als Dittlerkolonie bekannten Knappensiedlung. Bedingt durch den Zuzug von Arbeitern, vor allem für den Kohlebergbau in der Umgebung, entstanden in Pichling mehrere Arbeitersiedlungen.[6]
Wirtschaft und Infrastruktur
Pichling bei Köflach ist ein Siedlungsort und besteht großteils aus Wohnhäusern. In der Vergangenheit spielte vor allem die Landwirtschaft eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. So lässt sich seit 1688 der Anbau von Mais nachweisen und um 1840 wurde Getreide, Heu, Mais, Weizen sowie Roggen in größeren Mengen angebaut. Ab 1814 bis in das 20. Jahrhundert hinein wurde bei Pichling Braunkohle abgebaut.[5]
Es gab im 20. Jahrhundert eine eigene Feuerwehr Pichling, die 1912 bereits Bestand hatte.[5]
Der Ort ist nach Köflach eingepfarrt und die Kinder besuchen die Schulen in Köflach.[6]
Kultur und Sehenswürdigkeiten

Zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern in Pichling bei Köflach gehört die 1973/74 nach Plänen von Othmar Reinisch als Gedächtniskirche für Papst Johannes XXIII. errichtete Filialkirche Köflach-Pichling (Listeneintrag). Die ebenfalls denkmalgeschützte Rößl-Kapelle (Listeneintrag) wurde 1852 erbaut.[6]
Daneben gibt es noch einige religiöse Kleindenkmäler die von regionsgeschichtlicher Bedeutung sind. Das sogenannte Geisterkreuz an der Straße zwischen Pichling und Puchbach wurde 1873 eingeweiht und gilt im Volksglauben als Geisterort.[6]
Literatur
- Ortsverzeichnis 2001 Steiermark (PDF; 4,9 MB), Statistik Austria, Wien 2005, ISBN 3-902452-45-5, S. 294.
- Walter Brunner (Hrsg.): Geschichte und Topographie des Bezirkes Voitsberg. Band 2. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2011, S. 253–257.
