Pierre Bonnassie

französischer Historiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Pierre Bonnassie (* 24. November 1932 in Rignac; † 14. März 2005 in Toulouse) war ein französischer Mediävist, der am Beispiel Kataloniens eine Theorie des Übergangs zum Feudalismus entwickelte. Er lehrte an der Universität Toulouse-Le Mirail.

Bonnassie besuchte Schulen in Paris und studierte Geschichte an der Universität Toulouse bis zur Dissertation 1973. Als Spezialist für Katalonien und Gesellschaften des Mittelmeers arbeitete er auch zur Bauernschaft im Hochmittelalter, zur Wirtschaft und ihrer Veränderung, zur Familie und zur Entstehung des Feudalismus. Er ist der Ansicht, dass das 11. Jahrhundert einen markanten Bruch in wenigen Jahrzehnten darstellte: In Katalonien trug das frühe Wirtschaftswachstum zur Zerstörung der öffentlichen Ordnung zwischen 1020 und 1060 und zur Bildung einer von den Milites (Ritter) auferlegten feudalen Gesellschaft bei. In Katalonien wurden die freien Bauern der Pyrenäen in dieser Zeit von schwer bewaffneten Räuberbanden zum Gehorsam und zur Ablieferung von Lebensmitteln gezwungen. Wer sich widersetzte, wurde umgebracht.[1]

Durch seine Habilitationsschrift, die er 1973 u. a. vor Georges Duby verteidigte, regte Bonnassie das Modell der „feudalen Mutation“ an, die gegen Ende der 1970er Jahre ausformuliert wurde. In wenigen Jahrzehnten hätten die Macht- und Siedlungsstrukturen eine tiefgreifende Transformation erfahren. Während Dominique Barthélemy die fundamentale Änderung anzweifelt, haben andere Untersuchungen sie für die südlichen Regionen bestätigt: für die Provence (Jean-Pierre Poly), Auvergne (Christian Lauranson-Rosaz) und Rouergue (Frédéric de Gournay). Hingewiesen wird auf die gesteigerte Rolle der Reiter/Ritter in militärischen Konflikten. Zusammengefasst wird die Theorie in Jean-Pierre Poly und Éric Bournazel: La mutation de l’an mil a-t-elle eu lieu ? Servage et chevalerie dans la France des Xe et XIe siècles; Paris 1980.

Für seine Forschung erhielt er 1988 die katalanische Auszeichnung Creu de Sant Jordi.

Deutsche Mediävisten sehen die Idee einer plötzlichen „Revolution“ oder „Mutation“ kritisch. Sie betonen, dass sozial-ökonomische und rechtliche Veränderungen im frühen Mittelalter eher graduell und vielgestaltig verliefen und nicht auf ein singuläres, zeitlich enges Ereignis zurückgehen.[2] Die Britin Susan Reynolds hält den Feudalismus und seine Entstehung für eine spätere Rechtskonstruktion, weniger für einen realhistorischen Vorgang.[3]

Schriften

  • La Catalogne du milieu du Xe siècle à la fin du XIe siècle: croissance et mutations d'une société, Toulouse, Presses universitaires du Mirail, 2 Bde., 1975–1976 (Habilitation 1973). Ausgezeichnet mit dem Prix Gobert 1977 der Académie des inscriptions et belles-lettres.
  • «Du Rhône à la Galice : genèse et modalités du régime féodal», in: Structures féodales et féodalisme dans l'Occident méditerranéen (Xe – XIIIe siècles), CNRS, 1980 (Actes du colloque de Rome, 1978).
  • Les cinquante mots clefs de l'histoire médiévale, Privat, Toulouse, 1981.
  • «Survie et extinction du régime esclavagiste dans l'Occident du Haut Moyen Âge (IVe – XIe siècles)», in: Cahiers de civilisation médiévale, t. XXVIII, 1985.
  • «La genèse et la première expansion du féodalisme catalan (jusqu'à 1150 environ)», in: La formació i expansió del feudalisme català, 1986, S. 7–26 (Actes du colloque de Gérone).
  • La Catalogne au tournant de l'an mil, Albin Michel, 1990.
  • Le clergé rural dans l'Europe médiévale et moderne, in: Actes des XIII. journées internationales d'histoire de l'Abbaye de Flaran, Toulouse, Presses universitaires du Mirail, 1995.
  • Les sociétés de l'an mil: un monde entre deux âges, De Boeck, 2000.
  • From slavery to feudalism in south-western Europe. Cambridge University Press [u. a.], Cambridge 2009, ISBN 978-0-521-11255-0.

Einzelnachweise

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