Pieter Nuyts

niederländischer Kaufmann, Seefahrer und Kolonialbeamter im Dienst der Niederländischen Ostindien-Kompanie, dritter Gouverneur von Formosa From Wikipedia, the free encyclopedia

Pieter Nuyts (* 1598 in Middelburg; † 11. Dezember 1655 in Hulst) war ein niederländischer Kaufmann, Seefahrer und Kolonialbeamter der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC). 1627 kartierte er Teile der australischen Südküste; anschließend diente er als Gesandter in Japan sowie als Gouverneur von Formosa von 1627 bis 1629. Nach Auseinandersetzungen mit japanischen Händlern, bei denen es nach Auffassung der japanischen Behörden zu einer Entehrung des Shōguns gekommen war, stellten diese den Handel mit den Niederländern ein, nahmen niederländische Seeleute gefangen, beschlagnahmten Waren und forderten die Zerstörung des Forts Zeelandia auf Formosa. Nachdem verschiedene Versuche, die Krise zu entschärfen, gescheitert waren, entschloss sich die VOC zu einem beispiellosen Schritt: Nuyts wurde nach Japan ausgeliefert mit der ausdrücklichen Aussage, die Japaner könnten mit ihm verfahren, wie es ihnen beliebe. Anschließend stand Nuyts von 1632 bis 1636 unter Hausarrest. Seine Freilassung erwirkte schließlich Francois Caron. Ende 1637 kehrte Nuyts, unehrenhaft aus der Kompanie entlassen, in die Niederlande zurück. Später wurde er jedoch rehabilitiert und übernahm verschiedene lokale Ämter.

Biographie

Frühe Jahre

Pieter Nuyts wurde 1598 in Middelburg in Zeeland als Sohn des Kaufmanns Laurens Nuyts und seiner Frau Elisabeth Walraents geboren; beide stammten als protestantische Emigranten aus Antwerpen. Ab Dezember 1613 studierte Nuyts an der Universität Leiden Jura. Er wohnte bei dem bekannten Arabisten Thomas Erpenius und verkehrte im Kreis der Bildungselite der Stadt. Dabei erwarb er eine solide humanistische Bildung, die Kenntnisse der klassischen Literatur, der Bibel und der juristischen Grundlagen umfasste. Nach seiner Promotion in Philosophie kehrte er nach Middelburg zurück und trat in das väterliche Handelsunternehmen ein. Am 26. April 1620 heiratete er Cornelia Jacot, die Tochter wohlhabender protestantischer Emigranten aus Antwerpen. Am 26. April 1620 heiratete er Cornelia Jacot, die Tochter wohlhabender protestantischer Emigranten aus Antwerpen. Der Ehe entstammten die Söhne Laurens und Pieter; im September 1626 folgten die Zwillingsschwestern Anna Cornelia und Elisabeth.[1] Parallel dazu bemühte er sich durch Investitionen in Grundbesitz um die Konsolidierung und Erweiterung seines Vermögens sowie um die Festigung seiner sozialen Stellung. Die Verbindung von gelehrter Ausbildung, kaufmännischer Praxis und ökonomischer Zielstrebigkeit begünstigte seinen raschen Aufstieg innerhalb der VOC, die ihm früh beträchtliches Vertrauen entgegenbrachte und ihn zum außerordentlichen Rat von Indien für die Kammer Zeeland ernannte.[2]

Kartierung der australischen Südküste und Wirken als Gesandter in Japan

Im Mai 1626 verließ Nuyts mit dem fünfjährigen Laurens Vlissingen auf der Gulden Seepaert unter dem Kommando von François Thijssen, während seine schwangere Frau und der Sohn Pieter zunächst in den Niederlanden zurückblieben.[3] Nach der Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung sichtete das Schiff am 26. Januar 1627 die australische Küste bei Cape Leeuwin. Die Unternehmung, die auf eine Weisung des Generalgouverneurs Jan Pieterszoon Coen zur genaueren Erforschung des sogenannten Südlandes zurückging, führte Thijssen über mehr als 800 Seemeilen entlang der bislang kaum bekannten Südküste. Im Zuge dieser Fahrt entstand die erste verlässliche Kartierung des betreffenden Küstenabschnitts. Das Gebiet wurde nach dem ranghöchsten Repräsentanten an Bord als „’t Land van Pieter Nuyts“ benannt; auch die Inseln St. Francis und St. Pieter erhielten in diesem Zusammenhang ihre Bezeichnungen.[4]

Am 10. April 1627 traf Nuyts in Batavia ein. Nach seiner Ernennung zum Gouverneur von Formosa brach er bereits am 12. Mai desselben Jahres mit dem Schiff Heusden und vier weiteren Schiffen nach Formosa auf. Am 30. April wurde ihm die Durchführung einer Hofreise nach Edo übertragen; zu diesem Zweck wurde ihm der Oberkaufmann Pieter Janszn. Muyser zur Seite gestellt, der über entsprechende Erfahrungen aus einer früheren Mission verfügte.[5] Ziel war es, die Beziehungen zwischen der VOC und Japan zu stärken und die Ausstellung von Zinnober-Siegel-Handelspässen für japanische Schiffe nach Taiwan zu unterbinden – ein Vorhaben, das letztlich scheitern sollte. Nuyts trat die Reise gemeinsam mit seinem Sohn an und führte Briefe sowohl an den zurückgetretenen Shōgun Tokugawa Hidetada als auch an dessen Nachfolger Iemitsu mit.

In Japan wurde er zunächst mit großem Zeremoniell empfangen, vergleichbar mit dem Empfang, dem man koreanischen Gesandten bereitete. Mit einem Gefolge von 290 Personen und 78 Pferden, von denen die meisten vom Shōgun gestellt wurden, reiste er nach Edo. Nach intensiven Befragungen über Herkunft und Auftrag blieb ihm eine Audienz beim Shōgun Tokugawa Iemitsu allerdings letztlich verwehrt, woraufhin er frustriert abreiste ohne die japanischen Behörden um Erlaubnis gebeten zu haben. Der Kern des Konflikts lag in unterschiedlichen diplomatischen Vorstellungen. Die Tokugawa-Behörden interpretierten die mitgebrachten Briefe als unhöflich und politisch problematisch: Sie gingen davon aus, der Absender – der Generalgouverneur – sei kein souveräner Herrscher, sondern ein Untergebener. Eine Anerkennung Nuyts’ als Gesandten hätte in dieser Logik bedeutet, einen nachgeordneten Akteur als gleichrangig mit dem Shōgun anzuerkennen – ein inakzeptabler Schritt innerhalb der japanischen Ordnungsvorstellungen. Zusätzlich verschärfte Nuyts die Situation durch seine eigene Darstellung. Er bestand darauf, als offizieller diplomatischer Vertreter mit Verhandlungsmandat aufzutreten und erklärte, der Generalgouverneur verfüge über eine Autorität vergleichbar mit der eines niederländischen Herrschers.[6]

Konflikte auf Formosa

Fort Zeelandia um 1635

Am 28. Juni 1627 wurde er zum Gouverneur von Formosa ernannt.[7] Auf Formosa soll er Beziehungen zu einheimischen Frauen unterhalten und zur Verständigung eigens einen Dolmetscher hinzugezogen haben, der sich während des Liebesspiels unter dem Bett versteckt hielt. Zudem wurde ihm später vorgeworfen, er habe eine Formosanerin, eine Heidin namens Polcke, geheiratet und somit in Bigamie gelebt.[8] Zeitgenössische Quellen zeichnen das Bild eines arroganten, hochmütigen und vornehmlich auf eigenen finanziellen Vorteil bedachten Amtsträgers.[9]

Seine Amtsführung fiel in eine Phase wachsender Spannungen zwischen den Niederländern, japanischen Handelsinteressen und den indigenen Gruppen der Insel. Auslösend wirkte insbesondere der bereits 1625 unternommene Versuch der Niederländer, auf Formosa Handelsabgaben durchzusetzen, der einen anhaltenden Konflikt mit japanischen Kaufleuten nach sich zog. Die Eskalation erfolgte 1628, als Mitglieder einer nach Japan entsandten Delegation aus Sinkan, einem unter der Kontolle der Niederländer stehendem Ort, nach ihrer Rückkehr von niederländischer Seite inhaftiert und die vom Shōgun empfangenen Geschenke konfisziert wurden, da man eine gegen die niederländische Präsenz gerichtete Koalitionsbildung vermutete. Dieses Vorgehen führte bei den Einheimischen zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust – auf die Reaktion der japanischen Seite wird im Folgenden noch einzugehen sein. Zusätzliche Spannungen zwischen Formosanern und Niederländern ergaben sich aus dem missionarischen Eifer niederländischer Prediger, der innerhalb der indigenen Bevölkerung auf deutliche Ablehnung stieß. Auf anfängliche Beschwichtigungsversuche folgte eine zunehmend repressive Politik. Nachdem 1629 ein niederländischer Trupp von etwa 60 Mann in einem Hinterhalt durch Einheimische vollständig niedergemacht worden und Nuyts nur knapp dem Tod entgangen war, eskalierte die Lage: zahlreiche Dörfer erhoben sich gegen die niederländische Herrschaft und suchten, die Kolonialmacht von der Insel zu verdrängen, während die Niederländer ihrerseits mit Strafexpeditionen reagierten. Erst die Feldzüge der Jahre 1635/36 führten zur Etablierung einer neuen Ordnung unter niederländischer Vorherrschaft auf Formosa.[10]

Zu den Konflikten mit der indigenen Bevölkerung traten Auseinandersetzungen mit chinesischen Seeräubern, die man zur Erschließung des chinesischen Marktes zu nutzen suchte.[11] In diesem Zusammenhang versuchte Nuyts, den einflussreichen chinesischen Handelsunterhändler Zheng Zhilong durch Geiselnahme auf seinem Schiff zur Unterzeichnung eines Handelsvertrags zu zwingen.[12] Diese Strategie blieb jedoch erfolglos. Als besonders folgenreich erwies sich allerdings der Konflikt mit japanischen Händlern, der in eine schwere diplomatische Krise mündete.

Japanische Kaufleute hatten bereits lange vor dem Eintreffen der Niederländer Handelskontakte an der Küste Taiwans unterhalten und zeigten sich entsprechend nicht bereit, sich den niederländischen Forderungen nach Abgaben zu unterwerfen. Als Nuyts im April 1628 im Zusammenhang mit der bereits erwähnten Gesandtschaft aus Sinkan anordnete, sämtlichen vor Zeelandia anlegenden japanischen Schiffen Ruder und Waffen zu entziehen und ihnen zugleich den Handel an der chinesischen Küste zu untersagen, provozierte er eine gewaltsame Gegenreaktion: unter der Führung von Hamada Yahyōe überfielen japanische Händler die Residenz des Gouverneurs und nahmen Nuyts, seinen Sohn und mehrere Begleiter als Geiseln. Mit gezücktem Messer hielt man Nuyts fest, ehe der Rat freies Geleit zusicherte. In der Folge wurden die beschlagnahmten Ausrüstungsgegenstände zurückgegeben, und Hamada kehrte mit mehreren niederländischen Geiseln – darunter auch dem siebenjährigen Laurens – nach Japan zurück. Die Berichte über die Vorgänge auf Formosa – besonders die Beschlagnahmung der Geschenke des Shōgun an die Bewohner von Sinkan und die Missachtung der Handeslizensen des bakufu – führten bei den japanischen Behörden zu Bestürzung und hatten ein umfassendes Handelsembargo gegen die Niederländer zur Folge. Die vor Nippon vor Anker liegenden niederländischen Schiffe wurden festgesetzt, ihre Ladung beschlagnahmt und ihre Besatzungen inhaftiert; die Niederländer in Hirado wurden unter Arrest gestellt und jede Kommunikation mit Batavia unterbunden.[13] Als Sühne für die Frechheiten gegenüber dem Shōgun wurde die Zerstörung des Forts Zeelandia verlangt – eine Forderung, die die Niederländer vollkommen unerwartet traf und völlig überforderte.[14]

Abberufung, Inhaftierung und Auslieferung nach Japan

Als die Nachrichten über diese Vorgänge den Generalgouverneur Jan Pietersz Coen erreichten, berief dieser Nuyts umgehend ab und entsandte mit Hans Putmans[15] einen neuen Gouverneur nach Formosa, der die Verhältnisse ordnen sollte. Gegenüber den Herren XVII beklagte Coen, Nuyts antworte auf Nachfragen ausweichend und lasse keine klare Beurteilung der Ereignisse zu. Aus Furcht vor Coens Reaktion verzögerte Nuyts seine Abreise nach Batavia möglichst lange, was ihm auch zugutekommen sollte, denn bei seiner Ankunft war Coen bereits an Typhus verstorben. Während seines Aufenthalts auf Formosa hatte Nuyts eine umfangreiche, mit Zitaten antiker Autoren durchsetzte Rechtfertigungsschrift verfasst, die zunächst Eindruck machten und zeitweilig zu seiner Entlastung beitrug. Als jedoch ehemalige Untergebene Vorwürfe unerlaubten Privathandels und sittlicher Verfehlungen erhoben wurde Nuyts am 9. Mai 1630 aus dem Rat von Indien entlassen, in der Festung von Batavia inhaftiert und seine Unterlagen in beschlag genommen.[16]

In der Folge versuchte er, durch heimliche lateinische Korrespondenz mit dem ebenfalls inhaftierten Fiskal Antonio van den Heuvel Einblick in die gegen ihn geplanten Anklagepunkte zu gewinnen. Nachdem diese Briefe entdeckt und übersetzt worden waren, bemerkte Generalgouverneur Jacques Specx in einem Schreiben vom 7. März 1631 an die Herren XVII mit spürbarer Ironie, es wäre wünschenswert gewesen, hätte Nuyts seinen Verstand ebenso zum Nutzen der Kompanie wie zu ihrem Nachteil einzusetzen gewusst.[17]

Anfang des Jahres 1631 traf Cornelia Jacot mit den Kindern aus Middelburg in Batavia ein, um sich ihrem weiterhin unter Hausarest stehenden Mann anzuschließen, gegen den noch immer ein Verfahren vorbereitet wurde. Die Einschränkungen wurden jedoch bald gelockert, und das Ehepaar nahm wiederholt an gesellschaftlichen Zusammenkünften teil. Zeitweilig schien es, als könnten sich die gegen ihn erhobenen Vorwürfe noch zerstreuen. Im Frühjahr 1632 erreichte Batavia die Nachricht vom Tod des gemeinsamen Sohnes Laurens, der am 29. Dezember im Gefängnis von Ōmura in Japan an einer Durchfallerkrankung gestorben war. Kurz nach dem Eintreffen dieser Nachricht verstarb auch seine Frau Cornelia.[18]

Übermittelt wurde die Nachricht durch Willem Janssen, der als außerordentlicher Gesandter an den Hof des Shōgun entsandt worden war, um das Handelsembargo zu beenden und die Freilassung der Verschleppten zu erwirken.[19] Dieses Vorhaben blieb jedoch erfolglos. Angesichts fehlender Alternativen und der herausragenden Bedeutung des Japanhandels für den Fortbestand der Kompanie entschloss man sich zu einem beispiellosen Schritt: Es wurde beschlossen, den ehemaligen Gouverneur bedingungslos an das japanische Shogunat auszuliefern. Erst in Japan wurde Nuyts bewusst, dass er nicht als Sondergesandter entsandt worden war, sondern als Opfer, mit dem die Japaner nach den Worten der VOC verfahren konnten, wie sie wollten.[20] Die Kalkulation der Kompanie ging auf. Nach seiner Ankunft in Hirado im September 1632 wurde das Handelsblockade aufgehoben, und der Austausch zwischen beiden Seiten konnte wieder aufgenommen werden. Nuyts wurde zwar unter Hausarrest gestellt, jedoch milde behandelt.[21] Man brachte ihn innerhalb der Mauern des Honjo-Tempels in Shosen-an, in Hirado in einer kleinen Hütte unter. Diese maß lediglich fünf mal fünf Meter und musste zudem mit einem Koch und einem Diener geteilt werden. Seine Bewegungsfreiheit beschränkte sich auf das Tempelgelände.[22]

Nuyts selbst arrangierte sich rasch mit den Umständen seiner Gefangenschaft. Zunächst bemühte er sich, einen standesgemäßen Lebensstil aufrechtzuerhalten, indem er kostspielige Haushaltsgegenstände erwarb und sich aufwendig versorgen ließ. Dieses Verhalten stieß jedoch auf den Widerstand der lokalen VOC-Leitung, die seine Ausgaben unterband und ihn strenger Kontrolle unterstellte. In zahlreichen, teils klagenden, teils selbststilisierenden Briefen an Batavia beklagte Nuyts den Verlust seiner Stellung und die mangelnde Achtung, die ihm als ehemaligem Gouverneur entgegengebracht wurde.[23]

Die vierjährige Internierung erwies sich zugleich als Phase intensiver schriftstellerischer Tätigkeit. Abgeschnitten von politischer Wirksamkeit, wandte sich Nuyts gelehrten Studien zu. Er verfasste umfangreiche Denkschriften zu handelspolitischen Fragen, etwa zur Verlegung des niederländischen Handelspostens oder zu hypothetischen Expeditionen in den Pazifik. Daneben entstanden auf mitgebrachten Büchern stützende literarisch-rhetorische Arbeiten, darunter das Enkomion Lof des Elephants und Beschrijvinge vande Riviere Nylus in Aegypten.[24] Ersteres wurde 1670 von seinem Sohn Pieter Nuyts dem Jüngeren postum herausgegeben.[25] In dem Werk identifiziert sich Nuyts mit dem standhaften Tier das nicht vergisst und reflektiert implizit seine eigene Lage im Exil. Auffällig ist, dass er trotz der unmittelbaren Nähe zur japanischen Kultur kaum ethnographische Beobachtungen hinterließ; stattdessen griff er auf das vertraute Reservoir klassischer Autoren zurück, das ihm als intellektueller Rückzugsraum diente.[26] Trotz der gegen Nuyts erhobenen schweren Vorwürfe setzte ab 1633 eine von Mitarbeitern der VOC getragene Lobbykampagne ein, die auf seine Freilassung aus der Gefangenschaft zielte und dabei argumentierte, seine Auslieferung verstoße gegen die Prinzipien der Kompanie.[27]

Rückkher in die Niederlande, Tod und Nachwirken

Am 5. Juli 1636 wurde Nuyts schließlich durch die Vermittlung Carons freigelassen; entscheidend war auch das Geschenk eines 800 Pfund schweren Kronleuchters mit 60 Armen an den Shōgun.[28] Nach seiner Rückkehr nach Batavia am 11. Dezember 1636 wurde er dort Mitte September 1636 vor Gericht gestellt, unehrenhaft aus dem Dienst der Kompanie entlassen und zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Im Dezember 1637 kehrte er in die Niederlande zurück.[29] Dort heiratete er am 1. Januar 1640 Anna van Driel, die jedoch bereits neun Monate später bei der Geburt eines Sohnes verstarb. In der Republik gelang es ihm, mithilfe einflussreicher Netzwerke seine Rehabilitierung zu erwirken. Nuyts ließ sich als Grundbesitzer in der Nähe von Hulst nieder und trat in den Stadtrat ein. In den folgenden Jahren bekleidete er mehrfach kommunale Ämter: Er war wiederholt Bürgermeister von Hulsterambacht und schließlich auch von Hulst. Am 26. April 1649 ging er eine weitere Ehe mit Agnes Granier ein. Pieter Nuyts starb am 11. Dezember 1655 in Hulst und hinterließ seine Ehefrau sowie einen Sohn und eine Tochter aus seinen früheren Ehen. Nach seinem Tod stellte sich heraus, dass er höhere Steuerbeträge erhoben hatte, als in den Ratsbüchern verzeichnet waren; die entsprechenden Summen wurden von seinem Sohn erstattet.[30] In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Nuyts’ Grab bei Bauarbeiten zerstört.[31]

Die Nachwirkung seines Namens reicht über sein Leben hinaus. 1717 schlug Jean Pierre Purry, der für die VOC tätig gewesen war, die Gründung einer niederländischen Kolonie im sogenannten Nuytsland vor, ein Plan, der jedoch nicht verwirklicht wurde. Möglicherweise dienten die Inseln St. Francis und St. Peter als Vorbild für die Schauplätze Lilliput und Blefuscu in Jonathan SwiftsGulliver’s Travels“ von 1726. Im Jahr 1802 benannte Matthew Flinders mehrere geographische Entitäten nach Nuyts, darunter das Nuyts-Riff, Cape Nuyts sowie das Nuyts-Archipel. Später erhielt auch eine Pflanzenart, der australische Weihnachtsbaum (Nuytsia floribunda), seinen Namen.[32]

Literatur

  • Willem Wijnaendts van Resandt: De Gezaghebbers der Oost-Indische Compagnie op hare Buiten-Comptoiren in Azië, Amsterdam 1944, S. 121f. (Digitalisat).
  • Philippus Coolhaas: Een lastig heerschap tegenover een lastig volk. In: Bijdragen en Mededelingen van het Historisch Genootschap 69 (1955), S. 27–43.
  • Leonard Blussé: Bull in a China Shop – Pieter Nuyts in China and Japan (1627–1636). In: ders. (Hrsg.): Around and About Dutch Formosa. Essays in Honor of Professor Ts’ao Yung-ho, Taipei 2003, S. 95–110.
  • Nic Klaassen: Nuyts, Pieter (1598-1655). In: Christopher Cunneen (Hrsg.): Australian Dictionary of Biography, Suppl. 1580–1980, Melbourne 2005, S. 310f.
  • Adam Clulow: The Company and the Shogun. The Dutch Encounter with Tokugawa Japan, New York 2014, S. 59–94, 225–54, et passim.

Anmerkungen

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