Pietro Anastasio
Künstler Maler Illustrator
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Pietro Anastasio (* 30. Juli 1859 in Lugano; † 11. November 1913 in Morcote) war ein Schweizer Maler und Zeichenlehrer.

Leben
Pietro Anastasio wurde 1859 als Sohn des Schriftsetzers und nachmaligen Kaufmanns Giuseppe Anastasio, dessen Familie aus Ravenna stammte, und der Cecilia Gialdini in Lugano im Kanton Tessin geboren.[1] Mit 16 Jahren entschloss er sich – gegen den väterlichen Willen –, Maler zu werden, und besuchte zunächst Zeichenkurse in Rivera. 1877 immatrikulierte er sich an der Accademia di Brera in Mailand, erkrankte aber an den Pocken und konnte die Kurse bei Luigi Bisi und Giuseppe Bertini erst 1879 wiederaufnehmen. Sein Studium setzte er später an der Accademia di San Luca in Rom fort. 1884 debütierte er am Bazar Demicheli in Lugano. 1885 stellte er am Salon de Paris erfolgreich das Gemälde Reminiszenzen eines Geigers aus.[2] Ab 1888 lebte er in Rom, von wo aus er 1890 an der Schweizerischen Kunstausstellung in Bern das Genrebild Die Kirchecke (heute als Das Baptisterium der Kathedrale San Lorenzo im MASILugano[3]) ausstellte, das «eine Frau zeigt, welche an der Kirchenthüre auf einem Stuhle eingeschlafen ist». Die Neue Zürcher Zeitung konstatierte, das Innere sei «mit Fleiß und Sauberkeit durchgeführt».[4]

An selber Stätte stellte er 1892 das Bild Requiem aus, und die NZZ überschlug sich diesmal vor Lob über dessen «wunderbare Tiefe und Kraft»:
«‹Requiem› nennt er sein Gemälde, das mehrere Frauen (mit dem Gesicht gegen den Beschauer gerichtet) in einer Kirche zeigt; sie halten brennende Kerzen in den Händen und horchen dem Requiem zu oder singen mit. Das Bild ist in ungemein weichen und warmen Tönen gehalten, etwas wie der bekannte Rembrant’sche Goldton ist darüber ausgegossen; es ist breit und pastös behandelt und hat eine tiefe Gluth in sich, die warm hervorleuchtet. In der Behandlung erinnert es an das treffliche Bild von Ferragutti, das vor zwei Jahren die Bewunderung der Kenner erregt hat. Unvergleichlich ist aber der poetische Duft, der über diesem Gemälde ausgebreitet liegt. In der That, es ist nicht zu viel gesagt, daß einzig schon die Bekanntschaft mit diesem Bild den Besuch der Ausstellung in Bern lohnt. Es ist so vorzüglich, daß es allein ganze Säle voll anderer Bilder aufwiegt.»
1893, inzwischen 34-jährig, siedelte Anastasio von Rom nach Lugano über und wurde hier Lehrer an den kantonalen Zeichenschulen. 1894 heiratete er Amalia Caccia.[2] Im selben Jahr zeigte er an der Schweizerischen Kunstausstellung das Historiengemälde Ad bestias mit einer Szene aus den Christenverfolgungen im Römischen Reich. Das Werk wurde sogleich von der Eidgenössischen Kunstkommission aufgekauft.[6] Seine darauf folgender Versuche in der Landschaftsmalerei stiessen hingegen eher auf Ablehnung. 1895 war seine Landschaft bei Lugano an der Herbstausstellung der Künstlergesellschaft Zürich zu sehen, und die NZZ bemängelte, es handle sich um «eine Malerei von höchst problematischer Natur, und in dem schweren, mit allerlei plastischen Schnörkeln verzierten Rahmen macht sie einen fast kunstgewerblichen Eindruck».[7] Anastasio fertigte zahlreiche Porträts von Luganer Honoratioren und stellte 1896 noch einmal an der nationalen Kunstausstellung aus (Tessiner Bäuerin), seine Produktion versiegte aber zunehmend zugunsten seiner Lehrtätigkeit. Von 1900 bis 1904 sass er im Gemeinderat von Lugano der Schulkommission vor und beförderte in dieser Funktion die Gründung einer Berufsschule für Mädchen. Er starb 1913 mit 54 Jahren in seiner Sommerresidenz in Morcote.[2]
Gemälde (Auswahl)
Pinacoteca cantonale Giovanni Züst, Mendrisio
- Zerstreuung
- Nonne
- Die Rosenallee
- Frauenporträt
Museo Villa dei Cedri, Bellinzona
- Akt, 1890
- Requiem, 1890
Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano
- Betendes Mädchen, 1880–1885
- Das Baptisterium der Kathedrale San Lorenzo, 1890
- Ad bestias, 1894
- Tessiner Bäuerin, 1896
- Liseuse (Mädchen, das den ersten Roman liest), 1899
- Cineres, 1908
Galerie
Schriften
- Prefazione al corso di disegno per lo studio elementare della figura nel suo insieme. Veladini, Lugano 1900.
- Cours de dessin pour l’étude élémentaire de la figure dans son ensemble. Arnold, Lugano 1901 (mit Illustrationen von Max Girardet).
- Il disegno dai modelli nell’insegnamento primario, secondario e ginnasiale. Tipografia Commerciale Moderna, Lugano 1907.
Literatur
- Giovanni Anastasi: La vita e le opere di Pietro Anastasio pittore. Veladini, Lugano 1915.
Weblinks
- Matteo Bianchi: Pietro Anastasio. In: Sikart (Stand: 2010)
- Pietro Anastasio auf der Website der Pinacoteca cantonale Giovanni Züst
- Pietro Anastasios sechs Werke (Fotos) auf recherche.sik-isea.ch