Pillion (Film)

Film von Harry Lighton (2025) From Wikipedia, the free encyclopedia

Pillion (dt.: „Sozius“) ist ein britisch-irischer Spielfilm von Harry Lighton aus dem Jahr 2025. Der Liebesfilm handelt von einem schüchternen jungen Mann, der sich auf eine unterwürfige SM-Beziehung mit einem älteren Motorradfahrer einlässt. Vorlage des Filmes ist der 2020 erschienene Roman Box Hill von Adam Mars-Jones. Die Hauptrollen übernahmen Harry Melling und Alexander Skarsgård. Der Film wurde im Mai beim Festival von Cannes uraufgeführt. Eine Kinoauswertung in den USA ist durch das Unternehmen A24 geplant.

TitelPillion
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2025
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel Pillion
Produktionsland Vereinigtes Königreich, Irland
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Harry Lighton
Drehbuch Harry Lighton
Produktion Lee Groombridge, Ed Guiney, Andrew Lowe, Emma Norton
Musik Oliver Coates
Kamera Nick Morris
Schnitt Gareth C. Scales
Besetzung
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Handlung

Der schüchterne Colin führt ein trostloses Leben in der Vorstadt. Er wohnt bei seinen Eltern, verteilt bei seinem Job Strafzettel und singt mit seinem Vater in einem vierköpfigen Männerchor. Eines Abends nach einem Chorauftritt macht er Bekanntschaft mit Ray, dem attraktiven und selbstbewussten Mitglied eines Motorradclubs. Ray führt Colin in die Welt der queeren und sexuell offenen Biker ein. Beide beginnen eine Beziehung miteinander. Colin übernimmt dabei die sexuelle Rolle eines Sklaven, während Ray einen Fetisch für Leder hat. Colin kocht, putzt und erledigt Einkäufe, schläft auf dem Boden und befolgt jeden Befehl von Ray. Im Gegenzug erlebt Colin eine intensive, aber kontrollierte sexuelle Beziehung mit Ray, in der sie sich jedoch nie küssen. Während er sich an Rays Lebensstil gewöhnt, rasiert sich Colin den Kopf, trägt ein angekettetes Vorhängeschloss um den Hals, wobei Ray den Schlüssel trägt.

Die Eltern von Colin bemerken die Veränderung. Einerseits sind sie froh darüber, dass Colin glücklich ist. Andererseits kennen sie Ray nicht und Colin kann über Ray kaum Auskunft geben. Deshalb machen sie sich Sorgen und würden Ray gerne kennenlernen. Von Colin darauf angesprochen, lehnt Ray ein Treffen ab. Obwohl Ray Colins Geburtstag nicht feiert, organisieren die Biker eine Überraschungsparty für ihn und gemeinsam machen sie einen Roadtrip. In dieser Zeit erlebt Colin verschiedene BDSM-Dynamiken und sieht auch, wie ein dominanter und ein submissiver Partner sich küssen. Er findet sich zudem in einer Reihe von vier Männern wieder, die nebeneinander über einen Picknicktisch gebeugt stehen und darauf warten, von ihren dominanten Partnern penetriert zu werden. Ray geht aber für Oralverkehr zu einer anderen Person, was Colin verletzt. Ray wechselt anschließend doch zu Colin.

Aufgrund von Colins Bitten und der Tatsache, dass seine Mutter unheilbar krank ist, willigt Ray schließlich ein, Colins Eltern kennenzulernen. Diese verstehen die Dynamik der Beziehung jedoch nicht, was zu einem Streit führt. Colins Mutter wirft Ray vor, Colin schlecht zu behandeln und auszunutzen. Ray blockt ab und hält Colins Eltern für wenig tolerant.

Einige Wochen später stirbt Colins Mutter. Nach der Beerdigung erleidet Colin einen Zusammenbruch, während er Rays Abendessen zubereitet und verbrennt sich absichtlich die Hände. Ray hilft ihm, bestellt Pizza und macht beim Essen Scherze und erlaubt Colin schließlich zum ersten Mal, mit ihm im Bett zu schlafen. Colin gesteht Ray seine Liebe, doch Ray antwortet, dass Liebe nicht die Grundlage ihrer Beziehung sei. Als Colin darum bittet, künftig wieder im Bett schlafen zu dürfen und einmal pro Woche eine Pause von seiner submissiven Rolle zu bekommen, lehnt Ray dies entschieden ab. Die beiden streiten sich, woraufhin Colin Rays Motorrad stiehlt und davonfährt.

Am nächsten Morgen kehrt Colin zurück und Ray stimmt zu, einen Tag ohne ihre dominante und submissive Dynamik zu verbringen. Zunächst weiß Colin nicht, was sie tun sollen. Sie gehen ins Kino, wo Ray Colins Oberschenkel berührt und ihm schließlich einen Handjob gibt, woraufhin sie hinausgeworfen werden. Nach einem Restaurantbesuch gehen sie in den Park, wo sie raufen und sich zum ersten Mal küssen. Colin ist begeistert und Ray gibt auch vor, die Zeit genießen. Am nächsten Tag verschwindet Ray spurlos und Colin versucht vergeblich, ihn zu finden. Einige Zeit später, als ihm klar wird, dass Ray ihn endgültig verlassen hat, meldet sich Colin bei einer Dating-App an, um eine neue BDSM-Beziehung zu suchen. Er fordert aber bereits in seinem Datingprofil seine Bedürfnisse ein. Anschließend trifft er sich mit einem neuen dominanten Partner namens Darren auf einem Fußballplatz.

Entstehungsgeschichte

Literaturvorlage und Besetzung der Hauptrollen

Adam Mars-Jones (2012), Schöpfer der Romanvorlage

Pillion ist das Spielfilmdebüt des preisgekrönten britischen Kurzfilmregisseurs Harry Lighton. Dieser hatte sich bereits mit seinen Werken Sunday Morning Coming Down (2016), Look at Me (2017) und Pompeii (2019) queeren Themen gewidmet. Das Drehbuch basiert auf dem im Jahr 2020 veröffentlichten Roman Box Hill des britischen Schriftstellers Adam Mars-Jones. Die Geschichte spielt in der englischen Grafschaft Surrey im Jahr 1975. Am titelgebenden Biker-Treff lernt Colin an seinem 18. Geburtstag den deutlich älteren Motorradfahrer Ray kennen. Daraufhin führen beide eine sechsjährige Beziehung miteinander, in der sich die Grenzen zwischen Unterwerfung und Geborgenheit auflösen. Der Ich-Erzähler Colin schildert dem Leser die Geschehnisse mit einem zeitlichen Abstand von beinahe 20 Jahren.[2] Das Buch gewann den 2019 den Fitzcarraldo Editions Novel Prize.[3] Eine deutsche Übersetzung erschien 2024 im Albino Verlag.[2]

Die Hauptrolle des Colin wurde mit dem britischen Schauspieler Harry Melling besetzt. Den Part des Ray übernahm der im internationalen Film und Fernsehen bekannte schwedische Darsteller Alexander Skarsgård.

Dreharbeiten und Produktion

Der Film wurde über den Sommer 2024 in Großbritannien abgedreht.[4] So fanden unter anderem Weihnachtsszenen Ende August im englischen Bromley statt.[5]

Pillion wurde von Ed Guiney, Andrew Lowe und Emma Norton für die Firma Element Pictures sowie von Lee Groombridge produziert. Das Projekt wurde von BBC Film mitentwickelt und vom British Film Institute (BFI) unterstützt. Erstmals war auch die britische Verleihfirma Picturehouse an der Finanzierung eines Films beteiligt. Um den weltweiten Vertrieb kümmert sich das Unternehmen Cornerstone Films.[6][4] Der Film wurde vorab als „lustige und schmutzige Romanze mit Herz“ angepriesen.[7] Beim Filmfestival von Cannes im Mai 2024 wurde Pillion auf dem Marché du film präsentiert und mit zu den dort gefragtesten Filmprojekten gezählt.[8]

Veröffentlichung

Die Weltpremiere von Pillion fand am 18. Mai 2025 beim 78. Filmfestivals von Cannes statt. Dort wurde das Werk in die Sektion Un Certain Regard aufgenommen.[9]

Ein Kinostart im Vereinigten Königreich erfolgt durch das Unternehmen Picturehouse, während sich die Firma September Films die Rechte auf eine Auswertung in den Benelux-Ländern sicherte.[6] In den USA gingen die Verleihrechte an A24.[4]

In deutschen Kinos startete der Film am 26. März 2026 im Weltkino Filmverleih.[10][11]

Rezeption

Dieter Oßwald lobte auf dem Arthaus-Portal Programmkino.de die Leichtigkeit des Debüts. Im Unterschied zum lustlosen Hollywood-Plunder Fifty Shades of Grey präsentiere diese kleine Indie-Produktion einen ebenso unverkrampften wie amüsanten Blick in die Sado-Maso-Welten und sei eine queere RomCom im SM-Milieu, so frech und freizügig wie von Ralf König ausgedacht.[12] Karsten Munt gab dem Film auf Filmdienst 3 von 5 Sterne: „Als Geschichte einer ersten Liebe weiß der Film das Setting der devot-dominanten Beziehung erstaunlich gut zu nutzen, um spielerisch, schmerzhaft, sexy und humorvoll von Identitätsfindung und Intimitätsangst zu erzählen.“[13] Dominic Konrad betonte im SWR, dass der Film neben der Sexualität das Beziehungsdrama und eine Coming-of-Age-Erzählung in den Vordergrund rücke. Die schauspielerische Leistung von Harry Melling mache den Film glaubhaft und nachvollziehbar.[14]

Wolfgang M. Schmitt bezeichnete Pillion als „provokanteste[n] Film des Jahres“. Ohne Beziehungsformen abseits der Norm per se zu verurteilen, fordere der „zeitlos“ inszenierte Film die Zuschauer auf, sich „zu Richtern auf[zu]schwingen“, wo „Grenzen und Freiheiten einer neuen Liebesordnung“ überschritten würden.[15]

Auszeichnungen

Mit der Aufnahme in die Sektion Un Certain Regard des Filmfestivals von Cannes war Pillion automatisch für deren Hauptpreis nominiert sowie für die Caméra d’Or für den besten Debütfilm und die Queer Palm.[16] Lighton erhielt den Drehbuchpreis. Auch gelangte sein Werk in die Vorauswahl zum Europäischen Filmpreis 2026.[17]

Literatur

Einzelnachweise

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