Plan contraplan
Kurzfilm von Radu Jude und Adrian Cioflâncă (2026)
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Handlung
Der Journalist Edward Serotta hat während der kommunistischen Ära vom rumänischen Geheimdienst Securitate eine Drehgenehmigung erhalten, weil er den Anschein erweckt hatte, positive Artikel über das Land verfassen zu wollen. Der erste Teil des Films besteht aus seinen Aufnahmen und einem von ihm gesprochenen Kommentar. Er zeigt die Beschränkungen, unter denen das Land zu leiden hat: Die Menschen leben in Armut, in den Wohnungen findet sich oft nur eine einzige Lichtquelle, die aus einer 40-Watt-Birne besteht. Während ein Buch von Ceaucescou in zahlreichen Exemplaren ausgestellt sei, suche man andere Literatur ebenso vergeblich wie Toilettenartikel von guter Qualität. Eine Schattenwirtschaft hat sich entwickelt, und Serotta hat Stangen von Kent-Zigaretten mitgebracht, um sich im Land bewegen zu können. Serotta ist sich sicher, dass er ständig beschattet wurde, doch gab es keine nennenswerten Eingriffe in seine Arbeit. Zu Beginn seines Aufenthalts fühlte er sich, als wäre er in einem Roman von Eric Ambler. Ursprünglich wollte er Monumente des Zweiten Weltkrieges fotografieren, doch das Leben der jüdischen Gemeinde habe sich als interessanter herausgestellt. Er sucht auch die Gedenkstätte zum Todeszug von Iași auf, der 1941 den Abschluss des größten Pogroms an der jüdischen Bevölkerung Rumäniens darstellte.
Diesem ersten Teil des Films folgen Aufnahmen und Zitate aus der Überwachungsakte Serottas. Darin wird detailgenau beschrieben, was der Journalist fotografiert hat, doch Fokus und Absicht des Journalisten werden von den Beschattenden nicht erkannt. Es wird von ihnen auch behauptet, dass man Kontakte zu Rebellen verhindert habe. Der Vergleich macht klar, dass den Beschattenden Wesentliches von dem entgangen ist, was sich tatsächlich abgespielt hat. Die Berichte dienen auch zur Selbstrechtfertigung der Überwachungspersonen. So sind Bericht und Gegenbericht weit voneinander entfernen.
Produktion

Filmstab
Regie führten Radu Jude und Adrian Cioflâncă, für den Filmschnitt war Cătălin Cristuțiu verantwortlich. Zu hören sind die Stimmen von Edward Serotta und Diana Mărgărit.
Produktion und Förderungen
Produziert wurde der Film von Alex Teodorescu, die Produktionsfirma war Saga Film, Bukarest.[1]
Dreharbeiten und Veröffentlichung
Der Film feierte am 14. Februar 2026 auf der Berlinale seine Weltpremiere in der Sektion Berlinale Shorts.
Rezeption
Auf journeyintocinema.com lobte Redmond Bacon den Film als einen weiteres wichtiges Werk von Radu Jude, dem gewissenhaftesten Regisseurs Europas. Rumäniens Rolle im Holocaust sei vom kommunistischen Regime verschwiegen worden, doch Jude zeige hier wie auch in anderen Filmen diesen blinden Fleck der Geschichte. Plan Contraplan sei der am leichtesten zugängliche Dokumentarfilm Judes und zeige sogar einen verschmitzt-spielerischen Zug des Regisseurs.[2]