Platzspitzhirsch
Skulptur von Franz Wanger
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Der Platzspitzhirsch (offiziell auch einfach Hirsch) ist eine 1912 geschaffene und 1913 aufgestellte Bronzeplastik von Franz Wanger auf dem Platzspitz in Zürich, die bis 1949 den Hirschenbrunnen zierte, nach dessen Abbruch kurzzeitig entfernt und 1952 alleinstehend und versetzt wieder platziert wurde.

Geschichte

Am 18. November 1912 berichtete die Neue Zürcher Zeitung, dass «nach den prämierten Plänen» Franz Wangers ein neuer Brunnen auf dem Platzspitz erstellt werde, dessen «Hauptmotiv» ein Hirsch sei.[1] Am 31. Januar 1913 vermeldeten sie und die Neuen Zürcher Nachrichten gleichzeitig, dass der Brunnen vor Kurzem errichtet worden sei, und lieferten eine kurze Beschreibung des «wohlgelungene[n] Werk[s]».[2][3] Es gab keine offizielle Einweihung. Der Brunnen stand an der Spitze des Parks, zwischen dem Drahtschmidlisteg und dem Mattensteg.[4] Bezahlt wurde er von Theodor Meyer, der sich zeit seines Lebens für Kunst in der Öffentlichkeit einsetzte und der Stadt Zürich für den «Hirschenbrunnen» 6'800 Franken zur Verfügung stellte.[5]
1949[6] wurde der Brunnen infolge der Erstellung des Dachwehrs beim Drahtschmidlisteg abgebrochen und der Hirsch in das Treppenhaus eines Amtsgebäudes versetzt. Da die Bevölkerung sich rege nach seinem Verbleib erkundigte, entschied das Gartenbauamt, ihn wieder auf den Platzspitz zurückzubringen. Für den früheren Standort des Hirschenbrunnens verfolgte man bereits ein anderes Projekt, das 1955 mit der Platzierung von Robert Lienhards «Sirenenbrunnen» auf der James-Joyce-Kanzel seinen Abschluss fand. Anfang August 1952 wurde der Hirsch deswegen versetzt wieder aufgestellt.[7]
Zur Zeit der Jugendunruhen in der Schweiz in den 1980er Jahren bemalte eine unbekannte Person das linke Auge des Hirschs mit roter Farbe, sodass es aussah, als würde es ausbluten. Die Symbolik des roten Auges wird unterschiedlich gedeutet. Vielleicht sollte es an eine junge Demonstrantin erinnern, die ein Auge durch ein Polizeigummigeschoss verloren hatte. Ebenfalls wurde es als Symbol der Freiheit, von der die Jugendbewegung geträumt hatte, gelesen. Zwischen 1986 und 1992, als der Platzspitz zum Versammlungsort Drogensüchtiger aus ganz Westeuropa wurde, galt es als Mahnmal für die Konsequenzen des Drogenkonsums. Die Farbe wurde inzwischen entfernt, bei genauem Hinsehen kann man jedoch noch Reste davon erkennen.[8]
Im Juni 2017 veranstaltete der Installationskünstler Christoph Schreiber im Rahmen des Stadtrundgangs «wachgeküsst» eine «künstlerische Intervention» beim Platzspitzhirsch, bei der er ihm ein rotes Fahrrad aufsetzte.[9]
Der Arzt André Seidenberg machte den Platzspitzhirsch zum titelgebenden Leitmotiv seiner Autobiografie Das blutige Auge des Platzspitzhirschs (2020). Er erinnerte damit auch an einen Schulkollegen namens Hirsch, der den Drogen verfiel.[8]
Der Hirsch steht unter Denkmalschutz, muss aber nicht zwingend in situ erhalten werden.[6]
Beschreibung
Der Hirsch steht seit 1952 beim südöstlichen Haupteingang zum Platzspitz in der Nähe des Landesmuseums.

Brunnentrog und ‑stock waren von grüner Farbe. Die Hirschplastik ist aus Bronze gegossen. Das Geweih ist vergoldet.[3] Die Plinthe ist mit «F. Wanger 1912» signiert.
Siehe auch
Literatur
- Der Hirschenbrunnen im Platzspitz. In: Zürcher Wochen-Chronik. Nr. 8, 22. Februar 1913, S. 93.
- Grün Stadt Zürich (Hrsg.): Platzspitz. Insel im Strom der Zeit. Verlag NZZ, Zürich 2016, ISBN 978-3-03810-179-6.
- André Seidenberg: Das blutige Auge des Platzspitzhirschs. Meine Erinnerungen an Menschen, Seuchen und den Drogenkrieg. Elster & Salis, Zürich 2020, ISBN 978-3-03930-006-8.