Polacolor

Erster Sofortfildfilm in Farbe From Wikipedia, the free encyclopedia

Polacolor war ein Sofortbildfilm in Farbe von Polaroid im Trennbildverfahren. Er erschien 1963 und war der erste farbige Sofortbildfilm überhaupt. Die Überarbeitung Polacolor 2 brachte 1975 eine erheblich verbesserte Farbwiedergabe. Polacolor wurde in den 1970er Jahren vom Integralfilm SX-70 weitgehend abgelöst.

Polaroid EE 33 für Polarcolor-Bilder

Film

Entstehung

Edwin Herbert Land hatte 1947 das Schwarzweiß-Sofortbild vorgestellt und bereits zu diesem Zeitpunkt daran gedacht, das Prinzip auch für die Farbfotografie zu nutzen, so dass es 1952 zur Anmeldung der ersten Grundlagenpatente kam. Im Dezember 1957 sprach The New York Times von Gerüchten über farbige Sofortbilder, was Land veranlasste, erfolgreiche Versuche zu verkünden. Bei der Aktionärsversammlung im April 1960 führte er sein Verfahren schon einmal vor, zu diesem Zeitpunkt betrug die Entwicklungszeit noch 2 min und die Farben waren unvollkommen. Die Markteinführung von Polacolor geschah dann am 28. Januar 1963 in den USA und im September in Europa.[1]

Trennbildverfahren

Trennbild vom Typ Pack 100
Polacolor-Bild von März 1974
Trennbildfilm und Polaroid-Rückteil für Mittelformatkamera

Beim Trennbildverfahren (engl. pull apart) zog man das Bild mit der Hand aus der Kamera heraus, wobei zwei Walzen Positiv und Negativ zusammendrückten und eine Entwicklungspaste zwischen den beiden Komponenten verteilten, die auch die Funktion eines Klebstoffs übernahm. Das Negativ lag dabei mit der belichteten Seite auf der Betrachtungsseite des Positivs. Seine lichtundurchlässige Rückseite gestattete es, den Entwicklungsprozess außerhalb der Kamera bei Dunkelheit stattfinden zu lassen, so dass die Kamera sofort wieder einsatzbereit war. Außerdem wurde das Negativbild auf das Positiv übertragen. Die Dauer des Prozesses bestimmte der Fotograf, indem er nach Ablauf der Zeit das Negativ abzog. Dazu gab es in der Anleitung des Films eine Tabelle, die der Umgebungstemperatur eine Zeit zuordnete, wobei sich in Mitteleuropa meist 60 s ergaben.[2]

Aufbau des Negatives

Das Negativ arbeitete mit der additiven Farbmischung und hielt drei Schichten bereit, die jeweils für das Licht einer Grundfarbe empfindlich waren – vom Objektiv aus gesehen in der Reihenfolge blau, grün und rot. Zu jeder lichtempfindlichen Schicht gehörte eine darunterliegende Schicht mit Farbkomponenten. Sie enthielt im Gegensatz zu gewöhnlichen Farbfilmen keine Farbkuppler, sondern von vornherein farbige Moleküle. Damit sich die chemischen Prozesse in den einzelnen Schichtpaaren nicht gegenseitig beeinflussten, lag zwischen ihnen eine Trennschicht. Infolgedessen bestand das Negativ aus acht Schichten.[3]

Entwicklung des Negativs

Die Übertragung des Negativs auf das Positiv geschah nicht wie von der Dunkelkammer bekannt mit Licht, sondern auf chemische Weise. Jede lichtempfindliche Schicht enthielt Silberhalogenid-Mikrokristalle, die beim Auftreffen von Licht der betreffenden Grundfarbe belichtet wurden. Die Entwicklungspaste entwickelte das Negativ dann, was bedeutete, sie reduzierte das Silberhalogenid, welches Licht abbekommen hatte, zu Silber. Anschließend wurden die Farbstoffe freigesetzt, sie waren bei niedrigen pH-Wert unbeweglich und bei hohem pH-Wert beweglich. An den Stellen, an denen sich Silberkörner über der Farbstoffschicht befanden, gingen diese eine Verbindung mit den Farbstoffen ein und verbanden sich mit der Gelatine, in der sie eingebettet waren, so dass sie ihre Schicht nicht verlassen konnten. An den Stellen, an denen sich Silberhalogenid über der Farbstoffschicht befand, konnten die Farbmoleküle nicht festgehalten werden und diffundierten weiter in die Positivschicht.[3]

Die Entwicklung ging schrittweise vonstatten, indem die Entwicklerpaste zunehmend tiefer in das Negativ eindrang. Für den Ablauf war es dabei wichtig, dass die Entwicklung des Silberhalogenids schnell ablief. Zuerst erreichte die Paste die blauempfindliche Schicht und entwickelte das dortige Silberhalogenid. Dann erreichte sie die darunterliegende Farbmolekülschicht und startete die Farbübertragung der blauempfindlichen Schicht auf das Positiv. Die Trennschicht zur grünempfindlichen Schicht sorgte dabei dafür, dass möglichst wenige Farbstoffmoleküle von dieser beeinflusst wurden, was den Kontrast im Bild herabgesetzt hätte. Anschließend kam das grünempfindliche und schließlich das rotempfindliche Schichtpaar an die Reihe.

Bildübertragung auf das Positiv

Im Positiv gab es eine Farbempfängerschicht. Da das Positiv mit der subtraktiven Farbmischung arbeitete, musste bei der Bildübertragung vom Negativ zum Positiv die jeweilige Komplementärfarbe übertragen werden:

  • Blau => Gelb
  • Grün => Purpur
  • Rot => Blaugrün

Infolgedessen hatten die Farbmoleküle in den drei Schichtpaaren des Negativs die entsprechende Farbe.[2]

Beispielsweise belichtete rotes Licht nur das Silberhalogenid der roten Schicht, so dass nach der Entwicklung der blaugrüne Farbstoff festgehalten wurde, der gelbe und purpurfarbene aber nicht. Gelb und Purpur ergab gemischt Rot auf dem Positiv. Weißes Licht belichtete das Silberhalogenid aller Schichten, so dass kein Farbstoff ins Positiv diffundierte und der weiße Hintergrund des Positivs zu sehen war. Schwarz führte dazu, dass gar kein Licht auf das Negativ fiel und alle drei Farbmoleküle ins Positiv wandern. Beim Betrachten des Positivs wurden dann vom weißen Hintergrund alle drei Grundfarben der subtraktiven Farbmischung, also Gelb, Purpur und Blaugrün herausgefiltert und es entstand Schwarz.

Abschließend setzte eine Säure den pH-Wert herab, dabei entstand Wasser, dass durch die Positivschichten zum Negativ wanderte und dabei die Farbmoleküle vom Salzanteil befreite. Dadurch wurden die Moleküle aneinander und an die Farbträgerschicht gebunden. Dies ermöglichte die Zeitverzögerungsschicht im Positiv, eine dünne Folie, die der hohe pH-Wert des Entwicklers allmählich zerstörte. Dann war die Säureschicht freigegeben.[3]

Unzulänglichkeiten

Bei den Schwarzweißfilmen musste man 1963 noch eine Beschichtung auftragen, wozu der Filmpackung ein getränktes Tuch beilag. Noch in der Testphase der Vorserien-Filme war dies auch bei Polacolor erforderlich, wobei es sogar 5 s nach der Entwicklung erfolgen musste, sonst nahmen sie Schaden, während man bei den Schwarzweiß-Bildern der folgende Tag ausreichte. Polaroid entwickelte deswegen ein Beschichtungsgerät, dass man an der Kamera befestigen konnte. Schließlich gelang es den Chemikern aber, die Filme ab Werk zu beschichten, woraufhin die bereits produzierten Filme vernichtet wurden.

Es gab anfänglich Probleme mit der Alterung der Bilder, dabei konnte sich die Spannung einzelner Schichten so ändern, dass die Bilder wellig wurden. Aus diesem Grund lagen dem Film in den ersten Jahren selbstklebende Kartons bei, auf welche die Bilder montiert werden sollten. Die Fotografen benutzen sie allerdings kaum.[4]

Polacolor 2

Der Schritt von Polacolor zu Polarcolor 2 im Jahr 1975 brachte einen auf den ersten Blick erkennbaren Fortschritt. Polaroid übernahm nämlich die metallisierten Farbstoffe, welche den bereits 1972 vorgestellten Integralfilm SX-70 auszeichneten. Sie ermöglichten eine erheblich größere Farbsättigung, außerdem vermochte das UV-Licht die Farben kaum auszubleichen. Polarcolor-2-Bilder waren im Bildeindruck den SX-70-Bildern sogar überlegen, allerdings holte SX-70 mit der nächsten Überarbeitung wieder auf.[1]

Filmtypen

Portrait von Jimmy Carter aus dem Jahr 1979 auf Polacolor 2 (61 cm × 52 cm)

Typ 48

Der Typ 48 war der einzige Rollfilm, den es als Polacolor und damit in Farbe gab. Bei einem empfohlenen Verkaufspreis von $ 3,55 hatte er 6 Bilder im Format 312 in x 414 in, entsprechend 83 mm × 108 mm und konnte in alle Kameras der Serie 40 eingelegt werden. Diese Kameras liefen mit Erscheinen von Polacolor zugunsten der Pack-Kameras aus. Der Typ 48 war ursprünglich mit einer Empfindlichkeit von ISO 50/18° angegeben, sehr bald aber mit ASA 75, also ungefähr ISO 80/20°, wobei Polaroid in den ersten Jahren etwas übertrieben hatte.

1976 nahm Polaroid den Typ 48 aus dem Programm, es gab ihn infolgedessen nicht als Polacolor 2. Der Grund lag darin, dass das Negativmaterial nur bis zu diesem Zeitpunkt von Kodak geliefert wurde und die Umstellung auf eine eigene Fertigung für die wenigen Benutzer der alten Kameras nicht mehr lohnte.[4]

Typ 108

Der Typ 108 war der bedeutendste Polacolor-Film. Es handelte sich um einen Pack-Film vor allem für die Polaroid Kameras der Serie 100 und 660, dieses Kamerasystem erschien gemeinsam mit Polacolor. Aber auch viele Fremdkameras verwendeten diesen Filmtyp, etwa Vorsatzkameras für Oszilloskope oder Rückteile für Mittelformatkameras. Das Bildformat betrug 278 in x 334 in entsprechend 7,2 cm × 9,5 cm und in einem Pack mit empfohlenen Verkaufspreis von $ 4,38 waren 8 Bilder enthalten. Später wurde die Zahl auf 10 erhöht. Der Film war wie der Typ 48 mit ASA 75 angegeben, in den ersten Jahren empfahl Polaroid aber, die Belichtungskorrektor auf eine Stufe heller zu stellen, was bedeutete, die Empfindlichkeit lag zunächst bei ISO 64/19°.

Mit der Einführung von Polacolor 2 wurde der Typ 108 umgestellt, woraufhin eine Zeit lang auch die Polacolor 2 auf seiner Verpackung stand, es dann aber wieder fallengelassen wurde.[5]

Typ 668, Typ 669 und Typ 64 Tungsten

Beim Typ 668 handelte es sich um eine professionelle Version des Typ 108, sein Nachfolger hieß Typ 669. Letzteren gab es auch in einer Version für Kunstlicht mit sonst identischen Merkmalen, den Typ 64 Tungsten.[5]

Typ 690

Der Typ 690 erschien 2003, es war ein Pack-Film im selben Format wie der Typ 105, aber mit einer neuen chemischen Zusammensetzung, die vom Integralfilm Polaroid SX-70 übernommen wurde. Infolgedessen musste die abgelaufene Zeit bis zum Entfernen des Negativs nicht an die Umgebungstemperatur angepasst werden, sie konnte immer 90 s betragen. Die Empfindlichkeit betrug ISO 100/21° und eine Kassette enthielt 10 Bilder.[5]

Typ 691

Der Typ 691 lieferte transparente Bilder, die für die Projektion mit Overheadprojektoren gedacht waren. Es handelte sich um Pack-Film im Format des Typ 105 mit 8 Bildern, die Empfindlichkeit betrug ISO 80/20°.[5]

Typ 88

Der Typ 108 ist 1971 für eine Kamera-Baureihe mit kleineren Format erschienen. Sein Bildformat war 234 in x 278 in entsprechend 6,9 cm × 7,2 cm und in einem Pack empfohlenen Verkaufspreis von $ 3,10 waren 8 Bilder enthalten. 1975 fand die Umstellung auf Polacolor 2 statt. Die Empfindlichkeit des Typ 88 war mit ASA 75, später ASA 80 angegeben, also zunächst rund und dann genau ISO 80/20°[6]

Typ 89

Der Typ 89 entsprach dem Typ 690, bis auf das mit dem Typ 88 identischen Format.[6]

Planfilme

Polaroid bot für Großformatkameras Planfilm-Formate an, Serie 50 für 4 in × 5 in, entsprechend 100 mm × 130 mm und Serie 800 für 8 in × 10 in, entsprechend 200 mm × 250 mm. Mit Erscheinen der Polaroid-Großformatkamera im Jahr 1976 kam dann noch das Format 20 in × 24 in, entsprechend 51 cm × 61 cm hinzu.

Literatur

Einzelnachweise

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