Ponte di Tiberio

From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Ponte di Tiberio ist eine Römerbrücke in Rimini in der Region Emilia-Romagna in Italien. Noch im 19. Jahrhundert wurde sie Ponte d’Augusto genannt.[1] Sie überbrückt den heute Portocanale genannten alten, erst im 20. Jahrhundert umgeleiteten Teil des Marecchia und verbindet den Corso d'Augusto in der Altstadt mit dem Viale Tiberio im Stadtteil San Giuliano. Seit 2020 ist sie endgültig für den Kfz-Verkehr gesperrt. Archäologische Fundstücke der Brücke sind auf der Grünfläche im Westen des Portocanale (Piazza sull’acqua) in einem umzäunten Areal ausgestellt.[2]

Schnelle Fakten Ponte di Tiberio ...
Ponte di Tiberio
(Ponte d’Augusto)
Ponte di Tiberio(Ponte d’Augusto)
Ponte di Tiberio
(Ponte d’Augusto)
Überführt Viale Tiberio
(antike Via Aemilia)
Querung von Portocanale
(alter Teil der Marecchia)
Ort Rimini
Konstruktion Bogenbrücke mit Keilsteingewölbe
Gesamtlänge 62,6 m (zwischen Widerlagern)
Breite 8,6 m
Anzahl der Öffnungen fünf
Lichte Weite Max. 8,17 m
Baubeginn 14 n. Chr.
Fertigstellung 21 n. Chr.
Lage
Koordinaten 44° 3′ 49″ N, 12° 33′ 50″ O
Ponte di Tiberio (Emilia-Romagna)
Ponte di Tiberio (Emilia-Romagna)
Schließen

Im Stadtwapppen Riminis ist die Brücke unter dem Augustusbogen auf der (heraldisch) rechten Seite abgebildet.[3] Seit 1885 ist sie in der Liste italienischer Nationaldenkmale verzeichnet.[2]

Historischer Rahmen

Zu Zeiten des Römischen Reiches lag Ariminum (Rimini) am Ariminus (Marecchia). Ariminum war durch die Via Flaminia mit Rom verbunden und durch die Via Aemilia mit Placentia (Piacenza).[4] Es wird angenommen, dass es eine hölzerne Brücke über den Arminus gab.[5] Augustus ließ alle Brücken der Via Flaminia (mit Ausnahme der lediglich renovierten Milvischen Brücke im Norden Roms) erneuern. Kurz vor seinem Tod im Jahr 14 n. Chr. ordnete er die Verbindung der Via Flaminia mit der Via Aemilia durch den Bau einer steinernen Brücke über den Ariminus an, die unter seinem Nachfolger Tiberius im Jahr 21 n. Chr. fertiggestellt wurde.[5][6]

Beschreibung

Die Bogenbrücke ist zwischen den Widerlagern rund 62 m lang und 8,6 m breit. Sie hat fünf annähernd runde Bögen mit unterschiedlichen Spannweiten von 7,14 m bis 8,17 m und sehr massive Pfeiler, woraus sich Feldlängen bis zu 10,6 m ergeben. Die Brücke ist mit weißem Kalkstein verkleidet und an den Pfeilern mit Blindfenstern verziert. Auf den Schlusssteinen von zwei Bögen sind sind noch Verzierungen mit Reliefs erkennbar. In Höhe der Fahrbahn werden die Brückenmauern durch auf Konsolen gelagerte, weit auskragende Gesimse abgeschlossen. Die Brüstungen bestehen aus großformatigen Blöcken mit einer halbrunden Oberseite.[7.1]

In der Mitte der Brücke bestehen die Brüstungen jeweils aus großen, zum Teil beschädigten Tafeln, auf denen Augustus und Tiberius mit ihren Namen und vollen Titeln als Erbauer der Brücke genannt werden:[8]

IMP CAESAR DIVI F AVGVSTVS PONT MAXI COS XIII IMP XX TRIBVNIC POTEST XXXVII P P
TI CAESAR DIVI AVGVSTI F DIVI IVLI N AVGVSTI PONT MAXIM COS IIII IMP VIII TRIB POTEST XXII / DEDERE
Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex maximus, Consul XIII, Imperator XX, Tribuniciae potestatis XXXVII, Pater patriae.
Tiberius Caesar Divi Augusti filius Divi Juli, Nepos Augusti, Pontifex maximus, Consul IIII, Imperator VIII, Tribuniciae potestatis XXII. / dedere

(Deutsche Version)[9]

Die Pfeiler stehen nicht im rechten Winkel zu Brückenachse, sondern sind, entsprechend der damaligen Strömung, in einem Winkel von 102° schräg gestellt.[10] Das hatte schräge Gewölbe zur Folge, deren Keilsteine einen besonderen Zuschnitt mit Stoßfugen hatten, die die Schrägstellung der Pfeiler ausglichen.[7.2] Unter der Wasserlinie bestehen die Pfeiler aus widerstandsfähigerem magmatischem Gestein.[11]

Die Verkleidung aus weißem Kalkstein stammt aus Steinbrüchen im Gebiet von Aurisina. Bei späteren Restaurierungen wurden Verblendsteine aus Istrien verwendet.

Der nördliche Bogen vor dem Borgo San Giuliano ist das Ergebnis mehrfacher Erneuerungen, zuletzt 1680 durch Agostino Martinelli mit Steinen aus der Ruine der Ponte di San Vito in der Provinz Rimini.[11]

Geschichte

Rimini mit der Ponte d’Augusto, kolorierter Kupferstich von Frans Hogenberg, in „Civitates orbis terrarum“, vierter Band, 1594 (Erstveröffentlichung 1588)

In seiner 2000-jährigen Geschichte blieb die Brücke nicht unbeschädigt. Im Gotenkrieg versuchten die Goten 552 die oströmischen Truppen des Narses am weiteren Vormarsch nach Rom zu hindern. Nach Prokop wurde sie so beschädigt, dass sie nur noch von einem Mann benutzt werden konnte. Möglicherweise wurde nur der nördliche Bogen oder nur die beidseitigen Zufahrtsrampen zerstört. Narses überquerte den Fluss dann auf seinen Schiffen, die das Heer entlang der Küste begleitet hatten.[12]

Im Mittelalter wurde der damals übliche Torturm auf der Brücke errichtet, der erstmals 1078 in einer Bulle des Papstes Gregor VII. erwähnt wird, aber schon 1617 nicht mehr existierte.[13]

Die Brücke wurde von Andrea Palladio in seinen 1570 in Venedig erschienenen I quattro libri dell’architettura beschrieben und nicht exakt abgebildet, so sind dessen Pfeiler deutlich schmäler und höher als beim Original. Das Werk wurde 1715 von dem in England arbeitenden Giacomo Leoni vollständig ins Englische übersetzt. Palladios Abbildung diente dem irischen Brückenbauer George Smith als Vorlage für den Entwurf der 1766 eröffneten Green’s Bridge in Kilkenny, Irland.

Siehe auch

Literatur

  • Colin O’Connor: Roman Bridges, Cambridge University Press 1993, ISBN 0-521-39326-4, S. 84f.
  • Andrea Palladio: I quattro libri dell’architettura. Venedig 1570. Ausgabe aus dem Nachlass von Lessing J. Rosenwald in der Library of Congress, S. 23 des Dritten Buches (PDF, 178 S.)
  • Moritz Reinäcker: Brückenbau im Römischen Reich um das erste Jahrhundert vor Christus: Bauwissen und Bautechnik der Keilsteinbrücken im römischen Italien am Beispiel des Ponte di Nona, des Pons Fabricius, des Ponte di Augusto in Narni und der Brücken des Aostatals. (Dissertation) Technische Universität Carolo-Wilhelmina, Braunschweig 2023, siehe „Ponte di Tiberio“. (online)
  • Il Ponte di Rimini. In: Ariminum, Numero speciale per il Bimillenario del Ponte di Augusto e Tiberio, März–April 2014, auf rotaryrimini.org
Commons: Ponte di Tiberio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI