Pooja Sharma
indische Sozialarbeiterin
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Pooja Sharma (* 1996 in Delhi) ist eine indische Sozialarbeiterin, die in der Hauptstadt Neu-Delhi die letzten Riten für Verstorbene, deren Leichnam nicht von Angehörigen beansprucht wird (unclaimed bodies), vollzieht und 2024 mit der Aufnahme auf die BBC-Liste 100 Women ausgezeichnet wurde.[1][2] Sie ist Gründerin der Bright The Soul Foundation, die neben Bestattungen auch Hilfen für bedürftige Familien, ältere Menschen, Kinder und Umweltprojekte organisiert.[1][3]
Leben
Sharma wuchs in Delhi in einer hinduistischen Mittelstandsfamilie auf, erwarb einen Bachelor- und einen Masterabschluss in Sozialer Arbeit und arbeitete anschließend als HIV-Beraterin in einem staatlichen Krankenhaus.[1][4] Der Tod ihrer Mutter im Jahr 2019 und die Ermordung ihres Bruders im März 2022 prägten ihren weiteren Lebensweg; weil kein männlicher Angehöriger einspringen konnte, führte sie selbst die Feuerbestattung ihres Bruders durch und fasste danach den Entschluss, Unbekannten ein würdiges Ende zu ermöglichen.[1][5] Die gesellschaftliche Stigmatisierung ihrer Arbeit führte zu persönlichen Folgen; eine bereits angesetzte Verlobung wurde nach Bekanntwerden ihrer Tätigkeit gelöst.[1]
Wirken
Seit 2022 holt Sharma nach polizeilicher Freigabe die Leichname, auf die kein Anspruch durch Angehörige geltend gemacht wurde, aus Leichenhallen und Krankenhäusern in Delhi ab, bringt sie zu Krematorien wie Sarai Kale Khan, legt selbst das Leichentuch an und spricht Gebete, wobei sie im Schnitt mehrere Bestattungen am Tag durchführt.[1] Bis Anfang 2024 hatte sie nach übereinstimmenden Medienberichten über 4.000 Bestattungen durchgeführt.[1][4][5] Kennt sie die Religionszugehörigkeit, richtet sie die Zeremonie danach aus und organisiert für muslimische Tote Beisetzungen auf Friedhöfen; einmal im Monat bringt sie die gesammelte Asche der Toten nach Haridwar und verstreut sie im Ganges.[1] Ihre Arbeit finanziert sie weitgehend durch familiäre Unterstützung, eigene Ersparnisse und Spenden; die monatlichen Kosten, vor allem für Krankenwagen, beziffert sie auf etwa 120.000 Rupien.[1] Im Jahr 2023 gründete sie die Bright The Soul Foundation, die Transportkosten und Beisetzungen für mittellose Familien übernimmt sowie Programme für ältere Menschen, Kinder und Umwelt anbietet.[1][3] Für ihre Tätigkeit und die öffentliche Aufklärungsarbeit – auch in sozialen Medien mit rund 350.000 Followern – wurde Sharma 2024 in die BBC-Liste 100 Women aufgenommen.[2][3][6]