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Portmahomack

Dorf an der Ostküste Schottlands, Vereinigtes Königreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Portmahomack (schottisch-gälisch: Port Mo-Chalmáig; lokale Bezeichnung The Port) ist ein kleiner Fischerort im östlichen Teil von Ross-Shire im Norden von Schottland. Überregional bekannt wurde Portmahomack durch die Entdeckung eines piktischen Klosters aus dem frühen Mittelalter.

Schnelle Fakten Verwaltung ...
Portmahomack
Staat: Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Koordinaten 57° 50′ N,  50′ W
Portmahomack (Schottland)
Portmahomack (Schottland)
Portmahomack
Traditionelle Grafschaft Cromartyshire
Verwaltung
Post town TAIN
Postleitzahlen­abschnitt IV20
Vorwahl 01862
Landesteil Scotland
Council area Highland
Britisches Parlament Caithness, Sutherland and Easter Ross
Schottisches Parlament Caithness, Sutherland and Ross
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Geographie

Portmahomack liegt an der Nordküste der Halbinsel Tarbat an einer Bucht im unteren, weiten Teil des Dornoch Firth. Drei Kilometer nordöstlich vom Ort befindet sich die Landspitze Tarbat Ness. Nächstgrößere Stadt ist Tain, etwa 14 Kilometer im Westen. Der Ort ist sowohl die größte Siedlung im ehemaligen Kirchspiel Tarbat als auch in der gleichnamigen heutigen Gemeinde, verwaltungstechnisch zählt Portmahomack somit zur Region Highland Council Area.

Geschichte

Vorgeschichte

Die ältesten Siedlungshinweise sind muschelschalenhaltige Küchenabfälle. Sie wurden datiert auf das zweite oder erste Jahrtausend vor Christus. Westlich des Ortes finden sich Überreste eines eisenzeitlichen Turmes (Broch). Auf Beobachtungen aus dem 19. Jahrhundert basieren Spekulationen über die Existenz eines möglichen römischen Bauwerks am Tarbat Ness, das im Zusammenhang mit den Feldzügen des Kaisers Septimius Severus um 210 n. Chr. stehen könnte.

Frühmittelalterliches Kloster

Der Ortsname Portmahomack bezieht sich auf einen Heiligen namens Colmac, Colomban oder Columba. Vermutlich ist es Columban von Iona oder Colman von Lindisfarne, die beide im frühen Mittelalter in Schottland wirkten.

Ausgrabungen im Bereich der frühmittelalterlichen Abtei Portmahomack 2007

Aufgrund von einer Reihe piktischer Symbolsteine aus dem 8. und 9. Jahrhundert n. Chr., die seit längerer Zeit im Bereich von Portmahomack gefunden wurden, wurde bereits länger vermutet, dass sich ein kirchliches Zentrum am Ort befunden habe. Tatsächlich wurde 1984 wurden bei Luftbildaufnamen südlich des Ortes die Grundrisse einer Klosteranlage aus dem frühen Mittelalter entdeckt. Von 1994 bis 2007 fanden unter Leitung von Martin Carver von der Universität York umfangreiche Ausgrabungen im fraglichen Bereich statt.[1] Diese Arbeiten erbrachten den Nachweis, dass es sich um eine bedeutende Klosteranlage war, die in Zusammenhang mit der Christianisierung der Pikten stand.[2] Die frühen dokumentierten Bauphasen stammen aus dem 6. Jahrhundert; der Abschlusspublikation der Ausgrabungen zufolge entstand in dieser Zeit dort jedoch zunächst ein nicht-kirchliches Landgut mit einem umgebenden Gräberfeld, dessen reiche Grabbeigaben auf einen hohen Sozialstatus der Bestatteten hindeuten. Erst im späten 7. Jahrhundert (um 680) entwickelte sich aus der Anlage ein Kloster, das unter anderem eine Steinkirche, eine Steinmetzwerkstatt, eine Werkstatt für Messgeschirr und eine Werkstatt zur Verarbeitung von Pergament und Herstellung von Büchern umfasste.[3]

Piktischer Symbolstein mit Tierdarstellung aus Portmahomack

Durch die intensiven Forschungen hat sich die Zahl der bekannten frühmittelalterlichen Skulpturteile aus Portmahomack auf etwa 200 erhöht. Darunter ist ein Exemplar mit einer lateinischen Inschrift, von der sich der Text IN NOMINE... IHU XRI... CRUX XRI... IN... COMMEMORATIONE... REO... LII... DIE HAC... erhalten hat[4] (mögliche Übersetzung: „Im Namen Jesu Christi, das/ein (?) Kreuz Christi in Erinnerung an Reo…lius … An diesem Tag…“). Die Mehrzahl der gefundenen Bruchstücke gehörte zu insgesamt vier steinernen Hochkreuzen, die ehemals rund um die Kirche aufgestellt waren. Viele der Fragmente zeigen Tierdarstellungen oder ornamentale Motive; eines der ursprünglichen Kreuze enthielt Darstellungen der Apostel. Die Kunsthistorikerin Victoria Whitworth hat die These vertreten, dass mit dem Book of Kells eines der berühmtesten Werke der mittelalterlichen Buchmalerei in Portmahomack entstand, da sie enge Parallelen zwischen dessen Verzierungen und den Steinskulpturen aus dem Kloster sieht.[5]

Zwischen 780 und 810 wurde das Kloster durch einen Brand zerstört; wenig später wurden die Steinskulpturen zerstört. Diese Zerstörung wurde vermutlich durch einen Überfall der Wikinger verursacht, könnte aber möglicherweise auch auf innerschottische Auseinandersetzungen zurückgehen und bei einem Überfall etwa durch den Clan Murray erfolgt sein.[6]

Entstehung und Entwicklung des Dorfes

Ansicht der Tarbat West Church

Nach der Zerstörung des Klosters wurde das Areal recht schnell für Metallhandwerk und Landwirtschaft weitergenutzt. Um 900 scheint es zu einem Niedergang der Siedlung gekommen zu sein, sie blühte aber im 11. und 12. Jahrhundert wieder auf. Im 12. Jahrhundert entstand auch wieder eine Kirche, aus der die spätere Tarbat West Church hervorging. Diese stammt in ihrem heutigen Bauzustand hauptsächlich aus dem 18. Jahrhundert, die Krypta geht aber noch auf das 13. Jahrhundert zurück und enthält auf der Ostseite noch ältere Mauerteile aus einem früheren Bauwerk des 9. Jahrhunderts. Die umgebende Siedlung entwickelte sich im 13. und 14. Jahrhundert zu einer Dorfanlage, in der sich eine Schmiede befand und auch Fischfang eine bedeutende Rolle spielte.[7] In den 1480er Jahren überfiel der Clan Ross den Clan MacKay nahe dem Dorf, was als Schlacht bei Tarbat bezeichnet wird.

1678 wurde Portmahomack durch eine Urkunde Karls II. zum Teil des neu gegründeten Baronats Tarbat erklärt und bei der gleichen Gelegenheit in Castlehaven umbenannt;[8] dieser Name hielt sich aber nicht dauerhaft. Eine kleine Hafenanlage in Portmahomack wurde 1698 errichtet, aber die wirtschaftliche Blüte des Ortes kam erst mit einem Neubau, der in den 1810er Jahren nach Empfehlungen des bedeutenden Ingenieurs Thomas Telford errichtet wurde. Damit entwickelte sich Portmahomack im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Standort des Getreide- und Fischhandels.

Portmahomack heute

Ortsansicht von Portmahomack

Portmahomack bietet als zentraler Ort der Community ein Grundmaß an Dienstleistungen für die Bevölkerung auch der dünn besiedelten Umgebung. In Ortskern finden sich ein Ladengeschäft mit einer Postagentur sowie gastronomische Einrichtungen. Am Ort gibt es eine Grundschule, die zuständige weiterführende Schule liegt in Tain.[9] Am Ortsrand befindet sich ein Golfplatz.[10] Die 1902 mit Mitteln des Industriellen Andrew Carnegie errichtete Carnegie Hall ist das Veranstaltungszentrum von Portmahomack und beinhaltet zudem ein Café.[11] Zu den jährlichen Veranstaltungen zählt das Hogmanay zum Jahreswechsel und die sommerliche, eine Woche dauernde Portmahomack Gala.[12]

Im Jahr 1991 betrug die Einwohnerzahl 450.[13] Heute spielt neben der Fischerei auch der Tourismus eine wichtige Rolle, der auf den historischen Sehenswürdigkeiten, dem Hafen, den Stränden der Umgebung, der Delphin-Beobachtung und Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung (Golf, Fischen, andere Wassersportarten) basiert.

Verkehr

Portmahomack befindet sich am östlichen Ende der B 9165, die nach Südwesten über Hill of Fearn zur A9 führt. Den öffentlichen Nahverkehr bildet die Buslinie 416A, die den Ort über Inver mit Tain verbindet.[14] Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Tain und Fearn.

Sehenswürdigkeiten

Hafen von Portmahomack

Der alte Hafen und der angrenzende Ortskern bilden eine Denkmalschutzzone, darüber hinaus sind einige Bauwerke innerhalb des Gebietes separat als geschützt ausgewiesen, darunter ein gusseiserner Brunnen von 1887.[15] Oberhalb des Hafens liegen zwei „Girnals“ (Lagerhäuser), von denen das jüngere „Northern Warehouse“ von 1779 stammt, das ältere „Southern Warehouse“ im späten 17. Jahrhundert errichtet wurde und damit zu den ältesten Exemplaren seiner Art gehört. Auch sonst finden sich an der Küstenlinie diverse gut erhaltene Gebäude des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Am Ort existieren zwei noch aktiv genutzte Kirchen. In der Ortsmitte befindet sich ein Kirchenbau der Architekten Andrew Maitland & Sons aus dem Jahre 1908. Ursprünglich von der United Free Church of Scotland errichtet, wird er heute von der Church of Scotland genutzt.[16] Am Westrand des Ortes befindet sich die Kirche der Free Church of Scotland (Continuing), die 1893 ebenfalls von Andrew Maitland & Sons an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem Jahr 1844 errichtet wurde.[17] Die ehemalige Pfarrkirche an der Stelle des frühmittelalterlichen Klosters, die Tarbat West Church stammt im Wesentlichen aus den 1750er und 1760er Jahren. Sie wurde mittlerweile zum Tarbat Discovery Centre umgenutzt, das vom Tarbat Historic Trust geführt wird.[18] In diesem Museum sind unter anderem Exponate zur Ortsgeschichte, zur piktischen Kultur und zu den umfassenden Ausgrabungen in der frühmittelalterlichen Klosteranlage ausgestellt, darunter auch Repliken der piktischen Symbolsteine, deren Originale sich im Museum of Scotland in Edinburgh befinden.

Sehenswert in der näheren Umgebung sind der Leuchtturm am Tarbat Ness sowie Ballone Castle, eine vollständig renovierte Burg aus dem 16. Jahrhundert.

Persönlichkeiten

  • John Shepherd-Barron (1925–2010), Erfinder des Bankautomaten, lebte zeitweise am Ort
  • Thomas Summers West (1927–2010), Chemiker, besuchte die Schule in Portmahomack
  • Anne Perry (1938–2023), Kriminalautorin, lebte bis 2017 am Ort

Literatur

  • Martin Carver: An Iona of the East: The Early-medieval Monastery at Portmahomack, Tarbat Ness. In: Medieval Archaeology. Band 48, 2004, S. 1–30 (PDF).
  • Martin Carver: A Columban Monastery in Pictland. In: Current Archaeology. Nummer 205, 2006, S. 20–29.
  • Martin Carver: Portmahomack: Monastery of the Picts. Edinburgh University Press, Edinburgh 2008, ISBN 978-0-7486-2442-3. 2. Auflage, ebenda 2016, ISBN 978-0-7486-9767-0.
  • Martin Carver, Justin Garner-Lahire, Cecily Spall: Portmahomack on Tarbat Ness. Changing Ideologies in North-East Scotland, Sixth to Sixteenth Century AD. Society of Antiquaries of Scotland, Edinburgh 2016, ISBN 978-1-908332-09-7 (online).

Einzelnachweise

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