Pottsit

Mineral aus der Gruppe der Vanadate From Wikipedia, the free encyclopedia

Pottsit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung PbBiH[VO4]2·2H2O[3] und ist damit ein wasserhaltiges Blei-Bismut-Wasserstoff-Vanadat.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Pottsit
Senfgelber Pottsit-Kristallrasen in Matrix aus der Linka Mine im Spencer Hot Springs District, Lander County, Nevada, USA (Gesamtgröße der Probe: 4,6 cm × 3,8 cm × 1,6 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1986-045[1]

IMA-Symbol

Pot[2]

Chemische Formel PbBiH[VO4]2·2H2O[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/C.32-010

8.CG.25
40.01.04.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-trapezoedrisch; 422
Raumgruppe I4122 (Nr. 98)Vorlage:Raumgruppe/98
Gitterparameter a = 11,08 Å; c = 12,63 Å[3]
Formeleinheiten Z = 10[3]
Häufige Kristallflächen {101}, {110}, {103}, {211}[4]
Zwillingsbildung nicht beobachtet[5]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5
Dichte (g/cm3) gemessen: ≈ 7,0; berechnet: 7,31[5]
Spaltbarkeit nicht beobachtet[5]
Bruch; Tenazität spröde
Farbe gelb
Strichfarbe hellgelb
Transparenz durchscheinend
Glanz Diamantglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 2,400[6]
nε = 2,300[6]
Doppelbrechung δ = 0,100[6]
Optischer Charakter einachsig negativ
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Pottsit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, entwickelt aber nur kleine, prismatische oder dipyramidale Kristalle bis etwa einem Millimeter Länge mit diamantähnlichem Glanz auf den Oberflächen. Die durchscheinenden Kristalle sind von kräftig gelber Farbe, hinterlassen auf der Strichtafel jedoch nur einen blassgelben Strich. In dünnen Schichten erscheint Pottsit in einem trüben Gelb und kann dann leicht mit Nadorit oder als feinkörniges Aggregat auch mit Cervantit verwechselt werden.[5]

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Pottsit im Molybdän-, Bismut-, Wolfram- und Vanadium-Tage- und Untertagebau „Linka“ (kurz Linka-Mine) nordwestlich der heutigen Geisterstadt Potts und nahe den Spencer Hot Springs im Lander County des US-Bundesstaates Nevada und beschrieben 1988 durch S. A. Williams, der das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.

Das Typmaterial des Minerals wird im Natural History Museum in London (England) aufbewahrt.[4]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Pottsit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/C.32-010. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, ohne fremde Anionen“, wo Pottsit als einziges Mineral eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/C.32 bildet.[7]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Pottsit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; RO4 : H2O = 1 : 1“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.CG.25 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Pottsit die System- und Mineralnummer 40.01.04.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+B2+(XO4) × x(H2O)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 40.01.04.

Kristallstruktur

Pottsit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I4122 (Raumgruppen-Nr. 98)Vorlage:Raumgruppe/98 mit den Gitterparametern a = 11,08 Å und c = 12,63 Å sowie 10 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Eigenschaften

In kalter, 16%iger Salzsäure (HCl) wird Pottsit zwar schnell kalkweiß, löst sich jedoch nicht auf. Kaltes, 20%iges Kaliumhydroxid (KOH) beeinflusst das Mineral gar nicht. In kalter, 15%iger Salpetersäure (HNO3) löst es sich dagegen leicht.[5]

Bildung und Fundorte

Pottsit bildet sich in der Oxidationszone wolframhaltiger Taktite, das heißt in Gesteinszonen mit durch Kontaktmetamorphose entstandenem, komplexem Aufbau.[9][4] An seiner Typlokalität Linka Mine trat das Mineral in Paragenese mit Bismutit, Klinobisvanit, Scheelit und Vanadinit auf, es kann aber in anderen Fundorten auch mit Cerussit, Duhamelit und Junoit vergesellschaften sein.

Pottsit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, von denen nur wenige Proben existieren, die an bisher (Stand 2014) fünf bekannten Fundorten gesammelt wurden. In den USA fand man das Mineral außer in der Linka Mine nur noch in einer namenlosen Prospektion im Chalk Mountain District im Churchill County von Nevada.[10]

In Deutschland kennt man Pottsit aus dem Krennbruch, einem Granit- und Pegmatit-Steinbruch bei Matzersdorf in der Gemeinde Saldenburg (Landkreis Freyung-Grafenau) und aus den Steinbrüchen Ernst & Kubischek bei Grub in der Gemeinde Rinchnach (Landkreis Regen) in Niederbayern.[10]

Der einzige weitere bisher bekannte Fundort ist die Las Tapias Mine bei Las Tapias in der argentinischen Provinz Córdoba.[10]

Siehe auch

Literatur

  • S. A. Williams: Pottsite, a new vanadate from Lander County, Nevada. In: Mineralogical Magazine. Band 52, 1988, S. 389–390 (minersoc.org [PDF; 131 kB; abgerufen am 31. Dezember 2016]).
  • John Leslie Jambor, Jacek Puziewicz: New Mineral Names. Pottsite. In: American Mineralogist. Band 74, 1989, S. 500–505 (minsocam.org [PDF; 743 kB; abgerufen am 31. Dezember 2016]).

Einzelnachweise

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