Potzneusiedl

Gemeinde im Bezirk Neusiedl am See, Burgenland From Wikipedia, the free encyclopedia

Potzneusiedl ist eine österreichische Gemeinde mit 679 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Lajtafalu, der kroatische Lajtica.[1]

Schnelle Fakten Wappen, Österreichkarte ...
Potzneusiedl
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Potzneusiedl
Potzneusiedl (Österreich)
Potzneusiedl (Österreich)
Basisdaten
Staat: Osterreich Österreich
Land: Burgenland Burgenland
Politischer Bezirk: Neusiedl am See
Kfz-Kennzeichen: ND
Fläche: 12,11 km²
Koordinaten: 48° 3′ N, 16° 57′ O
Höhe: 166 m ü. A.
Einwohner: 679 (1. Jän. 2025)
Bevölkerungsdichte: 56 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2473
Gemeindekennziffer: 1 07 26
Adresse der Gemeinde-
verwaltung:
Untere Hauptstraße 26
2473 Potzneusiedl
Website: www.potzneusiedl.at
Politik
Bürgermeister: Franz Werdenich (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2022)
(13 Mitglieder)
8
5
8 5 
Insgesamt 13 Sitze
Lage von Potzneusiedl im Bezirk Neusiedl am See
Lage der Gemeinde Potzneusiedl im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)Gattendorf
Lage der Gemeinde Potzneusiedl im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)
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Ostsüdostansicht von Potzneusiedl
Ostsüdostansicht von Potzneusiedl
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
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Geographie

Potzneusiedl liegt nahe bei Neudorf bei Parndorf und Gattendorf, am Rande der Parndorfer Platte und am Südufer der Leitha.

Nachbargemeinden:

Prellenkirchen (BL)
Parndorf Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt
Neudorf Gattendorf

Geschichte

Bei Grabungen auf der Flur „Búbánat“ und am Hochplateau bei der Kirche fand man Hallstattgräber mit Gefäßbeigaben und Bronzen.[2] Ebenfalls im Bereich der Flur „Búbánat“ wurde 2011 ein römisches Gräberfeld ausgegraben, das vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. genutzt wurde.[3]

1002 heiratete der magyarische König Stefan I. die bayerische Prinzessin Gisela, eine Tochter Herzogs Heinrich II. In der Folge kamen bayrische Adelige, kirchliche Orden und Siedler nach Ungarn (Hochmittelalterliche Ostsiedlung). Zur Sicherung der Grenze wurden um 1021 die besiegten Petschenegen – sie wurden auch Bissener genannt und stammten ursprünglich aus dem Gebiet zwischen Talas und Donau – am Neusiedlersee angesiedelt.

Potzneusiedl (Lajtafalu) an der Grenze zu Niederösterreich um 1873 (Aufnahmeblatt der 3. Landesaufnahme)

Zu den bayrischen Einwanderern zählten auch die Grafen Poth, die im 13. Jahrhundert Potzneusiedl und Podersdorf gründeten bzw. übernahmen, was sich in den Ortsnamen niederschlug. Ende des 15. Jahrhunderts war das Gebiet Sitz von Kleinadeligen, wie den Herren von Oslip. Anna, die letzte Vertreterin dieser Familie schenkte ihre Anteile am damaligen Herrenhof ihrem Neffen, Johann Vogt von Donnerskirchen. Während des türkischen Einfalls von 1529 wurde der damalige Ansitz zerstört.

Um 1550 wurde der Ort mit Kroaten neu besiedelt; ab 1880 überwog bereits der deutschsprachige Bevölkerungsanteil (327 zu 287 Personen). In den folgenden Jahrzehnten wurde das kroatische Bevölkerungselement sukzessive assimiliert. Die Sprache konnte sich in einzelnen Familien noch bis in die späte Nachkriegszeit halten (Anteil der kroatischsprachigen Bevölkerung: 1900: 36,1 %; 1923: 20,6 %; 1934: 12,5 %; 1981: 0,9 %). Heute gilt die kroatische Sprache in Potzneusiedl als ausgestorben.

Der Ort wies bis in die Zwischenkriegszeit auch einen verhältnismäßig hohen Anteil an ungarischsprachiger Bevölkerung aus (1900: 17 %; 1923: 20,8 %; 1934: 15,8 %) und lag zuletzt (2001) nur mehr bei 1 %. Angemerkt sei, dass das Kriegerdenkmal die Aufschrift „Den gefallenen Helden“ auch in kroatischer und ungarischer Sprache trägt.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörte der Besitz zur Harrachschen Herrschaft in Bruck an der Leitha. Um die Mitte desselben Jahrhunderts gelangte Potzneusiedl, das niemals von wehrpolitischer Bedeutung war, in das Eigentum des Freiherrn Karl von Bender.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/1921 zu Ungarn (Komitat Wieselburg). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Lajtafalu verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Pariser Vorortverträgen 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Bevölkerungsentwicklung

Potzneusiedl: Einwohnerzahlen von 1869 bis 2025
Jahr  Einwohner
1869
 
706
1880
 
673
1890
 
637
1900
 
631
1910
 
589
1923
 
612
1934
 
715
1939
 
753
1951
 
656
1961
 
612
1971
 
549
1981
 
463
1991
 
482
2001
 
504
2011
 
519
2021
 
631
2025
 
679
Quelle(n): Statistik Austria, Gebietsstand 1.1.2021

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Schloss Potzneusiedl: Der Bau des heutigen Schlosses wurde unter der teilweisen Verwendung von gotischen Grundmauern ab 1796 errichtet.
  • Katholische Pfarrkirche Potzneusiedl hl. Markus: Die im Kern mittelalterliche ehemalige Wehrkirche wurde in erhöhter Lage errichtet und ist von einem Friedhof umgeben. Der quadratische Westturm hat einen Steinpyramidenhelm mit Eckpyramiden.

Wirtschaft

  • Windkraftanlage: In der Nähe von Potzneusiedl wurden in den Jahren 2011/12 zwei E-126-Windkraftanlagen von Enercon mit 198,5 m Höhe errichtet, zwei der weltweit größten und leistungsstärksten Windräder mit einer Leistung von je 7,5 MW.[4][5]

Im Zuge eines Repowerings wurden am 8. Juli 2022 drei Stahlbetonmasten von Windrädern gesprengt, um an deren Stelle leistungsfähigere Windkraftanlagen zu errichten.[6]

Politik

Gemeindeamt

Gemeinderat

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 13 Mitglieder.

Bürgermeister

  • bis 2010 Franz Kaiser (SPÖ)
  • seit 2010 Franz Werdenich (ÖVP)[12]

Wappen

Mit Beschluss der burgenländischen Landesregierung vom 13. Juni 2000 wurde der Gemeinde nach deren Antrag das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.

Blasonierung: „In einem goldenen Schild ein roter Pfahl, begleitet von je einer roten Lilie (vorne und hinten); der Pfahl ist mit einem goldenen Pranger belegt.
Die zwei Lilien symbolisieren das Wappen der Grafen Poth, während deren Regentschaft der Ort im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Der Name der Grafen lebt bis heute im Ortsnamen weiter. Der Pranger symbolisiert die Eigenständigkeit der Gemeinde und erinnert an die Bedeutung des Ortes, der im 18. Jahrhundert das Marktrecht innehatte. Die Farben der Gemeinde sind rot und gold und finden sich im Wappen wieder.[13]

Literatur

  • Stefan Geosits: Ergebnisse der Volkszählungen 1900–1981. In: Stefan Geosits (Hrsg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeit. Edition Tusch, Wien 1986, ISBN 3-85063-160-5, S. 354–376.
  • Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten in Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4278-8.
  • Abschnitt „Die Partnergemeinden“ in: Petra Weiß: TÜPL Bruckneudorf – 150 Jahre Brucker Lager. Hrsg. Stadtgemeinde Bruck an der Leitha, April 2017, S. 454/455.
Commons: Potzneusiedl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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