Prambachkirchen (Meteorit)

Fall eines Meteoriten bei Prambachkirchen (1932) From Wikipedia, the free encyclopedia

Schnelle Fakten Allgemeines, Lokalität ...
Prambachkirchen
Allgemeines
Offizieller Name
nach MBD
Prambachkirchen
Authentizität sicher
Lokalität
Staat Österreich
Bundesland Oberösterreich
Bezirk Eferding
Gemeinde Prambachkirchen
Ortschaft Obergallsbach
Fall und Bergung
Datum (Fall) 5. November 1932
beobachtet ja
Datum (Fund) 6. November 1932
Sammlung Schlossmuseum Linz
Beschreibung
Typ Steinmeteorit
Klasse gewöhnlicher Chondrit
Gruppe L6
Masse (total) 2125
Referenzen
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Der Meteorit von Prambachkirchen ist ein Steinmeteorit aus der Gruppe der gewöhnlichen Chondrite, der am 5. November 1932 um 21:55 Uhr nahe der Ortschaft Obergallsbach in der Gemeinde Prambachkirchen im heutigen Bezirk Eferding (Oberösterreich) niedergegangen ist.[1][2] Das ursprünglich 2125 g schwere Einzelstück zählt zu den seltenen beobachteten Meteoritenfällen in Österreich.[2]

Fallereignis

Am Abend des 5. November 1932, einige Minuten vor 22 Uhr, wurde über Teilen Oberösterreichs eine auffällige Feuerkugel beobachtet. Zeitzeugen berichteten von einer plötzlichen, für wenige Sekunden taghellen Beleuchtung, gefolgt von zwei deutlich wahrnehmbaren Knallgeräuschen und einem an- und abschwellenden Donner- bzw. Sausgeräusch.[1][2]

Der Meteorit trat nach späteren Berechnungen über dem Westen Oberitaliens in die Erdatmosphäre ein, überquerte in großer Höhe die Alpen und zog in rund 50 km Höhe über den Tauern nach Norden. Südlich von Wels soll sich in etwa 14 km Höhe ein Teil des Körpers abgetrennt haben, was mit einer markanten Änderung der Flugbahn in Verbindung gebracht wird.[2]

Am darauffolgenden Morgen fand der Landwirt Anton Doppelbauer auf seinem Acker bei Obergallsbach einen flachen Einschlagstrichter und in 23 cm Tiefe einen dunklen, abgerundeten Stein, der sich deutlich vom umgebenden Boden unterschied.[1][2]

Fund und Untersuchungen

Der gefundene Steinmeteorit wog 2125 g.[1][2] 3 Tage nach dem Fall wurde er vom Geologen Josef Schadler für das Oberösterreichische Landesmuseum übernommen. Schadler protokollierte die Augenzeugenberichte und wertete sie gemeinsam mit dem Astronomen Justus Rosenhagen aus, woraus eine relativ detaillierte Rekonstruktion der Flugbahn hervorging.[1] Für mineralogische und petrographische Untersuchungen wurde dem Stück später eine Probe entnommen; dadurch verringerte sich die Masse des Hauptkörpers auf etwa 1987 g.[2][3]

Klassifikation

Bereits die Erstuntersuchungen ergaben, dass es sich um einen Steinmeteoriten mit charakteristischen Chondren handelt, also um einen Chondriten.[2] Spätere Neubewertungen ordneten Prambachkirchen den gewöhnlichen Chondriten der chemischen Gruppe L zu. In neueren Katalogen wird der Meteorit als gewöhnlicher Chondrit vom Typ L6 geführt.[4]

Die klassische, ausführliche Beschreibung von Schadler und Rosenhagen nennt eine Silikat-Matrix, in der Olivin der häufigste Bestandteil ist, begleitet von Pyroxenen, Metall (Fe-Ni) und Troilit. Plagioklas ist weitgehend in glasige Phasen umgewandelt; als akzessorische Minerale werden u. a. Chromit, Ilmenit und Merrillith beschrieben.[4]

Aufbewahrung

Meteoritendenkmal Prambachkirchen – Nachbildung des Meteoriten

Die Hauptmasse des Meteoriten von Prambachkirchen befindet sich in der geowissenschaftlichen Sammlung des Oberösterreichischen Landesmuseums und wird im Schlossmuseum Linz ausgestellt.[2] Ein kleineres Stück ist im Naturhistorischen Museums Wien in der Österreich-Vitrine als Teil der Meteoritensammlung in Saal 5 ausgestellt.

In Prambachkirchen erinnert ein Meteoritendenkmal an das Ereignis von 1932. Die Tafel informiert über den Fall, das Gewicht und die wissenschaftliche Bedeutung des Meteoriten und ist als lokale Sehenswürdigkeit Teil des touristischen Angebots der Marktgemeinde.[5]

Bedeutung

Zum Zeitpunkt seines Falls war Prambachkirchen der zweite dokumentierte Meteoritenfall in Oberösterreich nach dem Meteorit von Mauerkirchen (1768) und gehörte zu den wenigen in Österreich beobachteten Fällen überhaupt.[5][1] Schadler und Rosenhagen listen in ihrer ersten Publikation zum Meteoriten von Prambachkirchen insgesamt 96 Augen- und Ohrenzeugen des Falls auf. Aufgrund der zahlreichen Augenzeugenberichte gilt das Ereignis als gut dokumentiert und dient als Beispiel für die Rekonstruktion von Meteorbahnen aus visuellen Beobachtungen.

Der Meteorit ist das älteste Objekt in den Sammlungen des Oberösterreichischen Landesmuseums: Sein Entstehungsalter als Chondrit wird auf rund 4,6 Milliarden Jahre geschätzt und reicht damit in die Frühphase des Sonnensystems zurück.[1]

Siehe auch

Einzelnachweise

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