Prebischtor

größte natürliche Sandstein-Felsbrücke Europas From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Prebischtor (tschechisch: Pravčická brána) befindet sich in der Böhmischen Schweiz. Das schlanke Felsgebilde ist die größte natürliche Sandstein-Felsbrücke Europas. Mit einer Spannweite von 26,5 Meter, einer lichten Höhe von 16 Meter, einer maximalen Breite von 8 Meter und einer Torbogenstärke von 3 Metern gehört es zu den herausragendsten Naturdenkmälern des Elbsandsteingebirges.

Blick auf das Prebischtor mit dem Rosenberg (Růžovský vrch) im Hintergrund

Lage und Umgebung

Das Prebischtor befindet sich im rechtselbischen Teil der Böhmischen Schweiz etwa 3,3 km (Luftlinie) nordöstlich von Herrnskretschen (Hřensko) und etwa 2,8 km (Luftlinie) nordwestlich von Rainwiese (Mezní Louka). Nördlich des Tores verläuft die deutsch-tschechische Staatsgrenze, südlich befindet sich die Kamnitzklamm.

Geographie

Das Prebischtor gehört zum südlichen Rand eines ausgedehnten Felsreviers, dass sich in Richtung Nordwesten über den Großen Winterberg bis zu den Affensteinen und Schrammsteinen, in Richtung Norden bis zum Winterstein und Teichstein sowie in Richtung Osten bzw. Nordosten bis zum Großen Zschand und den Thorwalder Wänden erstreckt.

Das Tor befindet sich in einem ca. 100 Meter langen von Nord nach Süd verlaufenden Felsvorsprung, der eine Höhe von 447 Metern erreicht. Die Felsöffnung wird dabei im Gegensatz zu anderen Felsentoren jedoch nicht von einem kompakten Felsen gebildet. Es handelt sich vielmehr um zwei sich gegenseitig abstützende Felsen, deren Bewegungen mittels Sensoren wissenschaftlich beobachtet und überwacht werden.[1]

Im Umfeld des Prebischtores verfügt der Rand des umgebenden Felsreviers über markante Wandstrukturen (Silberwand/Stříbrné stěny, Auerhahnwände/Tetřeví stěna, Matzseidelwände/Matzseidelova stěna, Langgrundwände/Dlouhodolské stěny, Flügelwande/Křídelní stěna) mit Wandhöhen von teils über 100 Metern. Teilweise hat die Erosion die Wände auch zu markanten einzelnen Felsnadeln wie dem Großen Prebischkegel (Velký Pravčický kužel) und dem Kleinen Prebischkegel (Malý Pravčický kužel) aufgelöst.

Namensherkunft

Die frühen Namensnennungen beziehen sich in der Form Großes Tor oder Das Thor nur auf die Gestalt und das Ausmaß. Der Name Prebisch mit dem slawischen Wortstamm pribi (wachsen) tauchte in der Umgebung v. a. in der Bezeichnung des Prebischgrundes auf, erstmals wohl 1635 in einer Urkunde einer Erbteilung als Briebschgrundt. Im Zuge der touristischen Erschließung der Region ging der Name Prebisch vom Grund und den umliegenden Felsformationen wie dem Prebischkegel und dem Prebischhorn um 1800 auch auf das Felsentor über. Wilhelm Leberecht Götzinger bezeichnet es in der Erstausgabe seiner Beschreibung der Sächsischen Schweiz (Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz) 1804 nur als Das Thor bzw. Das Thor am Prebisch-Grunde.[2] In der zweiten Auflage von 1812 ist hingegen vom Prebischthor die Rede.[3]

Trotz der Lage in Böhmen bzw. der Tschechischen Republik handelt es sich um einen deutschen Namen, da die Bevölkerung im Grenzraum bis zur Vertreibung 1945 überwiegend deutschstämmig und deutschsprachig war. Die tschechische Bezeichnung als Pravčická brána ist vergleichsweise jung. Sie entstand als Übersetzung der deutschen Bezeichnung erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei waren anfangs verschiedene Bezeichnungen wie Brána Přebišova, Přebišská brána oder Prebištor gebräuchlich. 1924 erfolgte durch das Ministerium für Bildung und Nationale Aufklärung im Zuge einer landesweiten Neufestlegung tschechischer Namen die bis heute gebräuchliche Bezeichnung als Pravčická brána.[4]

Geschichte

Das Prebischtor wurde erstmals in Grenzurkunden von 1410 und 1451 als Das Große Tor erwähnt.

Die touristische Erschließung der Region setzte im frühen 19. Jahrhundert ein. Daran hatten wie in der benachbarten Sächsischen Schweiz auch Künstler einen Anteil, die von Sachsen aus zum Prebischtor gelangten und es malten und beschrieben. Dazu zählten u. a. Wilhelm Theodor von Chézy (1819), Hans Christian Andersen (1831), Ludwig Richter, Carl August Richter und Eduard Agricola.

Der Grundbesitzer des Gebietes, Fürst Edmund von Clary-Aldringen (1813–1894), initiierte und förderte die touristische Entwicklung des Prebischtores maßgeblich. Bereits 1817 ließ er als Unterkunft für Waldarbeiter und zur Feuerwache eine kleine Rindenhütte am Prebischtor errichten. 1826 gestattete er die Nutzung der Hütte als erste kleine Schänke. 1836 wurde benachbart ein weiteres Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeiten errichtet und die Terrasse unter dem Prebischtor angelegt.

Am 30. August 1842 brach im Prebischgrund ein verheerender Waldbrand aus, der bis nach Sachsen übergriff und insgesamt ca. 236 Hektar Waldfläche vernichtete. Das Prebischtor blieb von den nahen Flammen verschont.[5]

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich das Prebischtor als wichtiges Ausflugsziel in der Böhmischen Schweiz etabliert. Der Hauptzugang von Herrnskretschen (Hřensko) aus verlief damals noch durch das steile Harzgründel (heute nicht mehr begehbar) relativ direkt von der Straße von Herrnskretschen nach Rainwiese (Mezní Louka) von Süden zum Tor hinauf. Der heutige Hauptzugang durch den westlich davon gelegenen Langen Grund (Dlouhý důl) wurde zwar in den 1860er Jahren erstmals ausgebaut, war aber als Pferdeweg Fürst Edmund von Clary-Aldringen und seinen Gästen vorbehalten.

1876 wurde die Schänke um einen Speisesaal und eine weitere Terrasse erweitert. Im Herbst 1880 entschied Fürst Edmund von Clary-Aldringen, am Prebischtor ein neues repräsentatives Hotel mit Restaurant, welche ihm gleichzeitig als Sommersitz dienen sollte, zu errichten. Das sogenannte Falkennest (Sokolí hnízdo) wurde im Sommer 1882 eingeweiht.

In diesem Zusammenhang wurde auch der Zugang durch den Langen Grund (Dlouhý důl) als Serpentinenweg mit Mauern, Brücken und einem Tunnel als neuer bequemer Hauptzugang für alle Besucher ausgebaut. Schon 1880 war dazu die Johannispromenade (Anfangs auch Fürst Edmund Johannis Steig genannt) vom Herrenhaus Herrnskretschen hoch über dem Tal der Kamnitz (Kamenice) bis zum Himbeergründel (Malinový důl) neu angelegt wurden. Die Weiterführung des Promenadenweges vom Prebischtor in Richtung Rainwiese erfolgte um 1891/92 im Zusammenhang mit der von Fürst Edmund von Clary-Aldringen initiierten Errichtung eines Luxushotels in Rainwiese. Der Weg wurde nach der Schwester des Fürsten Leontine Gabriele von Clary und Aldringen als Gabrielensteig bezeichnet.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Hotels wurde der Zugang zum Prebischtor auch gebührenpflichtig (Anfangs 10 Kreuzer pro Person). In der Sommersaison 1884 wurden 12.636 Eintrittskarten verkauft.

Aufgrund der stetig wachsenden Besucherzahl wurde 1903 das Projekt einer Seilbahn zum Prebischtor entwickelt. Es wurde aber wegen zu hoher Investitionskosten nicht umgesetzt.

1929 wurden am Prebischtor ca. 109.000 Eintrittskarten verkauft.

Nach dem Münchner Abkommen und der deutschen Besetzung des Sudetenlandes bzw. der Zerschlagung der Tschechoslowakei wurden Ende der 1930er Jahre Pläne zur Erneuerung des in die Jahre gekommenen Hotels entwickelt. Mangelhaft waren insbesondere die fehlende Trinkwasserleitung, der fehlende Stromanschluss, die unzureichende Heizungsanlage und die fehlende Seilbahn zum Materialtransport. Aufgrund des schlechten Gesamtzustandes wurde ein Abriss und Neubau diskutiert, der wegen der hohen Kosten (ca. 1,5 Millionen Reichsmark) und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht umgesetzt wurde.

Die Besucherzahlen gingen mit dem Kriegsausbruch drastisch zurück. 1940 zählte man noch 32.233 Gäste am Prebischtor, 1943 waren es noch knapp 4.000. Ab 1944 ruhte der touristische Betrieb bis Kriegsende.

Nach dem Krieg wurde der touristische Betrieb wieder aufgenommen. Für den Lastentransport wurde eine 400 Meter lange Materialseilbahn installiert, die von Süden vom Torgrund aus westlich am Prebischtor vorbei bis nahe des Hotels führt.

Im Dezember 1963 wurde das Prebischtor als geschütztes Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Die Begehung des Brückenbogens selbst wurde wegen der starken Erosion und nach Rissbildung im unteren Bereich durch den Besucherverkehr 1982 verboten. Die Stahltreppen, die auf das Tor führten, wurden ebenso wie die Geländer auf dem Prebischtor demontiert. Die touristische Nutzung des Prebischtores führte zur Erosion einer 60–80 Zentimeter mächtigen Sandsteinschicht. Obwohl mit der Besuchersperrung ein wesentlicher Erosionsgrund entfiel, verlaufen die natürlichen Verwitterungsprozesse des Sandsteins u. a. durch sauren Regen, Wurzelsprengung und Frostverwitterung weiter.

Seit Juni 1992 ist das Prebischtor als nationales Naturdenkmal geschützt. Es liegt in dem im Jahr 2000 ausgewiesenen Nationalpark Böhmische Schweiz (in der Zone C und damit nicht in der Kernzone).[6] Das gesamte Gelände des Prebischtors befindet sich seit der Privatisierung des Hotels im Jahr 1992 in Privatbesitz und ist während der Öffnungszeiten gegen ein Eintrittsgeld zugänglich.

Das Prebischtor ist aktuell eines der markantesten touristischen Ziele im Elbsandsteingebirge. Bis 2019 zählte das Tor bis zu 270.000 Besucher pro Jahr. Nach dem Rückgang der Besucherzahlen aufgrund der Corona-Pandemie und des schweren Waldbrandes im Sommer 2022 wurden 2024 ca. 100.000 Besucher gezählt.[7]

Wanderrouten und Zugang

Südlich unterhalb des Prebischtors führt der Europäische Fernwanderweg E3 vorbei, der hier identisch mit dem Bergwanderweg Eisenach–Budapest ist. Das Prebischtor ist nur über den E3 von Westen, d. h. von Herrnskretschen (Hřensko), oder von Osten, d. h. von Rainwiese (Mezní Louka) aus erreichbar. Der Zugang von Rainwiese wird als Gabrielensteig bezeichnet.

Seit dem Waldbrand in der Region im Sommer 2022 ist der Gabrielensteig bis voraussichtlich 2027 gesperrt.[8][9]

Der bis 1945 von deutscher Seite von Norden zum Prebischtor führende Fremdenweg endet heute östlich des Großen Winterbergs unweit der deutsch-tschechischen Grenze. Der restliche Wegeverlauf bis zum Tor verläuft weitgehend auf tschechischer Seite und ist aufgrund der Lage in der Kernzone des Nationalparks Böhmische Schweiz für Wanderer gesperrt. Das trifft auch auf die ehemals vorhandenen Zugänge von Norden durch die Richterschlüchte und Weberschlüchte zum Fremdenweg und damit zum Prebischtor zu. Diese liegen in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz. Die ehemaligen Zugänge vom Fremdenweg zum Prebischtorgebiet wurden im Umfeld des Tores durch Brückenrückbauten und Wegesperrungen weitgehend unpassierbar gemacht.[10]

Filme

Einige Landschaftsaufnahmen zum 2005 veröffentlichten Film Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia wurden hier gedreht. Da das Prebischtor nicht mehr betreten werden darf, wurden die Aufnahmen, in denen die Darsteller scheinbar über die Felsbrücke laufen, nachträglich im Studio gedreht und eingefügt. Auch im Film Die Hüterin der Wahrheit – Dinas Bestimmung sind das Prebischtor sowie die Untergeschosse des Hotels als Kulisse zu sehen.

Trivia

Galerie

Siehe auch

Literatur

  • Zuzana Varilova, Natalie Belisova (Hg.): Das Prebischtor. Das große Buch über das große Tor. Krasna Lipa 2010, ISBN 978-80-87248-07-2
Commons: Prebischtor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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