Prinzregentenplatz (Augsburg)
Platz in Augsburg
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Der Prinzregentenplatz ist ein Platz im Bahnhofsviertel von Augsburg. Im Mittelpunkt des Platzes steht der Prinzregentenbrunnen zu Ehren des Prinzregenten Luitpold.

Vom Bahnhof im Westen her kommend, läuft die Prinzregentenstraße zunächst gerade auf den Prinzregentenbrunnen zu, dann gabelt sie sich vor dem Platz. Ihr linker Verlauf behält den Namen Prinzregentenstraße; ihr rechter heißt nach dem Prinzregentenplatz Holbeinstraße.
Im Nordwesten des Platzes liegt, von einem Garten umgeben, das Diakonissenhaus Augsburg. Im Osten des Platzes befindet sich die örtliche Direktion der AOK Bayern und das Sozialgericht. Im Süden des Prinzregentenplatzes gelegen ist das Landratsamt des Landkreises Augsburg. Ein wichtiges Nachkriegsbauwerk im Südosten des Platzes ist das Finanz- und Hauptzollamt.
Geschichte
Ende des 19. Jahrhunderts beschloss der Augsburger Stadtmagistrat dem Prinzregenten zu seinem 80. Geburtstag ein Denkmal zu errichten. Zu diesem Zweck wurde auf dem ehemaligen Schnurbeinschen Gartengelände ein Monumentalbrunnen geplant und 1901 mit dessen Bau begonnen. Im Jahr 1903 wurde anschließend die Enthüllung des Brunnens gefeiert.
Der Prinzregentenplatz war ursprünglich weiträumiger als heute. In den Jahren 1929–1931 wurde in seinem Osten das Gebäude der AOK erbaut, außerdem nutzt man den Teil des Platzes zwischen dem Brunnen und dem AOK-Gebäude für Parkplätze. So hat der Platz heute etwa eine Halbkreisform und Hecken grenzen den Brunnenbereich gegen die Parkplätze dahinter ab.
Zur Zeit des Nationalsozialismus war der Prinzregentenplatz ein zentraler Ort der Unterdrückung durch das Regime. Hier befand sich die Gestapo-Zentrale sowie die Reichsbahndirektion, die in die Logistik für Deportationen und Zwangsarbeit involviert war.
Prinzregentenplatz 1
Bau des Gebäudes und Zeit des Nationalsozialismus
In den Jahren 1929–1931 wurde am Prinzregentenplatz 1 ein Neubau errichtet, welcher zunächst von der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) bezogen wurde.[1] Auch die Landespolizeidirektion zog in das Gebäude ein. Die Direktion wurde zur Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 für kurze Zeit von SS-Sturmbannführer Rolf von Humann-Hainhofen geführt.[2] Zu dieser Zeit war auch die Gestapo dort ansässig. Diese hatte ihre Räumlichkeiten seit 1938 jedoch auch in der benachbarten Prinzregentenstraße 11 und der zusätzlich errichteten 11a eingerichtet. Das Gebäude (Hausnummer 11) wurde dafür „arisiert“, der jüdische Vorbesitzer floh nach Amerika. Die Aufgabe der Gestapo war es, politische Gegner, Juden und andere, aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossene, zu bekämpfen. Dabei kam es zu Misshandlungen und gewaltsamen Verhören der Häftlinge, welche teils damit rechnen mussten, von der Gestapo in ein Konzentrationslager deportiert zu werden. Noch heute sind Inschriften der Häftlinge in den ehemaligen Zellen zu sehen.[3][4]
Nachkriegszeit und Anschlag der RAF
Nach der Befreiung Augsburgs war am Prinzregentenplatz 1 sowie in der zum Gebäudekomplex dazugehörigen Holbeinstraße 12 wiederum die Polizeidirektion ansässig, die Ortskrankenkasse blieb bestehen. Am 2. März 1972 wurde Thomas Weisbecker, Mitglied der Terrororganisationen „Rote-Armee-Fraktion“ und „Bewegung 2. Juni“, von einem Polizisten aus Notwehr bei seiner geplanten Festnahme in Augsburg getötet. Das „Kommando Thomas Weisbecker“ der RAF verübte daraufhin am 12. Mai 1972 einen Bombenanschlag auf die Polizeidirektion am Prinzregentenplatz. Fünf Polizisten wurden dabei verletzt.
Im Stammheim-Prozess schildern Zeugen den Anschlag. Ein Zeuge, Kriminaloberkommissar Lutz, erinnert sich im Protokoll, dass gegen 12:15 Uhr die erste Bombe im Dachgeschoss (vierter Stock, Prinzregentenplatz 1) explodierte.
„Durch die Wirkung wurden also die Türen im dortigen Bereich aus den Angeln gerissen, Splitterwirkung war in diesem gesamten Raum vorhanden. Bei Wahrnehmung dieser Explosion mit erheblicher Staub- und Schmutzentwicklung, befand sich unmittelbar am Treppengeländer am östlichen Absatz dieses Vorplatzes ein Loch in dieser Hohlblocksteindecke.“
Die zweite Bombe explodierte demnach gegen 12:18 im südlichen Gebäudetrakt (Holbeinstraße 12) im dritten Stock auf einem Aktenschrank. Mehrere Beamte verließen den Raum kurz vor dieser Detonation oder befanden sich im toten Winkel der Bombe.
Ein Beamter berichtet, wie er, kurz nach der ersten Detonation, mit seinem Kollegen sein Zimmer (Holbeinstraße 12) verließ.
„Da blieb ich stehen und sagte zu Herrn Kreisel, der neben mir war, […] „jetzt geht es bei uns auch los.“ In dem Moment knallte es neben mir, rechts neben meinem Ohr. Ich wußte nicht wo; ich sah nichts mehr; ich hörte nichts mehr; ich stand für mich in einer braunen Wolke, die vollkommen still war. Und ich hörte niemanden gehen, ich hörte überhaupt nichts mehr im Augenblick. Da sah ich einen hellen Fleck, ich bekam auch keine Luft mehr, mich hatte es zu Boden gedrückt, ich bin zumindestens mit Händen und Knien am Boden gewesen, hab’ nach Luft gerungen und bin dann auf diesen hellen Fleck zu, wie ich mich wieder aufrichten konnte. Dieser helle Fleck war ein Fenster. Ich versuchte das Fenster zu öffnen, war natürlich kein Glas mehr drin. Aber ich versuchte trotzdem an dem Hebel herum zu reißen und dann bin ich drauf gekommen, da ist ja gar kein Glas mehr drin.“
Ein weiterer, dritter Sprengkörper, der nicht detonierte, wurde im Dachgeschoss (Prinzregentenplatz 1) aufgefunden und entschärft. Ein Bekennerschreiben der Roten Armee Fraktion ging am 18. Mai bei der dpa in Hamburg ein:
„Die Polizei hat Thomas Weisbecker bewußt nicht gefangen genommen, sondern erschossen. Die Fahndungsbehörden haben nunmehr zur Kenntnis zu nehmen, daß sie keinen von uns liquidieren können, ohne damit rechnen zu müssen, daß wir zurückschlagen werden. […] Kampf den Exekutionskommandos der Polizei! Kampf der SS-Praxis der Polizei! Kampf allen Ausbeutern und Feinden des Volkes! ROTE ARMEE FRAKTION - 16. Mai 1972.“
Der Journalist Butz Peters berichtet, die Terroristen hätten zuvor mithilfe einer Tasche voller Kartoffeln getestet, ob diese im Gebäude platziert werden könne.[5]
Auch das Landeskriminalamt in München (→Hauptartikel) wurde wenige Stunden später Ziel eines Sprengstoffanschlags dieses Kommandos. Die Anschläge sind der sogenannten Mai-Offensive der RAF zuzuordnen.[6][7][8][9][10][11][12]
Spionage durch das Ministerium für Staatssicherheit
In den 1950er Jahren erstellte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR mithilfe von Informanten Berichte über die Polizeidirektion Augsburg sowie andere Augsburger Institutionen. Ein Bericht wurde 1960 fertiggestellt. Dabei wurden genaue Informationen über die Abteilungen, ihre Anzahl an Beamten, sowie die Zahl und Art der Einsatzfahrzeuge gesammelt. Auch wurden persönliche Informationen über einzelne Beamte zusammengetragen. Beispielsweise beschrieb der Informant, wie ein Beamter jeden Tag „gegen 07:00“ mit der „Straßenbahn, Li[nie] 4“ zur Polizeidirektion fuhr und, dass er „mit Adenauer nicht einverstanden“ gewesen sei, die „kapitalistische Gesellschaftsordnung“ hingegen aber nicht ablehnte.[13]
Heutige Nutzung
In den 1980er Jahren zog die Polizeidirektion aus dem Gebäude aus. Seitdem wird der gesamte nördliche Teil des Gebäudekomplexes (Prinzregentenstraße 1) von der AOK benutzt. Im südlichen Teil (Holbeinstraße 12) sitzt heute das Sozialgericht Augsburg.
Prinzregentenplatz 4
Das Gebäude, in dem sich heute das Landratsamt Augsburg befindet, wurde 1939 als Reichsbahndirektionsgebäude errichtet. Es weist typische Merkmale der Zweckbauten der Nationalsozialisten, darunter einen Reichsadler (heute mit entferntem Hakenkreuz), auf. Im umfangreichen Kellersystem des Gebäudes befinden sich mehrere Luftschutzkeller, Systeme zur Belüftung von Schutzräumen und Sanitätsräume. Bei den Luftangriffen auf Augsburg wurde das Gebäude teilweise beschädigt.[14][15][16]
Die Reichsbahn baute gemeinsam mit der Messerschmitt AG das „Sammellager 5“ in Göggingen, welches Zwangsarbeiter für Augsburger Unternehmen unterbrachte. 1944 mussten dort fast 2.000 Menschen leben. Die Arbeiter litten unter Krankheiten und waren Missbrauch ausgesetzt.[17] Die Reichsbahn beteiligte sich, wie auch in anderen Teilen des Reichs, in Augsburg an neun Deportationen von Juden, indem sie den Transport plante und durchführte.[18]
Mit dem Bau des Finanz- und Hauptzollamts wurde im Dezember 1937 begonnen. Das Finanzamt wurde bei den Luftangriffen auf Augsburg im Februar 1944 zerstört und 1954/55 wieder errichtet.[19]
Der Prinzregentenbrunnen

Der Brunnen besteht aus einem mit Granitstufen eingerahmten Bassin aus Muschelkalk mit einem Durchmesser von 13 Metern. In der Mitte erhebt sich ein achteckiger Piedestal, an dessen vier breiten Seiten die Vorgänger des Prinzregenten abgebildet sind. Oben befindet sich die 867 kg schwere und 2,6 Meter hohe Bronzefigur, ein Werk des Münchner Bildhauers Franz Bernauer.
Literatur
- Jürgen Bartel: Augsburger Brunnen. Brigitte Settele Verlag, Augsburg 1989, S. 55.