Prognos
Schweizer Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen
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Die Prognos AG ist ein wirtschafts- und gesellschaftswissenschaftlich ausgerichtetes Forschungs- und Beratungsunternehmen mit Sitz in Basel und mehreren Standorten in Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz. Das Unternehmen arbeitet für verschiedene öffentliche und private Auftraggeber und erstellt Analysen, Gutachten, Studien und Szenarien zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen.
| Prognos AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1959 |
| Sitz | Basel, Schweiz |
| Leitung | Christian Böllhoff (Geschäftsführender Gesellschafter) Jan Giller (VR-Präsident) |
| Mitarbeiterzahl | über 200[1] |
| Website | prognos.com |
Geschichte
Die Prognos AG wurde am 6. Oktober 1959 von Edgar Salin (1892–1974) gemeinsam mit sechs weiteren Professoren in Basel gegründet.[2] Gerhard Simonis wurde erster Geschäftsführer und Fritz Hagemann Präsident des Verwaltungsrates. Gottfried Bombach (1919–2010) übernahm 1960 den Vorsitz des Wissenschaftlichen Beirates und im Jahr 1962 wurde Peter G. Rogge als Nachfolger von Gerhard Simons zum Geschäftsführer ernannt. Bald zählte die Prognos AG 26 fest angestellte Mitarbeiter.
Seit 2003 ist der Volks- und Betriebswirt Christian Böllhoff geschäftsführender Gesellschafter der Prognos AG.
Der erste Prognos Deutschland Report («Die Bundesrepublik Deutschland 1950–1970») erschien 1965. Bis heute gilt der Report als Kompendium zur Zukunft Deutschlands und Planungsinstrument für Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik.
Im März 1971 übernahm der Schweizerische Bankverein die Aktienmehrheit an der Prognos. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Prognos 75 Mitarbeiter. Nachdem Peter G. Rogge zum Bankverein gewechselt war, übernahm Heik Afheldt 1977 den Vorsitz der Geschäftsleitung. Es kam ein Jahr später zur Gründung des «Freundeskreis Prognos». Dieser bestand aus ehemaligen Mitarbeitern und lancierte die Idee der ab 1981 durchgeführten Veranstaltungsreihe «Prognos Forum Zukunftsfragen».
1980 wurde die erste deutsche Niederlassung in Köln eröffnet. Sie wurde später nach Düsseldorf verlagert. In diesem Jahr spielte sich die Zahl der Mitarbeiter bei 120 ein. 1982 beteiligte sich Prognos zu 50 % an der von der Industriekreditbank AG (IKB), Düsseldorf, betriebenen Gründung der «IKB Consult GmbH». Der Bankverein übertrug seine Aktien an die zum Konzern gehörige Schweizerische Treuhandgesellschaft (STG) im Jahr 1985.
Das bisher grösste Büro von Prognos wurde 1986 in Berlin eröffnet. Drei Jahre später wurde Hans J. Barth als Nachfolger von Heik Afheldt, der zur Verlagsgruppe Handelsblatt wechselte, zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung berufen. Danach übernahm die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (heute Holtzbrinck Publishing Group) 50 % der Prognos-Aktien von der Schweizerischen Treuhandgesellschaft und erwarb weitere 5 % vom einzigen freien Aktionär. Sie wurde damit neuer Mehrheitsaktionär. 1991 erreichte die Holtzbrinck Publishing Group einen Anteil von 75 %. Die Schweizerische Treuhandgesellschaft hält noch 25 % der Aktien.
Im August 1995 übernahm die Holtzbrinck Publishing Group die restlichen Prognos-Aktien und wurde somit Alleinaktionärin. Weitere Büros von Prognos wurden 1999 in Brüssel und Bremen eröffnet. Im Dezember 2002 fand das 20. Zukunftsforum von Prognos statt.[3]
Zum 1. Januar 2014 fusionierte die ProgTrans AG mit der Prognos AG. Die Prognos AG hat im Zuge der Nachfolgeregelung für den Gründer und Geschäftsführer der ProgTrans AG sämtliche Aktien der ProgTrans AG übernommen und wurde damit deren alleinige Eigentümerin. Auf diese Weise kehrt die ProgTrans AG somit in ihr Stammhaus zurück.[4]
Unternehmensprofil
Kerngeschäft ist die Erstellung von Analysen und Szenarien zu wirtschaftlichen, politischen oder gesellschaftlichen Fragestellungen sowie Strategieberatung.[5] Dabei liegt der Schwerpunkt auf wirtschaftswissenschaftlicher Forschung sowie auftragsbezogenen Forschungs- und Beratungsprojekten für öffentliche und private Auftraggeber. Klassische Meinungs-, Wahl- oder Demoskopieforschung gehört nicht zum Tätigkeitsfeld des Unternehmens.[6][7][5]
Neben wirtschaftlichen Themen bearbeitet die Prognos AG auch gesellschaftspolitische Fragestellungen, darunter Bildung,[8] Soziales, Familie[9] und Gesundheit. Weitere Arbeitsfelder umfassen unter anderem internationale Wettbewerbsfähigkeit, Industrie- und Strukturpolitik, Digitalisierung,[10] Handelsbeziehungen[6] sowie energie- und klimapolitische Fragestellungen.[11][12] Die Tätigkeit umfasst ausserdem Analysen zur Energiewende sowie Untersuchungen zu langfristigen wirtschaftlichen und fiskalischen Auswirkungen politischer Reformen, darunter Reformen der sozialen Sicherungssysteme.[13] Darüber hinaus bietet Prognos Beratungsdienstleistungen an, etwa bei der Entwicklung von Unternehmensstrategien und begleitet deren Umsetzungsprozess.[5]
Die Arbeiten sind auf mittel- bis langfristige Zeithorizonte ausgerichtet und untersuchen Entwicklungen über Zeiträume von zehn Jahren und mehr.[12]
Von Anfang an hatte die Prognos eine starke Ausrichtung nach Deutschland, heute tätigt sie einen Grossteil des Umsatzes ausserhalb der Schweiz. Neben dem Stammsitz in Basel befindet sich der mittlerweile grösste Standort in Berlin. Daneben gibt es Büros in Bremen, Brüssel, Düsseldorf, München, Stuttgart, Freiburg im Breisgau, Hamburg und Wien. Damit ist die Prognos AG mit insgesamt zehn Standorten in der Schweiz, Deutschland, Belgien und Österreich vertreten.[14]
Zu den Auftraggebern der Prognos AG gehören mittlere und große Unternehmen, Einrichtungen aus unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen, darunter Stiftungen, Verbände, Landes- und Bundesministerien und weitere Organisationen des öffentlichen Sektors aus Verwaltung und Zivilgesellschaft.[6][12][13] Die Prognos AG finanziert ihre Tätigkeit nach eigenen Angaben ausschliesslich über auftragsbezogene Projekte und erhält keine institutionellen oder privaten Fördermittel.[2]
Stand 2026 beschäftigt die Prognos AG mehr als 200 Mitarbeiter.[1]
Themenbereiche
Die Arbeit der Prognos AG ist in fünf Themenbereiche gegliedert, die sich alle über mehrere Standorte verteilen. Diese Themenbereiche bestehen wiederum aus verschiedenen Unterkategorien. Die Themenbereiche sind:[15]
- Wirtschaft & Arbeit
- Innovation & Digitalisierung
- Klima & Energie
- Regionen & Infrastrukturen
- Gesellschaft & Staat
Publikationen
Neben Studien gehören ökonometrische Analysen und Szenarien zu den Kerntätigkeiten der Prognos AG. Dazu kommen Projekte etwa in der Form von regionalen Struktur- und Standortanalysen,[16] Beteiligungs- und Dialogverfahren,[17] Wirkungsanalysen,[18] Evaluationen und Monitoring,[19] Politikfolgen- und Gesetzesfolgenabschätzungen[20] usw. Zusätzlich zu den Projekten gibt es als regelmässige Produkte «Reports», «Atlasreihe» und «Zukunftsstudien».[21] Der Prognos Zukunftsatlas ist eine regelmässig von der Prognos AG in Kooperation mit dem Handelsblatt vorgenommene Bewertung aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte. Die Einstufung dieser Körperschaften auf Kreisebene in ein Ranking erfolgt aufgrund von verschiedenen Metriken, die gewichtet in eine Berechnung einfliessen. Der Zukunftsatlas erscheint seit 2004 im Dreijahresturnus.[22][23]
Beispiele
In einer 2022 veröffentlichten Studie untersuchte Prognos den ökologischen Fußabdruck der pharmazeutischen Industrie in Deutschland. Die Analyse kam zu dem Ergebnis, dass die Branche im Vergleich zu anderen Industriezweigen relativ geringe Treibhausgasemissionen und eine niedrige Energieintensität aufweist, während ein Teil der Umweltbelastungen entlang internationaler Lieferketten entsteht.[24]
2023 erarbeitete Prognos gemeinsam mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine Studie zum Reformbedarf umwelt- und klimaschädlicher Subventionen in Deutschland, in der die ökonomischen, ökologischen und sozialen Wirkungen möglicher Subventionsreformen analysiert wurden.[25]
Im selben Jahr evaluierte Prognos die internen Strukturen und Entscheidungsprozesse der Kultusministerkonferenz (KMK). Die Analyse stellte unter anderem eine hohe Zahl von Gremien und Sitzungen sowie lange Entscheidungsprozesse fest, die von der Initiierung bis zum Beschluss mindestens mehrere Monate dauern können.[26]
Prognos erstellte 2024 gemeinsam mit dem Leipziger Institut für Energie im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz eine Studie zur Erreichung der Treibhausgasneutralität in Thüringen bis 2045. Darin wurde der Investitionsbedarf für Klimaschutzmassnahmen in Industrie, Verkehr, Gebäuden und Landwirtschaft analysiert und für den Zeitraum 2025 bis 2045 quantifiziert.[27]
Im Jahr 2025 veröffentlichte Prognos im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie eine Studie zur Finanzierung des deutschen Gesundheitssystems, in der Effizienzpotenziale durch medizinische, technologische und digitale Innovationen in der industriellen Gesundheitswirtschaft analysiert wurden.[28]
Ebenfalls 2025 veröffentlichte die Prognos AG ein Policy Paper zum ökonomischen Potenzial der Familienpolitik, in dem der Zusammenhang zwischen Massnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Erwerbstätigkeit von Müttern und gesamtwirtschaftlichen Effekten in Deutschland analysiert wurde.[29]
Prognos war zudem Projektpartner in einer von der Europäischen Kommission (Generaldirektion Regional- und Stadtpolitik) beauftragten Ex-post-Evaluierung zum Beitrag der Kohäsionspolitik zum European Green Deal mit Fallstudien in mehreren EU-Mitgliedstaaten.[30]
Literatur
- Klaus Masuhr, Heimfrid Wolff, Jan Keppler: Die externen Kosten der Energieversorgung. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 1992, ISBN 978-3-7910-0671-0.
- Christian Böllhoff, Hans J. Barth (Hg.): Der Zukunft auf der Spur: Analysen und Prognosen für Wirtschaft und Gesellschaft. Festschrift zum 50. Jubiläum der Prognos AG. Schäffer-Poeschel, 2009, ISBN 3791029185.
- Prognos Globalisierungsreport 2011: welche Arbeitsplätze in Deutschland hängen von welchen Ländern ab? (= Prognos Globalisierungsreport. Nr. 2011). epubli, Berlin 2011, ISBN 978-3-8442-2404-7.
