Promazin

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Promazin ist eine heterocyclische, aromatische Verbindung aus der Gruppe der Thiazine und Grundkörper der Promazine. Es ist ein schwach potentes, klassisches Neuroleptikum aus der Gruppe der Phenothiazine. Es wurde 1950 von Rhône-Poulenc patentiert.[2] Als Arzneistoff wurde es in Deutschland früher unter den Namen Protactyl und Sinophenin vermarktet. Es ist einer der ältesten Wirkstoffe zur Behandlung der Schizophrenie, wurde aber weitgehend von neueren Wirkstoffen verdrängt.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Promazin
Allgemeines
Freiname Promazin
Andere Namen

N,N-Dimethyl-3-(10H-phenothiazin-10-yl)propan-1-amin

Summenformel C17H20N2S
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 200-382-0
ECHA-InfoCard 100.000.347
PubChem 4926
ChemSpider 4757
DrugBank DB00420
Wikidata Q419822
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N05AA03

Wirkstoffklasse

Antipsychotikum

Eigenschaften
Molare Masse 284,42 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt
  • 155–158 °C[1]
  • 177–181 °C (Hydrochlorid)[2]
Siedepunkt

203–210 °C (40 Pa)[2]

pKS-Wert

9,4[2]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]

Hydrochlorid

Achtung

H- und P-Sätze H: 302317
P: 280301+312+330[3]
Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Indikation

Psychotische Zustände. Manische Phase bei bipolaren Störungen. Psychomotorische Unruhe- und Spannungszustände, z. B. während eines Alkoholentzugs. Spezifische Formen von Übelkeit und Brechreiz, wo Mittel der ersten Wahl kontraindiziert sind oder nicht die erwartete Wirkung erzielen.[4]

Wirkmechanismus

Promazin blockiert wie alle Phenothiazine eine ganze Reihe von Rezeptoren für Neurotransmitter, wie etwa D2-, α1-, 5-HT2-, H1- und M1-Rezeptoren, wodurch eine antipsychotische, sedierende, anti-adrenerge, antihistaminische, anticholinerge, ganglienblockierende, antiemetische und lokalanästhetische Wirkung entstehen kann. Promazin wirkt zudem als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).[5]

Weitere Informationen Rezeptor, Ki (nM) ...
Bindung zu Rezeptoren in nM (Ki)[6]
Rezeptor Ki (nM) Referenz
α1A-Adrenozeptor (Ratte) 3,74 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
α1B-Adrenozeptor (Ratte) 4,53 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
α1D-Adrenozeptor (Mensch) 6,18 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
α2A-Adrenozeptor (Mensch) 126 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
α2B-Adrenozeptor (Mensch) 8,42 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
α2C-Adrenozeptor (Mensch) 37 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
D1-Rezeptor (Mensch) 1232 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
D2-Rezeptor (Mensch) 168-300[7] DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie, J Pharmacol Exp Ther (2005) 315: 1278-87 [PMID 16135699]
D3-Rezeptor (Mensch) 69-159[7] DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie, J Pharmacol Exp Ther (2005) 315: 1278-87 [PMID 16135699]
H1-Rezeptor (Mensch) 0,4 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
H2-Rezeptor (Mensch) 2810 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
M1-Rezeptor (Mensch) 117 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
M2-Rezeptor (Mensch) 387 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
M3-Rezeptor (Mensch) 88 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
M4-Rezeptor (Mensch) 42 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
M5-Rezeptor (Mensch) 46 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
NET (Mensch) 13 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
5-HT1A-Rezeptor (Ratte) 2955 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
5-HT2A-Rezeptor (Mensch) 6,7 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
5-HT2B-Rezeptor (Mensch) 221 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
5-HT2C-Rezeptor (Mensch) 52 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
5-HT6-Rezeptor (Mensch) 127 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
SERT (Serotonin-Transporter) (Mensch) 46 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
Sigma1-Rezeptor (Mensch) 114 DrugMatrix In-vitro-Pharmakologie
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Unerwünschte Wirkungen

Wie bei allen klassischen Neuroleptika können unter der Behandlung mit Promazin extrapyramidal-motorische Effekte auftreten.

Häufig treten Tagesmüdigkeit, Mundtrockenheit und Blutdruckschwankungen sowie Miktionsstörungen, Obstipation und Tachykardie auf. Diese unerwünschten Wirkungen (Nebenwirkungen) verschwinden bei Promazin im Verlauf der Behandlung oder lassen sich durch ein Herabsetzen der Dosis zurückdrängen.

Seltener treten Störungen der Hämatopoese, Cholestase, endokrine Störungen, Ekzeme und Photosensibilisierung auf, in Einzelfällen wurden auch Krampfanfälle oder Glaukombildung beobachtet. Auch Dyskinesien, nach langdauernder Behandlung auch Spätdyskinesien, können auftreten.

Sehr selten kommt es zur Entwicklung eines malignen neuroleptischen Syndroms mit Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewusstseinstrübung.

Bei Langzeitbehandlung und/oder einer hohen Dosierung von Promazin kann es zu Einlagerungen in die Hornhaut und die Linse des Auges kommen.

Handelsnamen

Prazine (CH), Protactyl (D, in Deutschland und Österreich gibt es keine Promazin-Präparate mehr).[8] Wird in der Schweiz noch von Ärzten verschrieben (Promazine HCI).

Siehe auch

Einzelnachweise

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