Provinzialrömische Archäologie

archäologische Teildisziplin zwischen der Ur- und Frühgeschichte, Alten Geschichte und Klassischen Archäologie From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Provinzialrömische Archäologie (universitär: Archäologie der römischen Provinzen) beschäftigt sich mit den materiellen Hinterlassenschaften der römischen Provinzen. Grundsätzlich wird dabei das gesamte Römische Reich inhaltlich in den Blick genommen, in der Praxis liegt jedoch ein Schwerpunkt auf den nordwestlichen Provinzen. Dabei existieren Überschneidungen zu zahlreichen Fachgebieten der Altertums- und Geschichtswissenschaften, insbesondere der Klassischen Archäologie und der Ur- und Frühgeschichte.

Inhalte

Ausdehnung des Römischen Reiches im mittleren 2. Jahrhundert n. Chr.

Die Provinzialrömische Archäologie widmet sich der archäologischen Erforschung des Römischen Reiches. Aus praktischen und forschungsgeschichtlichen Gründen dominieren geographisch vor allem die Nordwestprovinzen (Britannien, Gallien, Nieder- und Obergermanien, Raetien, Noricum, Pannonien), was grob den modernen Staaten Vereinigtes Königreich, Frankreich, den DACH-Staaten inklusive Liechtenstein, den Benelux-Ländern sowie Ungarn entspricht.[1] Inhaltliche Schwerpunkte liegen in den lokalen Materialkulturen der römischen Provinzen, der Romanisierung und der Limesforschung.

In Abgrenzung zur eher kunsthistorischen Betrachtungsweise, die die Klassische Archäologie lange Zeit dominierte, stellte die Provinzialrömische Archäologie früh vornehmlich Fragen zum Alltagsleben und übernahm Methoden der Ur- und Frühgeschichte. Da sich die Klassische Archäologie inzwischen allerdings vielfach ebenfalls für sozioökonomische Fragestellungen geöffnet hat, haben sich die Fächer einander in dieser Hinsicht inzwischen stark angenähert. Der Hauptunterschied besteht heute darin, dass sich die Provinzialrömische Archäologie vornehmlich mit jener Ausprägung der materiellen Kultur befasst, die sich in den Provinzen durch die Verbindung typisch römischer und einheimischer Elemente ergab (beispielsweise der gallorömischen Kultur).

Seminare und Institute

Gelehrt wird das Fach Archäologie der römischen Provinzen in Deutschland derzeit an den Universitäten Frankfurt am Main, Freiburg, Köln, München und Bamberg. In Österreich wird die Provinzialrömische Archäologie immer zusammen mit der Klassischen Archäologie betrieben. Schwerpunktsetzungen im provinzialrömischen Bereich sind an den Universitäten Wien, Salzburg, Graz und Innsbruck möglich. In der Schweiz kann das Fach an den Universitäten Basel, Bern und Lausanne studiert werden.

Deutschland

Niederlande

  • Abteilung für Provinzialrömische Archäologie sowie Mittelalter- und Neuzeitarchäologie („Roman Provinces, Middle Ages and Modern Period“) an der Fakultät für Archäologie („Faculty of Archaeology“) der Universität Leiden

Österreich

Schweiz

  • Fachbereich Ur- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Archäologie der Universität Basel.
  • Abteilung Archäologie der Römischen Provinzen am Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern
  • Institut d’archéologie et des sciences de l’antiquité, Archéologie provinciale romaine der Universität Lausanne

Siehe auch

Literatur

Handbücher zu den Inhalten und Methoden des Faches
Beiträge zur Geschichte und Definition des Faches
Periodika

Einzelnachweise

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