Lorbeerkirsche

Art der Gattung Prunus From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), auch Pontische Lorbeerkirsche[1][2][3] oder Pontische Lorbeer-Kirsche,[4] Kolchis-Lorbeerkirsche,[5] in der Schweiz und gärtnerisch Kirschlorbeer,[6][7][8] ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Lorbeerkirsche gehört zur Gattung Prunus, wo sie traditionell mit einer Reihe weiterer, überwiegend ostasiatischer Arten in eine Untergattung oder Sektion Laurocerasus gestellt wurde, diese wurde aber aufgrund neuerer Erkenntnisse aufgelöst. In den gemäßigten Breiten Europas wird die Lorbeerkirsche als Zier- und Heckenstrauch in Parks und Gärten verwendet. Naturschützer raten aber davon ab, da sie leicht verwildert und als invasive Pflanzenart ökologische Probleme verursacht. Die Pflanze ist in allen ihren Teilen giftig, wobei der Giftgehalt des Fruchtfleischs äußerst gering ist, sie wird traditionell in der Türkei als Obst verwendet. Allerdings sind die Samen giftig, so dass Gefahr besteht, wenn sie nicht entfernt werden. 2013 wurde sie in Deutschland Giftpflanze des Jahres.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Lorbeerkirsche

Merkmale der Lorbeerkirsche, 1897

Systematik
Familie: Rosaceae
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Amygdaleae
Gattung: Prunus
Sektion: Laurocerasus
Art: Lorbeerkirsche
Wissenschaftlicher Name
Prunus laurocerasus
L.
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Beschreibung

Vegetative Merkmale

Die Lorbeerkirsche ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 8 Metern erreicht.[9] Im natürlichen Verbreitungsgebiet, in feuchten und warmen Regionen Westgeorgiens, kommen Lorbeerkirschen auch als baumförmiger gerader Hochstamm mit einem Stammdurchmesser von 60 bis 70 Zentimeter, maximal sogar 1 Meter, und einer Wuchshöhe von 14 bis 18 Metern vor.[10] Für Kleinasien und Europa typisch sind stattdessen Sträucher im Unterwuchs des Waldes.

Die verkehrt-eiförmigen, -eilanzettlichen oder elliptischen, von 0,5 bis 1,[2] teilweise bis 1,5[11] Zentimeter lang gestielten Laubblätter sind oben dunkelgrün, die Unterseite der Blattspreite heller. Sie sind kahl und glänzend, derb-ledrig, der Spreitengrund keilfömig oder abgerundet, die Blattspitze (Apex) zugespitzt, der Blattrand von mehr oder weniger seicht gezähnt bis ganzrandig. Sie erreichen meist von etwa 8 bis 23 Zentimeter Länge bei 3 bis 8 Zentimeter Breite, sind aber variabel, etwas kleinere und größere kommen vor,[11] größere insbesondere bei manchen Kultivaren.[2] Unterseits an der Blattspreite sitzen die für die Gattung Prunus typischen extrafloralen Nektarien, an denen Nektar abgegeben wird. Die Nektarien dienen, wie in allen Pflanzen der Gattung Prunus, vermutlich zum Anlocken von Ameisen, sie wurden bei der Art selbst aber nicht untersucht.[12] Bei der Art sind meist zwei bis vier, selten bis zu sechs abgeflachte Nektarien vorhanden, gewöhnlich nahe der Mittelrippe.[11]

Die Ähnlichkeit der Kirschblattform zum Lorbeerblatt wurde namensgebend für die Art.

Generative Merkmale

Die Blüten stehen in achselständigen, traubigen Blütenständen. Die Blütenstände erreichen 3 bis 16 Zentimeter Länge, typischerweise sind sie etwas kürzer, bis etwa genauso lag, wie ihr Tragblatt, ihr basaler Teil ist immer unbeblättert. Sie können von sitzend bis zu etwa 2 Zentimeter lang gestielt sein. Die Einzelblüten sind 1 bis 6 Millimeter gestielt, mit hochblattartigen Vorblättern. Der für Kirschenblüten typische Blütenbecher ist 2 bis 3,5 Millimeter lang, an der Außenseite kahl, innen meist behaart. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, von der typischen, relativ einförmigen Gestalt der ganzen Gattung. Die Kelchblätter sind sehr kurz, basal verwachsen, bis einen Millimeter lang und dreieckig. Die Kronblätter sind von rund bis eiförmig oder verkehrteiförmig, sie sind weiß gefärbt und erreichen Längen von etwa 3 bis 3,5 mm. Es sind 15 bis 25 Staubblätter pro Blüte vorhanden, die etwa genauso lang sind wie die Kronblätter. Der Fruchtknoten ist glatt, mit einem etwa 5 Millimeter langen Griffel.[11] Blüten mit einem oder mit zwei Griffeln kommen vor.[3]

Die glänzenden Kirschen (botanisch wie alle Kirschen eine Steinfrucht) werden ca. 12,[9] von etwa 8 bis ca. 14 mm groß.[11] Sie sind eiförmig bis rundlich, fleischig, kahl und enthalten einen einzelnen Kern. Unreife Kirschen sind grün und färben sich während der Reifung über rot, manchmal gelblich oder gelblich gefleckt, zu schwarz.[13]

Die Blütezeit reicht von April bis Mai,[3] vor allem bei vielen Kultivaren mit einer späteren Nachblüte von August bis September.[14] In Mitteleuropa wurde in milden Jahren auch schon Blüte im April oder sogar März beobachtet.[15]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 144 oder 170–180.[16][17]

Natürliche Vorkommen

Die Lorbeerkirsche kommt natürlicherweise in Südosteuropa und Kleinasien vor, das heißt, es gibt Einzelfunde in Albanien, Aserbaidschan, Bulgarien, Georgien, Iran, Libyen, Rumänien, Serbien, Tadschikistan, der Türkei und dem Kaukasusgebiet.[18][19]

Die Zeigerwerte nach Ellenberg weisen sie als subozeanische Schattenpflanze, als Wärme- bis Extremwärme-, Wasserwechsel-, Frische-, Mäßigsäure- bis Neutralitäts- und Mäßignährstoff-Zeiger aus. Die Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 für die Schweiz sind: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (mäßig sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch). Sie ist kalktolerant, aber nicht salzertragend.[17]

Toxizität

Alle Pflanzenteile der Lorbeerkirsche enthalten cyanogene Glycoside. Daraus bildet sich insbesondere beim Zerkauen und Verzehr von Samen und Blättern giftiger Cyanwasserstoff, der die Cytochrom-c-Oxidase der Atmungskette hemmt und die Zellatmung zum Erliegen bringen kann. Das Giftinformationszentrum stuft alle Pflanzenteile als giftig ein.[20] Nach dem Verzehr eines Blattes oder einiger zerkauter Samen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen und Krämpfen kommen, mehr als zehn zerkaute Samen können zum Tod durch Herz- oder Atemstillstand führen. Der Verzehr unverletzter verschluckter Samen ist für den Menschen ungefährlich, da die cyanogenen Glykoside ohne Entstehung von Blausäure wieder ausgeschieden werden.[21][15] Dagegen können für Haus- und Nutztiere Blätter wie Samen der Lorbeerkirsche gefährlich werden: Als tödliche Menge für ein Schaf werden 200 g Blätter angegeben, für Rinder und Pferde 500–1000 g.[22]

Verwechslungsmöglichkeiten

Die Lorbeerkirsche ist die einzige wild vorkommende oder verwilderte Prunus-Art in Mitteleuropa mit aufrechten Blütentrauben in Verbindung mit ledrigen, immergrünen Blättern. Sie unterscheidet sich von der zweiten in Europa einheimischen ähnlichen und verwandten Art Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) am leichtesten über die rot gefärbten Blattstiele[14] und ebenso rot gefärbten jungen Zweige.[23] Außerdem ist bei dieser der Blattrand gewellt und deutlicher gezähnt.[14] Bei der (pontischen) Lorbeerkirsche ist beides grün gefärbt. Beide Arten kommen nicht natürlicherweise im selben Areal vor. Die Portugiesische Lorbeerkirsche wird nur selten gepflanzt.

Etymologie und Systematik

Das Epitheton laurocerasus ist abgeleitet von den lateinischen Vokabeln laurus für Lorbeer und cerasus für Kirschbaum und bedeutet somit lorbeerblättriger Kirschbaum.

Die Lorbeerkirsche gehört zur Gattung Prunus, zusammen mit zahlreichen Nutzobstsorten wie Kirschen, Aprikosen, Pflaumen oder Mandeln. Aufgrund ihrer schwarzen Früchte wird der Baum als Lorbeerkirsche bezeichnet. Die Benennung als Kirschlorbeer kann dagegen irreführend sein, da die Pflanze nicht zur Pflanzengattung Lorbeeren (Laurus) gehört.

Geschichte

Der Franzose Pierre Belon erwähnt in seinen 1553 publizierten Observations de plusieurs singularitez et choses mémorables …, neben anderen Bäumen der Türkei, einen immergrünen Baum „Trapesuntina arbor cerasifera“.[24] Der Name Trapesuntina bezieht sich auf die Hafenstadt Trapezunt, heute Trabzon, an der türkischen Schwarzmeerküste. Soweit bekannt ist das die erste Erwähnung in wissenschaftlicher Literatur. In De neglecta stirpium cultura … erwähnt er Exemplare derselben Art (Cerasiu Trapesuntina) als aus dem Garten der Fürsten Doria in Genua stammend und erwähnt in diesem Zusammenhang auch den Namen „Laurocerasus“, dieser Name stamme angeblich aus den Schriften des römischen Schriftstellers Plinius der Ältere (in denen er aber nicht aufzufinden ist). Aus den Schriften Belons übernahm Clusius im 1583 erschienenen Caroli Clusii Atrebatis Rariorum aliquot stirpium per Pannoniam, Austriam … schon im ersten Kapitel des ersten Buchs den Namen.[25] Clusius lieferte erstmals eine ausführlichere Beschreibung, eine Diagnose und eine Abbildung. Clusius gibt an, den Baum selbst 1576 direkt aus Konstantinopel vom kaiserlichen Gesandten David Ungnad (1530–1600) zugesandt und dann im Garten kultiviert und zur Blüte gebracht zu haben. Die Abbildung im Werk von Clusius wurde später zum Lektotypus der Art bestimmt.[26] 1588 wird der Baum (als Laurocerasus Clusii) im Garten des Joachim Camerarius in Nürnberg erwähnt.[27]

Bereits 1597 gab es Vorkommen der Lorbeerkirsche in England und schon 1654 fand sie sich auch in Königsberg.[28] Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Art durch Baumschulen weiter verbreitet.[29] Heute sind zahlreiche Sorten im Handel, die teils spontan entstanden sind, teils gezielt gezüchtet wurden.[30]

Die Mode, Lorbeerkirschen ab etwa 1970 in europäische Gärten zu pflanzen, verstärkte ihre Invasion in die Ökosysteme zusätzlich.[28]

Die Lorbeerkirsche ist, als in der Europäischen Union auch natürlich verbreitete Pflanzenart, nicht in der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgeführt. In der Schwarzen Liste invasiver Gefäßpflanzenarten in Deutschland wird sie als „potenziell invasive Art“ in der Handlungsliste geführt; für die Arten der Handlungsliste ist nach fachlicher Einschätzung eine Überwachung ihrer Bestandsentwicklung und der von ihr ausgehenden Gefährdung sowie die Umsetzung vorbeugender Maßnahmen notwendig.[31] In der Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz ist die Art aufgeführt, rechtswirksam umgesetzt in der Freisetzungsverordnung.[32] Damit ist, anders als in den Ländern der EU, der Handel mit Kirschlorbeer in der Schweiz verboten, eine Bekämpfungspflicht für bereits bestehende Pflanzungen besteht aber nicht.

Ökologie

Ökologischer Wert

Die giftige Lorbeerkirsche ist für heimische Insekten aufgrund ihrer Toxizität weitgehend wertlos. Lediglich einige wenige Arten der Gattung Dickmaulrüssler vertragen überhaupt die Blätter des Neophyten, ihre Larven leben unterirdisch und ernähren sich auch von den Wurzeln.[33] Die Blüten der Lorbeerkirsche bieten Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen ein lediglich mäßiges Nektarangebot. Die Giftkirschen werden problemlos von einigen Vogelarten, beispielsweise Amseln, Drosseln, Staren und Tauben im Herbst gefressen, was die invasive Pflanze durch Endozoochorie immer weiter in heimischen Ökosystemen verbreitet. Die Blätter der Lorbeerkirsche kompostieren wegen ihres hohen Blausäureanteils nur äußerst schlecht. Als Bestandteil einer Hecke können abgefallene Lorbeerkirschblätter zudem das Wachstum heimischer Heckenpflanzen mindern. Um das giftige Holz nach der Fällung als Brennholz verwerten zu können, muss es sehr gründlich getrocknet werden.

Daher wird die Pflanzung von Lorbeerkirschen seit Jahren aus ökologischen Gründen kritisiert. Entsprechend rückläufig ist das Angebot im verantwortungsbewussten Pflanzenhandel.

Invasive Art

Lorbeerkirschen können sich in kurzer Zeit durch Selbstaussaat weit verbreiten; daneben werden die Samen sowohl durch Vögel als auch durch irreguläre private Entsorgung von Pflanzenabfällen in der freien Natur verbreitet. Dies ist besonders problematisch, da sich der Neophyt rasch in den Wäldern ausbreitet und die heimische natürliche Vegetation verdrängt.[34] Für Gärten sind anstelle von Lorbeerkirschen heimische Sträucher als Bepflanzung besser geeignet.[35][36][37]

Krankheiten

Schrot­schuss­krankheit

Die Lorbeerkirsche kann von Echtem Mehltau, falschem Mehltau und der Schrotschusskrankheit befallen werden, die mit Fungiziden behandelt werden müssen. Die Schrotschusskrankheit ist dabei relativ häufig.[38]

Lorbeerkirsch-Schnitt und -Laub verrottet kaum auf dem Kompost und darf wegen der Ausbreitungstendenz und Giftigkeit auch nicht in der Natur entsorgt werden. Die beste Entsorgung für Lorbeerkirschreste ist die Abgabe beim kommunalen Recyclinghof.

Nutzung

Holz

Bei Sägearbeiten entweicht aus frischen Schnittflächen ein charakteristischer Giftgeruch von Blausäure, ähnlich dem von Bittermandeln. Frisch geschlagenes Holz der Lorbeerkirsche ist cremeweiß gefärbt, wobei die Schnittfläche einen Pflanzensaft absondert, der die Säge verklebt. Das Giftholz dunkelt bei der Trocknung stark nach und endet bei einem orangebraunen Farbton, wobei es zum Reißen neigt und sich in der Regel verzieht. Gut abgelagertes Lorbeerkirschholz kann unbedenklich im Hausbrand als Brennholz verwendet werden, da die giftige Blausäure während der Trocknung weitgehend ausgast.

Kirschen

In der Türkei wurde das Fruchtfleisch der Kirschen manchmal für Gelee verwertet,[39] denn beim Kochen werden die giftigen Blausäureverbindungen zerstört.

Gärten

Eine gärtnerische Nutzung von Lorbeerkirschen ist zum einen in Nord- und Mitteleuropa ökologisch nicht sinnvoll, je rascher und vollständiger vorhandene Lorbeerkirschen entfernt werden, desto weniger Lorbeerkirschsämlinge entstehen und richten zusätzliche Schäden an. In der Schweiz ist die Einfuhr, der Handel mit und die Pflanzung von Lorbeerkirschen verboten.[32]

Literatur

Commons: Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Sektion Laurocerasus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Lorbeerkirsche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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