Wikiwand AI

Lorbeerkirsche

Art der Gattung Prunus From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), auch Pontische Lorbeerkirsche,[1][2][3] Pontische Lorbeer-Kirsche,[4] Kolchis-Lorbeerkirsche,[5] oder Kirschlorbeer,[1][6][7][8] ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Lorbeerkirsche gehört zur Gattung Prunus, wo sie traditionell mit einer Reihe weiterer, überwiegend ostasiatischer Arten in eine Untergattung oder Sektion Laurocerasus gestellt wurde, diese wurde aber aufgrund neuerer Erkenntnisse aufgelöst. In den gemäßigten Breiten Europas wird die Lorbeerkirsche als Zier- und Heckenstrauch in Parks und Gärten verwendet. Naturschützer raten aber davon ab, da sie leicht verwildert und als invasive Pflanzenart ökologische Probleme verursacht. Die Pflanze ist in allen ihren Teilen giftig, wobei der Giftgehalt des Fruchtfleischs äußerst gering ist, sie wird traditionell in der Türkei als Obst verwendet. Allerdings sind die Samen giftig, so dass Gefahr besteht, wenn sie nicht entfernt werden. 2013 wurde sie in Deutschland Giftpflanze des Jahres.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Lorbeerkirsche

Merkmale der Lorbeerkirsche, 1897

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Steinobstgewächse (Amygdaleae)
Gattung: Prunus
Art: Lorbeerkirsche
Wissenschaftlicher Name
Prunus laurocerasus
L.
Schließen

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Die Lorbeerkirsche ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum, der Wuchshöhen von bis zu 8 Metern erreicht.[9] Im natürlichen Verbreitungsgebiet, in feuchten und warmen Regionen Westgeorgiens, kommen Lorbeerkirschen auch als baumförmiger gerader Hochstamm mit einem Stammdurchmesser von 60 bis 70 Zentimetern, maximal sogar 1 Meter, und einer Wuchshöhe von 14 bis 18 Metern vor.[10] Für Kleinasien und Europa typisch sind stattdessen Sträucher im Unterwuchs des Waldes.

Die verkehrt-eiförmigen, -eilanzettlichen oder elliptischen, von 0,5 bis 1,[2] teilweise bis 1,5[11] Zentimeter lang gestielten Laubblätter sind oben dunkelgrün, die Unterseite der Blattspreite heller. Sie sind kahl und glänzend, derb-ledrig, der Spreitengrund keilfömig oder abgerundet, die Blattspitze (Apex) zugespitzt, der Blattrand von mehr oder weniger seicht gezähnt bis ganzrandig. Sie erreichen meist von etwa 8 bis 23 Zentimeter Länge bei 3 bis 8 Zentimeter Breite, sind aber variabel, etwas kleinere und größere kommen vor,[11] größere insbesondere bei manchen Kultivaren.[2] Unterseits an der Blattspreite sitzen die für die Gattung Prunus typischen extrafloralen Nektarien, an denen Nektar abgegeben wird. Die Nektarien dienen, wie in allen Pflanzen der Gattung Prunus, vermutlich zum Anlocken von Ameisen, sie wurden bei der Art selbst aber nicht untersucht.[12] Bei der Art sind meist zwei bis vier, selten bis zu sechs abgeflachte Nektarien vorhanden, gewöhnlich nahe der Mittelrippe.[11]

Die Ähnlichkeit der Kirschblattform zum Lorbeerblatt wurde namensgebend für die Art.

Generative Merkmale

Die Blüten stehen in achselständigen, traubigen Blütenständen. Die Blütenstände erreichen 3 bis 16 Zentimeter Länge, typischerweise sind sie etwas kürzer, bis etwa genauso lag, wie ihr Tragblatt, ihr basaler Teil ist immer unbeblättert. Sie können von sitzend bis zu etwa 2 Zentimeter lang gestielt sein. Die Einzelblüten sind 1 bis 6 Millimeter gestielt, mit hochblattartigen Vorblättern. Der für Kirschenblüten typische Blütenbecher ist 2 bis 3,5 Millimeter lang, an der Außenseite kahl, innen meist behaart. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, von der typischen, relativ einförmigen Gestalt der ganzen Gattung. Die Kelchblätter sind sehr kurz, basal verwachsen, bis einen Millimeter lang und dreieckig. Die Kronblätter sind von rund bis eiförmig oder verkehrteiförmig, sie sind weiß gefärbt und erreichen Längen von etwa 3 bis 3,5 mm. Es sind 15 bis 25 Staubblätter pro Blüte vorhanden, die etwa genauso lang sind wie die Kronblätter. Der Fruchtknoten ist glatt, mit einem etwa 5 Millimeter langen Griffel.[11] Blüten mit einem oder mit zwei Griffeln kommen vor.[3]

Die glänzenden Kirschen (botanisch wie alle Kirschen eine Steinfrucht) werden ca. 12,[9] von etwa 8 bis ca. 14 mm groß.[11] Sie sind eiförmig bis rundlich, fleischig, kahl und enthalten einen einzelnen Kern. Unreife Kirschen sind grün und färben sich während der Reifung über rot, manchmal gelblich oder gelblich gefleckt, zu schwarz.[13]

Die Blütezeit reicht von April bis Mai,[3] vor allem bei vielen Kultivaren mit einer späteren Nachblüte von August bis September.[14] In Mitteleuropa wurde in milden Jahren auch schon Blüte im April oder sogar März beobachtet.[15]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 144 oder 170–180.[16][17]

Natürliche Vorkommen

Die Lorbeerkirsche kommt natürlicherweise in Südosteuropa und Kleinasien vor, das heißt, es gibt Einzelfunde in Albanien, Aserbaidschan, Bulgarien, Georgien, Iran, Libyen, Rumänien, Serbien, Tadschikistan, der Türkei und dem Kaukasusgebiet.[18][19] Nach einer anderen Quelle gibt es keine verlässlichen Belege dafür, dass die Vorkommen in Albanien, Libyen und Tadschikistan natürlichen Ursprungs sind; der Charakter der rumänischen Vorkommen ist umstritten.[20]

Die Zeigerwerte nach Ellenberg weisen sie als subozeanische Schattenpflanze, als Wärme- bis Extremwärme-, Wasserwechsel-, Frische-, Mäßigsäure- bis Neutralitäts- und Mäßignährstoff-Zeiger aus. Die Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 für die Schweiz sind: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (mäßig sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch). Sie ist kalktolerant, aber nicht salzertragend.[17]

Toxizität

Alle Pflanzenteile der Lorbeerkirsche enthalten cyanogene Glycoside. Daraus bildet sich insbesondere beim Zerkauen und Verzehr von Samen und Blättern giftiger Cyanwasserstoff, der die Cytochrom-c-Oxidase der Atmungskette hemmt und die Zellatmung zum Erliegen bringen kann. Die Giftzentrale Bonn stuft alle Pflanzenteile als giftig ein.[21] Nach dem Verzehr eines Blattes oder einiger zerkauter Samen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen und Krämpfen kommen, mehr als zehn zerkaute Samen können zum Tod durch Herz- oder Atemstillstand führen. Der Verzehr unverletzter verschluckter Samen ist für den Menschen ungefährlich, da die cyanogenen Glycoside ohne Entstehung von Blausäure wieder ausgeschieden werden.[22][15]

Honigbiene an extrafloralen Nektarien

Blätter und Samen der Lorbeerkirsche können aber auch für Haus- und Nutztiere gefährlich werden: Als tödliche Menge für ein Schaf werden 200 g Blätter angegeben, für Rinder und Pferde 500–1000 g.[23] Randbepflanzungen und Schutzhecken von Pferdekoppeln und Viehweiden sollten daher frei von Lorbeerkirsch-Sträuchern gehalten werden.

Von einigen Giftpflanzen wie z. B. dem Pontischen Rhododendron ist bekannt, dass weitgehend monoflorale Honige aus Nektar dieser Arten für den Menschen giftig oder zumindest bedenklich sein können (Pontischer Honig). In welchem Maße Nektar der Lorbeerkirsche aus Blüten oder extrafloralen Nektarien cyanogene Glycoside enthält, ist heute ebenso wenig erforscht wie ihr möglicher Abbau im Verlauf der Honigreifung im Bienenstock. Da es heute im mitteleuropäischen Raum (noch) keine größeren zusammenhängenden Lorbeerkirsch-Bestände gibt und Lorbeerkirschen meistens auch nur verhalten von Honigbienen besucht werden, geht man heute davon aus, dass Lorbeerkirsch-Nektar im Bienenstock in der Regel hinreichend durch Nektar unkritischer anderer Pflanzenarten verdünnt wird. Eine landwirtschaftliche Beratungsplattform in den USA schließt allerdings mögliche Risiken nicht gänzlich aus.[24]

Verwechslungsmöglichkeiten

Die Pontische Lorbeerkirsche ist die einzige verwildert in Mitteleuropa vorkommende Prunus-Art mit aufrechten Blütentrauben in Verbindung mit ledrigen, immergrünen Blättern. Sie kann insbesondere verwechselt werden mit der verwandten Portugiesischen Lorbeerkirsche Prunus lusitanica, die in Südwesteuropa heimisch ist, in Mitteleuropa aber selten gepflanzt wird. Erkennungsmerkmale der (Pontischen) Lorbeerkirsche sind grüne Jungtriebe, grüne Blattstiele sowie ganzrandige oder gesägte Blattränder; zerquetschte Blätter geben einen Geruch von Bittermandeln ab.[25] Erkennungsmerkmale der Portugiesischen Lorbeerkirsche sind rote Jungtriebe, rote (längere) Blattstiele (bei Schattentrieben zumindest in der unteren Hälfte) sowie gewellte und deutlicher gezähnte Blattränder; zerquetschte Blätter geben keinen auffälligen Geruch ab (vgl. [26][27][28][14]). Beide Arten kommen nicht natürlicherweise im selben Areal vor.

Darüber hinaus gibt es Ähnlichkeiten mit Glanzmispeln, mit dem Echten Lorbeer (Laurus nobilis) und dem mit Wuchshöhen von 0,5–1 m deutlich kleiner bleibenden Lorbeer-Seidelbast (Daphne laureola).

Etymologie und Systematik

Das Epitheton laurocerasus ist abgeleitet von den lateinischen Vokabeln laurus für Lorbeer und cerasus für Kirschbaum und bedeutet somit lorbeerblättriger Kirschbaum.

Die Lorbeerkirsche gehört zur Gattung Prunus, zusammen mit zahlreichen Nutzobstsorten wie Kirschen, Aprikosen, Pflaumen oder Mandeln. Aufgrund ihrer schwarzen Früchte wird der Baum als Lorbeerkirsche bezeichnet. Die Benennung als Kirschlorbeer kann dagegen irreführend sein, da die Pflanze nicht zur Pflanzengattung Lorbeeren (Laurus) gehört.

Geschichte

Der Franzose Pierre Belon erwähnt in seinen 1553 publizierten Observations de plusieurs singularitez et choses mémorables …, neben anderen Bäumen der Türkei, einen immergrünen Baum „Trapesuntina arbor cerasifera“.[29] Der Name Trapesuntina bezieht sich auf die Hafenstadt Trapezunt, heute Trabzon, an der türkischen Schwarzmeerküste. Soweit bekannt ist das die erste Erwähnung in wissenschaftlicher Literatur. In De neglecta stirpium cultura … erwähnt er Exemplare derselben Art (Cerasiu Trapesuntina) als aus dem Garten der Fürsten Doria in Genua stammend und erwähnt in diesem Zusammenhang auch den Namen „Laurocerasus“, dieser Name stamme angeblich aus den Schriften des römischen Schriftstellers Plinius der Ältere (in denen er aber nicht aufzufinden ist). Aus den Schriften Belons übernahm Clusius im 1583 erschienenen Caroli Clusii Atrebatis Rariorum aliquot stirpium per Pannoniam, Austriam … schon im ersten Kapitel des ersten Buchs den Namen.[30] Clusius lieferte erstmals eine ausführlichere Beschreibung, eine Diagnose und eine Abbildung. Clusius gibt an, den Baum selbst 1576 direkt aus Konstantinopel vom kaiserlichen Gesandten David Ungnad (1530–1600) zugesandt bekommen und dann im Garten kultiviert und zur Blüte gebracht zu haben. Die Abbildung im Werk von Clusius wurde später zum Lektotypus der Art bestimmt.[31]

1588 wird die Pflanze (als Laurocerasus Clusii) im Garten des Joachim Camerarius in Nürnberg erwähnt[32], regional trat sie danach vor allem am Bodensee und entlang des Oberrheingrabens bis ins Moseltal auf. 1597 gelangte die Lorbeerkirsche nach England. 1654 fand sie sich in Königsberg im damaligen Herzogtum Preußen.[33]

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts stand die Lorbeerkirsche als Baumschulpflanze – zumindest gut situierten Bürgern und Gartenbesitzern – zur Verfügung; als einer der frühesten Belege dafür gilt ihr Eintrag im 1817 von Christian August Breiter herausgegebenen Katalog seines Breiterschen Wintergartens in Leipzig.[34]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die ersten dokumentierten Zuchtsorten auf, von denen als eine der ersten die um 1865 in Frankreich entstandene Sorte 'Rotundifolia' gilt. Für den deutschsprachigen Raum ist die Selektion und Verbreitung von Lorbeerkirsch-Sorten eng verknüpft mit der Berliner Baumschule von Franz Späth, der z. B. die besonders winterharten Sorten 'Schipkaensis' (1889, vom bulgarischen Schipka-Pass stammender Genotyp) und 'Zabeliana' (1898) einführte.[35]

Durch die Trends zur Suburbanisierung und damit verbunden zur Anlage von Freizeitgärten verstärkte sich die Nachfrage nach vorzugsweise immergrünen Sichtschutzgehölzen ab ca. 1970 deutlich. Zur Deckung dieser Nachfrage favorisierte der Pflanzenhandel zunehmend die Lorbeerkirsche, die im Vergleich zu Lebensbäumen (Thujen) weitaus einfacher zu vermehren und außerdem trockenheits- und hitzetoleranter ist. Damit wurde die Lorbeerkirsche ab den 1990er-Jahren zum nach Verkaufszahlen dominierenden Sichtschutzgehölz in Mitteleuropa.[15] Dadurch vergrößerte sich die Anzahl und Dichte fortpflanzungsfähiger Lorbeerkirsch-Bestände in den Siedlungen in kurzer Zeit erheblich.

2012 sorgte eine Pressemitteilung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) Bremen mit der Formulierung, dass eine Betonmauer ökologisch wertvoller sei als die Lorbeerkirsche, für Aufregung im Pflanzenhandel und unter Gärtnern.[36] Damit wurde eine bis heute anhaltende Debatte zum Einsatz von ökologisch problematischen Modepflanzen in der Gartenkultur entfacht. Die Branche antwortete mit einer Vielzahl von Gegendarstellungen[37][38] und dem Abschlussbericht der 2017 bis 2022 durchgeführten Bundesgehölzsichtung von u. a. 28 Lorbeerkirsch-Sorten.[39]

2024 hat die Schweiz die Lorbeerkirsche als erstes europäisches Land in die Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz aufgenommen und ihre Vermehrung, Inverkehrbringung und Neupflanzungen verboten.[40]

Taxonomie und Systematik

Die Art ist, wie im Abschnitt Geschichte beschrieben, in der wissenschaftlichen Botanik seit Clusius bekannt. Seit dem 17. Jahrhundert war sie auch zumindest in Botanischen Gärten in Europa schon weiter verbreitet. Die meisten Taxonomen vor Linné stellten sie, mit Clusius, in die Gattung Prunus. Joseph Pitton de Tournefort stellte 1700 für die Pontische und die Portugiesische Lorbeerkirsche eine eigene Gattung Laurocerasus auf, wobei er vor allem die Morphologie der Früchte als Merkmal benutzte. Linné selbst führte sie bis im Hortus Cliffortianus zunächst in einer Gattung Padus, änderte aber in Species Plantarum 1753 seine Meinung und beschrieb sie nun als Prunus laurocerasus[41], d. h. unter dem bis heute gültigen Namen.[11] Namen vor 1753 werden dabei in der botanischen Nomenklatur nicht verwendet.

Späteren Taxonomen waren zunehmend auch die amerikanischen und ostasiatischen Arten der Gattung bekannt, wo diese viel artenreicher ist als in Europa. Unter Berücksichtigung vieler weiterer Arten stellte Roemer 1847 die Gattungen Padus und Laurocerasus wieder her. Diese wurden von Koehne dann zu Sektionen von Prunus herabgestuft. Rehder stufte sie 1940 zu einer Untergattung hoch. Einige Botaniker hielten aber auch danach noch lange an einer eigenständigen Gattung Laurocerasus fest, vor allem in Osteuropa, der Bearbeitung Komarovs in der Flora URSS folgend. Seit der Revision durch Kalkman 1965 war die Stellung der Lorbeerkirsche, als Typspezies einer Untergattung Laurocerasus, die vorherrschende Meinung.[11]

Seit genetische Untersuchungen möglich sind, ist das vorher etablierte System aber zunehmend in Zweifel gezogen worden. Die (immergrünen) Arten der Sektion Laurocerasus waren regellos eingeschachtelt in die (sommergrünen) der Sektion Padus. Offensichtlich waren es viele Male unabhängig zu einem Wechsel vom einen Zustand zum anderen gekommen. Ein Taxon (gleich welchen Ranges) Laurocerasus war danach nicht mehr aufrechtzuerhalten.[42] Danach wurde eine Zeitlang eine gemeinsame Sektion Padus, unter Einschluss von Laurocerasus, favorisiert. Aber auch diese war letztlich nicht aufrechtzuerhalten.[43] Prunus laurocerasus ist demnach nicht besonders eng mit den anderen Arten der ehemaligen Sektion Laurocerasus verwandt – mit einer Ausnahme: die ostasiatische Prunus undulata (unter dem synonymen Namen Prunus wallichii) erwies sich als Schwestertaxon (Prunus lusitania war nicht getestet worden). Die basale Stellung der Arten mit traubigen Blütenständen (Padus) und die Evolution sowohl der Untergattung Laurocerasus wie auch der Untergattungen mit Einzelblüten hatte Kalkman in seiner Arbeit schon 1965 erkannt, da er aber nicht der kladistischen Methode folgte, noch nicht taxonomisch berücksichtigt.[11] Kompliziert wird die Sachlage dadurch, dass die Arten mit traubigen Blütenständen (ehemals Padus und Laurocerasus) polyploid sind und die Arten wohl auf Artbildung durch Hybridisierung zurückgehen (Allopolyplodie), wodurch sich bei Verwendung entsprechender Teilgenome unterschiedliche Stammbäume ergeben.[44]

Ökologie

Die Lorbeerkirsche ist eine sehr anpassungsfähige Art, die mit verschiedensten, auch kalkhaltigen Bodenarten zurechtkommt und sowohl schattige wie auch sonnige Standorte verträgt. Als Winterhärte wird meist die USDA-Klimazone 7 (bis −17 °C)[45], teilweise auch 6 (bis −23 °C) angegeben; an Standorten unter einer schützenden Baumschicht in Wäldern ist die Frostresistenz noch deutlich größer.[15]

Die Toxizität der Lorbeerkirsche ist maßgeblicher und sehr wirksamer Teil ihrer Schutzstrategie gegen Fressfeinde: Alle Pflanzenteile enthalten cyanogene Glycoside; insbesondere beim Zerkauen und Verzehr von Samen und Blättern bildet sich daraus giftige Blausäure, die die Cytochrom-c-Oxidase der Atmungskette hemmt und die Zellatmung zum Erliegen bringen kann.

Aufgrund ihrer Toxizität wird die Lorbeerkirsche in Mitteleuropa von pflanzenfressenden heimischen Insekten bzw. als Raupenfutterpflanze weitgehend gemieden. Lediglich einige Arten der Gattung Dickmaulrüssler aus der Familie der Rüsselkäfer verursachen in der Dämmerung und Dunkelheit Fraßschäden (Buchtenfraß) an den Blättern, wobei sie von Trockenheit geschwächte Pflanzen bevorzugen; ihre Larven leben unterirdisch und ernähren sich von den Wurzeln.[46]

Ameise an extrafloralen Nektarien

Die Schutzstrategie der Lorbeerkirsche gegen Fressfeinde wird ergänzt durch die extrafloralen Nektarien an den Unterseiten der Blätter: Diese in den ersten Wochen nach dem Knospenaustrieb besonders aktiven Drüsen dienen entsprechend ihrer evolutionären Bestimmung dazu, mit ihrem Nektarangebot auch außerhalb der Blütezeit räuberische Ameisen auf die Pflanzen locken, damit diese sie im Gegenzug gegen Fressfeinde verteidigen (Myrmekophylaxis).[12] Aber auch Honigbienen und seltener auch Wildbienen nehmen dieses Nektarangebot an – ohne Gegenleistung und somit aus ökologischer Sicht als „Nektardiebe“.

Die Blüten der Lorbeerkirsche sind einfach und für Insekten aller Größen und Rüssellängen leicht zugänglich aufgebaut. Die Ergiebigkeit der Blüten wird angegeben mit einem Wert von 2 (mäßig) sowohl für den Pollenwert wie auch den Nektarwert.[47] Trotz dieser leichten Zugänglichkeit wird meistens ein sehr verhaltener und artenarmer (z. B.[48]), vereinzelt auch ein regerer Insektenbeflug berichtet.[37][49]

In Wildbeständen in ihren natürlichen Verbreitungsgebieten gilt die Lorbeerkirsche als weitgehend selbstinkompatibel; sie kann sich aber offenbar für eine erfolgreiche Eroberung neuer Lebensräume durch eine deutlich erhöhte Selbstbestäubungsrate an lokale Bedingungen anpassen.[49]

Diverse Vogelarten wie Amseln, Drosseln, Stare, Eichelhäher und Tauben fressen im Herbst zwar die Kirschen, verbreiten dabei aber die Kirschkerne, die sie mit dem Kot ausscheiden (Endochorie), und tragen dadurch die invasive Pflanze in die heimischen Ökosysteme. Auch verschiedene Säugetierarten wie Wildschweine, Rehe, Füchse und andere Fleischfresser sowie verstreuende und Vorräte anlegende Nagetiere tragen maßgeblich zur Verbreitung der Lorbeerkirsche bei.[49]

Invasive Ausbreitung in einem Wald bei Stuttgart

Invasivität mit Potenzial zur Waldtyp-Änderung

Lorbeerkirschen können sich in kurzer Zeit insbesondere durch Vogelausbreitung in Kombination mit Selbstaussaat sowie durch irreguläre Entsorgung von Pflanzenabfällen in der freien Natur weit verbreiten. Dies ist besonders problematisch, da sich der Neophyt rasch in den Wäldern ausbreitet, die natürliche heimische Vegetation verdrängt („Kompetitiver Verdränger“) und in einem mehrschrittigen Prozess letztlich eine Änderung des Waldtyps bewirken kann:

  1. Insbesondere durch endochore Vogelausbreitung siedeln sich Lorbeerkirsch-Sämlinge im Unterholz, an Wald- und Wegrändern von siedlungsnahen Wäldern an.
  2. Je nach Licht- und Standortbedingungen benötigen die Sämlinge drei bis fünf Jahre, bis sie erstmals blühen und fruchten und damit ihrerseits zu Samenquellen für eine weitere Verbreitung werden.
  3. Durch nah an den Mutterpflanzen keimende Sämlinge (Selbstaussaat) können sich innerhalb weniger Jahre dichte Bestände bilden. Außerdem wachsen verwilderte Lorbeerkirschsträucher in Mitteleuropa meist nicht aufrecht, sondern die Äste liegen mit zunehmendem Alter auf dem Erdboden auf, bewurzeln und können dadurch große Flächen (eine einzelne ausgewachsene Pflanze bis zu 50 m²) bedecken.[50] Das immergrüne Blattwerk solcher Bestände wirkt ganzjährig wie ein Regenschirm und enthält anderen Arten Licht und Regenwasser vor. Damit wird zunächst insbesondere die bisherige Vegetation der Krautschicht bedrängt und verdrängt. Dadurch werden traditionelle Waldausflüge zur Blüte z. B. von Buschwindröschen oder Lerchensporn und das Sammeln von Bärlauch, anderen Gewürzkräutern, Pilzen oder Waldbeeren zunehmend eingeschränkt und erübrigen sich schließlich.[51]
  4. Mit zunehmender Wuchshöhe der Lorbeerkirsch-Sträucher werden auch die Gehölze der Strauchschicht bedrängt und größtenteils verdrängt.
  5. Unter den dichten immergrünen Blätterschirmen der Lorbeerkirschbestände können keine Sämlinge der Strauch- und Baumschicht mehr aufkommen, d. h. die natürliche Waldverjüngung inklusive des Kronendachs bricht zusammen.[51] Überlappend zum Absterben des alten Baumbestandes wächst kein Wald des bisherigen Waldtyps nach, sondern voraussichtlich etabliert sich ein deutlich niedrigerer Waldtyp mit einfacherem Stockwerkaufbau und geringerer Artenvielfalt sehr ähnlich den z. B. von den Kanarischen Inseln bekannten Lorbeerwäldern.[52]

Der Beginn dieser Waldtyp-Änderung wurde erstmalig 1956 in den Wäldern des Tessins (Schweiz) und des angrenzenden Norditaliens festgestellt und erhielt die Bezeichnung Laurophyllisierung, da sich neben der Lorbeerkirsche noch weitere wärmeliebende, neophytische Gehölzarten mit immergrünen, lorbeerartigen Blättern invasiv in den Wäldern ausbreiteten. Durch den fortschreitenden Klimawandel und den zunehmenden Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre wird dieser Prozess begünstigt und beschleunigt[50][53] und auch auf weniger wärmebegünstigte Regionen Mitteleuropas ausgedehnt. In den meisten Regionen spielt dabei die Lorbeerkirsche eine dominierende Rolle, deren rasant zunehmendes Invasivitätspotenzial in den letzten Jahren durch diverse wissenschaftliche Studien[54][49][50][55][33] nachgewiesen und näher erforscht wurde, insbesondere in wärmebegünstigten Regionen, aber auch in kühleren Gegenden wie z. B. dem Umland von Hamburg und Berlin.[33]

Die Studienergebnisse legen eine möglichst rasche Aufnahme eindämmender Maßnahmen z. B. nach schweizerischem Vorbild nahe, solange die Bestände noch kontrollierbar sind. Da die invasive Ausbreitung von Lorbeerkirschen in der freien Natur Mitteleuropas fast ausschließlich von Lorbeerkirsch-Anpflanzungen in Gärten und Grünanlagen des Siedlungsraums ausgeht, sollten weitere Neuanpflanzungen dringend vermieden und vorzugsweise durch heimische Sträucher ersetzt werden.[56][52]

Umgang mit der Lorbeerkirsche und ihrer Invasivität

Naturschutzfachliche/gesetzliche Einstufung und Maßnahmen

Die Lorbeerkirsche ist heute nicht in der europäischen Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgeführt, die seit 2025 insgesamt 112 invasive Tier- und Pflanzenarten umfasst.

  • In Deutschland
    ist sie laut der 2024 aktualisierten und 2025 publizierten Invasivitätsbewertungen[53] als potenziell invasive Art (Graue Liste/Handlungsliste) eingestuft und wird hinsichtlich ihrer Bestandsentwicklung überwacht, inwieweit eine Gefährdung von ihr ausgeht und vorbeugende Maßnahmen notwendig werden. Inzwischen gibt es erste Gemeinden und Städte, die auf ihren kommunalen Flächen Anpflanzungen von Lorbeerkirschen systematisch entfernen und durch heimische Gehölze ersetzen.[57]
  • In der Schweiz
    sind seit dem 1. September 2024 laut Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz Vermehrung, Inverkehrbringung und Neupflanzungen von Lorbeerkirschen verboten.[40][58] Bestehende Lorbeerkirschbestände werden in der Regel vorerst geduldet, einige Gemeinden fördern aber die Rodung oder den Austausch aktiv[59]; in der Gemeinde Worb müssen Lorbeerkirschen bis 2027 aus den Gärten entfernt werden.[60] Diverse Gemeinden bieten so genannte Neophyten-Säcke zur kostenlosen Entsorgung von fortpflanzungsfähigen Pflanzenteilen oder die Ausleihe von Rodungswerkzeugen[61] an; teilweise können Bürger auch kostenlos die Unterstützung kommunaler Forstbetriebe zur Entfernung von Lorbeerkirschen aus Privatgärten in Anspruch nehmen.[62] Eine Stiftung fördert Projekte mit Schulklassen, bei denen die Schüler unter fachkundiger Anleitung selbst Lorbeerkirschen auf dem Schulgelände roden und durch ökologisch wertvolle Alternativen ersetzen können.[63]
  • In Österreich
    liegt die rechtliche und organisatorische Bewertung von Neophyten in der Hoheit der Bundesländer; z. B. hat das Land Steiermark strenge Managementmaßnahmen zur Verhinderung neuer und Eliminierung bestehender Lorbeerkirsch-Bestände in der freien Natur definiert.[64] Der Naturschutzbund Österreich hat sie aufgrund ihrer rasanten Ausbreitung zum „Neophyten des Jahres 2026“ gekürt.[65]

Rückbau und Bekämpfung

Wenn Lorbeerkirsch-Sträucher entfernt werden sollen, ist ein Abtrennen aller oberirdischen Pflanzenteile allein nicht ausreichend, da die Art ein hohes Stockausschlagsvermögen zeigt und daher der Wurzelstock möglichst komplett entfernt oder zerstört werden muss.

Bei Entfernungen im Siedlungsraum werden in der Regel sofort wirksame Maßnahmen angewandt: Nur junge Sämlinge oder relativ junge Sträucher lassen sich noch per Hand oder mit Hilfe einfacher Werkzeuge wie Spaten oder Strauchroder ausroden. Mittelgroße Sträucher lassen sich noch teilweise mit Hilfe von Forstseilwinden, Traktoren oder Baggern herausreißen, darüber hinaus ist eine Wurzelstockrodung erforderlich (schrittweise manuell mit Wurzelkappung oder mit Bagger). Häufig kommen auch Fräsverfahren mit Baumstumpffräsen zum Einsatz, wobei die Frästiefe zur Vermeidung von Neuaustrieb aus Wurzelresten ein entscheidender Erfolgsfaktor ist und bei Auftragsarbeiten festgelegt sein sollte.

Bei Entfernungen in Wäldern und der sonstigen freien Natur kommen ebenfalls die schon genannten Verfahren und Maschinen zum Einsatz, vereinzelt auch Rückepferde. Darüber hinaus werden auch nicht selten Verfahren angewandt, die die Pflanzen erst nach einigen Monaten oder Jahren absterben lassen: Neben der Ringelung sind noch ein Aushungern („Auf den Stock setzen“ und anschließendes regelmäßiges Abschneiden des Neuaustriebes über bis zu 5 Jahre) sowie eine chemische Bekämpfung („Auf den Stock setzen“ und anschließendes Aufbringen eines Herbizids auf die Schnittflächen) üblich.[66][51][67]

Bei der Neubepflanzung von gerodeten Lorbeerkirsch-Flächen muss auch in Betracht gezogen werden, dass die für Rosengewächse und insbesondere für Arten der Gattung Prunus typische Bodenmüdigkeit/Nachbaukrankheit[68] zu Schwierigkeiten führen kann. Ein großzügiger Bodenaustausch und die Vermeidung von Prunus-Arten bei der Folgebepflanzung sind mögliche Gegenmaßnahmen.

Ersatzgehölze

In diversen Publikationen zur Lorbeerkirsche und ihren Invasivitätsrisiken werden Gehölzarten aufgeführt, die als invasivitätsunkritische und ökologisch wertvollere Alternativen eingesetzt werden können.[56][52][69] Dabei werden vorzugsweise heimische Wildgehölze genannt. Dies wird vielfach dahingehend missverstanden, dass ausschließlich die Wildformen dieser Arten eingesetzt werden sollten, die aber oftmals mit ihrer Wuchsstärke, ihrem Habitus und Dornenbesatz als Lorbeerkirsch-Ersatz weniger geeignet sind und auf entsprechend wenig Akzeptanz bei den Kunden stoßen. Heute stehen jedoch von fast allen dieser Wildgehölze wuchsschwächere Zuchtsorten mit geeigneterem Habitus zur Verfügung, die entsprechend weniger Schnittaufwand verursachen und in ihrem ökologischen Wert der Wildform meist nur wenig nachstehen (Sorten mit gefüllten Blüten vermeiden), allerdings ihre gewünschte Zielhöhe in der Regel auch erst etwas später erreichen.

Bis vor Kurzem wurde auch noch die in Südwesteuropa heimische Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) als invasivitätsunkritischer 1:1-Ersatz empfohlen. Mit Bekanntwerden von Verwilderungen in der Westschweiz ist diese Unbedenklichkeit heute nicht mehr gegeben.[52]

Spezielle Zuchtsorten der genannten Gehölze werden heute nicht unbedingt in den Präsenzsortimenten des Vor-Ort-Handels geführt, sind aber nicht selten von engagierten Baumschulen beschaffbar oder ansonsten im Versandhandel erhältlich.

Generell gilt die Empfehlung, Monokultur-Hecken auch der Alternativgehölze zu vermeiden, denn bei jeder Art können in Zukunft neue Pflanzenkrankheiten oder Schädlinge auftreten, die vorübergehende oder endgültige Totalausfälle einer Monokultur-Sichtschutzhecke verursachen können. Dieser Gefahr kann vorgebeugt werden durch Anlage einer artenreichen Mischhecke, die auch hinsichtlich ihres ökologischen Wertes ein Maximum darstellt.

Sichere Entsorgung

Schnitt- und Rodungsabfälle der Lorbeerkirsche lassen sich heute idealerweise in professionellen, güteüberwachten Kompostwerken vernichten, die daraus zusammen mit anderem Bioabfall – mit ggf. vorgeschalteter Biogasgewinnung – nach dem Heißrotte-Verfahren phytohygienisch einwandfreien Kompost herstellen.[71] Ebenfalls sicher, aber im Sinne des Kreislaufwirtschaftsprinzips weniger empfehlenswert ist auch eine Entsorgung über Müllverbrennungsanlagen. Bei privater Eigenkompostierung oder Feldrandkompostierung erhitzt sich das Rottegut dagegen in der Regel nur unzureichend, sodass dabei eine Hygienisierung und Deaktivierung von vermehrungsfähigen Pflanzenteilen nicht sichergestellt sind; außerdem gilt Lorbeerkirschlaub unter solchen Bedingungen ohnehin als schwer kompostierbar. Keinesfalls dürfen Lorbeerkirschabfälle illegal in der freien Natur entsorgt werden, da sie Wurzeln schlagen und anwachsen können; Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Bußgeldern geahndet.

Neophytensack

Vielfach ist daher eine Entsorgung von Lorbeerkirschabfällen über die Biotonne oder bei größeren Mengen über eine Grünschnitt-Annahmestelle oder einen Recyclinghof ratsam. Allerdings gibt es nach wie vor Kommunen und Landkreise, die nicht oder nicht flächendeckend eine Biotonne anbieten oder in ihrer Abfallsatzung invasive Neophyten von der Entsorgung über die Biotonne ausgeschlossen haben.[72] Auch ohne den Spezialfall der Neophyten-Entsorgung sind die Entsorgungskonzepte mit ihren Hol- und Bringsystemen für Grün- und Bioabfälle in Deutschland eher uneinheitlich, regional lückenhaft, in der Regel kostenpflichtig und nicht immer kundenfreundlich.[73] Ähnlich ist die Situation in der Schweiz, so dass 2023 die Zentralschweizer Kantone (und inzwischen weitere) den so genannten Neophytensack eingeführt haben, mit dem unkompliziert und kostenlos kleinere Mengen an Neophytenabfällen (insbesondere fortpflanzungsfähige Pflanzenteile) entsorgt und u. a. der Restmüll-Abfuhr mitgegeben werden können.

Eine legale und unkritische Entsorgungsmöglichkeit ist auch die Verbrennung ausreichend dicker und sehr gut getrockneter Lorbeerkirsch-Astabschnitte in geschlossenen Kaminöfen. Von einer Verbrennung in offenen Feuerschalen oder -körben im Garten oder in offenen Kaminen wird dringend abgeraten, da die Rauchgase je nach Trocknungsgrad giftige Blausäureverbindungen enthalten können.

Die Lorbeerkirsche als Bildungsthema

Die Lorbeerkirsche wird heute trotz ihres hohen Invasivitätspotenzials mit Ausnahme der Schweiz weiterhin stark nachgefragt, offensiv vermarktet und inflationär verwendet.[74] Dass Handel und Verwender trotz der beachtlichen Risiken ihrer Eigenverantwortung kaum nachkommen und die bekannten Alternativen weitgehend ignorieren, führen Wissenschaftler u. a. auf zunehmende Entfremdung weiter Bevölkerungsteile von der Natur und Defizite in der Umweltbildung zurück.[75]

Mit ihrer weiten Verbreitung im Siedlungsraum und ihrem hohen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung eignet sich die Lorbeerkirsche sehr gut als vielfältiges und praxisnahes Thema für Umweltbildungsaktivitäten für die verschiedensten Altersstufen:

  • Im klassischen Schulunterricht bietet sie ergiebige und gut skalierbare Lerninhalte für die Fächer Biologie, Chemie, Politik und Wirtschaft sowie Ethik, die auch fächerübergreifend und mit praktischen Anteilen angeboten werden können. Entsprechende Unterrichtsmaterialien sind u. a. über die bekannten Bildungsserver und Schulbuchverlage zu finden.[25][76][77] Sehr erfolgreich in diesem Zusammenhang ist auch ein Projekt „Kirschlorbeer“ der Albert-Koechlin-Stiftung in der Schweiz, bei dem Schulklassen selbst Lorbeerkirschen und andere Neophyten auf dem Schulgelände oder im nahen Umfeld roden und durch ökologisch wertvolle Alternativen ersetzen können.[63]
  • In Botanischen Gärten lassen sich mit relativ geringem Aufwand Themenpfade einrichten, die die verschiedensten Lorbeerkirsch-Ersatzgehölze vorstellen und in ihrem realen Wuchs in Einzelstellung und/oder Mischhecken zeigen.
  • Umweltbildungsangebote für Erwachsene zur Problematik invasiver Pflanzenarten stoßen in der Regel auf wenig Akzeptanz und Nachfrage. Das Konzept des in der Schweiz sehr erfolgreichen Neophytensacks offenbart als drei wesentliche Erfolgsfaktoren den Anreiz eines kostenlosen Entsorgungsangebotes, persönliche Betroffenheit und konkrete eigene Handlungsmöglichkeiten. Damit wächst auch die Bereitschaft zur Ablösung vorhandener Lorbeerkirschbestände durch heimische Ersatzgehölze.

Nutzung

Gärtnerische Nutzung

Die bedeutsamste Nutzungsform der Lorbeerkirsche ist zumindest in Süd- und Mitteleuropa ihre gärtnerische Verwendung, die sich in die folgenden vier Verwendungsvarianten untergliedern lässt:

  • Sichtschutzgehölz als Hecke oder Gruppenpflanzung (vorherrschende Verwendungsvariante)
  • Schatten- und wurzeldrucktolerantes Unterpflanzungsgehölz unter Bäumen
  • Formschnittgehölz in Einzelstellung oder Gruppenpflanzung (seltenere Verwendungsvariante)
  • Ziergehölz in Einzelstellung oder Gruppenpflanzung ohne Formschnitt (seltenere Verwendungsvariante)

Bei allen vier Verwendungsvarianten ist die Wuchsstärke abhängig von der Sorte und den Lichtbedingungen am jeweiligen Standort – an lichtexponierten Standorten zeigt sie sich im Rahmen ihrer sortenspezifischen Eigenschaften eher starkwüchsig und unter schattigen Bedingungen deutlich schwachwüchsiger.[74]

Nachgewiesenermaßen stellen gärtnerische Lorbeerkirsch-Anpflanzungen die primären Samenquellen bei der invasiven Ausbreitung der Art als Gartenflüchtlinge in der freien Natur und insbesondere im Unterholz von siedlungsnahen Wäldern dar.[54][33] Mittlerweile wird daher vermehrt empfohlen, die Samenbildung vorhandener Bestände alljährlich durch einen entsprechenden Schnitt schon vor oder spätestens sofort nach der Blüte zu unterbinden.[38] Da es an geeigneten Ersatzgehölzen nicht mangelt, sollten Neuanpflanzungen von Lorbeerkirschen auf jeden Fall vermieden und Rückbauten vorhandener Bestände favorisiert werden.

Schrotschusskrankheit

Krankheiten

Die Lorbeerkirsche kann von Echtem Mehltau, Falschem Mehltau und der Schrotschusskrankheit befallen werden, die mit Fungiziden behandelt werden können. Die Schrotschusskrankheit kommt dabei relativ häufig vor.[78] Als eine der wenigen Ausnahmen vertragen einige Arten der Gattung Dickmaulrüssler die giftigen Blätter; ihre Larven leben unterirdisch und ernähren sich auch von den Wurzeln.[46]

Holz

Bei Sägearbeiten entweicht aus frischen Schnittflächen ein charakteristischer Geruch von Bittermandeln. Frisch geschlagenes Holz der Lorbeerkirsche ist cremeweiß gefärbt, wobei die Schnittfläche einen Pflanzensaft absondert, der die Säge verklebt. Das Holz dunkelt bei der Trocknung stark nach und endet bei einem orangebraunen Farbton, wobei es zum Reißen neigt und sich in der Regel verzieht.

Gut abgelagertes Holz dieser Pflanze kann unbedenklich im Hausbrand als Brennholz verwendet werden, da die giftige Blausäure während der Trocknung weitgehend ausgast. Von einer Verbrennung in offenen Feuerschalen oder -körben im Garten oder in offenen Kaminen wird dringend abgeraten, da die Rauchgase je nach Trocknungsgrad giftige Blausäureverbindungen enthalten können.

Kirschen

In der Türkei wird das Fruchtfleisch der Kirschen für Marmelade oder Gelee verwertet,[15][79] denn beim Kochen werden die giftigen Blausäureverbindungen zerstört.

Frühere medizinische Verwendung

In der traditionellen Volksmedizin Südosteuropas und Kleinasiens sowie in der europäischen Medizingeschichte wurden insbesondere die frischen Blätter trotz ihrer bekannten Giftigkeit als Heilmittel geschätzt. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die von Mai bis August gepflückten jungen Lorbeerkirschblätter samt den Zweigenden als Arzneidroge (Laurocerasi folium) verwendet. Bei schweren Hustenerkrankungen, als leichtes Beruhigungsmittel und Geschmackskorrigens wurde Kirschlorbeerwasser eingesetzt, ein durch Wasserdampfdestillation frischer Blätter erhaltenes, schwach ethanolhaltiges Destillat.[80][81] Ein anthroposophisches Arzneimittel gegen Husten, das neben Auszügen anderer Heilkräuter und Gewürze auch „eingestelltes“ Kirschlorbeerwasser (Laurocerasi aqua normata) mit einem definierten Gehalt an Cyanwasserstoff enthält, ist auch heute noch erhältlich.[82]

Konservierungsmittel bei der Tierpräparation

Den hohen Blausäureanteil der Blätter nutzt man bei der Tierpräparation zur Konservierung der Präparate.

Darüber hinaus dienen die Lorbeerkirschblätter seit Beginn des 21. Jahrhunderts dem Aufweichen oder Geschmeidigmachen organischer Materialien bei Restaurierungen. Beispielsweise lassen sich getrocknete Insekten wieder beweglich machen, indem man sie einige Tage über den zerschnittenen Blättern in einem geschlossenen Gefäß aufbewahrt (Blätter täglich austauschen und Hautkontakt vermeiden). Auch lange gefaltete Stoffe, wie man sie aus Gräbern kennt, lassen sich mit dieser Methode wieder geschmeidig machen. Wiederentdeckt wurde die Methode in den 1990er-Jahren von dem Tierpräparator Klaus Wechsler im Bremer Übersee-Museum.[83]

Literatur

Commons: Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikispecies: Prunus laurocerasus – Artenverzeichnis
Wiktionary: Lorbeerkirsche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks