Portugiesische Lorbeerkirsche

Art der Gattung Prunus From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica), fälschlich auch Portugiesischer Kirschlorbeer ist eine Kirsche aus der sehr artenreichen Gattung Prunus in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Portugiesische Lorbeerkirsche

Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica)

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Steinobstgewächse (Amygdaleae)
Gattung: Prunus
Art: Portugiesische Lorbeerkirsche
Wissenschaftlicher Name
Prunus lusitanica
L.
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Die aus Südwesteuropa stammende Pflanze ist im deutschsprachigen Raum im Vergleich zur Lorbeerkirsche eine bisher weniger verbreitete Kirsche, bei der aufgrund ihrer vergleichbaren Giftigkeit dieselben ökologischen Probleme als Neophyt zu erwarten sind.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Die Portugiesische Lorbeerkirsche ist ein immergrüner Baum oder Strauch, der im Alter von 30 bis 40 Jahren Wuchshöhen von 3 bis 8, selten bis 20 Metern erreicht. Als Busch oder Strauch bleibt sie deutlich kleiner und kompakter bei maximal 3 bis 4 Metern. Die Rinde junger Zweige und die Blattstiele sind kahl und dunkelrot. Die wechselständig und zweizeilig am Zweig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die einfache, kahle, glänzend dunkelgrüne, drüsenlose Blattspreite ist länglich-lanzettlich und gekerbt-gesägt.[1][2]

Generative Merkmale

Die Blütezeit liegt im Juni. Viele Blüten sind in einem aufrecht-abstehenden traubigen Blütenstand angeordnet. Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Kronblätter sind weißlich und 4 bis 7 Millimeter lang. Die bei Reife schwarz-purpurfarbenen Kirschen sind eiförmige Früchte mit spitzem oberen Ende.[1][2]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 64.[3]

Systematik und Etymologie

Die Erstveröffentlichung der Portugiesischen Lorbeerkirsche als Prunus lusitanica erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 473.[4] Das Art-Epitheton lusitanica verweist auf die römische Provinz Lusitania der Römischen Kaiserzeit als eine der Herkunftsregionen.

Nach dem taxonomischen Konzept von Plants of the World Online (POWO) sind der Art heute (Stand Juni 2026) drei Unterarten zugeordnet[5][6]:

Linné ordnete die Lorbeerkirsche der Gattung Prunus zu, die nach POWO heute 352 akzeptierte Arten umfasst[7], darunter zahlreiche Nutzobstsorten wie Aprikosen, Pflaumen, Kirschen oder Mandeln.

Unter den deutschen Trivialnamen ist „Portugiesische Lorbeerkirsche“ die botanisch korrekte Bezeichnung, da die Pflanze eine Kirschenart ist. Die umgangssprachliche Umkehrung „Portugiesischer Kirschlorbeer“ war (laut Auswertung historischer Quellen[8]) und ist auch weiterhin eine sehr gebräuchliche Bezeichnung.

Natürliche Vorkommen, Gefährdung

Die Portugiesische Lorbeerkirsche kommt in Südfrankreich, auf der Iberischen Halbinsel, in Marokko, auf den Azoren, Madeira und den Kanarischen Inseln vor. Sie wächst dort insbesondere in feuchten Wäldern, Gebirgsschluchten und an schattigen Bächen in mittleren Höhenlagen meistens zwischen 500 und 900 m Meereshöhe, steigt aber auch bis 1300 m Meereshöhe auf. Sie bevorzugt gut durchlässige, kieshaltige, aber nicht kalkhaltige Böden in feuchten gemäßigten Klimazonen mit viel Regen und Nebel.[9][10]

Zeigerwerte nach Ellenberg oder Landolt liegen für die Portugiesische Lorbeerkirsche nicht vor. Es gibt jedoch Zeigerwerte nach Julve aus einer nach dem Ellenberg-Prinzip an die Flora Frankreichs angepassten Datenbank „Baseflor“, die den Ellenberg-Werten der Pontischen Lorbeerkirsche[11] sehr ähneln. Es gibt jedoch einen markanten Unterschied beim Lichtwert, der die Portugiesische Lorbeerkirsche als heliophile Lichtpflanze ausweist[12], während die Pontische Lorbeerkirsche als Schattenpflanze charakterisiert ist.

Die Art wird von der International Union for Conservation of Nature aktuell (Rote Liste, Version 2025-2) bezogen auf ihr gesamtes Verbreitungsgebiet als „nicht gefährdet“ eingestuft. In einigen Teilen ihres insgesamt großen, aber fragmentierten Verbreitungsgebietes kommt sie nicht häufig vor und ist teilweise durch Lebensraumveränderungen, invasive Arten und Veränderungen der Wasserverhältnisse bedroht. Zum Grad der Populationsfragmentierung und zur Größe der afrikanischen Population liegen keine ausreichenden Daten vor.[13] In der Berner Konvention ist die endemische Unterart azorica im Anhang I/S. 23 der „streng geschützten Arten“ gelistet und entsprechend auch im Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geführt.

Erdgeschichtliche Herkunft

Die Portugiesische Lorbeerkirsche wird in vielen Publikationen als eine Reliktart aus einem Erdzeitalter vor ca. 60 Millionen Jahren beschrieben, das früher als Alttertiär und heute als Paläogen bezeichnet wird. In dieser Zeit herrschte im heutigen Mitteleuropa ein tropisches Klima, das sich anschließend abkühlte, bis die Temperaturen während der Eiszeiten, die den Alten Kontinent mit Gletschern bedeckten, ihren Tiefpunkt erreichten. Damit verbunden waren große Veränderungen der Flora und Fauna; sehr viele Arten mussten sich vor dem Eis zurückziehen oder starben aus. Die Halbinseln Südeuropas spielten dabei eine wichtige Rolle als Rückzugsgebiete für kältebedrohte Arten, wo sie an wärmebegünstigten Standorten geeignete Bedingungen zum Überleben vorfanden. Die Portugiesische Lorbeerkirsche hat auf diese Weise die Eiszeiten überlebt und kann nun bedingt durch die Globale Erwärmung die Wanderung zurück in nördlichere Gefilde antreten.[9]

Verwechslungsmöglichkeiten

Die Portugiesische Lorbeerkirsche kann insbesondere verwechselt werden mit der (Pontischen) Lorbeerkirsche Prunus laurocerasus. Erkennungsmerkmale der Portugiesischen Lorbeerkirsche sind rote Jungtriebe, rote Blattstiele (bei Schattentrieben zumindest in der unteren Hälfte) sowie gesägte Blattränder; in botanischen Beschreibungen überwiegt die Aussage, dass zerquetschte Blätter keinen auffälligen Geruch abgeben[2], aber auch die gegenteilige Aussage ist zu finden.[9] Erkennungsmerkmale der (Pontischen) Lorbeerkirsche sind grüne Jungtriebe, grüne Blattstiele sowie ganzrandige oder gesägte Blattränder; zerquetschte Blätter geben einen Geruch von Bittermandeln ab.[14][15] Die bei der Pontischen Lorbeerkirsche meistens sehr auffälligen extrafloralen Nektarien fehlen.[10]

Darüber hinaus gibt es Ähnlichkeiten mit Glanzmispeln, mit dem Echten Lorbeer (Laurus nobilis) und dem mit Wuchshöhen von 0,5–1 m deutlich kleiner bleibenden Lorbeer-Seidelbast (Daphne laureola).

Ökologie

Die Portugiesische Lorbeerkirsche kommt mit verschiedensten, auch kalkhaltigen Bodenarten zurecht, wobei sie Böden mit annähernd neutralem pH-Wert bevorzugt; Salz und Staunässe werden nicht vertragen. Als heliophile Lichtpflanze[12][16] gedeiht sie am besten an sonnigen Standorten, auch Halbschatten wird vertragen. Als Winterhärte wird meist die USDA-Klimazone 7 (bis −17 °C)[17], teilweise auch 6 (bis −23 °C)[18] angegeben.

Die Blüten der Portugiesischen Lorbeerkirsche sind einfach und für Insekten aller Größen und Rüssellängen leicht zugänglich aufgebaut. Die Ergiebigkeit der Blüten wird angegeben mit einem Wert von 3 (gut) sowohl für den Pollenwert wie auch den Nektarwert.[16] Die Blüten werden von Honigbienen, über 30 Wildbienen-Arten (inkl. Hummeln) und einigen Schmetterlingsarten besucht. Ebenfalls über 30 Insektenarten nutzen die Portugiesische Lorbeerkirsche als Raupenfutterpflanze.[17]

Wie bei der Pontischen Lorbeerkirsche werden die Früchte von diversen Vogelarten gefressen, insbesondere von Amseln und Drosseln, wegen der im Vergleich nur etwa halb so großen Fruchtgröße aber auch gerne von Mönchsgrasmücken.[19] Außerdem fressen Stare, Eichelhäher und Tauben im Herbst die Früchte. Auch verschiedene Säugetierarten wie Wildschweine, Rehe, Füchse und andere Fleischfresser sowie verstreuende und Vorräte anlegende Nagetiere nutzen dieses Nahrungsangebot.

Toxizität

Alle Pflanzenteile der Portugiesischen Lorbeerkirsche enthalten als Schutz gegen Fressfeinde cyanogene Glycoside. Daraus bildet sich insbesondere beim Zerkauen und Verzehr von Samen und Blättern giftige Blausäure, die die Cytochrom-c-Oxidase der Atmungskette hemmt und die Zellatmung zum Erliegen bringen kann. Nach dem Verzehr von Blättern oder zerkauter Samen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Herzrasen und Krämpfen kommen und bei mehr als marginalen Mengen auch zum Tod durch Herz- oder Atemstillstand führen. Die meisten Quellen stufen die Portugiesische Lorbeerkirsche daher als ebenso stark giftig wie die (Pontische) Lorbeerkirsche ein[20], nur eine Quelle[18] klassifiziert sie als nur moderat giftig. Unzerkaut und anderweitig unbeschädigt geschluckte Samen sind dagegen ungefährlich, da die cyanogenen Glykoside ohne Entstehung von Blausäure wieder ausgeschieden werden.

Auch für Haus- und Nutztiere können Blätter und Samen der Portugiesischen Lorbeerkirsche gefährlich werden: Als kritische Menge für Schafe werden 0,2 kg Blätter pro Tier angegeben, für Rinder und Pferde 0,5–1 kg. Randbepflanzungen und Schutzhecken von Pferdekoppeln und Viehweiden sollten daher frei von Portugiesischen Lorbeerkirsch-Sträuchern gehalten werden.[20]

Krankheiten und Schädlinge

Die an Portugiesischer Lorbeerkirsche auftretenden Pflanzenkrankheiten und Schädlinge sind weitgehend deckungsgleich mit denen der (Pontischen) Lorbeerkirsche. Viele davon werden von ungünstigen Standortbedingungen oder gärtnerischen Fehlern wie z. B. Staunässe oder zu tiefem Einpflanzen stark begünstigt.

Unter den Pilzerkrankungen sind zu nennen Echter Mehltau, Falscher Mehltau und Schrotschusskrankheit, die mit Fungiziden behandelt werden können. Die Schrotschusskrankheit ist dabei relativ häufig.[21] Aus Großbritannien wird auch eine Empfindlichkeit gegenüber Silberblatt- bzw. Bleiglanz-Krankheit berichtet, die vom Violetten Knorpelschichtpilz verursacht wird.[22][23]

Wenn Schmetterlinge und andere Insektenarten die Pflanze als Raupenfutterpflanze in Anspruch nehmen und es daraufhin zu einem Raupenfraß kommt, sind die Schäden in der Regel moderat und von naturbewussten Gärtnern gerne in Kauf genommen. Einige Käferarten aus der Gattung der Dickmaulrüssler können dagegen auch größere Schäden anrichten: Die geschlechtsreifen Käfer verursachen den so genannten Buchtenfraß an den Blättern; ihre Larven leben unterirdisch und ernähren sich auch von den Wurzeln.[24]

Nutzung

Gärtnerische Nutzung

Die heute bedeutsamste Nutzungsform der Portugiesischen Lorbeerkirsche ist zumindest in Süd- und Mitteleuropa ihre gärtnerische Verwendung, die sich in die folgenden drei Verwendungsvarianten untergliedern lässt:

  • Sichtschutzgehölz als Hecke oder Gruppenpflanzung (vorherrschende Verwendungsvariante)
  • Ziergehölz in Einzelstellung oder Gruppenpflanzung ohne Formschnitt (seltenere Verwendungsvariante)
  • Formschnittgehölz in Einzelstellung, Gruppenpflanzung oder als Kübelpflanze (seltenere Verwendungsvariante)

Im Gegensatz zur (Pontischen) Lorbeerkirsche eignet sich die Pflanze wegen ihres höheren Lichtbedarfs nicht zur Unterpflanzung größerer Bäume oder Baumbestände. Zu ihrer Schnittverträglichkeit liegen widersprüchliche Angaben vor.[25][26][27][28]

Laub und Schnittgut der Portugiesischen Lorbeerkirsche gelten als kompostierbar[17], ansonsten ist eine Entsorgung über die Grüne Biotonne oder bei größeren Mengen über eine Grünschnitt-Annahmestelle ratsam. Keinesfalls darf das Schnittgut illegal in der freien Natur entsorgt werden, da es Wurzeln schlagen und anwachsen kann; Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Bußgeldern geahndet.

Sorten

Die bekanntesten fünf der im deutschsprachigen Raum erhältlichen Portugiesischen Lorbeerkirschsorten sind im Abschlussbericht der Bundesgehölzsichtung 2017–2022 mit ihren wesentlichen Eigenschaften inklusive Winterhärte und Fruchtbildung beschrieben.[29] Weitere Informationen zu einzelnen Sorten sind auch in einer englischsprachigen dendrologischen Enzyklopädie zu finden.[22]

Verwendung der Früchte

Diverse Quellen sagen aus, dass das Fruchtfleisch der Portugiesischen Lorbeerkirsche im vollreifen Zustand weitgehend ungiftig sei, wenn es nicht bitter schmeckt. Es gibt aber keine belastbaren wissenschaftlichen Studien, die dies uneingeschränkt bestätigen, sondern es wird vielfach darauf hingewiesen, dass die Konzentrationen der verschiedenen Inhaltsstoffe des Fruchtfleisches neben dem Reifegrad von zahlreichen anderen Faktoren wie Standortbedingungen und Witterungsverlauf abhängen. Von einem Rohgenuss des Fruchtfleisches wird daher in jedem Fall dringend abgeraten. Es gibt aber Hinweise darauf, dass das Fruchtfleisch in den natürlichen Verbreitungsgebieten früher zur Herstellung von Marmeladen genutzt wurde.[9]

Traditionelle medizinische Verwendung

In ihren natürlichen Verbreitungsgebieten wurden Zubereitungen aus Pflanzenteilen der Portugiesischen Lorbeerkirsche früher traditionell als Brechmittel sowie als bakterizides und fungizides Mittel verwendet. Außerdem gibt es Berichte über die Verwendung der Rinde und Blätter als Malaria- und Fiebermittel. Im Bereich der traditionellen Veterinärmedizin wurden entsprechende Zubereitungen auch zur Behandlung von Giftschlangenbissen bei Haus- und Nutztieren eingesetzt. Alle diese Anwendungen waren aufgrund der unkalkulierbaren Konzentrationen der giftigen Inhaltsstoffe mit großen Risiken verbunden.[9]

Nutrazeutische, pharmazeutische und dermokosmetische Verwendungen

In den letzten Jahren wurden verschiedene wissenschaftliche Studien zur Erforschung der Inhaltsstoffe insbesondere der Früchte durchgeführt (z. B.[30]), um Grundlagen für mögliche nutrazeutische, pharmazeutische und (dermo-)kosmetische Verwendungen bereitzustellen. Die Ergebnisse lassen Potenziale für solche Verwendungen erkennen, tatsächliche Anwendungen sind aber bislang nicht bekannt.[9]

In der Ethnobotanik der Ursprungsregionen ist seit langem bekannt, dass sich aus den reifen Beeren sowie den Blättern ein intensiver grüner bis dunkelvioletter Naturfarbstoff gewinnen lässt.[18]

Verwendung des Holzes

Da das Holz der Portugiesischen Lorbeerkirsche kaum in größeren Mengen und Querschnitten für menschliche Verwendungen zur Verfügung stand, sind nur Nischenanwendungen bekannt: Lokal wird das rosafarbene Holz vereinzelt in der Tischlerei verwendet. In Portugal wurde es noch bis vor Kurzem zur Herstellung von Spazierstöcken und in Spanien zur Herstellung von Küchenutensilien und Flöten verwendet.[9]

Commons: Portugiesische Lorbeerkirsche (Prunus lusitanica) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Lorbeerkirsche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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