Pruthfeldzug
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Der Pruthfeldzug war eine misslungene militärische Operation Peters des Großen gegen die Osmanen im Jahre 1711, die über den Ausgang des seit 1710 geführten 4. Russisch-Osmanischen Krieges entschied.

Vorgeschichte
Im Zuge der Friedensschlüsse der Heiligen Liga mit den Osmanen im Friede von Karlowitz hatte Peter der Große im Frieden von Konstantinopel 1700 auch für Russland eine dauerhafte Beruhigung der Lage im Süden angestrebt, die ihm freie Hand für die Offensive gegen Schweden im Großen Nordischen Krieg sichern sollte. Auch nach der Niederlage des Schwedenkönigs Karls XII. gegen Peter in der Schlacht von Poltawa 1709 und seiner anschließenden Flucht ins osmanische Exil blieb die russische Diplomatie gegenüber dem Sultan auf Ausgleich bedacht. Peters Sieg bei Poltawa und seine nachfolgenden Eroberungen im Baltikum wurden insbesondere am Hof des Sultans mit Argwohn verfolgt, wo außer Karl XII. auch der Krim-Khan Devlet II. Giray auf Gegenmaßnahmen drängte. Peter schickte seinen Botschafter Peter Tolstoi nach Istanbul und forderte die Auslieferung Karls, die jedoch abgelehnt wurde. Als Zar Peter mit Nachdruck eine Entscheidung der Hohen Pforte über Krieg oder Frieden verlangte, ließ Sultan Ahmed III. den Botschafter als Antwort ins Gefängnis werfen. Nachdem Devlet II. Giray im Januar 1711 mit über 80.000 Tataren, unterstützt von 10.000 pro-schwedischen ukrainischen Kosaken, mehr als 4.000 Polen und 700 Schweden in der Ukraine eingefallen war, erklärte Peter I. am 25. Februar in der Uspenski-Kathedrale im Moskauer Kreml den Krieg gegen das Osmanische Reich. Am 8. März 1711 erreichte den russischen Monarchen die Kriegserklärung der Osmanen.[1]
Verlauf

Für Zar Peter ergab sich eine gefährliche Situation, die den Erfolg bei Poltawa in Frage stellen konnte, da er sich nun in einem Zweifrontenkrieg befand und von seinen Verbündeten kaum wirksame Hilfe erwarten konnte. Aus diesem Grund suchte Peter I. die Entscheidung in der Offensive und fiel mit seiner Armee über den Dnjestr ins Osmanische Reich ein. Durch das Fürstentum Moldau sollte das russische Heer rasch nach Süden geführt werden, um noch vor Erscheinen des Gegners Position an der Donau zu beziehen. Die Konzentration der russischen Truppen am Dnepr verzögerte sich jedoch, und der verspätet begonnene Vormarsch wurde durch Mangel an Proviant und Fourage gehemmt. Peter hoffte auf einen Aufstand der orthodoxen Christen auf dem Balkan, der die osmanischen Truppen daran hindern würde, die Donau zu überqueren. Dieser Aufstand, der ihm von dem moldawischen Fürsten Dimitrie Cantemir in Aussicht gestellt worden war, blieb aber aus.
Am 5. Juli 1711 erreichte der durch eine schwere Krankheit geschwächte Zar Jassy. Am 17. Juli meldete die Vorhut den Vorstoß des osmanischen Großwesirs Baltaji Mehmed Pascha. Die gesamte russische Armee eilte nun zurück zum Pruth und war ständig in Rückzugsgefechte verwickelt. 38.000 Russen wurden in einem eilig befestigte Lager bei Huși von den Osmanen eingeschlossen und am 19. und 20. Juli 1711 einer Folge von verheerenden Angriffen ausgesetzt. Peter war nun auf Gnade oder Ungnade dem Großwesir ausgeliefert, der jedoch auf die mögliche Aushungerung der Russen verzichtete. In dieser ausweglosen Lage kamen die Annahme der russischen Verhandlungsangebote durch den Großwesir und dessen maßvolle Friedensforderungen für Peter, der anscheinend durch Zahlung von 250.000 Rubel nachhalf, um einen ehrenvollen Abzug zu erhalten, selbst unerwartet.[2] Im Frieden vom Pruth trat Russland die 1696 eroberte Festung Asow wieder an das Osmanische Reich ab und verpflichtete sich zum Abzug aus den Gebieten der Kosaken. Karl XII. verblieb weiter im Osmanischen Reich und versuchte im November 1711 und im November 1712 zwei weitere Male erfolglos, den Sultan zum Krieg gegen Russland zu überreden. Die Hohe Pforte hatte aber keine finanziellen Mittel für weitere kriegerische Unternehmungen zur Verfügung. Der Frieden von Adrianopel vom 24. Juni 1713, vermittelt von den Seemächten, klärte die übrigen Differenzen zwischen Russland und dem Osmanischen Reich.
Literatur
- Akdes Nimet Kurat: Der Prutfeldzug und der Prutfrieden von 1711. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas. NF Bd. 10, Heft 1, 1962, S. 13–66, Digitalisat.
- Reinhard Wittram: Peter I. Czar und Kaiser. Zur Geschichte Peters des Großen in seiner Zeit. Band 1. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1964, S. 374 ff.
- Hans-Joachim Torke (Hrsg.): Lexikon der Geschichte Rußlands. Von den Anfängen bis zur Oktober-Revolution. C. H. Beck, München 1985, ISBN 3-406-30447-8, S. 306 f.