Pulheim (Adelsgeschlecht)
Adelsgeschlecht
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Pulheim (auch: Polheim, Pullem o. ä.) ist der Name eines erloschenen niederrheinischen Uradelsgeschlechts.

Die Familie ist zu unterscheiden von den oberösterreichischen Grafen von Polheim.
Geschichte
Das Geschlecht nannte sich nach einem Stammsitz in der Stadt Pulheim bei Köln. Seine Mitglieder waren zunächst Vasallen von St. Georg zu Köln. Zu Beginn der Neuzeit erscheinen sie vielfach auch in Bonn sowie später als Vögte des Amts Monheim im Range eines Freiherren.
Bereits 1257 erscheint der Kölner Bürger Johann von Polhem als verstorben. Seine Witwe Wintrudis kaufte zusammen mit Aleidis, Witwe des Theoderich von Rheinbach, Land bei Eggershoven.[1] Ritter Wilhelm von Pulheim (urkundlich 1264–1280), 1271 Kölner Bürger,[2] Besitzer eines Hauses im Kölner Stadtteil Airsburg,[3] war mit Hildegunde verheiratet und hatte mit dieser die Kinder Nicolaus, Wilhelm und Christina. Danach sind folgende Sprosse des Geschlechts bekannt:
- Heinrich von Pulheim (urkundlich 1274–1276;[4] † an einem 24. Juli), Dekan zu St. Georg.
- Everhard (I.) und Winand von Pulheim, 1308 Vasallen des Propstses von St. Georg.[5] 1300 war Everhard von Pulheim erzbischöflicher Schultheiß von Pulheim.[6] 1312 klagte das Kapitel von St. Cäcilien darüber, dass Everhard unter Verletzung aller Vorschriften und der kirchlichen Freiheit in Pulheim einen Bau zu weltlichen Zwecken und eine Befestigung errichtet hatte. Dem Pulheimer Pfarrer wurde befohlen, Everhard und die Zimmerleuten unter Androhung der Exkommunikation zur Niederlegung der Bautätigkeiten zu bewegen.[7]
- Gottfrid von Pulheim (1339), Vasall der Grafen von Geldern.
- Everard Rost von Pulheim, Knappe und jülichscher Burgmann zu Bergheim, erhielt 1342 auf seine Bitte hin vom Markgrafen Wilhelm von Jülich († 1361) 30 Morgen Burgland im Territorium von Brauweiler gegenüber von Fliesteden im Tausch gegen 30 andere Morgen Allodialland zu Pulheim von Everhard.[8]
- Gerhard von Pulhem, 1343 Burggraf zu Köln; welchen Tores ist nicht überliefert[3]
- Richmod Blankhard erscheint 1371 als Witwe eines Everhards von Pulheim, der den Hof zu Pulheim von St. Georg gepachtet hatte.
- Rutger von Pulheim gt. von der Lungen (1376 – 1405) ⚭ Christina
- N. N. von Pulheim ⚭ Reinhard von Udesheim
- Rutger von Pulheim, Kölner Vogt, und sein Bruder Gerhard von Pulheim erscheinen 1392[9]
- Everhard (II.) von Pulheim ⚭ Heilke (1407 – 1421). Letztere wurde an das Haus zur Lungen geschrieben und ab 1421 an das Haus Isenburg.
- Heilke von Pulheim ⚭ (1407?) Heinrich von Velde
Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts verlagerte sich der Lebenmittelpunkt der Familie nach Bonn, wo sie in der Bonngasse ein Haus besaß. Das jeweilige Familienoberhaupt war Schöffe am Hochgericht in Bonn:[10]
- Jakob von Pulheim (urkundlich 1467–1484), Schöffe (1467, 1471, 1477, 1481, 1483) und Bürgermeister (1467) zu Bonn[11][12][13][14][15]
- Adam (Daem) von Polheim (urkundlich 1508–1518)
- Werner von Polheim (urkundlich 1523–1545; erscheint 1567 als †), Schöffe und 1541 Schultheiß/Vogt zu Bonn[16][17]
- Johann von Polheim (urkundlich 1552–1578), Schultheiß des Bonner Stifts St. Cassius zu Endenich (1552, 1554, 1555),[18] Schöffe des hohen Gerichts (1559, 1562, 1563, 1567–1569, 1575, 1576, 1578)[19][20][21][22][23][24][25][26] und Bürgermeister (1575)[27][28] zu Bonn; vermutlich ⚭ Catharina de Graff, 1581 Witwe. Ihre Kinder:[10]
- Wilhelm von Polheim, verkaufte sein Haus mit allem Zubehör. 1594 verkauften er und seine Frau Veronika von Orscheid eine Rente.[29]
- Catharina von Polheim
- Sybilla von Polheim
- Maria Salome von Polheim, hatte mehrere uneheliche Kinder von Rutger von Velbrüggen († 1584),[30] der Maria Salome drei Jahre vor seinem Tod als Gattin anerkannte[31]
- Goddart von Polheim (urkundlich 1568–1585), 1568–1572 Kellner zu Burg, ab 1572 Rentmeister des Amts Blankenberg[32][33][34]
- Winandt von Polheim, 1579 herzoglich-jülichsch-klevisch-bergischer Weinverwahrer zu Düsseldorf[35]
Am 8. Mai 1593 wurde Johann von Pulheim genannt von Brauweiler zu Melaten auf dem Rabenstein enthauptet, aufgeschnitten und gevierteilt. Die vier Stücke wurde an den Galgen gehängt und der Kopf auf den Galgen gesetzt. Zuvor hatte er als Freibeuter und Räuber viele Untaten begangen. So soll er den Landleuten 200 Pferde geraubt haben, viele Leute umgebracht und verletzt haben. Einen Junker Schall von Bell soll er bei der Raustasche vor der Severinspforte erschossen haben. Ebenso einen Offermann bei Frimmersdorf, nachdem er diesen zunächst in einen Brunnen geworfen hatte. Auch die Frau und den jungen Sohn des Offermanns habe er ermordet und in den Brunnen geworfen. Darüber hinaus habe er viele weitere Nachbarsleute, Männer und Frauen, ermordet, gefangen und ausgeraubt, und auch die Kölner Bürger nicht verschont. Dann jedoch war er auf Antrag des Junkers Heinrich Schall von Bell zu Schallenburg in Schwadorf in einer Herberge beim Brande im Bett mit seiner Frau gefangen genommen, zum Kunibertsturm gebracht und gefoltert worden. Nach dem Geständnis brachte man ihn zum Rabenstein und richtete ihn hin.[36]
Weitere Familienmitglieder waren:
- Margaretha von Pulheim (Pullem) zu Camp ⚭ Conrad Wentz von Niederlahnstein († 1595).[37] In der Kapelle des Guts Hospelt, gelegen im heutigen Bad Münstereifel, findet sich die Grabplatte von Johannes Friedrich Wentz von Niederlahnstein, Herr zu Hospelt, mit den Wappen Wentz, Pullem (Pulheim), Kessel, Velbrück, Pampus, Sturm, Meckenheim und Wambach.[38]
- Gertrud von Pulheim (1617) ⚭ Johann von Goer zu Muttekoven
- Johann Freiherr von Pulheim (1626), Vogt des Amtes Monheim; er siegelt mit dem Wappen derer von Pulheim, jedoch ist seine Helmzier ein Pferdekopf, der aus einer Freiherrenkrone emporwächst.
- Gertrud von Pulheim (1650) ⚭ Hans von der Hoven gt. Pampus
Wappen
Blasonierung des Stammwappens: In Silber ein schwarzer Querbalken begleitet von drei (2:1) schwarzen Hämmern. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken zwei silberne Reiherfedern, zwischen denen ein schwarzer Hammer schwebt.
Blasonierung des Freiherrenwappens: Ein Querbalken begleitet von drei (2:1) Hämmern. Auf dem Helm eine Freiherrenkrone, aus der ein Pferdekopf emporwächst. Dieses Wappen scheint nur von Johann Freiherr von Pulheim geführt worden zu sein.
Literatur
- Anton Fahne: Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden, Band 1, Heberle, Köln und Bonn 1848, S. 334 f. (hhu.de).