Pumpwerk (Kulturzentrum)
Veranstaltungszentrum in Wilhelmshaven, Niedersachsen
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Das Pumpwerk ist ein ehemaliges Industriebauwerk und jetziges Kulturzentrum in Wilhelmshaven. Der damalige Leiter des Hochbauamtes (1973–2002) und jetzige Professor für Architekturgeschichte, Ingo Sommer[1] bewahrte es 1975 vor dem Abriss und hatte die Idee der Umgestaltung zu einem soziokulturellen Zentrum. Er entwickelte auch Konzept, Entwürfe und Umbaupläne. Es wurde 1976 fertiggestellt und 1979–1980 sowie 1990–1991 erweitert.

Geschichte
Das historische Abwasser-Pumpwerk wurde in den Jahren 1903 bis 1907 unter dem Geheimen Marinebaurat Hafenbaudirektor Paul Moeller (1855–1918) von der Bauabteilung der Kaiserlichen Werft als Entwässerungsbauwerk für die neu gegründete Stadt Wilhelmshaven errichtet. Vorbild war die von James Hobrecht und Rudolf Virchow entwickelte Berliner Stadtentwässerung. Das späthistoristische Infrastrukturgebäude war Teil des dritten Hafenbauabschnitts.[2] 1925 ging es an die kommunale Entwässerungsgeserllschaft Wilhelmshaven-Rüstringen mbH. Das historische Maschinenhaus pumpte bis 1974 Abwässer in die Nordsee.
Nach Inbetriebnahme eines neuen Hauptpumpwerk am Ems-Jade-Kanal 1975, war geplant das altes Pumpwerk abzureißen. Der Hochbauamtsleiter Ingo Sommer verhindert den Abriss und entwickelt die Idee zum Umbau als Kommunikationszentrum. Darauf stimmte im Juni 1975 der Bauausschuss den Entwürfen zum Umbau zu und der Umbau begann im Dezember 1975. Im Jahr 1976 wurde das im Umbau befindliche Pumpwerk an die Tochtergesellschaft Freizeit GmbH übertragen. Am 6. August 1976 erfolgte nach acht Monaten Planungs- und Umbauphase als Kultur- und Veranstaltungszentrum mit 200 Plätzen eröffnet. Die Kosten betrugen damals 320.000 DM und steht heute unter Denkmalschutz. Das Pumpwerk Wilhelmshaven mit seinen erhaltenen Maschineneinheiten war und ist republikweit das erste Abwasser-Pumpwerk, das zu einem Kulturzentrum umgenutzt und umgebaut wurde. Es ist darüber hinaus das älteste soziokulturelle Zentrum in Niedersachsen und gehört zu den zwölf Gründungsmitgliedern der Bundesvereinigung „Soziokultureller Zentren e. V.“
In der Anfangszeit der 1970er Jahre war das Pumpwerk noch geprägt von Künstlern der 68er-Bewegung, von Jazz-Musikern und niederdeutscher Folklore. Ein besonders herausragender Schwerpunkt war das überregional bedeutsame Programm mit vielen Stars der internationalen Jazzszene. Zusätzlich übernahm das Pumpwerk die Rolle eines Programmkinos. In den 1980ern wurden die Künstler dann zunehmend internationaler und die Veranstaltungen größer.
1979 bis 1980 erfolgte ein dreischiffiger Südost-Anbau und eine Tribünenerweiterung (400 Plätze, 400.000 DM) sowie 1990–1991 ein zweigeschossiger West-Anbau und eine weitere Tribünenerweiterung (800 Plätze, 2 Mio. DM). Danach verfügte das Pumpwerk Wilhelmshaven über Platz für bis zu 800 Menschen. Es wird von der Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH geführt. Jährlich finden rund 160 Veranstaltungen mit zusammen 150.000 Gästen statt.
Im Jahr 2025 gab es Diskussionen und Planungen zu einer Sanierung und Stadthallen-Anbau. Am 6. August 2026 wurde das Jubiläum 50 Jahre Kulturzentrum Pumpwerk Wilhelmshaven gefeiert.
- Pumpwerk
- Pumpwerk Seitenansicht
- Luftbild mittels einer Quadrocopter
- Luftbild des Kulturzentrums Pumpwerk
Veranstaltungsbereiche
Das Pumpwerk bot und bietet folgende Veranstaltungsbereiche:
- Jazz: Musikfreunde aus dem gesamten norddeutschen Raum besuchten regelmäßig das von Tasso Olbertz zusammengestellte und organisierte hochwertige Jazzprogramm. Weltklasse-Jazzmusiker wie Max Roach, Cecil Taylor, Lee Konitz, Elvin Jones, Chet Baker, Charles Mingus, Art Blakey, Dexter Gordon, Astrud Gilberto, Baden Powell, Jan Garbarek, Peter Herbolzheimer, Till Brönner etc. waren im Pumpwerk zu Gast.
- Musik: Ein wichtiger Bereich, in dem das Pumpwerk aktiv ist und professionellen, semiprofessionellen als auch Amateurmusikern eine Bühne bietet. Viele bekannte Künstler haben hier begonnen, so standen Fury in the Slaughterhouse, Heinz Rudolf Kunze, Klaus Lage, New Model Army, BAP, Trio oder Max Raabe hier zu Beginn ihrer Karriere auf der Bühne.
- Kleinkunst: In diesem Bereich gibt es sehr viele Veranstaltungen und Künstler, die auftreten. Ihre ersten Erfahrungen haben zum Beispiel Tim Fischer oder die Comedy-Gruppe „Pigeon Drops“ auf der Bühne des alten Entwässerungswerkes gemacht.
- Soziokultur: Das Pumpwerk engagiert sich stark im soziokulturellen Bereich. Gerade die Arbeit für und mit Kindern ist ein Schwerpunkt, Beispiele hierfür sind der „Arbeitskreis Jugendgewalt“, „Kultur für Kids“ oder das große Kinderfest zum Weltkindertag. Weiterhin bietet es eine Bühne und Plattform für Schulen, Initiativen, Gruppen und Verbände, die hier ihre unterschiedlichen Produktionen einem großen Publikum präsentieren wollen. Auch engagiert man sich für Menschen mit Behinderung, in dem man seit über 20 Jahren den „Treff nach 7“ als Treffpunkt für behinderte und nicht behinderte Menschen aus der Region anbietet.
- Außenveranstaltungen: viele Veranstaltungen finden auch auf den Außenflächen statt, wie die Konzertreihe „Mittwochs am Pumpwerk“, das Mittelalterliche Dorf beim Wochenende an der Jade oder das Public-Viewing bei Welt- und Europameisterschaften.
Veranstaltungen
- Wilhelmshavener Knurrhahn: Seit 1986 wird der Kleinkunstpreis der Stadt Wilhelmshaven Wilhelmshavener Knurrhahn an herausragende Künstler, die im Pumpwerk aufgetreten sind, verliehen.
- A-cappella-Festival: Auftrittsreihe mit unterschiedlichen A-cappella-Künstlern
- Festival der Kleinkunst: Auftrittsreihe mit unterschiedlichen Kleinkünstlern
Literatur
- Ingo Sommer: Das Pumpwerk in Wilhelmshaven. Neuer Inhalt in altem Haus. In: Bauwelt. 34/1976, ISSN 0005-6855.
- Ingo Sommer: Kommunikationszentren-Umnutzung. In: Deutsche Bauzeitschrift. 02/1985.
- Ingo Sommer: Pumpwerk Wilhelmshaven. In: Die Bauverwaltung. 11/1991. ISSN 0005-6847.
- Ingo Sommer: Wiedereröffnung des Kulturzentrums Pumpwerk. Sonderdruck Wilhelmshavener Zeitung. 17. Mai 1991, OCLC 256859398.
- Ingo Sommer: Pumpwerk: Schwungrad als Symbol, Rund um die Uhr in Bereitschaft. In: Heimat am Meer. Wilhelmshavener Zeitung. 30. September 2006.
- Ingo Sommer: Das erste soziokulturelle Zentrum Niedersachsens. In: Wilhelmshavener Zeitung vom 31. Juli 2026.