Pya Hug
Schweizer Künstlerin des Art brut
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Pya Hug (eigentlich Maria Pia Hug-Bühler; * 27. Juli 1922 in Domat/Ems; † 28. Mai 2017 in St. Gallen) war eine Schweizer bildende Künstlerin, die sich der Art brut zurechnen lässt.
Werdegang
Pya Hug wurde als Maria Pia Bühler im Kanton Graubünden geboren und wuchs mit drei Geschwistern auf. Ihr Vater war Schreiner und Zimmermann, und ihre Eltern hatten einen Zimmereibetrieb und ein Baugeschäft, in dem sie mithalf.[1] Ihren Vater begleitete sie gern zur Jagd und wuchs in einem von ländlichem Brauchtum und religiösen Traditionen geprägten Umfeld auf. Sie besuchte die Schule in Domat und anschliessend eine von den Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz geführte Schule[2] in Chur.[3][4]
Mit vierzehn Jahren ging sie nach Genf, lernte Französisch und arbeitete als Haushaltshilfe in einem gehobenen Haushalt, danach in Paris. 1949 heiratete sie den St. Galler Textilkaufmann Max Hug, der eine eigene Textilfirma betrieb. Mit ihrem Mann zog sie in die Ostschweiz, wo die zwei Söhne Ralph (* 1954) und Erik geboren wurden.[2] Mit ihrem Mann reiste sie viel. Sie sammelte Stoffe, Perlen und schöne Dinge und baute für ihre Kinder Figurentheater, mit denen sie ihnen Geschichten erzählte. Nach der Scheidung von ihrem Mann erzog sie die Söhne alleine und führte mehrere Jahre in Rorschach einen Antiquitäten- und Trödelladen.[1][4]
Pya Hug lebte und arbeitete von 1962 bis 2014 in ihrem Haus mit Garten an der St. Gallerstrasse, das sie sich in der Gemeinde Goldach SG im Kanton St. Gallen gekauft hatte.[5][6] In der Küche hatte sie ein Atelier für die Arbeit mit Wachs eingerichtet und füllte die Räume mit ihren Kreationen und Werken, bis sie das Haus über mehrere Jahrzehnte in ein «Gesamtkunstwerk» verwandelt hatte.[4] Ihre letzten zwei Lebensjahre verbrachte sie im Alterszentrum am Schäflisberg in St. Gallen.[6]
Werk
In ihren Werken griff Pya Hug auf traditionelle und christliche Motive ihrer Kindheit zurück und schuf damit fantastische Objekte, Bilder, Collagen und Wandteppiche.[7] Sie gestaltete Votivbilder, Miniatur-Flügelaltäre, Mariendarstellungen und szenisch gestaltete Dioramen zur Geburt Christi, «Wachsrodel» (eine Art Wachsstock), bemalte Ostereier und Andachtsbilder des Jesuskindes. Neben religiösen Themen stellte sie das ländliche Leben, Familienfeiern und höfische Szenen dar. «Auch hier herrschen Glanz und Pracht. Elegant gekleidete, edle Damen, dekorierte Soldaten, prachtvolle Schlösser erzählen von einem märchenhaften Leben der Vornehmheit und Schönheit».[4] Sie fertigte auch Puppenhäuser und ‑theater.[2]
Pya Hug kombinierte verschiedene Materialien, «die sie miteinander verklebte, vernähte oder mit Nadeln fixierte».[4] Zu ihrem bevorzugten Werkstoff gehörte Wachs, das sie zu Puppen und freistehenden lebensgrossen Figuren formte und in Bildern und Reliefs verarbeitete.[1] Sie «hatte eine Fertigkeit mit Wachs entwickelt, die ihr ein malerisches Arbeiten mit zarten Farbverläufen ermöglichte».[4] Die Wachsarbeiten verzierte sie mit Perlen, glitzernden Steinen, Bordüren und Stoff- und Papierblumen.[2]
Im November 2005 erschien ein Dokumentarfilm von Mario Del Curto und Alex Mayenfisch zu Pya Hugs Leben und Werk, der unter anderem auf den Solothurner Filmtagen gezeigt wurde.[8] Pya Hug vermachte dem Open art museum ihren künstlerischen Nachlass, der in die Museumssammlung aufgenommen wurde.[4]
Ausstellungen (Auswahl)
- 2018/2019: Pya Hug. Wunderwelt. Open art museum, St. Gallen (Einzelausstellung)[4]
- 2015: Die Sammlung Mina und Josef John. Open art museum, St. Gallen
- 2012: Weltensammler. Internationale Aussenseiterkunst der Gegenwart. Wanderausstellung: Kunsthalle Erfurt, Juni–August 2912; LaM – Lille Métropole, musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut, Villeneuve d’Ascq, Februar–Mai 2012; Musée de l’Abbaye Sainte-Croix, Les Sables-d’Olonne, 2012; Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen, Warth (TG), Januar–Mai 2011
- 2011: Pya Hug. Kunstverein Frauenfeld, Bernerhaus, Frauenfeld[9]
- 2007/2008: Feuer-Welten. «Heisse» Bilder aus der Museumssammlung. Open art museum, St. Gallen
- 2006/2007: Schnee, Schnee, Schnee. Kunsthäuschen, Herrliberg
- 2005/2006: Das wunderbare Universum von Pya Hug. Open art museum, St. Gallen (Einzelausstellung)[9]
- 2003: Bilderteppiche von Pya Hug. Open art museum, St. Gallen[9]
- 2001: Zwischen Himmel und Heute. Visionen, Träume, Phantastereien. Kunsthaus Langenthal, Langenthal (BE)
- 1986: Pya Hug. Collagen, Objekte, Wachsarbeiten. Galerie John, Sammlung Mina und Josef John, Wittenbach[10]
Literatur
- Simone Schaufelberger-Breguet: Das wunderbare Universum von Pya Hug. Museum im Lagerhaus (Hrsg.), St. Gallen 2005, ISBN 978-3-033-00645-4