Pädagogische Akademie Elbing
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Die Pädagogische Akademie Elbing war eine Pädagogische Akademie des Freistaats Preußen, die von 1926 bis 1933 in Elbing in der Provinz Ostpreußen bestand, zu welcher der Regierungsbezirk Marienwerder gehörte. Als Hochschule für Lehrerbildung bestand sie in der Comeniusstraße weiter bis 1941. Der Gebäudekomplex in der Straße Jana Amosa Komeńskiego 39 existiert noch und wird gegenwärtig als Technikum genutzt.[1][2]
Geschichte
Gründung und Entwicklung
Im Freistaat Preußen wurden 1926 drei Pädagogische Akademien (Kiel, Bonn, Elbing) gegründet, die der Ausbildung von Volksschullehrern durch ein viersemestriges Studium dienten. Sie traten an die Stelle der bisherigen 191 Lehrerseminare Preußens. In diesem Rahmen nahm zum 1. April 1926 die Pädagogische Akademie Elbing im Gebäude des ehemaligen Lehrerseminars (Hindenburgstraße/Comeniusstraße) ausschließlich evangelische Studenten auf.[3] Die Gründungsreden standen im Zeichen der revisionistischen Grenzlandpolitik gegen Polen. Ein moderner Erweiterungsbau konnte 1930 fertiggestellt werden.
Seit 13. Oktober 1927 bestand eine als Akademische Turnverbindung gegründete Teutonia, die 1930 Akademische Vereinigung und 1932 Burschenschaft wurde. Außerdem bestand eine Verbindung Normannia. Beide beantragten, nach Kontaktaufnahme mit der Wehrschaft Sugambria Königsberg, im SS 1934 die Aufnahme in die Deutsche Wehrschaft (DW). Durch den Beitritt zur DW erhielt Teutonia eine Reihe neuer Alter Herren wie den NS-Funktionär Hermann Appe und den Elbinger Stadtrat Dr. Hans Stascheit. Letzterer bewirkte, dass die beiden Wehrschaften Teutonia und Normannia das ehemalige Schwesternwohnheim Hindenburgstraße 32 als Korporationshaus erhielten.
Dozenten
Der Gründungsdirektor war Karl Weidel, ab 1927 als Professor für Pädagogik und Philosophie berufen, doch bereits 1929 an die neue PA Breslau weggegangen. Sein Nachfolger wurde zunächst bis 1931 Wilhelm Friedrich (1881–1958), darauf noch 1932 Otto Haase, den der NS-Staat bereits 1933 absetzte und durch den Volkskundler Karl Plenzat ersetzte. Doch auch dieser wurde im Januar 1934 abgesetzt und durch den Nationalsozialisten Karl Danzfuß ersetzt.
Eine weitere Professur für Philosophie erhielt 1926 Georg Morgenstern, dem 1932 Hans Bohnenkamp folgte. Der Regionalhistoriker Edward Carstenn lehrte Geschichte seit 1926 bis zum Weltkrieg, Geschichte und Staatsbürgerkunde vertrat ab 1931 der religiöse Sozialist Karl Thieme, der 1933 entlassen wurde. Von 1931 bis 1934 lehrte die Psychologin Hildegard Hetzer bis zu ihrer Entlassung 1934, die Sozialpädagogin Elisabeth Siegel von 1932 bis zur Entlassung 1933, Karl Merkel praktische Pädagogik bis 1933. Der sozialliberale Sportausbilder Emil Gossow verlor seine Professur ebenso wie die Biologin Helene Ziegert. Hans Haffenrichter lehrte von 1931 bis 1933 Kunst, Konrad Ameln 1931 kurze Zeit die Musik.
In der Musik folgte in der NS-Zeit der NS-nahe Karl Danzfuß. Gerhard Bohne vertrat kurzfristig die Ev. Theologie vor 1933. 1933 wurde die Akademie in eine Hochschule für Lehrerbildung umbenannt, die 1941 zur Lehrerinnenbildungsanstalt herabgestuft wurde. Mit Werner Radig, Ernst Dobers und Kurt Higelke, ferner dem Geografen Willi Walter Puls und dem Biologen Paul Brohmer (ab 1940) wurden rassistische Wissenschaftler und Pädagogen tonangebend. Richard Würpel lehrte ab 1935 Kunst, Heinrich Wolfrum Geschichte.
Zeit des Nationalsozialismus
Ab dem WS 1934/35 bestanden an der Hochschule vier Kameradschaften des NSD-Studentenbundes, die sich mit verschiedenen Arbeitsgebieten wie Körperliche Erziehung und Wehrsport, Landdienst, Feier- und Festgestaltung, Grenzlanddienst usw. befassten. Außerdem betreute jede Kameradschaft in Zusammenarbeit mit dem NS-Lehrerbund einen eigenen Schulbezirk. Neben dem Studentenwohnheim mit Mensa (Hindenburgstraße 59) wurde nach Auflösung der beiden bis dahin bestehenden, wegen Farbentragens und Mensurschlagens vom NSDStB kritisierten, Verbindungen Teutonia und Normannia, ihr beschlagnahmtes Korporationshaus (Hindenburgstraße 32) als im WS 1935/36 als zweites Kameradschaftshaus weitergeführt. Seit dem WS 1936/37 bestand außerdem eine eigene Hochschulfliegergruppe für Modellbau und Segelflug auf dem Flugplatz Elbing unter Leitung des Dozenten Dr. Franke.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde die Hochschule geschlossen und das Hochschulgebäude von der Wehrmacht als Lazarett beschlagnahmt. Während die restlichen Studenten an der Hochschule für Lehrerbildung Danzig weiterstudierten, wechselten die Studentinnen an die Hochschule für Lehrerinnenbildung Schneidemühl. Nach Schließung der HfL Danzig zum Sommerhalbjahr 1940 kehrten die Elbinger Studenten und Studentinnen wieder an den früheren Studienort zurück. Nach dem Ende des Krieges und der Vertreibung der Deutschen wurde das Hochschulgebäude Sitz einer polnischen Ingenieurschule.
Nachleben
Im Jahr 1958 gründete sich bei einem Ehemaligentreffen in Marburg/Lahn der Elbing-Kreis, der alle früheren Besucher des Lehrerseminars, der Pädagogischen Akademie, der Hochschule für Lehrerbildung und der Lehrerinnenanstalt einschließlich der Dozentenschaft umfasste und bis 2001 existierte. In diesem Zeitraum fanden bei stetig abnehmender Teilnehmerzahl 33 Treffen an unterschiedlichen Orten statt. Insgesamt erschienen darüber hinaus 100 Hefte des Elbing-Kreises, die nicht nur untereinander die Erinnerung an die Ausbildungsstätte, sondern auch an den deutschen Osten aufrechterhalten sollte.
Literatur
- Bernhard Grün: Zwischen Revolution und Rekonstitution – Die Kameradschaften des NSD-Studentenbundes und Altherrenschaften im NS-Altherrenbund an den deutschen Hoch- und höheren Fachschulen 1937 bis 1945. Teilband 4/I u. II: Bereiche BERLIN und OSTLAND (= Schriften des Instituts für Deutsche Studentengeschichte. Bd. 4), Federsee-Verlag, Bad Buchau 2024, ISBN 978-3-948502-22-5, S. 359–363.
- Hans-Werner Hoppe: Pädagogische Akademie Elbing 1926–1945. In: Preußen als Hochschullandschaft im 19./20. Jahrhundert (= Beiträge zur Schulgeschichte. Bd. 4, Tagungsberichte der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung. Bd. 9). Hrsg. von Udo Arnold, Verlag Nordostdeutsches Kulturwerk, Lüneburg 1992, ISBN 3-922296-66-1, S. 105–122, 143–150.
- Alexander Hesse: Die Professoren und Dozenten der preußischen pädagogischen Akademien (1926–1933) und Hochschulen für Lehrerbildung (1933–1941). Deutscher Studien-Verlag, Weinheim 1995, ISBN 3-89271-588-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).