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Qinngoq Avannarleq

Tal in Grönland From Wikipedia, the free encyclopedia

Qinngoq Avannarleq (dänisch Qinnguadalen, auch bekannt unter den inoffiziellen Namen Qinnguata Qoorua[1] oder Paradisdalen[2]) ist ein grönländisches Tal im Distrikt Nanortalik in der Kommune Kujalleq. Es ist bekannt für seine in Grönland einzigartige Vegetation.

Qinngoq Avannarleq mit Birkensträuchern (2008)

Lage

Das Tal befindet sich auf halber Strecke zwischen den Fjorden Tasermiut Kangerluat und Kangikitsoq. Es erstreckt sich von Nordosten nach Südwesten auf einer Länge von rund 14 km zwischen zwei Berggebieten mit Höhen von bis zu 1900 m. Im Südwesten liegt es nahezu auf Meereshöhe und steigt nach Nordosten hin an, wo es eine Höhe von rund 500 m erreicht. An dieser Stelle befindet sich ein von Norden aus zulaufender kleiner Gletscher, der zusammen mit mehreren anderen Zuläufen den Fluss Qinnguata Kuua Avannarleq bildet. Etwa 4 km südwestlich des Gletschers befindet sich ein rund 37 ha großer Schmelzwassersee. Von da aus fließt der Fluss geradlinig durch das Tal und mündet schließlich in den Tasersuaq, den zweitgrößten See Südgrönlands. Das östliche Ende des Sees trägt den Namen Qinngua („dessen (Fjord-)Ende“) und hat seinen Namen an das nach Nordosten verlaufende Tal Qinngoq Avannarleq („nördliches Fjordende“) und das nach Südosten verlaufende Qinngoq Kujalleq („südliches Fjordende“) weitergegeben. Nahe dem westlichen Ende des Sees liegt rund 17 km südwestlich vom Taleingang die Siedlung Tasiusaq sowie in der Nähe die Schäfersiedlungen Nuugaarsuk, Saputit und Nalasut.[3]

Geschichte

Forellenfang im Fluss (um 1900)

Im Qinngoq Avannarleq wurden Ruinen der mittelalterlichen Grænlendingar gefunden,[4] die trotz ihrer Abgelegenheit darauf hindeuten, dass das Tal bereits damals wegen seiner reichhaltigen Vegetation vorteilhaft war. Es ist davon auszugehen, dass es im Mittelalter mehrere Wälder in Grönland gab, die von den Grænlendingar zur Schaffung von Brennholz und Baumaterial gerodet wurden.[5.1]

Nach dem Verschwinden der Grænlendingar im 15. Jahrhundert und bis zum Beginn der Kolonisierung Südgrönlands um 1775 hatten die Vegetation rund drei Jahrhunderte Zeit zur Regenerierung, bevor die Kolonisten das verfügbare Holz erneut rodeten.[6.1] Bereits 1793 war die Menge an Bäumen so stark gesunken, dass es hieß, dass „alle ansehnlichen Bäume längst gefällt worden sind“. Untersuchungen von Jahresringen zeigten, dass quasi keine Bäume in Südgrönland aus der Zeit vor dem 15. Jahrhundert stammten, da die Grænlendingar offenbar sämtliche ausgewachsenen Bäume gefällt hatten. Bereits im 19. Jahrhundert war doch festgestellt worden, dass der Vegetationsbestand im Qinngoq Avannarleq nahezu unberührt war. Neben der bewussten Abholzung konnten sich die Pflanzen auch wegen der aufkommenden Schafzucht nicht regenerieren, da die Schafe die Jungpflanzen fraßen.[6.2] Anfang des 20. Jahrhunderts war Qinngoq Avannarleq der einzige verbliebene Fundort größerer Bäume und 1930 wurde das Tal unter Naturschutz gestellt.[6.3]

Die fortschreitende Entwaldung Südgrönlands führte bereits im 19. Jahrhundert zu Wiederaufforstungsbemühungen, die sich jedoch auf die Bereiche um den im rund 100 km entfernt gelegenen Fjord Tunulliarfik konzentrierten. Um 1930 wurden einige Pflanzen in verschiedenen Teilen Südgrönlands angepflanzt, die jedoch 1932 alle eingegangen waren – mit Ausnahme einer Gemeinen Fichte, die im Qinngoq Avannarleq im Schatten einiger Birken gepflanzt worden war und 1984 eine Höhe von 2,1 m erreicht hatte.[6.4] 10 km westlich des Taleingangs wurde zwischen 1959 und 1961 die Waldplantage Qasigeerneq/Kuussuaq errichtet. Das Naturschutzgebiet wurde 2005 auf das Gebiet um den Tasersuaq ausgeweitet und umfasste somit auch diese Plantage.[6.5]

Flora

Der Pflanzenbestand im Qinngoq Avannarleq wurde 1984 detailliert untersucht und das Tal dabei als „subarktische Oase“ bezeichnet, die starken Einflüssen von weder Schafen noch Menschen ausgesetzt war. Trotz fehlender Klimabeobachtungen ist davon auszugehen, dass im Sommer Mitteltemperaturen von etwa 10 °C erreicht werden, das Tal durch die hohen Berge gut vor Starkwinden geschützt ist und vermutlich etwas höhere Niederschläge als im Rest Südgrönlands vorkommen.[5.2]

Die klimatischen und geografischen Bedingungen und die Geschichte machen die Vegetation im Tal einzigartig für Grönland. Insgesamt wurden in den 1980er Jahren über 40 Pflanzenarten kartiert. In Bereichen mit Zwergstrauchheide wachsen Grönländischer Porst (Rhododendron groenlandicum), Rauschbeere (Vaccinium uliginosum subsp. microphyllum), Drüsige Birke (Betula glandulosa), Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) sowie seltener Zwittrige Krähenbeere (Empetrum nigrum L. subsp. hermaphroditum) und Phyllodoce caerulea aus der Gattung der Moosheiden. Flechtenheiden sind vor allem von Drüsiger Birke und Borstgras (Nardus stricta) bewachsen. Letzteres macht auch die Graslandabhänge aus, die hier nur an meist schneebedeckten Stellen vorkommen. Am Flussbett wächst hauptsächlich Arktisches Weidenröschen (Epilobium latifolium), in den Niedermoorbereichen Schnabel-Segge (Carex rostrata) und Carex rariflora und in den Übergangsbereichen zu den Berghängen Stängelumfassender Knotenfuß (Streptopus amplexifolius).[5.3]

Die für Grönland einzigartigen Bäume befinden sich in den ersten sieben Kilometern des Tals in Wuchshöhen von bis zu 200 m. Zu diesen gehören Fjell-Birken (Betula pubescens var. pumila), von denen die höchste 1984 10,25 m maß und zahlreiche weitere über neun Meter hoch waren, während die Durchschnittshöhe sechs Meter betrug. Einer der Bäume hatte eine Dicke von 40 cm in einem Meter Wuchshöhe. Sorbus decora aus der Gattung der Mehlbeeren erreichte Wuchshöhen von bis zu fünf Metern bei einer Stammbreite von zehn Zentimetern. Die Seidenhaarige Weide (Salix glauca) erreicht im Tal ungewöhnliche Höhen ähnlich denen der Mehlbeerbäume. Der Bewuchs mit Birken und Weiden ist an den meisten Stellen so dicht, dass ein undurchdringbares Dickicht entsteht.[5.4]

Es ist davon auszugehen, dass einige Pflanzenarten in Südgrönland von den Grænlendingar eingeschleppt worden sind.[6.6]

Commons: Qinngoq Avannarleq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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