Quartier 206

Gewerbeimmobilie in Berlin From Wikipedia, the free encyclopedia

Das ‚Art & Fashion House‘ Quartier 206 ist eine Gewerbeimmobilie in der Friedrichstraße im Berliner Ortsteil Mitte. Es verfügt über rund 8.000 m² Einzelhandelsfläche und 16.000 m² Bürofläche. Erst nach 1990 errichtet und 1997 eröffnet, musste der letzte Eigentümer, die Familie Jagdfeld, Anfang der 2020er Jahre Insolvenz anmelden. Die unten genannten zahlungskräftigen Hauptmieter zogen aus, die restlichen etwa 20 Gewerbemieter gaben bis auf einen einzigen auf. Der Bezirk Mitte bot die Immobilie, deren Verkehrswert auf 187 Millionen Euro taxiert worden ist, weltweit zum Kauf an, was zu keinem Ergebnis geführt hat. Die folgenden Zwangsversteigerungen 2025 und Anfang 2026 blieben weit unter dem Mindestgebot, so dass die Zukunft völlig unklar ist (Stand Mai 2026).[1]

Quartier 206, Friedrichstraße 71–74 in Berlin-Mitte

Lage und Geschichte

Das Quartier 206 bildet die Mitte der Friedrichstadt-Passagen an der Friedrichstraße. Durch einen Tunnel ist das Warenhaus verbunden mit den Quartieren 207 im Norden und 205 im Süden. Es wurde nach Plänen des New Yorker Architekturbüros Pei Cobb Freed & Partnersentworfen und gebaut und 1997 eröffnet.[1][2] Die Fassade ist in einem dem Art déco nachempfundenen Stil gestaltet. Architekt war Henry N. Cobb vom Büro Pei Cobb Freed & Partners, Auftraggeber war die Familie Jagdfeld.[3]

Nach wenigen Jahren geriet die Gewerbeimmobilie in wirtschaftliche Schwierigkeiten: 2011 ordnete das Amtsgericht Mitte die Zwangsverwaltung an.[4] 2012,[5] 2018[6] und erneut 2025[7] drohte die Zwangsversteigerung. Mieter wie Gucci, Yves Saint Laurent und Louis Vuitton hatten ihre Pachtverträge nicht verlängert. Die Rechtsanwaltskanzlei Hermann Wienberg Wilhelm übernahm die Zwangsverwaltung.[8]

Besonders drastisch wirkten sich nach Einschätzung etlicher Ladenmieter die Umwandlung der Friedrichstraße in eine Fahrradstraße aus und die Schließungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie besiegelten das wirtschaftliche Aus. Hauptgläubiger ist die Credit Suisse International mit einer Insolvenzsumme von etwa 180 Millionen Euro (die nun selbst in Schieflage geriet). Der letzte Versteigerungstermin im April 20226 erbrachte nur zwei Angebote, die von eigens zu diesem Zweck in Luxemburg gegründeten US-Investmentfirmen abgegeben worden waren. Der nächste mögliche Versteigerungstermin ist nicht vor Herbst 2026 zu erwarten.[1]

Architektur

Atrium des Quartier 206

Die New Yorker Architekten von Pei Cobb Freed & Partners nahmen mit der Art-déco-Fassade des Quartiers 206 Bezug auf Berlins künstlerische Blütezeit der Goldenen 1920er Jahre. Die Fassadenmodule sind keilförmig angeordnet, sie bestehen aus Glas und gesandstrahltem Jurakalkstein. Im Atrium befindet sich eine freistehende Marmortreppe; es wird von einer – der Louvre-Pyramide nachempfundenen – Glaskonstruktion überdacht.[3] Die Eingangsbereiche sind mit großen Glastüren versehen.

Marken und Kunst

Zahlreiche Modemarken waren Mieter im Quartier 206 und bildeten den Kern des Konzepts, darüber hinaus gab es hochwertige Gastronomie. Regelmäßig eröffneten Marken und Jungdesigner ihre temporären Showrooms und Pop-Up-Stores. Moderne Künstler wie Britto oder Fazzino bis hin zu Klassikern wie Picasso, Chagall oder Dalí wurden in regelmäßig stattfindenden Ausstellungen und Vernissagen präsentiert.

Commons: Quartier 206 (Berlin) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI