Quintus Mucius Scaevola (Pontifex)

römischer Konsul From Wikipedia, the free encyclopedia

Quintus Mucius Scaevola (* um 140 v. Chr.; † 82 v. Chr. in Rom) war ein römischer Politiker und Jurist.

Der Sohn des Konsuln des Jahres 133 v. Chr., Publius Mucius Scaevola, war nach dem Volkstribunat 106 v. Chr. im Jahre 95 v. Chr. selbst Konsul, im Jahr darauf Prokonsul der Provinz Asia, die er so vorbildlich verwaltete,[1] dass die Provinzbewohner ihm zu Ehren das Fest der Moukieia (in lateinischen Quellen Mucia) einrichteten,[2] er sich aber zugleich die Feindschaft der ritterlichen Steuerpächter zuzog, die zunächst zu einem politischen Prozess gegen Scaevolas engen Vertrauten Rutilius sowie schließlich zu Scaevolas Ermordung führte. Im Jahr 89 v. Chr. wurde er Pontifex Maximus.

Als Konsul brachte Scaevola mit seinem Amtskollegen Lucius Licinius Crassus die Lex Licinia Mucia über die Ausweisung von Nichtbürgern ein. Auf ihn geht als erstem Vertreter der republikanischen Rechtsliteratur ein systematisches Handbuch zurück, welches er nach Gattungen und Unterarten gliederte. In mehreren Büchern verfasste er eine Gesamtdarstellung des bürgerlichen ius civile, die Iuris civilis libri. Von den achtzehn Büchern sind lediglich Auszüge in den spätantiken Digesten überliefert. Von den Büchern profitierten später die klassischen Rechtsgelehrten (prudentes), die bis Mitte des 2. Jahrhunderts umfangreiche Kommentare dazu verfassten und noch bis ins 3. Jahrhundert darauf zurückgriffen.[3] Quintus Mucius Scaevola gehörte neben seinem gleichnamigen älteren Verwandten zu den Lehrern Ciceros.

Im Jahr 93 v. Chr. verlor Scaevola einen Erbschaftsprozess (causa Curiana), in dem der siegreiche Anwalt der Gegenseite sein früherer Amtskollege Lucius Licinius Crassus war. Crassus argumentierte für eine freie Testamentsauslegung, während Scaevola die Position formaler Strenge vertrat.

Während des Bürgerkrieges zwischen Sulla und dessen Feinden geriet Scaevola zwischen die Fronten und wurde 82 v. Chr. im Tempel der Vesta, in dem er Zuflucht gesucht hatte, erschlagen.[4]

Scaevola war der bekannteste und gleichzeitig letzte Vertreter einer ganzheitlichen Rechtskompetenz, bestehend aus rechtlicher (iuris prudentia) und priesterlicher Wissenschaft.[5]

Literatur

  • Detlef Liebs: Q. Mucius Scaevola (Pontifex). In: Werner Suerbaum (Hrsg.): Die archaische Literatur. Von den Anfängen bis Sullas Tod (= Handbuch der lateinischen Literatur der Antike Band 1). C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-48134-5, S. 569–571.

Anmerkungen

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