Quintus Remmius Palaemon

römischer Grammatiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Quintus Remmius Palaemon († vor 76 n. Chr.) war ein römischer Grammatiker aus Vicetia; er lebte in der Zeit der Kaiser Tiberius und Claudius in Rom.

Leben

Geboren als Sklave einer Frau, zunächst Weber von Beruf, begleitete er den Sohn seiner Herrin in die Schule und erlernte so die Wissenschaften; später wurde er freigelassen[1] – möglicherweise eine von Feinden erfundene Schmähung. In Rom unterrichtete er mit großem Erfolg. Trotz seines berüchtigten Lebenswandels – er galt als von allen Lastern durchsetzt, weshalb Tiberius und Claudius öffentlich davor warnten, Söhne zu ihm zu schicken[1] – hielt er den ersten Platz unter den Grammatikers inne (principem locum inter grammaticos tenuit).

Seine Persönlichkeit erscheint nach Sueton,[1] ergänzt durch Plinius,[2] in üblem Licht: hochmütig, eitel, verhasst, maßlos in Luxus und vor allem in der Begierde nach Frauen. Er prahlte, die Wissenschaften seien mit ihm geboren und würden mit ihm sterben. Dennoch faszinierte er durch sein außergewöhnliches Gedächtnis und die Leichtigkeit seiner Rede. Zu seinen Schülern gehörten der Dichter Aulus Persius Flaccus[3] und der Rhetor Quintilian.[4]

Finanziell äußerst erfolgreich, verdiente er aus seiner Schule jährlich 400.000 Sesterzen und fast ebenso viel aus seinem Vermögen, das er mit größter Sorgfalt verwaltete. Er betrieb Werkstätten, in denen Handelskleider hergestellt wurden und erzielte reiche Erträge aus seinen Weinbergen.[1] Ein Landgut bei Nomentum, etwa zehn Meilen von Rom entfernt, kaufte er für 600.000 Sesterzen (etwa 20 Jahre vor der Abfassung der Naturalis Historia des älteren Plinius). Die Pflege übertrug er Acilius Sthenelus, einem hochkompetenten Fachmann für ländliche Angelegenheiten – während er selbst den Landwirt nachahmte, und brachte so den Weinberg innerhalb von acht Jahren zu dem Punkt, dass die Weinlese für 400.000 Sesterzen verkauft wurde. Im zehnten Jahr kaufte Seneca dieses Gut zu einem vierfachen Preis.[5] Die von Seneca erworbene Villa erwähnt auch Columella.[6]

Werk und wissenschaftliche Bedeutung

Neben improvisierten Gedichten in ungewöhnlichen Metren[7] – von denen nichts erhalten ist – verfasste Palaemon eine Ars grammatica,[8] die als erste römische Schulgrammatik gilt. Sie orientierte sich eng an der Technē des Dionysios Thrax. Das Werk selbst ist verloren, doch Spuren finden sich bei Quintilian,[9] bei späteren Grammatikern wie Charisius, Diomedes, Consentius und Priscian. Charisius überliefert einige größere Fragmente. Rekonstruktionsversuche blieben bisher unbefriedigend. Möglicherweise behandelte Palaemon in einem Anhang auch Metrik und Poetik – doch dies bleibt Vermutung. Charakteristisch für seine Methode: er mied theoretische Spekulationen, beschränkte Zitate auf Schulaustoren und erhob Vergil erstmals zum poeta schlechthin.[10]

Literatur

Einzelnachweise

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