Quintus Terentius Scaurus
lateinischer Grammatiker
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Quintus Terentius Scaurus war ein lateinischer Grammatiker zur Zeit des Kaisers Hadrian (117–138).
Scaurus war ein äußerst angesehener Vertreter seines Fachs.[1] Nach der Historia Augusta galt er sogar als Lehrer Hadrians selbst.[2] Plinius der Jüngere schrieb ihm um etwa 106–110 eine Anfrage, in der er Scaurus um die Begutachtung einer Rede bat, was darauf schließen lässt, dass Scaurus um die Jahrhundertwende bereits ein angesehener Grammatikexperte war.[3] Er wird außerdem erwähnt von Arnobius den Älteren,[4] Ausonius[5] und Porphyrios in seinem Kommentar zu Horaz.[6] Sein Wirken spielte sich offenbar in Rom ab; über seinen Geburtsort ist nichts bekannt, sein Tod wird vor 138 angenommen.
Von seinen Werken ist uns nur ein nahezu vollständig überliefertes Traktat De orthographia erhalten, das das älteste erhaltene lateinische Werk dieser Gattung ist. Zwar fehlen der Vorwortteil und der Anfang, was zu Unklarheiten über die ursprüngliche Autorenschaft geführt hat, doch gilt es allgemein als sein Hauptwerk. Sein Einfluss war weit größer als es die wenigen überlieferten Fragmente allein vermuten lassen: Teile seiner Lehre dürften in anderen späteren grammatischen Sammlungen, wie z. B. den Excerpta Audacis, nachgewirkt haben.
Man weiß außerdem, dass Scaurus eine Ars grammatica in mehreren Büchern verfasste, vermutlich mit einer klassischen Gliederung in grundlegende Begriffe, Wortarten und Stilistik. Sein Kommentar zu Horaz ist durch Zitate belegt und dürfte in mehreren Büchern existiert haben, von denen das zehnte einem Kommentar zur Ars Poetica entsprach. Von einem Kommentar zu Vergil sind ebenfalls einige Fragmente überliefert, und es wird angenommen, dass er existierte, auch wenn ihre genaue Struktur nicht bekannt ist. Ob er tatsächlich einen eigenen Kommentar zu den Komödien des Plautus verfasste, ist unter den Gelehrten umstritten.
Auch über die angeblichen Streitigkeiten mit dem Grammatikerkollegen Caesellius Vindex gibt es Diskussionen:[7] Einige sehen darin ein eigenes Werk über dessen Fehler, andere halten diese kritischen Bemerkungen für Teile eines größeren grammatischen Gesamtwerks.
Scaurus gilt als einflussreicher Lehrer der lateinischen Grammatik, dessen Schriften von späteren Grammatikern wie Gaius Sulpicius Apollinaris, Flavius Caper, Diomedes Grammaticus, Comminianus und Aelius Donatus rezipiert wurden; ob zeitgenössische Kollegen wie Velius Longus seine De orthographia kannten, ist noch Gegenstand der Forschung.
Literatur
- Paul Wessner: Terentius 70. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V A,1, Stuttgart 1934, Sp. 672–676.
- Javier Uría: Terentius Scaurus, Quintus. Grammarians and their Digital Sources (online)