RISC Software
Firma in Hagenberg, Österreich
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Die RISC Software GmbH ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung[2] mit Sitz im Softwarepark Hagenberg in Hagenberg im Mühlkreis. Dabei werden Symbolisches Rechnen, Mathematik und Informatik um anwendungsorientierte Softwarelösungen für die Wirtschaft zu entwickeln. Als Spin-off des Research Institute for Symbolic Computation der Johannes Kepler Universität Linz fungiert die Gesellschaft als zentrale Schnittstelle zwischen akademischer Grundlagenforschung und industrieller Anwendung.[3][4]
| RISC Software | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1992 |
| Sitz | Hagenberg im Mühlkreis, Österreich im Softwarepark Hagenberg und an der JKU im OIC |
| Leitung | Wolfgang Freiseisen (Geschäftsführer) |
| Mitarbeiterzahl | 91 (2025) |
| Umsatz | 8,9 Mio. Euro (2025)[1] |
| Branche | Angewandte Forschung, Entwicklung, Consulting |
| Website | risc-software.at |
| Stand: 9. März 2026 | |
Die Anteile an der Gesellschaft werden von der Johannes Kepler Universität Linz (80 %)[5] und der Upper Austrian Research GmbH (20 %) (Forschungsholding des Landes Oberösterreich) gehalten.[6] Die Kernkompetenzen bündeln sich heute in den Bereichen Industrial AI, Medical AI, Data Intelligence, Industrial Software Applications, B2B Processes sowie Quantum Computing.[7]
Geschichte und Organisation
Die RISC Software ist eine gemeinwohlorientierte, außeruniversitäre Forschungseinrichtung, und wurde 1992 als anwendungsorientierter Teil des Research Institute for Symbolic Computation der Johannes Kepler Universität Linz von Bruno Buchberger gegründet. Die RISC Software wirkt als Schnittstelle von der Grundlagenforschung zur anwendungsorientierten Forschung. Dabei wird aufbauend auf der universitären Grundlagenforschung durch das Research Institute for Symbolic Computation angewandte Forschung betrieben und in Projekten mit Partnern aus Wirtschaft und Industrie in die Praxis umgesetzt.[8]
Die Gesellschaft ist im Eigentum der Johannes Kepler Universität Linz (80 %) und der Upper Austrian Research GmbH (20 %)(Forschungsholding des Landes Oberösterreich). Innerhalb der strategischen Stärkefelder des Landes Oberösterreich ist das Unternehmen vor allem in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien, Mechatronik, Life Sciences sowie Logistik und Energie angesiedelt.[9] Das Unternehmen verfügt über ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001. Ein weiterer strategischer Fokus liegt auf den Bereichen Diversity und Frauenförderung. Das Unternehmen verfolgt einen eigenen Gender Equality Plan[10] und engagiert sich in zahlreichen Förderprojekten, um den Frauenanteil in technischen Berufen (MINT) zu erhöhen und die Chancengleichheit in der Forschung zu stärken.[11][12][13][14][15] Die RISC Software GmbH hat ihren Standort im Softwarepark Hagenberg und ist Mitglied des Unternehmensnetzwerk Softwarepark.[16]
Das Firmenlogo der RISC Software GmbH basiert auf den charakteristischen Pfeilen des Research Institute for Symbolic Computation (RISC). Es wurde vom Institutsgründer Bruno Buchberger entworfen und symbolisiert das Zusammenspiel von Logik und Mathematik als Fundament für Innovationen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft.[17]
Die Tätigkeit der RISC Software GmbH ist durch eine enge Verzahnung von Forschung und industrieller Anwendung geprägt. Während rund 30 % der Aktivitäten auf öffentlich geförderte Forschungsprojekte entfallen, machen kundenfinanzierte Projekte für die Wirtschaft etwa 70 % des Projektvolumens aus. Durch diese Struktur wird der direkte Technologietransfer von der wissenschaftlichen Grundlagenforschung in marktfähige Softwareprodukte sichergestellt.[18]
Die RISC Software GmbH ist in vier Bereich gegliedert:
- Die Abteilung Data Intelligence entwickelt intelligente Datenlösungen für Produktion, Energie und Mobilität.[19]
- Die Abteilung Industrial Software Applications entwickelt spezialisierten Softwarelösungen für Modellierungen und Analysen in Ingenieurwissenschaften sowie für Simulationen und Steuerungen von Fertigungssystemen und Produktionsprozessen.[20]
- Die Forschungsabteilung Medizin-Informatik entwickelt hochspezialisierte medizinische Software, der komplexe wissenschaftliche Methoden aus Mathematik, Informatik und Biomechanik zugrunde liegen, die zur Lösung medizinischer Problemstellung angewandt werden. Die Forschungsabteilung Medizin Informatik war vor seiner Eingliederung 2008 in die RISC Software eine Forschungsabteilung der Upper Austrian Research GmbH.[21][22][23]
- Die Abteilung Domain-Specific Applications entwickelt agile Software für Daten- und Prozessmanagement.[24]
Forschung und Schwerpunkte
Unter dem Leitbild der „Approved Applied Algorithmic Intelligence“[25] gliedert das Unternehmen seine Aktivitäten in sechs technologische Fokusbereiche[26]:
- Industrial AI and Simulation: Entwicklung von KI-Modellen für industrielle Fertigungsprozesse und physikalische Simulationen mittels digitaler Zwillinge.
- Medical AI and Simulation: Fokus auf die digitale Transformation im Gesundheitswesen, insbesondere durch KI-basierte Diagnostik und computergestützte Operationsplanung.
- Data Intelligence: Intelligente Datenlösungen für die Bereiche Produktion, Logistik, Mobilität und Energie.
- Industrial Software Applications: Entwicklung spezifischer Softwarearchitekturen für komplexe industrielle Anforderungen und Prozessoptimierungen.
- B2B Processes and Web Applications: Digitalisierung von Geschäftsprozessen durch moderne Webanwendungen und Portallösungen.
- Quantum Computing und Machine Learning: Erforschung von Quantenalgorithmen zur Lösung komplexer Optimierungsprobleme und zur Steigerung der Recheneffizienz.
In der Forschung kooperiert die RISC Software GmbH zudem eng mit dem JKU-Institut im Bereich der Symbolischen KI, um die Erklärbarkeit und Zuverlässigkeit von KI-Systemen durch mathematische Methoden abzusichern.[27]
Projekte
Forschungsprojekte
Da das Unternehmen laufend an einer Vielzahl von Projekten arbeitet[28], stellen die nachfolgend aufgeführten Beispiele eine thematische Auswahl der aktuellen Forschungsschwerpunkte dar; eine vollständige Übersicht der bewilligten Vorhaben findet sich in den Projektdatenbanken der jeweiligen Fördergeber oder auf der Firmenwebseite[29][30].
Industrial AI and Simulation
Medical AI and Simulation
- MEDUSA: Entwicklung einer hybriden Trainings- und Planungsplattform für die Neurochirurgie, die neurochirurgische Eingriffe detailreich simulieren kann.[35][36][37][38]
- AIMS: Entwicklung und Validierung eines Frühwarnsystems mit künstlicher Intelligenz, um vor Zustandsverschlechterungen auf der Krankenstation vor dem Auftreten zu warnen.[39][40]
- nARvibrain: Einsatz von Augmented Reality und KI zur Unterstützung der Hirntumordiagnostik sowie zur verbesserten Operationsvorbereitung und Patientenaufklärung.[41][42]
- ARES: Entwicklung eines Software-Tools zur objektiven Einschätzung des Ruptur-Risikos von zerebralen Aneurysmen.[43][44]
- BurnCase 3D: Software zur Dokumentation von Verbrennungsverletzungen mit Hilfe von medizinischer Modellierung und Simulation zur objektiven Diagnose und Dokumentation an virtuellen Patienten.[45]
- SEE-KID: Computerunterstützten Simulation von Augenfehlstellungen und deren operativer Korrektur.[46][47]
Data Intelligence
- PowerCast: Entwicklung adaptiver KI-Modelle zur Prognose von Stromlasten und zur Integration volatiler erneuerbarer Energien in das Stromnetz.[48]
Quantum Computing und Machine Learning
Industrielle Anwendungen
- Simulation von NC-Bearbeitungen: Eine Weltneuheit gelang 2005 mit CrashGuard, einem System zur Kollisionsvermeidung in Echtzeit bei CNC-Fertigungsmaschinen.[51]
- EuroTrans: Integriertes Softwaresystem zur Modellierung, Simulation und Steuerung fahrerloser Transportsysteme.[52][53]
- Strukturoptimierung: Die seit über 20 Jahren bestehende Kooperation mit Airbus Defence and Space umfasst die Entwicklung spezialisierter Software für die multidisziplinäre Strukturanalyse. Dabei werden mathematische Algorithmen zur Gewichtsoptimierung von Flugzeugkomponenten eingesetzt, um die Effizienz zu steigern und Emissionen zu senken.[54][55]
Preise und Auszeichnungen
- 2023: MEDUSA[56]-Konsortium gewinnt 2. Platz beim Landespreis für Innovationen in der Kategorie Forschungseinrichtung[57] (Einreicher:
- 2022: Austria’s Leading Companies – 1. Platz in der Kategorie "Umsatz bis 10 Mio. Euro[58]
- 2016: Landespreis für Innovationen: Jurypreis für radikale Innovationen – Projekt: Virtual Aneurysm – Haptischer Simulator für Neurochirurgische Eingriffe[59]
- 2015: Spring Award 2015 „Mobilität der Zukunft“ – Innovationsfeld Gütermobilität des bmvit für das Projekt „Food4al@home“[60]
- 2013: Forscherinnen Award 2013 in der Kategorie „Internationalität“ an DIin Graciela Santana Sosa für das Projekt „Erkennung von Kollisionen und Überschneidungen zwischen deformierbaren dreidimensionalen Objekten“[61]
- 2013: AKJ elogistics Award 2013 an die Magna Logistics Europe gemeinsam mit RISC Software GmbH[62] für das Logistik-Planungstool „Supply Network Design, Planning and Execution“[63]
- 2012 Landespreis für Innovation, Sonderpreis für Forschungseinrichtungen für das Forschungsprojekt MEDVIS 3D[64]
- 2012: Innovationspreis-IT 2012 in der Kategorie Industrie & Logistik. Für das Projekt easy2sim[65], wofür RISC Software 2012 der Innovationspreis IT erhielt[66]
- 2011: GC Genius 2011 (Gesundheits-Cluster)- Kategorie „Forschung & Entwicklung“, Projekt: selbstlernendes generisches Datenerfassungssystem für medizinische Daten[67]
- 2009: 13th European Burns Association Congress, Certificate of Excellence
- 2009: Dr. Wolfgang Houska Anerkennungspreis 2009 - 4. Platz, Projekt: SEE-KID[68]
- 2010: Gender Award 2010 vom BMVIT, Projekt: iWAVE + (Integrierte Waggonversandplanung und -steuerung)[69]
- 2008: multimedia & e-business STAATSPREIS 2008, Juryauszeichnung in der Sparte: e-commerce und Kundenbindung, Projekt: Post.Versandmanager.Pro (Client-Server-Applikation)[70]
- 2006: ebiz egovernment award OÖ 2006, Projekt: PISA (IT System für den Winterdienst)[71]
