RM-70

schwerere tschechoslowakische Variante des sowjetischen Mehrfachraketenwerfers BM-21 From Wikipedia, the free encyclopedia

Der RM-70 (Raketomet Vzor 1970) ist ein in der Tschechoslowakei entwickelter und produzierter Mehrfachraketenwerfer. Er basiert auf dem sowjetischen BM-21 und verschießt Raketen mit Kaliber 122 mm. Von der NATO erhielt er die Bezeichnungen M1972, da er erstmals 1972 beobachtet wurde.

Schnelle Fakten
RM-70

RM-70 vom Heer der Tschechischen Republik

Allgemeine Eigenschaften [1][2][3]
Besatzung 6
Länge 8,8 m
Breite 2,55 m
Höhe 2,96 m
Masse 25,3 Tonnen
Panzerung und Bewaffnung
Hauptbewaffnung 40×122 mm-Raketen
Sekundärbewaffnung 7,62-mm-Maschinengewehr (optional)
Beweglichkeit
Antrieb Dieselmotor T-930-3
199 kW (270 PS)
Geschwindigkeit 75 km/h
Leistung/Gewicht 10,7 PS/t
Reichweite 1.100 km
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Entwicklung

Der RM-70 entstand auf Grund einer Bedarfsforderung der Tschechoslowakische Volksarmee. Diese beabsichtigten die Mehrfachraketenwerfer RM-51 (Kaliber 128 mm) durch ein modernes System zu ersetzen. Die Entwicklung des RM-70 begann in den 1960er-Jahren bei ZTS Dubnica nad Váhom. Dazu verwendeten die Entwickler das generelle Prinzip und die Raketen des sowjetischen Mehrfachraketenwerfers BM-21. Ab 1972 erfolgte die Auslieferung an die Tschechoslowakische Armee sowie an weitere Streitkräfte des Warschauer Paktes. Danach wurde der RM-70 für weitere Exporte produziert.[1][2][4]

Varianten

  • RM-70: Ursprungsversion auf einem Tatra 813 aus dem Jahr 1972 aus der Tschechoslowakei.
  • RM-70/85: Version aus den späten 1980er-Jahren. Verwendet als Fahrgestell den Tatra 815 mit ungepanzertem Führerhaus.
  • RM-70/85M: Modernisierte Version aus dem Jahr 2002 aus der Slowakei. Ausgerüstet mit Feuerleitrechner und Navigationssystem.
  • RM-70 Modular: Diese Version entstand bei slowakischen Konstrukta Defence in Zusammenarbeit mit Diehl Defence und war 2005 einsatzbereit. Verwendet wird das Tatra-815-Fahrgestell mit einem gepanzerten Führerhaus. Ausgerüstet ist Modular mit Raketen-Startcontainern die entweder mit 28 Raketen mit Kaliber 122 mm oder 6 Raketen mit Kaliber 277 mm des MLRS beladen sind. Das System ist vollständig NATO-kompatibel.[5][6][7]
  • RM-70 Vampir: Version aus dem Jahr 2015 von Excalibur Army aus Tschechien. Verwendet wird das Tatra-817-Fahrgestell mit einem ungepanzerten Führerhaus. Ausgerüstet mit Feuerleitrechner und Navigationssystem.[8][9]

Fahrzeug

Als Fahrgestell für den RM-70 wird ein Tatra 813-Lastkraftwagen mit der Radformel 8×8 sowie einer Reifendruckregelanlage verwendet. Das Fahrzeug hat eine Besatzung von 4 bis 6 Mann die in einem leicht gepanzerten Führerhaus untergebracht sind. Dieses verfügt über ABC-Schutz und ist gegen Granatsplitter sowie Handfeuerwaffen gepanzert. Auf dem Führerhaus kann optional ein 7,62-mm-Maschinengewehr angebracht werden. An der Fahrzeugfront kann ein Räumschild sowie eine Seilwinde montiert werden. Zuhinterst auf der Pritsche, über der hintersten Achse, ist ein horizontal und vertikal schwenkbarer Werferrahmen montiert. Dort sind 40 Abschussrohre des Kalibers 122,4 mm in vier Lagen zu je 10 Rohren angeordnet. Die Rohre sie sind glatt und haben für den Drall und die Führung der Rakete eine verwundene Nut eingearbeitet. Der Seitenrichtbereich des Werferrahmens beträgt in der Fahrtrichtung links 125° und rechts 70°. Der Höhenrichtbereich liegt bei 0° bis +55°. Das Richten des Werferrahmen geschieht hydraulisch, kann aber auch von Hand erfolgen. Für das Richten sind auf der linken Seite des Fahrgestells die Richtmittel sowie eine Visiereinrichtung angebracht. Für Indirektes Feuer wird eine Visieranlage mit einem Kollimator verwendet und mit dem Zielfernrohr können Ziele im Direktschuss bekämpft werden. Zwischen dem Führerhaus und Werferrahmen sind in einer Halterung ein kompletter Raketensatz mit 40 Raketen gelagert.[1][2][10][3]

Der RM-70 wird von einem luftgekühlten V-12-Dieselmotor T-930-3 angetrieben. Dieser hat bei einer Drehzahl von 2700/min eine Leistung von 199 kW (271 PS). Der Kraftstofftank fasst 400 Liter. Das Fahrzeuggetriebe hat fünf Vorwärts- und vier Rückwärtsgang. RM-70 erreicht auf der Straße eine maximale Fahrgeschwindigkeit von 75 km/h und hat eine Reichweite von rund 1100 km. Der Mehrfachraketenwerfer ist geländegängig. Die Bodenfreiheit des Fahrzeugs beträgt 40 cm, die Kletterfähigkeit 60 cm, die Grabenüberschreitfähigkeit zirka 1,6 m, die maximale Wattiefe 1,4 m und die maximale Steigfähigkeit 60 %.[1][11][12]

Raketen

RM-70 verschießt primär die Raketen des BM-21 mit Kaliber 122 mm. Diese bestehen aus dem Gefechtskopf im vorderen Teil der Rakete sowie dem dahinter verbauten Feststoffraketentriebwerk. Verwendet wird zweibasiger Raketentreibstoff. Am Heck der Rakete sind vier Wickelleitwerke angebracht. Diese sind in einem Winkel von 1° zur Längsachse montiert um die Rakete in Drall zu versetzen. Die Spannweite beträgt 226 mm. Die Tschechoslowakei produzierte diese Raketen im Lizenzbau, entwickelte für den RM-70 aber auch eine eigene Munitionsfamilie.[1][12][13]

Weitere Informationen Name, Länge ...
Name Länge Gewicht Gefechtskopf Brennschlussgeschwindigkeit Schussdistanz
DB-1B (M-21OF) 3,23 m 77,5 kg 19,4 Splittergefechtskopf 690 m/s 20,3 km
DKZ-B 1,91 m 45,8 kg 19,4 Splittergefechtskopf 450 m/s 10,8 km
DB-2 2,84 m 71,6 kg 21 kg Splittergefechtskopf unbek. 40 km
AGAT / JRKK-G 2,78 m 68 kg 50 Hohlladungs-Bomblets
6 Brand-Bomblets
unbek. 33 km
Trnovnik 2,78 m 65,5 kg 63 Hohlladungs-Bomblets unbek. 17,5 km
Krizna-R 3,19 m 67,5 kg 4 PT-Mi-D-Panzerabwehrminen unbek. 17 km
Krizna-S 1,56 m 34,6 kg 4 PT-Mi-D-Panzerabwehrminen unbek. 3 km
Kus 1,4 m 32 kg 5 PP-Mi-S1-Antipersonenminen
5 Minenattrappen
unbek. 3 km
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Einsatz

Der RM-70 kann autonom oder im Verbund mit 3–6 anderen RM-70-Mehrfachraketenwerfern in Batterien eingesetzt werden. So eingesetzt, kommt ein auf einem Lastkraftwagen verbauter Kommandoposten zur Anwendung.[14]

Die Startvorbereitungen dauern in einer vorgängig eingemessenen Feuerstellung 3–5 Minuten. Dafür werden am Fahrzeugheck zwei Stützbeine ausgefahren. Für den Abschuss der Raketen, die elektrisch gestartet werden, muss die Besatzung das Führerhaus nicht verlassen. Optional kann der Start auch mit einer kabelgebundenen Bedienkonsole aus einer Entfernung von rund 60 m erfolgen. Nach Beendigung des Feuerauftrages kann der RM-70 innerhalb von rund 30 Sekunden die Stellung wieder verlassen. Die Raketen werden einzeln oder in einem Zeitintervall von 0,5 Sekunden abgefeuert. So kann eine Salve mit 40 Raketen innerhalb von 20 Sekunden abgefeuert werden. Eine Salve von 40 Raketen bestreicht eine ovale Fläche von 150 × 200 m (rund 30.000 ). Eine Batterie von 6 RM-70 deckt mit insgesamt 240 Raketen eine Fläche von 700 × 700 m (490.000 m²) ein. Nach dem Abfeuern der Raketen wird der leegeschossene Werferrahmen um 180° nach hinten gedreht und die Neigung in Nullstellung gebracht. Dann werden die 40 Raketen aus dem Gestell hydraulisch in die leeren Abschussrohre geschoben. Dies dauert knapp 2 Minuten und danach kann der RM-70 eine weitere Raketensalve abfeuern.[1][10][3][14]

Kriegseinsätze

Angola verwendete den RM-70 während dem Bürgerkrieg in Angola.

Georgien setzte den RM-70 im Kaukasuskrieg 2008 ein. Dabei wurden zwei Geschütze zerstört und drei oder vier erbeutet.[15]

Aserbaidschanische RM-70-Raketenwerfer kamen beim Krieg um Bergkarabach 2020 gegen Armenien zum Einsatz.[16]

Die Streitkräfte Libyens setzten den RM-70 im Bürgerkrieg in Libyen ein.

Im Russisch-Ukrainischen Krieg wird der RM-70 von der ukrainischen Armee eingesetzt. Laut dem Oryx-Blog verlor die Ukraine bis Dezember 2024 mindestens fünf RM-70.[17]

Verbreitung

Quellen:[18][19][20]

Galerie

Literatur

  • Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011–2012. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2960-9.
  • Christopher F. Foss: Towed Artillery. Jane's Pocket Book 18, Mac Donald and Janes' Publishers Ltd, Vereinigtes Königreich, 1977.
  • Leland Ness & Anthony G. Williams: Jane’s Ammunition Handbook 2006–2007, Fifteenth Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2006, ISBN 0-7106-2746-7.

Einzelnachweise

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