RUD-Kettenfabrik

deutscher Hersteller von Ketten From Wikipedia, the free encyclopedia

Die RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH u. Co. KG ist die Konzernobergesellschaft der RUD-Gruppe, einem deutschen Hersteller von Ketten mit Hauptsitz in Aalen-Unterkochen.

Schnelle Fakten
RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH u. Co. KG
Logo
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1875
Sitz Aalen-Unterkochen, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Hansjörg Rieger
  • Jörg Steffen Rieger
  • Johannes Rieger
  • Benjamin Rieger[1]
Mitarbeiterzahl 1.084 (Geschäftsjahr Juli 2023 bis Juni 2024)[2]
Umsatz 241,8 Mio. Euro (Geschäftsjahr Juli 2023 bis Juni 2024)[2]
Branche Rundstahlketten
Website www.rud.de
Stand: 30. Juni 2024
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RUD Werk Unterkochen und Konzernzentrale
RUD Werk Aalen, Produktionsstandort für Produkte der Marke Erlau

Das Familienunternehmen produziert Rundstahlketten zum Fördern, Heben, Anschlagen, Zurren und als Gelände-, Reifenschutz- und Schneeketten. Mit der Marke Erlau produziert das Unternehmen außerdem die RUD-Erlau-Reifenschutzketten und Objekteinrichtungen für den Innen- und Außenbereich.

Das Unternehmen wurde am 18. Januar 1875 von Carl Rieger und Friedrich Dietz im schwäbischen Aalen gegründet. Seit dem Ausscheiden des kinderlosen Friedrich Dietz befindet sich das Unternehmen im alleinigen Besitz der Familie Rieger.

Geschichte

Gründungszeit im 19. Jahrhundert

Die Firmengründer Carl Rieger und Friedrich Dietz 1875
Mitarbeiter der Firma RUD
Ehrenurkunde für Rieger und Dietz von 1880

1828 erwarben drei Aalener Bürger eine bereits seit 1795 auf der Erlen-Au am Kocher in Aalen bestehende Drahtzug-Einrichtung. 1875 wurde das „Erlau“ genannte Unternehmen in eine (mittlerweile Süddeutschlands älteste) Aktiengesellschaft umgewandelt. 1875 gründeten einige Kilometer kocherabwärts Carl Rieger und Friedrich Dietz mit damals 16 Mitarbeitern auf grüner Wiese, heute „Friedensinsel“ genannt, ebenfalls eine „Kettenschmiede und Fabrik von Drahthorden zum Malz, Hopfen- & Zichorien-Darren“.[3] Bereits 1880 erhielten sie per Ehrenurkunde (siehe unten) die „königliche Anerkennung“ für ihre von höchster Qualität gefertigten Kettenerzeugnisse, die vorwiegend in der Landwirtschaft verwendet wurden.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Ab der Jahrhundertwende hielt das Industriezeitalter Einzug bei RUD. Die Schmiede entwickelte sich bereits zur Fabrik: Eine Voith-Wasserturbine und die Dampfkraft einer „Lokomobile“ sorgten für Energie. 1906 waren die weltweit ersten Versuche mit elektrischer Kettenschweißung erfolgreich.[4] 1910 wurde die erste „Leiterkette“ für die Gummibereifung von „Motorkarren“, später Automobilen, hergestellt.

1925 trat die dritte Generation der Rieger-Familie ins Unternehmen ein, da Mitgründer Friedrich Dietz kinderlos war. Werner Rieger erfand 1935 die „Original RUD-Spurkette“, die gleichsam als „Mutter aller modernen Schneeketten“ bekannt wurde. Diese Entwicklung trug erheblich zum Wachstum des Unternehmens bei.[4] Als zweites Standbein neben der Reifenkette positionierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein Gütekettensektor.

1953 erhielt RUD im Gütekettenbereich die amtliche Erstzulassung für hochfeste Ketten und damit das Ranking H1. 1955 entstanden die Reifenschutzketten zum Schutz der Reifen luftbereifter Arbeitsmaschinen über und unter Tage. 1969 stieg mit Hansjörg Rieger die vierte Generation des Unternehmens in die Geschäftsleitung ein.[4]

Ab den 1970er-Jahren: Internationale Expansion

1972 wurden in rascher Folge eigene produzierende Tochtergesellschaften, Vertriebstöchter und Niederlassungen gegründet. Brasilien war der Anfang, Großbritannien, die Schweiz, Österreich, Skandinavien, Frankreich, Spanien und die in Übersee USA und Südafrika folgten wie später auch China und Indien.

Zum „Hundertjährigen“ im Jahr 1975 mit mehr als 1000 Mitarbeitern gründete das Unternehmen seine zwei gemeinnützigen Stiftungen, die bis heute tätig sind.[4] In der Folgezeit internationalisierte sich das Unternehmen mit Produktions- und Vertriebsstandorten in den USA, Brasilien und Australien.[5]

Die Maschinenfabrik Gebr. Rieger GmbH in Aalen gehörte in den 1980er-Jahren mit der Armaturenfabrik Neumo GmbH in Knittlingen, der Heilbronner Maschinenfabrik Hema GmbH in Schwaigern sowie der Herrli AG und der Precitube AG in Kerzers in der Schweiz zur Neumo-Ehrenberg-Gruppe (Präsident war der Industrielle Henry Ehrenberg).[6]

Als langjährig parallel operierendes Wettbewerbsunternehmen (und Herkunftsstätte der RUD-Gründer) kam die Erlau AG 1988 in den RUD-Unternehmensverbund.[4]

Seit 2003: Entwicklung unter der fünften Konzerngeneration

2003 trat mit Jörg Steffen Rieger, Johannes Rieger und Florian Rieger die fünfte Generation in die Unternehmensführung ein. Florian Rieger starb 2004 in Rumänien bei einem Verkehrsunfall. 2009 trat der letzte Sohn, Benjamin Rieger, der Konzernführung bei. Im Jahr 2018 fusionierte die Erlau AG mit der RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH u. Co KG, deren Tochtergesellschaft das Unternehmen bisher war. Seitdem ist Erlau eine Marke der RUD-Gruppe.[4]

Das F.A.Z.-Institut, ein Unternehmen der Verlagsgruppe Frankfurter Allgemeine Zeitung, verlieh RUD im Jahr 2020 die Auszeichnung „Bestes deutsches Familienunternehmen“.[7] 2025 eröffnete das Unternehmen ein firmeneigenes Ausbildungszentrum am Hauptsitz in Unterkochen, in dem Industriemechaniker und Elektroniker ausgebildet werden.[8]

Unternehmensstruktur

Im Geschäftsjahr vom 1. Juli 2023 bis zum 30. Juni 2024 beschäftigte die RUD-Unternehmensgruppe 1084 Mitarbeiter und hatte einen Umsatz von 241,8 Millionen Euro.[2] Insgesamt ist das Unternehmen mit Tochtergesellschaften in mehr als 120 Ländern tätig (Stand 2025).[9][2]

In Deutschland hat das Unternehmen Standorte in Unterkochen (Hauptsitz) und Aalen. Weitere Standorte von RUD sind in europäischen Ländern angesiedelt, darunter beispielsweise Frankreich, Großbritannien, Italien und Schweden. In Amerika ist das Unternehmen in den Vereinigten Staaten, Brasilien, Chile und Mexiko vertreten; in Asien in China, Japan, Vietnam, Indien, den Philippinen, Taiwan, Thailand und Singapur. Auch in Australien und Südafrika ist RUD mit Standorten vertreten.[10][2]

Geschäftsfelder

Das Unternehmen wurde vor allem durch die Produktion von Ketten bekannt, ist mittlerweile jedoch in mehreren Geschäftsbereichen tätig.[11] So gliedert sich die RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH u. Co KG in mehrere Geschäftsfelder: Anschlag- und Zurrmittel, Fördertechnik, Antriebstechnik, Mold Handling, Hebezeug- und Industrieketten, Reifenketten, Defence, Freiraumausstattung und Barrierefreies Bad.[12] Die Produkte des Metallunternehmens werden in verschiedene Branchen wie Maschinenbau, Logistik, Windkraft, Verteidigung, Landwirtschaft und Unterhaltung eingesetzt.[13][9]

Die von RUD produzierten Anschlag- und Zurrmittel werden unter anderem beim Heben von Bauteilen und anderen Lasten für Sicherheit verwendet.[14] Seit den 1990er-Jahren ist die Farbe Pink ein Markenzeichen für die Anschlag- und Zurrmittel von RUD.[15] Die Fördersysteme finden unter anderem Anwendung in Kohlekraftwerken sowie in Anlagen zur thermischen Verwertung von Abfallprodukten (z. B. Müllverbrennungsanlagen) sowie beim Transport von Schüttgütern wie Zement, Düngemitteln und verschiedenen chemischen Erzeugnissen.[16] Die Antriebstechnik von RUD kommt etwa bei Ketten-Antriebssystemen zum Einsatz, beispielhaft für ausfahrbare Dächer,[17] im Tunnelbau, in der Schwerindustrie, in Schiffen, Häfen und im Stahlwasserbau.[16]

Zum Bereich Mold Handling (dt. Formhandhabung) gehören Objekte zum Bewegen und Wenden von schweren Werkzeugen, beispielsweise Spritzgusformen.[18][19] Im Bereich Hebezeug- und Industrieketten bietet das Unternehmen unter anderem mit der Tecdocs-Serie ein Kettensystem zur Bewegung von Objekten mittels Kraftübertragung.[20] Ein langjähriger Geschäftszweig des Unternehmens sind Reifenschutz- und Schneeketten.[21] Der Bereich Defense deckt speziell Militärtechnik in den Bereichen Anschlagmittel, Ladungssicherung, Gleitschutzketten sowie Anschlag- und Zurrpunkte ab.[22]

Außerdem stellt RUD unter der Marke Erlau Objekteinrichtungen für den Innen- und Außenbereich her. Unter der Marke Erlau laufen auch die beiden Geschäftsfelder Freiraumausstattung und Barrierefreies Bad. Die „Objekteinrichtung Außen“ umfasst stabile, wetterfeste Möbel für Außenanlagen, z. B. von Kommunen, Unternehmen oder Verkehrsbetrieben. Dazu zählen Sitzbänke, Sitzgruppen, Tische und Stühle, Liegen, Abfallbehälter, Fahrradparksysteme, Poller, Pflanzschalen, mobile Tischbeete und Bewegungsgeräte. Die „Objekteinrichtung Innen“ stellt Produkte für barrierefreie Sanitärbereiche her. Dazu zählen Stütz- und Haltegriffsysteme, Duschsitze, Brausestangen, Duschhandläufe, Duschvorhangstangen, Wanneneinstiegshilfen und Bad-Accessoires wie Handtuchhalter oder diverse Ablagen. Die Produkte aus dem Bereich „Objekteinrichtung Innen“ finden im Privatbad und im öffentlichen Sanitärbereich Verwendung, sei es in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder in Schwimmbädern.

Stiftungen und Sponsoring

Die 1975 gegründeten Unternehmensstiftungen Trude-Eipperle-Rieger-Stiftung und Otto-Rieger-Stiftung fördern Projekte in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Bildung und Gemeinsinn.[4] Des Weiteren ist die RUD Kettenfabrik Sponsor beim 1. FC Heidenheim.[23]

Einzelnachweise

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