Rachel Sibande
malawische Informatikerin und Sozialunternehmerin.
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Rachel Sibande (* 9. Januar 1986 in Lilongwe, Malawi) ist eine malawische Informatikerin und Sozialunternehmerin. Sie ist Gründerin von mHub, Malawis erstem Technologiezentrum und Inkubator für Innovatoren und Nachwuchsunternehmer. Sie ist Programmdirektorin und langjährige unabhängige Beraterin bei der Digital Impact Alliance (DIAL) der United Nations Foundation.

Leben und Werk
Sibande ist das älteste von fünf Kindern des Buchalters Ben Chavula und der Hauswirtschaftslehrerin Ethel Muyaba. Nach dem Besuch der katholischen Schule in Blantyre studierte sie Informatik und Statistik an der Universität von Malawi. 2006 erhielt sie dort ihren Bachelor-Abschluss. Danach arbeitete sie als Programmiererin und lehrte dann drei Jahre lang an der Kamuzu Academy und der Mzuzu University in Malawi. 2010 absolvierte sie einen Masterstudiengang in Theorie, Codierung und Kryptographie an der Universität Mzuzu mit Auszeichnung. Sie heiratete den Menschenrechts-Aktivisten Chrispine Sibande, mit dem sie drei Kinder bekam. 2020 promovierte sie in Informatik an der Rhodes-Universität in Südafrika.[1][2][3]
Sie arbeitete fünf Jahre lang für die United States Agency for International Development (USAID), die Flanders International Cooperation Agency (FICA) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) an Projekten im Agrarsektor. Sie bekleidete verschiedene Positionen, war Marktinformationsspezialistin, stellvertretende Landesdirektorin und schließlich Landesdirektorin der Entwicklungsprojekte. Im Rahmen dieser Initiativen leitete sie die Einführung des ersten landwirtschaftlichen Marktinformationssystems in Malawi, das Web-zu-SMS-Kommunikation nutzte und über 400.000 Kleinbauern mit SMS-Benachrichtigungen und Rohstoffmarktpreisen versorgte. 2014 war sie leitende Technologieexpertin für das Wahlbeobachtungsprojekt bei den Wahlen in Malawi. Dieses Projekt wurde von einer Koalition aus 18 zivilgesellschaftlichen Organisationen unter der Leitung des Malawi Electoral Support Network durchgeführt. Dank dieser Initiative konnten über 300.000 Bürger ihre Wähleridentität per SMS verifizieren. Im Oktober 2014 unterstützte sie die mosambikanische Zivilgesellschaft bei der Umsetzung einer ähnlichen Initiative während der Parlamentswahlen und arbeitete mit der tansanischen Zivilgesellschaft an einem ähnlichen Projekt zur Vorbereitung der Wahlen 2015 zusammen. Sie leitete außerdem die IKT-Expertise bei den sambischen Parlamentswahlen 2016. Im Jahr 2019, kurz vor den Dreifachwahlen in Malawi am 21. Mai, präsentierte sie ihr neuestes Wahlbeobachtungssystem Maso Athu (Unsere Augen). Über das Hub schloss sie eine Partnerschaft mit der Nationalen Initiative für staatsbürgerliche Bildung (NICE), um eine IKT-gestützte Meldeplattform für unabhängige Beobachter und Bürger zu entwickeln, die über Ereignisse im Zusammenhang mit den Wahlen berichten.[4]
Malawis erstes Technologiezentrum mHub
2012 lernte Sibande das Konzept eines Technologie-Hubs kennen, als sie im Rahmen des YALI-Programms (Young African Leaders Initiative) von Präsident Obama ein sechswöchiges Praktikum in Chicago absolvierte. Sie gründete 2013 Malawis erstes Technologiezentrum mHub. Das Zentrum ist ein Sozialunternehmen, das sich in über sechs Ländern für die Entwicklung von Technologielösungen in Bereichen wie Gesundheit, Regierungsführung, Wahlbeobachtung und Menschenrechte einsetzt. Ziel von mHub ist es, ein führender ICT-Thinktank in Malawi und der Region zu werden. mHub veranstaltete das erste Tech-Festival, auf dem Unternehmer ihre Technologieanwendungen präsentierten. Folgende Technologieunternehmer stellten ihre Anwendungen vor: eine lokale Social-Media-Plattform, Malawis eigenes eBay, eine App zum Aufladen von Kreditkarten, ein vereinfachtes Buchhaltungsprogramm, ein Stadionmanagementsystem und eine E-Tourismus-App.
mHub entwickelte verschiedene Technologielösungen, darunter Malawis ersten Online-Modeshop Lilly Alfonso. Eine Bürgerbeteiligungsplattform namens Mzinda ermöglicht es Bürgern, per SMS Berichte über die Erbringung grundlegender Dienstleistungen wie Wasser, Strom und Müllabfuhr zu senden und so die Rechenschaftspflicht der Dienstleister zu fördern. Die malawische Verfassung ist dank mHub als mobile App verfügbar. Das Hub hat seine Aktivitäten über Malawi hinaus ausgeweitet und unterstützt und steuert Technologieeinsätze zur Stärkung von Demokratie und Regierungsführung in Sambia, Mosambik und Tansania.[5][6]
Im September 2017 ging Sibande bis 2022 als Programmdirektorin zu Digital Impact Alliance (DIAL) der United Nations Foundation und unterstützte dort Programmpartner in ausgewählten Ländern. Sie leitete branchenweite Demonstrationsprojekte, die Daten für Entwicklungsprojekte nutzen, und verantwortet die Entwicklung analytischer Modelle für Daten von Mobilfunknetzbetreibern, Geodaten und nationalen Systemen, um unter anderem die Modellierung von Gesundheit und Ernährungssicherheit zu verbessern.[7]
2020 wurde sie Senior Director, Country Outreach (Afrika) für die United Nations Foundation mit dem Ziel, afrikanische Länder bei ihrer digitalen Transformation zu unterstützen.[8] 2022 wurde sie Senior Program Officer in der Abteilung für globale Entwicklung der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF).
Auszeichnungen (Auswahl)
- 2015: Anita-Borg-Stipendium von Google
- 2016 zweimal von Forbes als eine der 30 vielversprechendsten Unternehmerinnen Afrikas unter 30 Jahren gelistet[9]
- 2018: Climate-Smart Track Innovate to Invent Award beim Next Einstein Forum (NEF) Global Gathering in Ruanda für die Entwicklung eines thermisch-chemischen Verfahrens zur Erzeugung von Licht für ländliche Mikronetze
- 2019: Forbes Woman Africa Gen Y Award, Forbes Africa Woman Summit in Südafrika[10]
- 2022: Zikomo Excellence Award, Präsident der Republik Malawi