Radomir (Oblast Pernik)

Stadt in Bulgarien From Wikipedia, the free encyclopedia

Radomir (bulgarisch Радомир) ist eine Kleinstadt in Bulgarien und nach dem Hauptort Pernik der zweitgrößte Ort in der Oblast Pernik. Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknoten im Westen des Landes. Hier zweigt die Bahnstrecke Sofia–Kulata von der Bahnstrecke Sofia–Gjueschewo ab.

Schnelle Fakten (Радомир), Basisdaten ...
Radomir (Радомир)
Basisdaten
Staat: Bulgarien Bulgarien
Oblast: Pernik
Einwohner: 11.486 (31. Dez. 2025[1])
Fläche: 47,499 km²
Bevölkerungsdichte 241,8 Einwohner/km²
Koordinaten: 42° 33′ N, 22° 58′ O
Höhe: 764 m
Postleitzahl: 2400
Telefonvorwahl: (+359) 0777
Kfz-Kennzeichen:PK
Verwaltung (Stand: 10.2023)
Bürgermeister: Kiril Stoew
Regierende Partei: PP-DB
Website: www.radomir.bg
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Toponymie

Der Name leitet sich direkt vom Personennamen Radomir oder dessen adjektivischer Form ab.[2] In ihm stecken die slawischen Wörter "Rad-" (radost = Freude)", "-o-" (Interfix) und "-Mir" (Welt; Frieden). Die sinngemäße Übersetzung lautet "derjenige, der sich um den Frieden kümmert" oder "Freude für die Welt/den Frieden (bringen)", "über die Welt/den Frieden freuen".

Geografie

Die Stadt Radomir liegt rund 34 Kilometer Luftlinie südwestlich der Hauptstadt Sofia auf 764 Metern Höhe im Radomirtal am Fuße des Berges Golo Bardo (Голо бърдо, 1158 m). Sie ist das Zentrum der historisch-geografischen Region Mraka. Das Klima ist feucht-kontinental, die Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger lautet Dfb.

Geschichte

Die Stadt wurde erstmals im 15. Jahrhundert in einer Quelle als Uradmur erwähnt. Die heutige Namensform erscheint erstmals in einer Quelle von 1488.

In der Geschichte der kleinen Stadt sind nur wenige Namen von Priestern und Geistlichen überliefert. 1418 brach in der Gegend um Radomir eine Welle der Unzufriedenheit gegen die hohen Steuern der osmanischen Herrscher aus. Damals lebten im gesamten Tal nicht mehr als 6000 bis 7000 Menschen, doch die Bevölkerung brachte ein gutes Kunsthandwerk hervor. Die Einheimischen waren hauptsächlich Bauern sowie Viehzüchter. Besonders berühmt waren die sogenannten „Katzaren“, die Fässer herstellten, die bis in die Ägäis bekannt waren. Im Dorf Dren gab es Holzschnitzer von hoher Qualität. Laut osmanischer Bevölkerungsstatistik von 1831 waren 41 % der Christen im Kaza Radomir, zu dem auch die Provinz Pernik gehörte, steuerfrei, während 82 % der Christen der Mittelschicht angehörten.[3]

Eine der prägenden Persönlichkeiten der nationalen Wiedergeburt war der Archimandrit Sinowij Poppetrow, der in dieser Region sein Wirken entfaltete. Laut den Berichten amerikanischer Missionare, die die Stadt 1862 besuchten, war die Bevölkerung überwiegend türkisch und die Bulgaren hatten keine eigene Schule.[4] Die erste bulgarische Schule in Radomir entstand 1868.

Am 6. Februar 1897 erhielt die Stadt mit der Eröffnung des Bahnhofes Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz.

1976 begannen in der Nähe der Stadt die Bauarbeiten an einem der letzten Großprojekte der sozialistischen Ära, dem letztlich unvollendeten Schwermaschinenwerk Radomir, auch bekannt als Kombinat „Tscherwena mogila“ (Комбинат „Червена могила“). Die nur teilweise fertiggestellten Produktionsanlagen wurden 1991 nach Zerschlagung in fünf Unternehmen geschlossen.

Am 22. Mai 2012 fiel durch das Erdbeben von Pernik in rund der Hälfte der Stadt die Trinkwasserversorgung aus.[5]

Aufstand von Radomir

1918 wurde Bulgarien von Ferdinand I. regiert. Unter ihm war Ministerpräsident Aleksandar Stambolijski inhaftiert worden, weil er sich gegen Bulgariens Teilnahme am Balkankrieg und dessen Bündnis mit den Mittelmächten im Ersten Weltkrieg ausgesprochen hatte. Als die Alliierten im September in Bulgarien einmarschierten, willigte der Thronfolger Boris III. ein, Stambolijski freizulassen. Im Gegenzug erhielt er dessen Zusage, bei der Wiederherstellung der Ordnung im Militär zu helfen. Stambolijski schloss sich jedoch dem Aufstand in Radomir an und rief dort die Republik Bulgarien aus. Seine Anhänger versuchten daraufhin, Sofia anzugreifen. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, als diese Streitkräfte von bulgarischen und deutschen Zaristen besiegt wurden. Auch diese konnten die Kontrolle nicht lange behalten, da Bulgarien Ende des Monats einen Waffenstillstand mit den Alliierten unterzeichnete.

Sehenswürdigkeiten

Die Kirche „Sweti Dimitar“ (Църквата „Свети Димитър“) wurde 1863 erbaut. Sie gehört zum Komplex der spätmittelalterlichen Kirche „St. Petka“ und einer Klosterschule. Die Kirche blickt auf eine reiche Geschichte zurück. Sie stand unter dem Schutz des Rila-Klosters, dessen Mönche die Gegend häufig besuchten. Ende des 16. Jahrhunderts gelangte eines der ersten gedruckten Bücher, das 1538 in Venedig von Boschidar Wukowitsch gedruckt wurde, hierher. Ihm wurden 16 Seiten aus dem 15. Jahrhundert beigefügt, die von dem Schreiber Wladislaw Gramatik verfasst worden waren. Das Buch und die Manuskriptblätter werden heute im Nationalen Historischen Museum aufbewahrt. Aufgrund der architektonischen Daten und der stilistischen Merkmale der Wandmalereien lässt sich der alte Teil der Kirche auf das Ende des 16. Jahrhunderts datieren.

Das Gebäude Stojowa kaschta (Стойова къща) wurde im 17. Jahrhundert zu Wohnzwecken errichtet und ist eines der wenigen Beispiele bulgarischer Renaissancearchitektur in dieser Region. Es beherbergt die ethnografische Ausstellung „Traditionelle Trachten und Stoffe aus der Region Radomir“.

Das Museum „Wojnischko wastanie“ (Войнишко въстание, deutsch Soldatenaufstand) bewahrt Relikte des Aufstands von 1918, als in Radomir die Republik ausgerufen wurde.

Der Wasserfall „Butschaloto“ (водопад Бучалото, 42° 33′ 4,3″ N, 22° 58′ 7,1″ O) ist etwa 10 Meter hoch. Das Besondere ist, dass sich im Laufe der Zeit durch äußere Erdkräfte ein natürliches, kuppelförmiges Naturdenkmal gebildet hat, durch dessen Mitte der Fluss Isworska, ein linker Nebenfluss der Struma, fließt. Selbst im Sommer bei großer Hitze erreicht die Temperatur am Fuß der Kuppel nicht mehr als 12 °C. Die Formation selbst besteht überwiegend aus Kalkstein und ist ständig von Erosion, Verwitterung und Abtragung bedroht.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jedes Jahr am 26. Oktober wird „Dimitrowden“, der Tag der Stadt Radomir, gefeiert.

Sport

Die Stadt ist Heimat des Fußball-Zweitligisten FK Strumska Slawa.

Städtepartnerschaften

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Simeon Ananiew (* 1955), Wissenschaftler und Transportunternehmer
  • Bogomil Bonew (* 1957), Politiker
  • Swetoslaw Minkow (1902–1966), Schriftsteller

Bildergalerie

Commons: Radomir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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