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Radonquelle Disentis

Mineralquelle in Disentis im Schweizer Kanton Graubünden From Wikipedia, the free encyclopedia

Schnelle Fakten Lage, Geologie ...
Radonquelle Disentis
Lage
Land oder Region Gemeinde Disentis/Mustér, Kanton Graubünden, Schweiz
Koordinaten 46° 42′ 54″ N, 8° 51′ 33″ O
Geologie
Gebirge Glarner Alpen
Quelltyp Mineralquelle
Hydrologie
Flusssystem Rhein
Vorfluter Aua Sogn Placi → Vorderrhein
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Die Radonquelle Disentis, auch als St. Placi-, S. Placidus-Quelle oder Placidusquelle bekannt, ist eine Mineralquelle im Val Sogn Placi bei Disentis/Mustér im Schweizer Kanton Graubünden. Sie enthält das radioaktive Edelgas Radon und gilt als radioaktivste Wasserquelle der Schweiz. Aufgrund seines zusätzlich hohen Eisengehaltes hat das Wasser einen rötlichen Ton.

Geschichte

Schlossruine Caschliun (1891)

Ein erster Hinweis auf die Radonquelle Disentis findet sich 1740 in den Aufzeichnungen eines Disentiser Benediktiner-Mönches: Sie befinde sich in einem kleinen Seitental oberhalb von Disentis und werde von Einheimischen genutzt.[1.1] 1874 errichteten Placidus Condrau und der Balneologe Augustin Condrau auf dem Gelände der Schlossruine Caschliun das Hotel «Disentiserhof», das ab 1877 als Bade- und Kurhotel mit Trinkbrunnen und Bädern eröffnet wurde.

Bei einer chemischen Analyse der Quelle 1876 wurde diese als «erdiger Eisensäuerling» klassifiziert. Mit einer rund einen Kilometer langen Leitung wurde das Wasser von der Quelle in den Hotelbau geleitet.[1.1] Mit der Errichtung des Hotels nahm in Disentis der Sommertourismus seinen Anfang, und Disentis etablierte sich als Luftkurort.

Mit Eröffnung des Kurhotels stand zunächst der hohe Eisengehalt des Wassers im Zentrum der Therapieangebote. 1898 entdeckten Marie und Pierre Curie das chemische Element Radium, und medizinische Anwendungen von Radioaktivität kamen in Mode. Bei der Disentiser Mineralquelle zeigte sich 1907, dass sie als Zerfallsprodukt von Radium aus dem Granit des Aaremassivs das natürliche Edelgas Radon enthielt. Disentis wurde nachfolgend als «Radium-Mineralkurort ersten Ranges» vermarktet. Kurz nach der Entdeckung des Radongehalts wurde der «Disentiserhof» von Florin Tuor gekauft und modernisiert. 1934 übernahm der Sohn Robert Tuor die Hotels seines Vaters.[1.2]

Quellfassung und Leitung im Jahr 1948
Luftaufnahme mit Blick auf Hotel Disentiserhof und Placiduskapelle nach Lawinenabgang (1984)

Anfang der 1970er setzte sich Gion Condrau für eine Reaktivierung des Hotels als balneologisches Kurzentrum ein. Die Pläne wurden nie umgesetzt, bahnten jedoch den Weg für den Bau des Grosshotels «Acla de Fontauna» im Jahr 1971, mit dem auch der Wintertourismus in Disentis in grösserem Stil etabliert wurde.[2] Dieses Hotel stellte 2002 seinen Betrieb ein.[3]

1978 wurde das ursprüngliche Kurhaus durch ein modernes Sporthotel ersetzt.[4] Im Lawinenwinter 1984 und durch einen erneuten Lawinenabgang 1987 wurde die Zubringerleitung zur Quelle zerstört, so dass das Wasser heute nicht mehr im grossen Stil als Heilwasser genutzt wird.[4] Die Quelle selbst wurde nach der Verschüttung auf Anregung des Bündner Kantonschemikers Otmar Deflorin im Jahr 2002 wieder zugänglich gemacht.[5.1]

2011 ging der «Disentiserhof» in den Besitz der Appenzeller Mettlen Immo AG über, die im Jahr 2015 Pläne für den Neubau eines Kurhotels nebst Erneuerung der Leitungen von der Radonquelle zum Hotel vorlegte mit dem Ziel, erneut Radonkuren anzubieten.[6] Auch die Fassung der Quelle, die Ende der 1950er Jahre erfolgt war, wurde zu diesem Zeitpunkt als erneuerungswürdig beschrieben. Wegen eines Versäumnisses zum Eintrag in das Grundbuch gehört die Radonquelle heute der Gemeinde Disentis.[7]

Lage und Zugänglichkeit

Die Quelle liegt nördlich der St. Placiduskirche auf dem linken Ufer des Bergbachs Aua Sogn Placi im Val Sogn Placi bei Disentis/Mustér im Schweizer Kanton Graubünden. Johann Baptist Cathomas beschrieb die Lage 1907 als «unweit vom Kurhaus ‹Disentiserhof›, aus zwei Felsenspalten des Krystallinischen Schiefers entspringend».[8]

Zusammensetzung des Wassers

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts untersuchte Alfred Schweitzer (1909–1916) alle Mineralquellen in Graubünden auf ihren Radongehalt. Insbesondere in den Kristallingebieten des Kantons ist eine Häufung erhöhter Radonkonzentrationen festzustellen, wie der Hydrogeologe Christian Böhm 2002 in einer Überblicksstudie für den Kanton Graubünden ausführt.[5.2] Hohe Radonkonzentrationen seien «hier auf den erhöhten Radiumgehalt des durchflossenen Wirtsgesteins zurückzuführen».[5.3] In den Sedimentgebieten Graubündens ist die Radioaktivität um ein Dreifaches niedriger.[5.4]

Der Radongehalt der S. Placidus-Quelle ist dabei über den Verlauf des 20. Jahrhunderts in vergleichbaren Konzentrationen gemessen worden:[5.5]

Weitere Informationen Jahr der Messung, Bq/L ...
Jahr der
Messung
Bq/L
1909oben644,0
1909unten630,0
1913676,0
1913676,0
1938641,0
1945707,0
1973715,0
2002486,0
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Im Vergleich dazu enthält Trinkwasser der öffentlichen Wasserversorgung in der Schweiz durchschnittlich 11,6 Bq/L Radon.[5.6]

Dem radonhaltigen Thermalwasser wird eine entzündungshemmende, schmerzlindernde und entspannende Wirkung zugeschrieben. Es findet in der Radonbalneologie bis heute unter anderem bei Rheuma-, Gicht- und Arthrosebeschwerden Anwendung.[9] Im Trinkwasser wird einem hohen Radongehalt eine erhöht krebserregende Wirkung zugeschrieben,[5.7] so dass sich heutige Kur- und Badebetriebe auf die äusserliche Anwendung beschränken.

Literatur

  • Johann Baptist Cathomas: Über das Radium in den Mineralquellen und seine therapeutischen Wirkungen. Der «Eisensäuerling» von Disentis, die stärkste radio-aktive Quelle der Schweiz. Orell Füssli, Zürich 1909 (PDF; 4,3 MB).
  • Konrad Kuhn: Heilquellen und Kurorte: Überlegungen zur Geschichte des alpinen Tourismus im Bündner Vorderrheintal. In: Reto Furter, Anne-L. Head-König, Luigi Lorenzetti: Les migrations de retour. Rückwanderungen. Chronos Verlag, Zürich 2009, ISBN 978-3034009607, S. 199–213.

Siehe auch

Commons: Radonquelle Disentis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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