Ram Manohar Lohia
Indischer Freiheitskämpfer, sozialistischer Politiker und politischer Theoretiker
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Ram Manohar Lohia (Hindi राममनोहर लोहिया; * 23. März 1910 in Akbarpur; † 12. Oktober 1967 in Neu-Delhi) war ein indischer Freiheitskämpfer, sozialistischer Politiker und politischer Theoretiker, der einen starken Einfluss auf die Debatten über soziale Gerechtigkeit, Sprache und Dezentralisierung im unabhängigen Indien hatte.[1] Als Gegner kolonialer Herrschaft und sozialer Hierarchien wurde er zu einer Leitfigur jener Oppositionspolitik, die in Indien die Dominanz des Kongresses herausforderte.[2]

Leben und Wirken
Lohia wurde 1910 in Akbarpur in Uttar Pradesh geboren, verlor früh seine Mutter und wuchs unter dem Einfluss seines nationalistischer gesinnten Vaters Hira Lal Lohia auf.[1] Nach Studien an der Banaras Hindu University und der University of Calcutta promovierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin.[1] Im Jahr 1934 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Congress Socialist Party, redigierte deren Zeitschrift Congress Socialist, wurde 1936 Sekretär der Auslandsabteilung des All India Congress Committee und spielte in der Quit-India-Bewegung eine wichtige Rolle im Untergrund.[1] Am 18. Juni 1946 rief er gemeinsam mit Julião Menezes in Goa zum Widerstand gegen die portugiesische Herrschaft auf; dieses Datum wird dort als Goa Revolution Day erinnert.[3] Nach einer Prostataoperation im Willingdon Hospital in Neu-Delhi starb er am 12. Oktober 1967; eine spätere staatliche Untersuchung machte postoperative ärztliche Versäumnisse mitverantwortlich.[4][5]
Lohias Berliner Jahre waren für seine antifaschistische Haltung von erheblichem Einfluss; nach der Rückkehr nach Indien veröffentlichte er mit Hitlerismus einen frühen Text gegen den Nationalsozialismus und wandte sich zeitlebens gegen Imperialismus, Hierarchie und autoritäre Politik.[6] Lohia entwarf einen „neuen Sozialismus“, der auf marxistischer Wirtschaft und gandhianischer Ethik fußte, demokratische Dezentralisierung verlangte und im Vier-Säulen-Staat mit Macht auf Dorf-, Distrikt-, Provinz- und Zentralebene ein Gegenmodell zur Zentralisierung sah.[7] Unter dem Begriff Sapta Kranti fasste er sieben Revolutionen zusammen, darunter die Gleichheit von Männern und Frauen, die Abschaffung von Geburts- und Kastenungleichheiten, den Schutz der Privatsphäre und die Begrenzung von Rüstung.[7] In der Kastenfrage unterschied er sich von vielen Linken seiner Zeit, weil er wirtschaftliche und kastengebundene Ungleichheit als „Zwillingsdämonen“ verstand und soziale Bevorzugung für Other Backward Classes (OBC), Dalits, Adivasis und Frauen begründete.[8][9] Seine Ablehnung des Kongresses verstand er nicht als ewige Doktrin, sondern als zeitgebundene Strategie gegen eine herrschende Elite; zusammen mit seinem Eintreten für rückständige und unterrepräsentierte Gruppen hatte dies einen starken Einfluss auf die spätere Politik sozialer Gerechtigkeit.[9][2] 1957 startete er die Kampagne Angrezi Hatao gegen die Vormacht der englischen Sprache in Bildung und öffentlichem Leben und plädierte zugleich für die Aufwertung indischer Sprachen.[10]