Rania Mleihi
syrische Dramaturgin, Regisseurin, Autorin und Performerin
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Rania Mleihi (* 1983 in Damaskus, Syrien) ist eine syrische Dramaturgin, Regisseurin, Autorin und Performerin. Sie ist bekannt für ihre theater- und performancebezogenen Arbeiten sowie für interkulturelle Projekte, die sich mit Migration, Identität und gesellschaftlicher Teilhabe auseinandersetzen. Seit 2015 lebt sie in Deutschland, wo sie an mehreren großen Theatern tätig war und verschiedene theaterpädagogische Initiativen mitbegründet hat.
Leben und Wirken
Frühe Jahre und Ausbildung
Mleihi wurde in der syrischen Hauptstadt Damaskus geboren und wuchs dort auf. Sie studierte arabische Literatur an der Universität Damaskus und Theaterwissenschaft an der Hochschule für Theater und arbeitete danach am Nationaltheater Damaskus als Dramaturgin und Regisseurin. 2011 wirkte sie in einer Bearbeitung von Tausendundeiner Nacht durch Hanan al-Sheykh und Tim Supple für das Luminato Festival in Toronto als zweite Bühnenmanagerin mit.[1] Während dieser Zeit gründete sie ein eigenes Theaterensemble, das u. a. beim Edinburgh Festival eingeladen war.[2]
Tätigkeit in Deutschland
Bereits 2009 war Mleihi als Stipendiatin des Internationalen Forums Gast beim Berliner Theatertreffen.[3] Im Jahr 2015 kam Mleihi nach Deutschland und begann ihre Arbeit als Dramaturgin an verschiedenen Theatern. Sie war u. a. an den Münchner Kammerspielen, am Staatstheater Hannover und am Theater an der Ruhr tätig. Außerdem war sie Mitbegründerin des Open Border Ensembles, einer Plattform für Künstler mit Fluchterfahrung,[4] und initiierte verschiedene Projekte wie den „Habibi Kiosk“ oder die Gesprächs- und Salonreihe „Arabesque“. Seit der Spielzeit 2025/26 ist Mleihi am Staatstheater Nürnberg als Dramaturgin und künstlerische Leiterin des Begegnungsformats „Yalla Yalla“ tätig.[5]
Theater- und Performancearbeiten
Neben ihrer dramaturgischen Tätigkeit entwickelt Mleihi eigene Projekte als Autorin und Performerin. In der Spielzeit 2019/20 war sie Dramaturgin des Collective Ma’louba am Gorki Theater Berlin.[6] Ende 2025 schuf sie die Solo-Performance My Personal Ten Years: Wir schaffen das!, in der sie ihre persönlichen Erfahrungen mit Migration, Exil und Identität in Verbindung mit gesellschaftlichen Diskursen der letzten zehn Jahre verarbeitete. Die Uraufführung fand am Staatstheater Nürnberg statt und die Performance wurde auch an den Münchner Kammerspielen und dem Theater Koblenz gezeigt.[7]
In ihrer Kritik schrieb die Süddeutsche Zeitung: „Obwohl Mleihi kein einziges Wort live auf der Bühne spricht und man ihre Stimme nur über abgespielte Tonaufnahmen hört, schafft sie unmittelbare Nähe.“ Parallel dazu wurden ihre Erinnerungen als projizierte Bildsequenzen sichtbar: Szenen aus dem Alltag in Damaskus mit lebhaften Straßen, Zitronenbäumen auf den Dachterrassen und flüchtigen Blicken aus dem Rückspiegel eines Taxis. Im Kontrast dazu zeigten andere Aufnahmen aus ungewohnten, verfremdeten Perspektiven zerstörte Viertel, eingestürzte Gebäude und ödes, verwüstetes Gelände.[8]
Weitere Aktivitäten
Mleihi war in verschiedenen thematischen und künstlerischen Veranstaltungen präsent, z. B. als Rednerin bei Diskussionen zu Resilienz und im Rahmen von Festivals für junge Regiearbeit. Darüber hinaus ist sie durch Interviews in öffentlich-rechtlichen Medien, wie der Deutschen Welle oder der Interviewreihe Meine Demokratie im deutschen Fernsehen (ARD alpha) als Gesprächspartnerin für demokratische Werte und kulturelle Teilhabe hervorgetreten.[9][10]
Literatur
- Mleihi, Rania (2018). Die Gefühle eines Tages. In: Huber, Katja/Kleemann, Silke/Schley, Fridolin (Hrsg.), Wir sind hier. Geschichten über das Ankommen. München: Allitera Verlag, S. 52–55.
- Hans Karl Peterlini, Jasmin Donlic: Jahrbuch Migration und Gesellschaft 2019/2020: Schwerpunkt »Digitale Medien«. transcript Verlag, 2020, ISBN 978-3-8394-4480-1, S. 55, 62 (google.com).
Weblinks
- Offizielle Website
- Rania Mleihi bei IMDb
- Interview der Deutschen Welle mit Rania Mleihi, 2016 (englisch)