Raoul Verlet
französischer Bildhauer
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Raoul Charles Verlet bzw. Charles Raoul (* 7. September 1857 in Angoulême; † 4. November 1923 in Cannes) war ein französischer Bildhauer.[1] Er zählte zu den akademisch geprägten Bildhauern der Dritten Republik und schuf vorwiegend Denkmäler, Grabplastiken, Porträtbüsten und Bauplastiken.[1]

Leben
Raoul Verlet war der Sohn eines Friedhofsaufsehers und Grabsteinverkäufers. Er erhielt seinen ersten Zeichenunterricht bei Edward Harrison May an der städtischen Schule in Angoulême und setzte seine Ausbildung später in Bordeaux fort. Anschließend übersiedelte er nach Paris, wo er zunächst als Stuckateur im Atelier von Victor Tournier arbeitete. Auf Empfehlung des aus Angoulême stammenden Architekten Paul Abadie des Jüngeren wurde er an der École des Beaux-Arts in Paris aufgenommen. Dort studierte er Bildhauerei bei Pierre Jules Cavelier und Ernest Barrias, in dessen Atelier er vier Jahre lang tätig war. Zwischen 1880 und 1882 arbeitete Verlet am Denkmal für Jeanne d’Arc in Bonsecours mit und schuf das Bildnis der heiligen Katharina dafür.[1]

1883 erhielt er den zweiten Prix de Rome für sein Hochrelief La mort de Diagoras. Bereits 1880 debütierte er im Salon der Société des Artistes Français mit einer männlichen Gipsbüste und wurde 1885 mit einer Mention Honorable ausgezeichnet. Seinen künstlerischen Durchbruch erzielte Verlet mit der Plastik La douleur d’Orphée, deren Gipsmodell 1887 im Salon mit einer Medaille zweiter Klasse prämiert wurde. Der Bronzeguss erhielt auf der Weltausstellung 1889 eine Goldmedaille. Die Stadt Paris erwarb einen Bronzeguss für den Place Malesherbes (heute Place du Général-Catroux), wodurch dieses Werk zu seinem bekanntesten wurde.[1]
Nach einer zweijährigen Studienreise nach Italien war Raoul Verlet regelmäßig im Pariser Salon vertreten. Zwischen 1895 und 1910 lebte er in Louviers, wo er Präsident der Société des Amis des Arts de l’Eure war. 1893 wurde er auf Empfehlung von Barras zum Ritter und 1900 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. 1905 erhielt Raoul Verlet eine Professur an der École des Beaux-Arts und wurde 1910 Mitglied des Institut de France. 1912 beteiligte er sich an der ersten Ausstellung der sogenannten Pompiers in der Galerie Georges Petit. Raoul Charles Verlet starb 1923 in Cannes.[1]
Werk

Raoul Verlets Œuvre umfasst Porträtbüsten historischer und zeitgenössischer Persönlichkeiten, allegorische und mythologische Plastiken, Genreszenen, religiöse Darstellungen sowie zahlreiche öffentliche Denkmäler und Grabmale. Verlet verwendete Terrakotta, Gips, Marmor, Bronze und Stein. Stilistisch ist sein Werk von einer naturalistisch-neobarocken Darstellungsweise und neoklassizistischer Detailtreue geprägt, was auf seine akademische Ausbildung zurückgeht. Besonders ausgeprägt sind sein Sinn für Theatralik und pathetische Gestik, wie in La douleur d’Orphée zu sehen ist. Raoul Verlet erhielt zahlreiche öffentliche Aufträge für Denkmäler und Bauplastiken, unter anderem in Paris, Angoulême, Louviers, Nantes und Châteauroux. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählen die Kriegsdenkmäler für die Gefallenen von 1870/71 sowie die monumentale Brunnenplastik Fontaine Amédée-Larrieu in Bordeaux. Für diese erhielt er im Jahr 1900 im Salon eine Ehrenmedaille und auf der Weltausstellung den Grand Prix. Mehrere seiner Salonplastiken wurden durch die Gießereien Barbedienne und Thiébaut Frères in Bronze vervielfältigt und als Sèvres-Porzellan ausgeführt. Auch in Südamerika fanden seine Arbeiten Verbreitung, darunter dekorative Leuchter für ein Theater in Rio de Janeiro und Ehrenstatuen kolumbianischer Persönlichkeiten. Im Jahr 1926 schenkte die Witwe des Künstlers den Ateliernachlass dem Musée des Beaux-Arts in Angoulême; die Tonmodelle gingen an das Petit Palais in Paris.[1][2]
Werke (Auswahl)
- Monument des Charentais, Angoulême (1887)
- Mausoleum von Mgr Sebaux in der Kathedrale von Angoulême (1895)
- Fontaine Amédée-Larrieu in Bordeaux (1901)
- Statue von Guy de Maupassant, Parc Monceau
- Bronzebüste von Guy de Maupassant, square Verdrel, Rouen, 1900 (zerstört 1941)[3]
Auszeichnungen
- Zweiter Prix de Rome, ein Prix du Salon von 1887 für sein „Leid des Orpheus“
- Ehrenmedaille des Salons 1900
Weblinks
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009
Literatur
- Loïc Vadelorge, Les Statues de Rouen, XIXe-XXe siècles, Rouen, 1999
- Thieme, Ulrich; Becker, Felix (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 34, Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1940.
- Curinier, Charles-Émile: Dictionnaire national des contemporains, Band III, Paris, 1906.
- Edouard-Joseph, Émile: Dictionnaire biographique des artistes contemporains, Band III, Paris, 1934.
- Kjellberg, Pierre: Les bronzes du XIXe siècle, Les Éditions de l’Amateur, Paris, 1987.
- Bénézit, Emmanuel: Dictionnaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs, Band XIV, Gründ, Paris, 1999.
- Roche, Thierry: Dictionnaire biographique des sculpteurs des années 1920–1930, Lyon, 2007.
- Peigné, Gilles: Dictionnaire des sculpteurs neo baroques français (1870–1914), Paris, 2012.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006.