Raphael Sadeler

Fläm. Kupferstecher From Wikipedia, the free encyclopedia

Raphael Sadeler (der Ältere) (* 1561 in Antwerpen; † um 1632 in München) war ein flämischer Kupferstecher, Zeichner, Grafikhändler und -verleger.

Porträt von Raphael Sadeler in Cornelis de Bies Het Gulden Cabinet (1662, Jan Meyssens)

Leben

Raphael Sadeler gehörte zu den bedeutendsten Mitgliedern der Künstlerfamilie Sadeler, die seit Ende des 16. Jahrhunderts über drei Generationen hinweg als Kupferstecher, Verleger und Händler die europäische Grafikproduktion dominierte. Die Familie lebte zunächst in Antwerpen, wurde dann aber aufgrund der religiösen und politischen Konflikte zur Auswanderung gezwungen und betätigte sich als Wanderkünstler an Höfen in Deutschland und Italien.[1]

Raphael Sadeler wurde 1561[2] (nach manchen Quellen 1560) als Sohn des Waffenschmieds und Eisenschneiders Jan de Saeyelleer (Sadeler) in Antwerpen geboren. Von ihm sind zwei Brüder bekannt: der ebenfalls bedeutende Kupferstecher Johann Sadeler der Ältere (auch Jan I; 1550–1600), ab 1572 Mitglied der Lukasgilde in Antwerpen, sowie Egidius Sadeler der Ältere (auch Aegidius I; um 1555–um 1609), der vor allem als Verleger und Händler in Antwerpen und später Frankfurt am Main wirkte.[1]

Raphael Sadeler begleitete 1579/1580 seinen älteren Bruder Johann nach Köln und wurde dort dessen Schüler.[1] Später kehrte er mit ihm nach Antwerpen zurück, wo er sich 1582 in die Lukasgilde einschrieb. Um 1585/1586 ließen sich beide bis ca. 1588 in Frankfurt am Main nieder und erwarben 1587 das Frankfurter Bürgerrecht. Zu dieser Zeit wurde Raphael Sadeler Mitinhaber des Familienunternehmens, wobei er zunächst als Grafikhändler und -verleger arbeitete und später auch als Kupferstecher. Um 1591 bis 1593 hielt er sich erneut in Köln auf, bevor er sich 1593 bei Johann Sadeler in München niederließ.[2] 1595 reisten die beiden zusammen mit Johanns Sohn Justus und ihrem Neffen Egidius Sadeler nach Verona.[3] 1598 sowie von 1601 bis 1604 hielt sich Raphael Sadeler in Venedig auf. 1604 ging er mit seiner Familie wieder nach München, wohin ihn Herzog Maximilian I. von Bayern eingeladen hatte.[2]

Raphael Sadeler war mit Katelyne Lysaert verheiratet, einer Patentochter des flämischen Malers Marten de Vos.[4] Er bildete seine Söhne Raphael Sadeler der Jüngere (* 20. Dezember 1584 in Antwerpen; † 1632 in München an der Pest), Johann der Jüngere (auch Jan II; * 1588; † 1665 oder später) und Philipp (auch Filips; * um 1600; Schwiegersohn von Peter Candid) zu Kupferstechern aus. Raphael Sadeler der Jüngere begleitete seinen Vater nach Venedig (1601 bis 1604) und München (ab 1604). Er spezialisierte sich auf Heiligen- und Andachtsbilder.[5]

Ab 1622 stach Raphael Sadeler wohl wegen nachlassender Sehkraft nicht mehr selbst, sondern gab nur noch von seinen Söhnen illustrierte Bücher heraus.[2] Er starb um 1632 in München,[2] nach manchen Quellen möglicherweise zu einem früheren Zeitpunkt in Venedig.[1]

Werk

Titelseite von Solitudo (1587, Johann und Raphael Sadeler nach Marten de Vos)
Titelseite von Bavaria sancta (1615, Raphael Sadeler nach Johann Matthias Kager)
Stich aus Bavaria sancta mit einer Darstellung des Friedrich von Regensburg, der von einem Engel die Eucharistie empfängt

Raphael Sadeler schuf hauptsächlich Kupferstiche sowie wenige Zeichnungen. Das Werkverzeichnis Hollstein’s Dutch & Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts ca. 1450–1700 (1980) führt 343 Nummern zu ihm auf.[2]

Zwischen ca. 1585 und 1600 schufen Raphael und Johann Sadeler eine 118 Druckgrafiken umfassende Serie von Einsiedler-Darstellungen nach Zeichnungen von Marten de Vos. Dabei handelte es sich um eine bildliche Version der damals verbreiteten Altväter-Bücher. Die Drucke erschienen in vier Einzelfolgen mit aufwendigen Frontispizen (Solitudo, 1587; Sylvae sacrae monumenta, 1594; Trophaeum vitae solitariae, 1598; Oraculum anachoreticum, 1600)[1]. Es gab wohl eine anhaltende Nachfrage nach dieser Reihe, wie sich aus der Existenz von Nachstichen und Adaptionen sowie einer späteren Erweiterung durch Justus Sadeler ableiten lässt.[6]

In Venedig veröffentlichten Raphael und Johann Sadeler unter der Adresse „Venetis ex ofici Sadelery“ den Karl Emanuel I. und Katharina Michaela von Spanien gewidmeten Fürstenspiegel Schema seu speculum principum (1597) mit Stichen nach Vorlagen von Jan van der Straet.[3]

Nachdem Raphael Sadeler 1604 nach München zurückgekehrt war, stach er dort zusammen mit seinem Sohn Raphael dem Jüngeren 142 Illustrationen für Matthäus Raders Bavaria sancta et pia (1615–1628, 4 Folianten). Dabei handelte es sich um ein im Auftrag von Maximilian I. entstandenes gegenreformatorisches Terra-sacra-Prachtwerk mit Beschreibungen von Heiligen, Seligen und vom Volk verehrten Persönlichkeiten, die mit Bayern in Verbindung stehen. Entsprechend der politischen Ansprüche des Herzogs nahm Rader darin jedoch u. a. auch österreichische Heilige auf.[7] Als Vorlagen dienten 140 Zeichnungen des Augsburger Stadtmalers Johann Matthias Kager und zwei des Hofkünstlers Peter Candid. In Absprache mit diesen beiden Künstlern und Maximilian I. entstanden dabei bemerkenswerte ikonografische Innovationen.[2]

Raphael Sadeler stach weiterhin beispielsweise nach Werken von Joos van Winghe, Hans von Aachen, Frans Pourbus, Bartholomäus Spranger, Paul Bril und Hendrick Goltzius. Er gab zudem eine Reihe von Reproduktionsstichen nach italienischen und flämischen Künstlern heraus, darunter Jacopo Bassano, Jacopo Ligozzi, Domenico Tintoretto, Palma Giovane, Mathijs Bril und Lodewijk Toeput.

Werke Raphael Sadelers befinden sich unter anderem in der Staatlichen Graphischen Sammlung München,[2] Städel Museum,[8] Wiener Albertina, Rijksmuseum Amsterdam, British Museum, Victoria and Albert Museum,[9] Ossolineum,[2] National Gallery of Art[10] und Metropolitan Museum of Art.

Literatur

Einzelnachweise

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