Rathaus Rheinkamp

denkmalgeschütztes Gebäude in Moers in Nordrhein-Westfalen From Wikipedia, the free encyclopedia

Das ehemalige Rathaus Rheinkamp, auch Rathaus Utfort genannt, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Moers in Nordrhein-Westfalen. Es liegt in Utfort im Stadtteil Rheinkamp. Das Bauwerk wurde 1912 als Rathaus und kommunales Mehrzweckgebäude der 1910 gegründeten Gemeinde Repelen-Baerl eröffnet, die später in Rheinkamp umbenannt wurde. Nach dem Verlust der Eigenständigkeit Rheinkamps im Jahr 1975 nutzte und vermietete die Stadt Moers es als Verwaltungs- und Bürogebäude. Heute ist es in Privatbesitz und dient als Wohn- und Geschäftshaus.

Rathaus Rheinkamp 2012 vor der Sanierung

Geschichte und Beschreibung

Zeichnung des Rathauses in einem Zeitungsartikel im „Grafschafter“ vom 22. April 1912 anlässlich der feierlichen Eröffnung
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Das Gebäude befindet sich an der Rheinberger Straße 194 im Wohnplatz Utfort, der zum Moerser Stadtteil Rheinkamp im Kreis Wesel gehört. Es liegt in der Nähe der ehemaligen Schachtanlage 5/9 der Zeche Rheinpreußen und befand sich zentral zwischen den Orten Repelen und Baerl, die im Jahr 1910 zu einer Gemeinde zusammengeschlossen wurden. Noch im selben Jahr begannen die Planungen und Bauarbeiten für ein repräsentativ gestaltetes und zugleich vielseitig nutzbares Rathaus nach Entwürfen des Gemeindebaumeisters Schreyer. In dem Bau waren unter anderem das Standesamt, die Gemeindesparkasse, die Ortskrankenkasse, die Gemeindekasse sowie ein Polizeikommissariat untergebracht. Im Kellergeschoss befanden sich zudem Zellen des Polizeigefängnisses. Die feierliche Einweihung des Rathauses erfolgte am 20. April 1912. Die Baukosten beliefen sich auf rund 150.000 Reichsmark.[1][2]

Im ersten Obergeschoss wurde ein großzügiger Sitzungssaal eingerichtet. Seine Ausstattung umfasste eine Holzbalkendecke, Wandverkleidungen aus dunklem Eichenholz und massive Holztüren, die bis heute erhalten sind.[3] Ursprünglich verfügte der Raum auch über dekorative Elemente wie ein Porträt von Kaiser Wilhelm II., Kronleuchter und Glasfenster mit Darstellungen aus Landwirtschaft und Bergbau. Diese Ausstattungsstücke gingen vermutlich im Zweiten Weltkrieg verloren.[1] Vom selben Geschoss aus ist ein kleiner Balkon mit schmiedeeisernem Geländer zugänglich, der sich über dem Hauptportal befindet.[3]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude infolge seiner Nähe zur Zeche und dem Chemie- und Treibstoffwerk Rheinpreußen mehrfach Ziel von Bombenangriffen. Schwere Schäden entstanden bei Angriffen vom 20. auf den 21. Juli 1944, am 27. August 1944 sowie am 25. Oktober 1944. Bei dem Angriff im Oktober kamen 23 Menschen im Rathaus ums Leben, darunter der amtierende Bürgermeister Albert Altwicker.[2] Der Rathausturm mit seiner Uhr, der dabei zerstört worden war, wurde anschließend nicht wieder aufgebaut.[4]

Im Jahr 1950 erhielt die Gemeinde Repelen-Baerl den Namen Rheinkamp. Mit der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1975 wurde Rheinkamp zwischen Duisburg und Moers aufgeteilt. Das Rathaus ging dabei in den Besitz der Stadt Moers über.

Am 15. Januar 1985 wurde das Gebäude als Baudenkmal unter der Nummer 44 in die Denkmalliste der Stadt Moers eingetragen.[5] Im selben Jahr wurde das Bergamt Moers Hauptnutzer. Mit dem Rückgang des Bergbaus am Niederrhein verlor die Behörde jedoch an Bedeutung und verließ das Gebäude zum Ende des Jahres 2008. Einzelne Bereiche des Gebäudes, die nicht vom Bergamt genutzt wurden, waren an Vereine und lokale Organisationen vermietet. Zwischen 2009 und 2011/2012 nutzte die Stadt Moers das Gebäude vorübergehend, unter anderem der Fachbereich Schule und Sport, während das eigene Rathaus saniert und teilweise neu errichtet wurde.[1][6]

In der anschließenden Leerstandsphase plante die Stadt einen Verkauf der Immobilie, der sich aufgrund des hohen Sanierungsaufwands verzögerte. Unter anderem war eine Trockenlegung des Kellers, die Beseitigung von Schimmel sowie die Entfernung von Schadstoffen erforderlich geworden.[7] Ende 2015 erwarb eine regionale Immobiliengruppe das Gebäude zusammen mit einer südlich angrenzenden Fläche.[8] 2017 waren die Planungen des Projekts „Rathausquartier Utfort“ von Architekt Jochem Bellinger mit insgesamt 72 Sozialwohnungen abgeschlossen. In der Folge wurde das Rathaus denkmalgerecht saniert und umgebaut. Es beherbergt seitdem 17 der Sozialwohnungen sowie eine Arztpraxis. Die übrigen Wohnungen fanden in einem neu errichteten Gebäudekomplex südlich des ehemaligen Rathauses Platz.[9] Die ersten Einheiten im Rathaus waren ab 2019 bezugsfertig, das Gesamtprojekt wurde bis 2021 abgeschlossen.[3][10]

Einzelnachweise

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