Rathaus Stollberg

repräsentativer roter Klinkerbau mit markantem Turm, im Stil der Neorenaissance, ortsbildprägend, ortsgeschichtlich und baugeschichtlich von Bedeutung Walmdach, Turmfassade mit drei Dreiecksgiebeln, Fenster- und Türgewände aus Sandstein From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Rathaus Stollberg ist ein im Jahr 1887 eingeweihtes Verwaltungsgebäude der Stadt Stollberg/Erzgeb. Es hat die Adresse Hauptmarkt 1, 09366 Stollberg[1] und steht unter Denkmalschutz (ID-Nummer 09229802).[2]

Schnelle Fakten Daten, Besonderheiten ...
Rathaus Stollberg
Frontalansicht des Rathauses (2018)

Frontalansicht des Rathauses (2018)

Daten
Ort Stollberg/Erzgeb.,
Hauptmarkt 1
Baumeister Carl Albin Uhlmann,
Architekten August Hartel mit Skjøld Neckelmann
Baustil Neorenaissance
Baujahr 1886/1887
Bauzeit um 1886
Grundfläche (Orientierungsgröße) 600 
Koordinaten 50° 42′ 29,1″ N, 12° 46′ 39,7″ O
Rathaus Stollberg (Sachsen)
Rathaus Stollberg (Sachsen)
Besonderheiten
ein geschlossener Baublock, Länge am Markt nur rund 32 Meter, auf der Rückseite 40 Meter
Breite des Blockes etwa 17 Meter
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Lage

Das Rathaus besetzt die West-Nordwestecke des langgestreckten rechteckigen Hauptmarktes, seine Nordseite wird durch die Rathausstraße begrenzt. Die Hauptfassade erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung und wird durch den vorgezogenen Turm sowie die anschließende Freitreppe gegliedert.

Auf dem leicht geneigten rechteckigen Platz östlich vor dem Rathaus wurde im Jahr 1906 ein Denkmal zu Ehren von König Albert aufgestellt (siehe Beschreibung zur histor. Ansicht). An dessen Stelle befindet sich inzwischen ein rechteckiger aus Ziegelsteinen gemauerter niedriger Schmuckbrunnen, der nach dem Platz auch Hauptmarktbrunnen heißt.

Geschichte

Rathäuser vom 16. bis zum 18. Jahrhundert

Ansicht des Rathausgebäudes (links) mit dem Denkmal für König Albert davor, um 1906

Schon in einer Urkunde aus dem Jahr 1440[3] wird für den Ort über ein Ratskollegium berichtet, das aus einem „regierenden“ und einem „ruhenden Bürgermeister“ bestand (die sich im Jahresrhythmus abwechselten). Sie hatten jedoch keinen festen Verwaltungssitz.[4]

Als später weitere Ratsmitglieder hinzukamen und die Verwaltungsaufgaben zunahmen, errichtete die Verwaltung bis 1599 am Standort des heutigen Amtsgerichtes ein erstes eigenes Rathaus mit Sitzungs-, Gerichts-, und Archivräumen, einem Glockenturm, einem angebauten Gefängnis und einer Folterkammer.[3]

Unterbrochen wurde die Ratstätigkeit im Jahr 1633, als nach dem Einfall der Holckschen Truppen im Dreißigjährigen Krieg das Gebäude schwer beschädigt wurde. Es wurde innerhalb kurzer Zeit repariert, aber bis in die 1690er Jahre verfiel es zunehmend, d. h. ein Rathausneubau war unumgänglich. So heißt es in einem Bericht vom 23. Januar 1692: „…der Aufenthalt im Rathaus [geschieht] unter Lebensgefahr, dessen Ruin alle Augenblicke zu vermuthen ist. Sobald die Kälte nachläßt, soll man mit dem Abtragen beginnen.“[4]

An gleicher Stelle entstand ab 1692 ein zweiter Rathausbau, den Amtmann von Grillenberg am 15. Mai 1700 eröffnen konnte. Dieses Gebäude fiel nach mehr als einhundert Jahren, Anfang September 1809, einem Stadtbrand vollständig zum Opfer und war nicht mehr reparabel.[3]

Ein Rathaus aus dem beginnenden 19. Jahrhunderts wird zu einem königlichen Gerichtsgebäude

Die Ratsversammlung ließ sich nun nach Entwürfen des Baumeisters J. T. Winkler ein neues Ratsgebäude mit Turm an gleicher Stelle errichten, für den 1812 die Grundsteinlegung erfolgte und dessen Bau 1813 vollendet war.[3]

Mittels eines Vertrages mit dem Königreich Sachsen ging das Ratsgebäude bald in das Eigentum des Königlich-Sächsischen Staatsfiskus über. Dieser widmete es zu einem „collegialischen Bezirksgericht in der Stadt Stollberg“ um, da im Jahr 1855 die städtische Gerichtsbarkeit auf den Staat übergegangen war.[3] Das Haus wurde nun erweitert und umgebaut, wobei es seine heutige Gestalt erhielt. Es war mithin aber kein Rathaus für die Stadt mehr, sondern die Stadtverwaltung musste nun im bereits vorhandenen Preiß-Gut („Preußisches Gut“) am Markt tagen. Dieses wurde baulich den neuen Bedürfnissen angepasst und erhielt einen mittigen Rathausturm. – Mit dem schnellen Wachstum von Stollberg samt Industrie und Einwohnerschaft wurde dieses Gebäude zu klein für die auch größer werdende Verwaltung. Also musste wieder ein neues Rathaus gebaut werden.

Seit den 1880er Jahren: das heutige Rathaus der Stadt

Nun gab es einen Architekturwettbewerb für ein prächtigeres und größeres Ratsgebäude, das die Architekten Hartel und Neckelmann gewannen. Unter Leitung des Stollberger Baumeisters Baurat Carl Albin Uhlmann wurde 1886 der Grundstein gelegt,[3] und es entstand das auch heute noch als Rathaus genutzte Bauwerk auf einem Baugrundstück an der westlichen Oberseite des Hauptmarktes. Das Preiß-Gut wurde bis zu seinem Abriss 1888 noch weiter entsprechend genutzt.[4]

Das neue Rathaus wurde am 19. Oktober 1887 feierlich eröffnet. Im Jahr 1906 weihte die Stadt ein Denkmal für den 1902 gestorbenen König Albert vor dem Rathaus ein.[3] Die folgenden Jahrzehnte samt des Zweiten Weltkriegs überstand das Ratsgebäude weitestgehend unbeschadet. Das war letztendlich auch dem Hissen der weißen Flagge im April 1945 am Rathaus zu verdanken, wofür der stellvertretende Bürgermeister Stollbergs, Johannes Friedrich, noch sein Leben lassen musste.[3]

Baubeschreibung

Das Ratsgebäude gilt als typischer Neorenaissancebau, seine mit Klinkern verblendete Fassade ist mit weiß-gelblichen Sandsteinelementen in Form von Kanten, Streifen und Reliefs verziert.

Der zum Markt hin vorgesetzte Turm auf quadratischem, ab dem Obergeschoss durch die abgeschrägten Ecken in ein Achteck überführtem Grundriss mit einer glockenförmigen, schieferverkleideten Haube bildet den Blickpunkt des Bauwerks, in dem sich zugleich der Haupteingang oberhalb einer seitlich angeordneten Treppe befindet. Auf der Turmhaube erhebt sich eine kunstgeschmiedete Wetterfahne, darunter dient ein offener Umgang als Aussichtsplattform. In der Mitte des Turmes ist ein Balkon mit schmiedeeiserner Brüstung angebaut.

Eine gegenläufige seitliche nördliche Freitreppe bildet einen Zugang zu den Räumen oberhalb des Ratskellers.

Alle Fenster im Erdgeschossbereich sind rundbogig, die Fenster im darüberliegenden zweiten Geschoss sind hochrechteckig und nur durch die farblich abgesetzten Sandsteinmuster betont. Schließlich sind die drei nebeneinander angeordneten Giebel südlich des Turmbaus zu erwähnen, deren Fenster wieder aus großen Rundbögen gebildet werden. In den Giebeldreiecken ist je ein Rundfenster eingelassen.

Der Baublock umschließt einen offenen Innenhof, der etwa 24 Meter lang und 4,50 Meter breit ist.[5]

Dienststellen

Das Rathaus beherbergt verschiedene Fachämter wie Wirtschaft und Soziales, Bürgerservice, Personenstandswesen, Bauamt, Bildung sowie weitere Einrichtungen, darunter[1]

Das Verwaltungsgebäude kann barrierefrei genutzt werden[1]:

  • Zugang über den Hintereingang, wo sich auch eine Behinderten-Toilette befindet und
  • hinter dem Gebäude gibt es einen Behindertenparkplatz.

Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister im Rathaus Stollbergs (Auswahl)

  • um 1630–1642: Johann Ernst Höckner, setzte sich persönlich im und nach dem Dreißigjährigen Krieg für seine Stadt, insbesondere den Wiederaufbau der zerstörten Jakobikirche, ein[6]
  • um 1700: von Grillenberg (Amtmann)
  • um 1900: Moritz Lösch[7]
  • um 1929: Walther Ritzow[8]
  • 1945–?: Walther Röhner
  • um 1990–1994: Mathias Wirth
  • 2004–: Marcel Schmidt (Oberbürgermeister)

Sonstiges

Von den früheren Rathäusern sind Relikte am historischen Ort (heutiges Amtsgericht) erhalten:[4]

  • Im Treppenaufgang ein Epitaph sowie Reste des Portals mit der Jahreszahl 1599 (erstes Rathaus)
  • eine Tafel erinnert an den Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg (zweites Rathaus).
Commons: Rathaus Stollberg/Erzgeb. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Kommentare

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