Raucherentwöhnung
Therapieansatz
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Bei einer Raucherentwöhnung handelt es sich um einen multimodalen Therapieansatz, mit dem Ziel einem Raucher das Bedürfnis zum Rauchen möglichst dauerhaft zu nehmen und einen Rauchstopp zu ermöglichen.
Bedarf und Erfolgsaussichten
Die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte DEBRA-Studie erhebt zweimonatlich Daten zum Rauchverhalten in Deutschland.[1] Sie konnte aufzeigen, dass etwa jeder fünfte Raucher in Deutschland innerhalb des vorigen Jahres versucht hat, mit dem Rauchen aufzuhören.[2] Der Bedarf an einer erfolgreichen Raucherentwöhnung bis hin zum Rauchstopp ist also hoch, während die Erfolgsquote einer Raucherentwöhnung im Selbstversuch bei etwa 3–5 % liegt.[3] Sie lässt sich durch professionelle Hilfe deutlich steigern.[4][5] In sogenannten Raucherentwöhnungsprogrammen erfolgt in der Regel eine psychosoziale Begleitung der Patienten über einen längeren Zeitraum sowie eine individuelle Kombination verschiedener Therapieformen.[6] Bei jeder Raucherentwöhnung ist eine persönliche Begleitung durch entsprechend qualifizierte Fachpersonen, beispielsweise im Rahmen von Kurzinterventionen oder durch Motivierenden Gesprächsführung Internetangeboten überlegen.[5]
Materialien und Methoden
Die aktuelle Leitlinie zur Behandlung von Rauchen und Tabakabhängigkeit empfiehlt nach der Ausschöpfung niederschwelliger Verfahren (Kurzberatung, Telefonberatung oder Internet- bzw. Smartphonegestützte Verfahren) die verhaltenstherapeutische Einzel- oder Gruppenbehandlung, ggf. in Verbindung mit Medikamenten. Liegt eine körperliche Entzugssymptomatik vor, sollen Medikamente vorgeschlagen werden. Sollte eine Nikotinersatztherapie (z. B. Nicotinpflaster oder schnell wirksame Nikotinpräparate wie Nikotinkaugummi, Mundspray) nicht wirksam sein, soll nach Prüfung von Indikationen bzw. Kontraindikationen Nicotin-Agonisten angeboten werden.[7]
Am erfolgreichsten ist eine multimodale[8] individuelle[6] Therapie nach vorheriger Analyse der Rauchgewohnheiten, Auslöser, sozialer Umstände[8] und der Schwere der Sucht (z. B. mittels Fagerström-Test bzw. den FTND)[9][10]. Es sollten Strategien entwickelt werden, um einem aufkommenden Suchtdruck (Substanzverlangen) zu begegnen und der Motivationsprozess muss zu jeder Zeit gestärkt werden.[11] Manche Ansätze, wie z. B. das Abschließen eines Vertrages sind nur in Einzelfällen zielführend, während es bei der begleitenden ärztlichen medikamentösen Therapie[6][12] sowie der kognitiven Verhaltenstherapie[13] bzw. einer psychosozialen Unterstützung[8] gute wissenschaftliche Daten über deren Wirksamkeit gibt.[8] Insbesondere die Kombination dieser beiden Therapieprinzipien stellt heute die fundamentalen Säulen einer modernen strukturierten Raucherentwöhnung dar.[8][13] Dies spiegelt sich auch in dem Sachverhalt wider, dass es sich i. d. R. um körperliche sowie psychische Abhängigkeit handelt.[12]
- Medikamentöse Therapie:[8][14][6][12] Pharmakologische Unterstützung wird von etwa 11 % der Raucher in Anspruch genommen.[2]
- Nicotinersatzpräparate (Nicotinagonisten)[15][16] (Pflaster, Kaugummi, Microtablette, Nasenspray (verschreibungspflichtig), Inhalator)
- Vareniclin (Champix in der EU, Chantix in den USA) – partieller Agonist und vollständiger Nicotinantagonist[17][18][19]
- Bupropion (Zyban, ein atypisches Antidepressivum)[20][21]
- Andere Antidepressiva z. B. Nortriptylin,[22] in ausgewählten Fällen „Off-Label-Verschreibung“
- Einzelsubstanzen mit Wirksamkeitsnachweis, aber ohne Zulassung in Deutschland:[6] Cytisin (Tabex – hauptsächlich in Polen und Bulgarien), Clonidin
- Verhaltenstherapie (eine Form der Psychotherapie):[13][8]
- Identifikation individueller situativer Risiken
- Selbstkontrolle (entweder als Punktschlussmethode, d. h. ein sofortiger Rauchstopp, oder als sukzessive Reduktion der Konsummenge)
- Bewältigungsstrategien für Risikosituationen
- Psychosoziale Unterstützung
- Rückfallanalyse und Management inkl. Rückfallprophylaxe
- Aversionstherapie (z. B. Überdosis Nikotin oder Silberacetat zur negativen Konditionierung)
- Kontingenzvertrag
- behaviorale Techniken auf Basis des Approach-Avoidance-Task wie Retraining in sensu[23]
- Weitere Verfahren:
- Nutzung von E-Zigaretten in der Tabakentwöhnung
- Hypnose/Trancearbeit (vgl. Hypnotische Trance)
- Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung (nach Edmund Jacobson)
- Sport
- Inanspruchnahme eines Tabakoloogs (in Belgien)
Eine begleitende medikamentöse Therapie ist wegen Anwendungsbeschränkungen, Gegenanzeigen und möglicher Nebenwirkungen[24] Ärzten vorbehalten, die Erfahrung in dieser Behandlung haben. Einige Medikamente sind verschreibungspflichtig. Manche Kombinationen von Medikamenten steigern die Wirksamkeit,[8][15][4][16][12] manche haben jedoch auch eine entgegengesetzte Wirkung.[3] Insbesondere in der Schwangerschaft sind manche Medikamente allerdings kontraindiziert.
Rauchverhalten in der Schwangerschaft
Ein Rauchstopp infolge einer erfolgreichen Raucherentwöhnung ist jedoch für die gesundheitliche Entwicklung des Fötus gerade besonders wichtig. Eine rauchende Mutter schädigt ihr Erbgut, insbesondere die sogenannten Enhancer, die dafür zuständig sind, im Laufe der Entwicklung des Fötus bestimmte Gene zu aktivieren, die dann ihrerseits beispielsweise für die Entwicklung von Organen zuständig sind. Neben entsprechenden Fehlbildungen bei der Entwicklung kann das Rauchen der Mutter zudem auch im späteren Leben des Kindes dessen gesundheitliche Risiken erhöhen. Das gilt sowohl für akute Erkrankungen, wie die Lungenentzündung, aber auch für chronische Erkrankungen, wie Diabetes mellitus, Adipositas oder Krebs.[25]
Rauchstopp
Ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzeptes sollte ein festgelegter Termin für das Aufhören („Rauchstopptermin“ bzw. englisch quit date) sein, an dem der Raucher seinen Zigarettenkonsum beendet. Der Beginn und die Aufdosierung einer eventuell begleitenden medikamentösen Therapie richtet sich nach diesem Termin, der an die persönlichen Umstände des Patienten angepasst sein sollte. Eine ledigliche Reduktion der Anzahl der Zigaretten ist nicht wirksam bzgl. einer Verbesserung der Lungenfunktion und stellt keine Alternative zum Rauchstopp dar.[8]
Auch bei bereits diagnostiziertem Lungenkrebs oder anderen Folgeerkrankungen lohnt sich eine Therapie. Studien zeigen, dass die Wirksamkeit einer Behandlung der Krebserkrankung nach erfolgreicher Abstinenz steigt.[26]
Weblinks
- S3-Leitlinie Rauchen und Tabakabhängigkeit: Diagnostik, Screening und Behandlung auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)