Raymond Kelly
US-amerikanischer Polizist und Regierungsbeamter
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Raymond Walter Kelly (* 4. September 1941 in Manhattan, New York City) ist ein US-amerikanischer Polizist und Regierungsbeamter, der unter anderem mit über 13 Dienstjahren in zwei nicht aufeinander folgenden Amtsperioden (1992–1994, 2002–2013) der bisher am längsten amtierende New York City Police Commissioner war. Er fungierte zudem zwischen 1996 und 1998 als Unterstaatssekretär für Terrorismusbekämpfung und Finanzaufklärung im Finanzministerium sowie von 1998 bis 2001 Chef des US-Zolldienstes.

Leben
Raymond Walter Kelly, Sohn von James F. Kelly und Elizabeth Kelly, begann nach dem Besuch der Archbishop Molloy High School in Queens 1959 ein Studium der Betriebswirtschaftslehre am Manhattan College, das er 1963 mit einem Bachelor of Business Administration (BBA) beendete. Im Anschluss diente er als Angehöriger des US Marine Corps (USMC) und kam als Leutnant im Vietnamkrieg zum Einsatz. Nach seiner Rückkehr diente er von 1966 bis 1996 im US Marine Corps Reserve und wurde zuletzt zum Oberst (Colonel) befördert. Zugleich trat er 1966 als Polizist (Patrolman) in das New York City Police Department (NYPD) ein, die kommunale Polizeibehörde der Stadt New York City und größte Polizeibehörde der USA, schloss die New Yorker Polizeiakademie als Jahrgangsbester ab und hatte 45 Jahre beim NYPD in 25 verschiedenen Kommandos verbracht. Daneben absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an der St. John’s University, welches er 1971 mit einem Juris Doctor (JD) beendete. Ein weiteres Studium der Rechtswissenschaften an der New York University (NYU) schloss er 1974 mit einem Master of Laws (LLM) ab. Darüber hinaus absolvierte er ein postgraduales Studium der Verwaltungswissenschaften an der Harvard Kennedy School (HKS), das er mit einem Master of Public Administration (MPA) beendete.
Am 9. Februar 1990 wurde Kelly während der Amtszeit von Bürgermeister David Dinkins[1] als First Deputy Commissioner zum Ersten Stellvertretenden Präsident der Polizeibehörde von New York City ernannt. Im Anschluss berief ihn Dinkins am 1. September 1992 als Nachfolger von Lee P. Brown[2] zum Polizeipräsidenten (Police Commissioner of New York City), wobei er das Amt vom 1. September bis zum 16. Oktober 1992 zunächst kommissarisch innehatte. Das Amt behielt er bis zum 1. Januar 1994 und wurde daraufhin von Bill Bratton[3] abgelöst. Nach einer zwischenzeitlichen Tätigkeit für Interpol wurde er am 3. Juni 1996 Nachfolger von Ronald Noble[4] in Regierung Clinton zum Unterstaatssekretär für Terrorismusbekämpfung und Finanzaufklärung im Finanzministerium (Under Secretary of the Treasury for Terrorism and Financial Intelligence) und war damit bis zu seiner Ablösung durch James Edward „Jim“ Johnson am 30. Juli 1998 zuständig für die Strafverfolgung im Finanzministerium.
Während Raymond Kelly zwischen 1996 und 2000 Vizepräsident von Interpol für Amerika war, wurde er als Nachfolger von George J. Weise nach einer kommissarischen Amtsführung von Samuel H. Banks (19. April 1997 bis 30. Juli 1998) in der Regierung Clinton Chef des US-Zolldienstes (US Customs Service) und verblieb auf diesem Posten bis zum 19. Januar 2001, woraufhin nach einer kommissarischen Amtsführung von Charles W. Winwood am 10. September 2001 Robert C. Bonner[5] neuer Commissioner of the US Customs Service wurde. Er war zwischen 2000 und 2001 als Leitender Geschäftsführer für Globale Sicherheit der New Yorker Investmentbank Bear Stearns sowie von 2001 bis 2002 Vorsitzender der New York State Athletic Commission (NYSAC).
Am 1. Januar 2002 wurde er als Nachfolger von Bernard Kerik[6] von Bürgermeister Michael Bloomberg[7] wieder zum Police Commissioner of New York City ernannt und bekleidete das Amt des New Yorker Polizeipräsidenten bis zu seiner Ablösung durch Bill Bratton am 31. Dezember 2013. Er war dadurch mit über 13 Dienstjahren in zwei nicht aufeinander folgenden Amtsperioden der bisher am längsten amtierende New York City Police Commissioner war. Der Vorfall zum Tode von Sean Bell am 25. November 2006 führte zu erheblichen Protesten mit hunderten Demonstranten, die unter Führung des Bürgerrechtlers Al Sharpton den Rücktritt von Police Commissioner Raymond Kelly forderten. Zur Beisetzung erschienen hunderte Teilnehmer, die gegen die Tötung Bells demonstrierten. Eine Großdemonstration wurde für den 6. Dezember 2006 angekündigt. Bürgermeister Michael Bloomberg sagte umfassende Ermittlungen zu und bezeichnete den Vorfall als nicht akzeptabel und unerklärlich. Rassistische Motive sollen, obwohl das Opfer schwarz war, nicht zwingend eine Ursache gewesen sein, da zwei der Beamten schwarz waren und einer Latino. 2008 kam es zum Strafprozess gegen drei der Polizeibeamte, die an dem Vorfall beteiligt waren. Sie wurden im April 2008 freigesprochen. Gleichzeitig war eine 50-Million-Dollar-Schadenersatzklage gegen die Stadt New York anhängig.[8] Diese endete mit einem Vergleich von drei Millionen Dollar für die Familie. In dem 2008 unter der Regie von Wayne Kopping entstandenen und von Raphael Shore produzierten Dokumentarfilm „The Third Jihad: Radical Islam’s Vision for America“ gehörte er zu den interviewten Personen.[9] Am 8. August 2012 wurde von Bürgermeister Bloomberg und ihm eine Partnerschaft mit dem von Microsoft entwickelten Domain Awareness System bekanntgegeben, die der Verbrechensbekämpfung dient.[10]
2013 galt er als möglicher Nachfolger von Janet Napolitano[11] für das Amt als Minister für Innere Sicherheit, das dann jedoch nach einer kommissarischen Amtsführung von Rand Beers (6. September bis 23. Dezember 2013)[12] von Jeh Johnson[13] übernommen wurde.[14]
Aus seiner Ehe mit Veronica Kelly gingen zwei Söhne hervor, darunter der Fernsehmoderator Greg Kelly.
Veröffentlichungen
- Vigilance. My life serving America and protecting its Empire City, Hachette Books, New York 2015, ISBN 978-0-31638-3-813
Weblinks
- Raymond W. Kelly in der Notable Names Database (englisch)