Rechthalten
Gemeinde im Kanton Freiburg in der Schweiz
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Rechthalten (französisch Dirlaret; senslerdeutsch Rächthaute; Freiburger Patois ) ist eine politische Gemeinde im Sensebezirk des Kantons Freiburg in der Schweiz. Sie liegt im oberen Sensebezirk.
| Rechthalten | |
|---|---|
| Staat: | |
| Kanton: | |
| Bezirk: | Sense |
| BFS-Nr.: | 2301 |
| Postleitzahl: | 1718 |
| Koordinaten: | 584869 / 179611 |
| Höhe: | 881 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 759–1039 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 7,30 km²[2] |
| Einwohner: | 1165 (31. Dezember 2024)[3] |
| Einwohnerdichte: | 160 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 6,2 % (31. Dezember 2024)[4] |
| Website: | www.rechthalten.ch |
Rechthalten | |
| Lage der Gemeinde | |
Geographie
Rechthalten liegt auf 882 m ü. M. zwischen der Stadt Freiburg im Nordwesten (8 km Luftlinie) und dem Tourismusort Schwarzsee im Südosten. Rechthalten gehört sowohl zur Agglomeration Freiburg als auch zum Senseoberland und ist somit an der Grenze von Mittelland und Voralpen. Die Fläche der Gemeinde Rechthalten beträgt total 730 ha, wovon 130 ha Wald sind.
Nachbargemeinden von Rechthalten sind Brünisried, Giffers, Plaffeien, St. Ursen und Tentlingen.
Wappen
Das Wappen zeigt auf schwarzem Grund mit silbernem Balken drei blaue Lilien. Letztere könnten an die Herren von Helfenstein erinnern, die als Stifter der Kirche von Rechthalten gelten.
Geschichte

Gemeinde- und Pfarreigeschichte
Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortsnamens findet sich in einer Urkunde vom 21. März 1142 in der romanischen Form Drallaris, 1180 als Dreit Laris. Daraus leitet sich die französische Form Dirlaret ab. Der deutsche Name stammt ironischerweise von der 1173 nachgewiesenen gelehrten Form de Recto Clivo ab (d. h. an der geraden Halde). In deutscher Schreibung findet sich der Name ab 1250 als Rehthalton.
Diese Namensformen verraten die Geschichte des Ortes. Rechthalten ist eine Gründung der Romanen. Der Name kann auf das galloromanische directu laris (gerade Heide, Brachlandheide) zurückgeführt werden. Die Alemannen haben das Gebiet im 11. oder 12. Jahrhundert übernommen.
Auf das Jahr 1228 datiert die älteste Erwähnung der Pfarrei, welche grosse Teile des Senseoberlandes umfasste und zur Alten Landschaft (Burgpanner) der Stadt Freiburg gehörte. Das Alter der ersten Kirche ist nicht bekannt, wobei das Patrozinium des Hl. German auf die Zeit vor dem 11. Jahrhundert hinweist.[5]
Für die Murtenschlacht von 1476 ist die Teilnahme einer "Reisgesellschaft (Compagnie) Rechthalten" von 46 ausgerüsteten Männern überliefert. Die vier Schrote der alten Gemeinde Rechthalten wurden mit der Freiburger Staatsreform 1831/33 in die vier selbständigen politischen Gemeinden Rechthalten, Brünisried, Oberschrot und Zumholz aufgeteilt. 1848 mit der neuen Kantonsverfassung wurde Rechthalten in den damals neu geschaffenen Sensebezirk eingegliedert. In kirchlicher Hinsicht blieb die Kirchgemeinde bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestehen. Brünisried gehört bis heute zur Pfarrei Rechthalten. Seit dem 1. Januar 1999 ist Rechthalten auch der Sitz einer reformierten Kirchgemeinde, die im Weiler Weissenstein ihre Kirche hat.
Torfstich



Der Kanton Freiburg erwarb Anfang 1918 für ca. 90.000 Franken zwei Torfmoore bei Rechthalten, die über eine Decauville-Bahn erschlossen waren. Das Rotmoos hatte eine Fläche von etwa 12 Hektar und das Entenmoos eine Fläche von etwa 6 Hektar. Im Rotmoos betrug die maximale Tiefe des Torfes 10,5 m und im Entenmoos 9 m. Das ungefähre Volumen der beiden betrug also insgesamt 850.000 m³ Torf. Der Wert der Anlagen, Rohrleitungen, Mischer, Schuppen und Decauville-Ausrüstung sowie der Reparatur der Zufahrtsstrassen usw. belief sich auf 275.000 Franken.[6]
Kulturgüter und Sehenswürdigkeiten
Die Pfarrkirche St. German
Die Pfarrkirche St. German ist der historische, geistige und kulturelle Kern des Dorfes Rechthalten.[7] Sie wurde 1764–1766 – nachdem der Vorgängerbau wegen eines Blitzeinschlages niedergebrannt war – von einheimischen Meistern in vergrösserten Dimensionen vollständig neu errichtet. 1768 erfolgte die feierliche Weihe durch yhro fürstliche gnaden Joseph-Nicolas de Montenach (1709–1782), seit 1759 Bischof von Lausanne.[8]
Am 10. Juni 1784 – anlässlich des traditionellen Fronleichnams-Schiessens – verirrte sich ein Schuss auf das holzschindelgedeckte Chordach des Kirchenbaus, das daraufhin Feuer fing. Der Brand zerstörte Chor- und Turmdach sowie Glocken, Hauptaltar und Deckengemälde des Chors. Das Langhaus und seine Ausstattung blieben unversehrt. Die Renovierungsarbeiten an Chor und Turm waren 1787 abgeschlossen.[9]
Während der Bau aussen eher zurückhaltend und traditionsbewusst gestaltet ist, zeigt er innen eine reiche Spätbarock- bzw. Rokoko-Ausstattung. Maler Jacob Stoll von undrem himmel (bei St. Ursen) schuf ein grossangelegtes Deckengemälde-Ensemble, das sich durch eine volkstümliche Innerlichkeit und farbenfrohe Festlichkeit auszeichnet. Das Hauptgemälde im Langhaus zeigt Mariä Himmelfahrt, die zentrale Darstellung im Chorgewölbe Christi Auferstehung (in der nach dem Brand von 1784 durch Stoll erneuerten Version).[10]
Neben der originalen Ausstattung des Langhauses (u. a. die originalen Kirchenbänke mit Wappen, zwei Seitenaltäre im Stil des Rokoko sowie eine imposante spätbarocke Kanzel) und dem bereits in den Klassizismus verweisenden Hochaltar des Chors fällt in der Gestaltung des Kirchenraums die zwischen 1836 und 1837 errichtete Orgel des Instrumentenbauers Aloys Mooser auf.[11] Wie der Kunsthistoriker Manuel Mayer erstmals zeigen konnte, besitzt dieses Instrument, neben seinen nicht mehr ganz ursprünglichen klanglichen Eigenschaften, vor allem herausragend architektonisch-dekorative Qualitäten.[12] Wie kein anderer Orgelbauer habe es Aloys Mooser vermocht, sich für die Gestaltung seiner Orgelgehäuse vom Kirchenraum und dessen Ausstattung anregen und führen zu lassen. Laut Mayer orientierte sich Mooser für sein Rechthaltener Orgelprospekt vor allem an den Rokoko-Bogenschwüngen des Marien-Deckenbild-Rahmens. Die schwungvolle Bogenbekrönung in der Mitte des Instrumentes zitiert dabei ganz unmittelbar den flachen, westlichen Bildrahmen-Bogen und nimmt so die Himmelfahrt der Maria in sich auf. «Dort also, wo die Orgel der Himmelfahrt am nächsten kommt, da weicht sie auch am ehrfurchtsvollsten vor ihr zurück und lässt den Eindruck des heiligen Bildgeschehens in ihrem herabschwingenden Korpus sichtbar nachklingen.»[13]
Die Pfarrkirche steht heute – ebenso wie der sie umgebende Dorfkern – unter kantonalem Schutz.
Bevölkerung
Die Gemeinde Rechthalten ist eine mittelgrosse Gemeinde des Kantons Freiburg und zählte am 31. Dezember 2024 total 1165 Einwohner, davon waren 93,8 % Schweizer. Die überwiegende Mehrheit ist römisch-katholischen Glaubens (Jahr 2000: 80,3 %). Im Jahr 2000 sprachen 95,4 % der Bewohner Deutsch als Hauptsprache, weitere 3,8 % waren französischsprachig.

Verkehr
Rechthalten liegt abseits der grossen Verkehrsachsen an einer Verbindungsstrasse von St. Ursen nach Plaffeien. Durch eine Buslinie der Transports publics Fribourgeois, die von Freiburg nach Plaffeien verkehrt, ist das Dorf an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.
Persönlichkeiten
- Gérald Rigolet (* 1941), Eishockeytorhüter
- David Bielmann (* 1984), Schriftsteller
- Max Aebischer (1914–2009), Politiker (CVP)
- Gertrud Lutz-Fankhauser (1911–1995), Diplomatin
Wirtschaft
Insgesamt bietet die Gemeinde Rechthalten 248 Arbeitsplätze an, wobei im 1. Sektor (Landwirtschaft) mit 46 % der grösste Teil der Erwerbstätigen verteilt ist.
25. Westschweizerisches Jodlerfest
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Rechthalten
- Olivier Aebischer: Rechthalten. In: Historisches Lexikon der Schweiz.



