Reformierte Kirche (Zollikofen)
Kirchengebäude in Zollikofen in Kanton Bern, Schweiz
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Reformierte Kirche Zollikofen ist die Dorfkirche von Zollikofen im Schweizer Kanton Bern. Sie wurde in den Kriegsjahren ab 1938–1939 gebaut, nachdem sich die stark angewachsene Bevölkerung der Gemeinde von der Kirchgemeinde Bremgarten getrennt hatte.

Geschichte
Seit alter Zeit war der aus nur wenigen Häusern bestehende Weiler Zollikofen samt der Herrschaft Reichenbach ein Teil des Kirchspiels Bremgarten. Die Einwohner von Zollikofen mussten über beschwerliche Kirchwege zum Gottesdienstbesuch gehen, ihre Kinder zur Taufe und ihre Verstorbenen zur Beerdigung zur St.-Michaels-Kirche nach Bremgarten bringen.
Über 400 Jahre, bis 1940, bildeten Bremgarten und Zollikofen eine gemeinsame Kirchgemeinde. 1811 trennte sich Zollikofen von der Herrschaft Bremgarten und bildete eine eigene Einwohnergemeinde.
Als nach dem Bau der Tiefenaubrücke 1851 und des Bahnhofs 1856 mit der Industrialisierung die Bevölkerung stark anstieg, entstand auch der Wunsch nach kirchlicher Eigenständigkeit. Auf Anregung des Bremgartner Pfarrers Johann Hermann Ott wurden erstmals 1898 an Sonntag-Nachmittagen monatlich im Türmli-Schulhaus Gottesdienste gefeiert. Bis 1928 wurde das Lokal zunächst mit einer kleinen Orgel und später mit einem Harmonium als Predigtraum genutzt. Ab 1935 und bis zum Bau der Kirche fanden die von der Pfarrei Bremgarten betreuten Gottesdienste im neuen Schulhaus an der Wahlackerstrasse statt. Dort fanden bis zu 100 Besucher Platz.[1]
Der Kirchgemeinderat brachte erstmals 1929 den Bau einer eigenen Kirche ins Gespräch. Ein Gesuch zur Finanzierung zum Kauf eines Grundstücks wurde an den Synodalrat des Kantons Bern gerichtet. 1933 wurde der Kirchenbauverein aufgrund einer Schenkung mit einem «Fonds für eine neue Kirche Zollikofen» gegründet. Die Gemeinde hatte ein für den Kirchenbau sowie für den Friedhof geeignetes Grundstück zwischen der Wahlackerstrasse und dem Buchrain-Wald erworben und der Kirchgemeinde Bremgarten mit Vertrag vom 25. August 1938 geschenkt.
Kirchenbau und Gründung der Kirchgemeinde
Ausser der schwierigen Finanzierung stand dem Kirchenbau nichts mehr im Weg und so wurde am 3. Juli 1938 der Grundstein gelegt. Unter der Leitung des einheimischen Architekten Albert Wyttenbach Zollikofen entstand die neue Kirche, die zum Bettag am 17. September 1939 bereits fertig eingeweiht wurde.
Mit der nun eigenen Kirche sollte Zollikofen auch eine eigenständige Kirchgemeinde sein, darum hatten bereits 1933 erste Besprechungen zur Trennung von der Kirchgemeinde Bremgarten begonnen. In der Kirchgemeindeversammlung vom 10. Dezember 1939 wurde die Ausscheidung des Kirchenguts vertraglich genehmigt und am 1. Januar 1940 in Kraft gesetzt.
Friedhof
Ab 1874 waren im Kanton Bern nicht mehr die Kirch-, sondern die Einwohnergemeinden für die Bestattungen zuständig. Deshalb wurde auf dem 1933 erworbenen Grundstück der Friedhof eingerichtet und 1936 wurde die Trennung auch des Bestattungswesens von Bremgarten verwirklicht und am 14. November 1937 eingeweiht.[2]
Architektur
Der Massivbau mit eingezogener polygonaler Apsis und schmalen hohen Rundbogenfenstern wurde im Jahr 1939 von Architekt Albert Wyttenbach in Form eines barocken Predigtsaals errichtet. Die Masse betragen mit Eingangspartie, Schiff und Chor 28 m Länge und 12 m Breite plus Turm mit 40 m Höhe. In den Seitenwänden des Schiffs waren jeweils fünf hohe Bogenfenster und ebenfalls drei im Chor. Anstelle zweier Fenster der rechten Seite wurde 1977 der Anbau für die Orgelnische erstellt. Der Zugang zur Empore ist im ursprünglich noch offenen Vorraum, der beim Umbau zum geschützten Windfang mit WC-Anlage wurde.
Umbau
Die Kirche war direkt an der Wahlackerstrasse gebaut worden. Nach einer neuen Strassenführung entstand daher mehr freier Platz vor dem Eingang.
Der neue Kirchenvorplatz erhielt einen Brunnen und Sitzbänke; 1986 wurde bei einer ökumenischen Aktion dort eine Friedenslinde gepflanzt.[3]
Anlässlich der Renovation in den Jahren 1977–1978 brachte man über dem Eingang ein Vordach («Vorschärm») an. Gleichzeitig wurden Glastüren in die Rundbögen am Eingang eingelassen und über breite Treppenstufen zugänglich gemacht. Innen ersetzte man die Kirchenbänke durch bewegbare Stühle mit Sitzgeflecht und entfernte das Chorgestühl inklusive des Wandtäfers. Die neue Orgel kam in eine neu eingebaute Nische rechts im Kirchenschiff zu stehen, um sie auch besser für Konzerte einsetzbar zu machen. Auf der Empore entstand dadurch mehr Platz für zusätzliche Besucher.
Ausstattung
Zur künstlerischen Ausstattung der Kirche gehören eine Kanzel mit Relieffiguren von Hans Huggler-Wyss sowie eine Relieftafel von Johanna Keller an der linken Seitenwand, die bis zum Umbau 1977 an der Emporen-Brüstung («Portlaube») befestigt war.[4]
Kanzel

Der Kanzelkorb trägt in Holz geschnitzte Reliefs aus Weisstanne von Hans Huggler-Wyss, die 1939 zum Bau der Kirche entstanden. Sie stellen Jesus in der Mitte als den guten Hirten mit dem Lamm in der Dornenkrone dar, links davon Matthäus als Schreiber des Evangeliums und Johannes, als früheren Fischer. Rechts folgen Lukas als Reisender und Markus als jüngsten der vier Evangelisten.[5]
Taufstein
Der von Kirchgenossen gespendete ursprüngliche Taufstein aus grünem Andeer-Granit wurde vermutlich aus Platzgründen entfernt und beim Kirchgemeindehaus zwischengelagert. Stattdessen stehen nun ein schlichter Abendmahlstisch, ein Lesepult und auf einem gleichartig hölzernen Tischchen eine gläserne Taufschale im Chorraum.
Glasgemälde
Die reichhaltige Zahl von bemalten Glasfenstern und -scheiben zeugt von der Spendefreudigkeit der damaligen Bevölkerung. Besonders zu bemerken sind die drei farbigen Glasfenster im Chor, von Albin Schweri und der Werkstatt Carl Reich (vor 1920–1979). Dazu noch die fünf Scheiben an der linken Seitenwand und die drei an der rechten Wand vom Glasmaler Walter Reber (1893–1943) und der Werkstatt Louis Halter (1881–1956), plus eines auf der rechten Emporenseite.[6]
- Fusswaschung
- Am Ölberg
- Jesus schleppt das Kreuz
- Ostern, die Frauen am leeren Grab
Orgel

Eine erste Orgel wurde 1939 zusammen mit der neuerbauten Kirche eingeweiht. Sie stand auf der Empore und war ein Werk von Orgelbau Kuhn AG, Männedorf, mit 16 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Die neue Orgel baute 1981 Orgelbau Neidhart & Lhôte, Saint-Martin NE im Kirchenschiff in einer Nische rechts vor dem Chor mit 24 Registern und zwei Vorabzügen auf zwei Manualen und Pedal. Das Werk hat mechanische Traktur, mechanische Registratur und Schleifladen.[7]
|
|
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
- Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
- Spielhilfen: Drehknopf-Kombination
- Effektregister: Zimbelstern
Turm
Der Glockenturm an der Westseite der Kirche mit 40 Metern Höhe auf quadratischer Grundfläche steigt über der Turmuhr und dem offenen Glockengaden in einen hohen, achteckigen Spitzhelm auf, der über einer vergoldeten Kugel mit einem Kreuz bekrönt ist.
Glocken
Die bei Rüetschi AG, Aarau gegossenen fünf Glocken wurden am 4. März 1939 unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung aufgezogen. Sie tragen die Bezeichnungen zu den Schlagtönen, mit den Inschriften:
- Pfingstglocke, h′, (350 kg), «O Land, Land, höre des Herrn Wort».
- Karfreitagsglocke, a′, (510 kg), «Ich weiss, dass mein Erlöser lebt».
- Osterglocke, fis′, (850 kg), «Lobet unsern Gott; lasset seinen Ruhm weit erschallen».
- Bettagsglocke, e′, (1200 kg), «Danket dem Herrn mit Harfen und lobsinget ihm auf dem Psalter mit zehn Saiten. Singet ihm ein neues Lied».
- Weihnachtglocke, d′, (1700 kg), «Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen».
Die Kirche Zollikofen verfügt als erste im Kanton Bern über ein elektrisches Uhr- und Läutwerk, das von Hasler AG Bern eingerichtet wurde. Die vierseitigen Zifferblätter der Turmuhr tragen römische Ziffern, mit Zeigern über runden Schalllöchern mit Lamellenverdeck.
Literatur
- Max Wyttenbach, Bernhard Junger, Astrid Maeder, Christa Arnold-Lutz, Robert Friedli: Die reformierte Kirche Zollikofen. Kunst in der reformierten Kirche Zollikofen. Rub Graf-Lehmann, Bern 2006.
- Eduard M. Fallet-Castelberg et al.: 50 Jahre Reformierte Kirche Zollikofen. Jubiläumsschrift. Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Zollikofen, Zollikofen 1989.
- Eduard M. Fallet-Castelberg: Bremgarten. Ein Lese- und Schaubuch. Paul Haupt, Bern 1991, ISBN 3-258-04387-6, S. 17–19, 149–167.
- Bernhard Junger, Peter Sterchi, Hugo Weibel: Zollikofen. Eine Dorfchronik. Paul Haupt, Bern 1991, ISBN 3-258-04423-6, S. 113, 159 ff.
Weblinks
- Website der Reformierten Kirchgemeinde Zollikofen
- Ref. Kirche Zollikofen BE im Orgelverzeichnis Schweiz-Liechtenstein
- Denkmalpflege des Kantons Bern: Wahlackerstrasse 27, 3052 Zollikofen. In: Bauinventar des Kantons Bern. Kanton Bern, abgerufen am 2. Februar 2026.