Refugee Boy
Buch von Benjamin Zephaniah
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Refugee Boy ist ein Jugendroman des britisch-jamaikanischen Schriftstellers Benjamin Zephania, der im Jahr 2001 beim Verlag Bloomsbury veröffentlicht wurde.[1]
Inhalt
Der Roman schildert das Schicksal des 14-jährigen Alem Kelo, dessen Eltern unterschiedliche Herkunft aus Eritrea und Äthiopien haben. Als zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen ein Bürgerkrieg ausbricht, reisen Alem und sein Vater nach London. Alem ist im Glauben, es handle sich um einen gemeinsamen Urlaub, doch die Absicht des Vaters ist, seinen Sohn in England vor den Kriegswirren in seiner Heimat in Sicherheit zu bringen. Ehe der Vater nach Äthiopien zurückkehrt, übergibt er die Fürsorge seines Sohnes dem Flüchtlingsamt, dessen Mitarbeiterinnen ihn in einem Heim für Minderjährige unterbringen. Dort wird er von einem älteren Jungen drangsaliert; ein Fluchtversuch scheitert und frustriert kehrt Alem zurück. Glücklicherweise kommt er kurz darauf zu den Fitzgeralds, die erfahrene Pflegeeltern sind. Deren ältere Tochter Ruth ist zunächst sehr reserviert, doch Alem findet mit der Zeit Anschluss in der Schule und gewinnt sowohl die Freundschaft von Ruth als auch die von seinen Mitschülern Robert und Buck.
Währenddessen wird Alems Asylantrag abgelehnt. In einem Berufungstermin, in dem der Anwalt Nicholas Alems Anliegen vertritt, hinterlässt der Junge einen guten Eindruck beim Richter. Kurz danach erfährt Alem in einem Brief von seinem Vater, dass seine Mutter verschwunden ist. Letztlich stellt sich heraus, dass sie ermordet worden ist. Alems Vater beschließt daraufhin, ebenfalls in Großbritannien einen Asylantrag zu stellen. Bei seiner Einreise wird er von den Behörden festgenommen und ins Einwanderungszentrum gebracht. Er wird auf Kaution freigelassen und lebt fortan in einem heruntergekommenen Hotel.
Beide Asylanträge sollen gemeinsam verhandelt werden, werden allerdings mit der Begründung abgelehnt, dass Millionen Eritreer und Äthiopier nicht vom Krieg betroffen seien. Der Anwalt Nicholas legt neuerlich Berufung ein. Alem muss die Fitzgeralds verlassen und zieht zu seinem Vater in dessen Hotel.
Alems Freunde Robert, Buck und Asher initiieren eine Kampagne, mit deren Hilfe um das Bleiberecht der Kelos gekämpft werden soll. Zunächst zögert Alems Vater, stimmt aber schließlich zu. Die Kampagne organisiert einen Protestmarsch mit mehreren hunderten Teilnehmern und sammelt mehrere Tausend Unterschriften, die einer lokalen Abgeordneten übergeben werden.
Die Kampagne erfährt viel Aufmerksamkeit und ist ein großer Erfolg, doch Alem ereilt ein neuerlicher Schicksalsschlag: Er erhält die traurige Nachricht, dass sein Vater beim Verlassen der Londoner Zweigstelle einer Friedensorganisation, die auf Alems Mutter zurückgeht, erschossen worden ist. Der verzweifelte Alem kehrt zu den Fitzgeralds zurück und wartet auf den nächsten Berufungstermin. Bei diesem Verfahren wird ihm schließlich Asyl zugesprochen.
Der Roman endet mit dem Hinweis, dass Äthiopien und Eritrea am 20. Dezember 2000 in Algerien einen Friedensvertrag unterzeichnet haben – ein historisches Abkommen, das jedoch die persönlichen Verluste von Alem und seiner Familie nicht rückgängig machen kann.
Hintergrund
Der Autor hat Flüchtlingscamps in Gaza, Montenegro und an weiteren Orten besucht und zwei junge Flüchtlinge getroffen, deren Asylanträge in Großbritannien abgelehnt wurden. Sie waren von ihren Eltern nach England gebracht worden, um nicht mitten in einem Krieg aufwachsen zu müssen. Zephania hat außerdem Kinder getroffen, deren Eltern vor ihren Augen exekutiert oder gekidnappt und gefoltert worden waren. All diese Eindrücke und Erfahrungen haben den Autor dazu veranlasst, Refugee Boy zu schreiben.[2]
Rezeption
Lucinda Hawksley schreibt in ihrer Buchrezension: „Benjamin Zephania ist vor allem durch seine Gedichte bekanntgeworden. Dieses Buch liest sich leicht. […] Alem lernt, dass man Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe, Nationalität oder den Eltern beurteilen kann. Er lernt London lieben, vermisst aber seine Eltern und Afrika. [] Am Ende muss Alem sich sein Aufenthaltsrecht in England vor Gericht erkämpfen und mit dem Verlust seiner Eltern fertigwerden. Diesen mordernen Klassiker sollte jeder Teenager lesen.“[1] Die Tageszeitung The Guardian befindet: „Urkomisch und später herzzerreißend.“[2]
Auszeichnungen
Der Roman wurde 2002 mit dem Portsmouth Book Award ausgezeichnet.[3]
Referenzen
Refugee Boy ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 12+ Jahre enthalten.[1]
Ausgaben
- Refugee Boy. Bloomsbury, London 2001 (englisch).
Adaptionen
Der Roman wurde von Lemn Sissay als Theaterstück adaptiert und 2013 in Leeds am West Yorkshire Playhouse uraufgeführt.[4]