Moskowien
andere Bezeichnung für das Großfürstentum Moskau
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Moskowien (auch Muskowien) war in Westeuropa die inoffizielle Bezeichnung für das Großfürstentum Moskau, das das Kernland des vereinigten russischen Staates bildete, sowie für das Zarentum Russland. Das Wort Moskowien wurde ab dem 14. Jahrhundert bis zu Peter dem Großen in Europa für Russland verwendet, die Russen nannte man Moskowiter.


Der Begriff Russland (Russia) stand in der Frühen Neuzeit in Westeuropa häufig für die Gebiete der heutigen Ukraine und Belarus, während das heutige Russland meistens „Moskowien“ (Moscovia) genannt und damit von den ostslawischen Gebieten Polen-Litauens unterschieden wurde[1].
In Russland selbst war „Moskowien“ (Московия Moskowija) historisch nie gebräuchlich und tauchte erst in der neuesten Zeit als selten gebrauchte Übersetzung des lateinischen Moscovia auf. Im einfachen Volk war zur damaligen Zeit von „Moskauer Land“ (Московская земля Moskowskaja semlja) oder einfach nur von „Rus“ (Русь) die Rede. Im offiziellen Sprachgebrauch hieß das Land bis zum Jahre 1547 Großfürstentum Moskau (Великое Княжество Московское Welikoje Knjaschestwo Moskowskoje). Nach dem Zulegen des Zarentitels durch Iwan IV. („der Schreckliche“) sprach man von Russkoje Zarstwo (Zarentum Russland) und ab Peter dem Großen von Rossijskaja Imperia (Russisches Reich).
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde während des Zweiten Weltkrieges von führenden Funktionären ein „Reichskommissariat Moskowien“ geplant. Dieser Plan, der die Zerschlagung Russlands vorsah, wurde angesichts des Kriegsverlaufs nicht verwirklicht.
Wirkungsgeschichte
Die Begriffe „Moskowien“ oder „Moskowiter“ werden heute oft in Nationalistenkreisen der Ukraine und Belarus als Ersatz für „Russland“ verwendet, um jeglichen Bezug des heutigen Russlands zur Kiewer Rus zu leugnen. Damit soll Russlands Anspruch auf die Rolle des „Wiedervereinigers der russischen Erde“ abgelehnt werden, mit dem Russland diese Länder annektierte. Auch in Polen sprach man in geschichtlichen Zusammenhängen bis weit in die Neuzeit gerne von „Moskowien“, aus ähnlichen Motiven bzw. aus der Relativierung der eigenen Fremdherrschaft über die Westgebiete der ehemaligen Rus. „Moskowien“ hat außerdem eine archaische Färbung und soll eine angebliche Rückständigkeit Russlands suggerieren.