Reinhard Mußgnug
deutscher Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer für öffentliches Recht
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Reinhard Alexander Mußgnug (* 26. Oktober 1935 in Mannheim; † 12. November 2025[1]) war ein deutscher Rechtswissenschaftler. Er lehrte als Professor für öffentliches Recht an der Freien Universität Berlin (1971–1975), der Universität Mannheim (1975–1978) sowie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (1978–2006), wo er bis zu seiner Emeritierung dem Institut für Finanz- und Steuerrecht vorstand. Er veröffentlichte schwerpunktmäßig zum öffentlichen Finanzrecht, Verfassungsgeschichte und Kulturgutschutz.
Leben
Reinhard Mußgnug studierte von 1954 bis 1957 an den Universitäten Heidelberg, Erlangen und München Rechtswissenschaften. Nach dem Referendariat bestand er 1962 in Stuttgart sein Assessorexamen. Mit einer Arbeit über den Dispens von gesetzlichen Vorschriften wurde er 1964 in Heidelberg bei Hans Schneider promoviert. Von 1963 bis 1969 war er wissenschaftlicher Assistent an den Universitäten Hamburg und Heidelberg. 1969 habilitierte er sich in Heidelberg in den Fächern Staatsrecht, Verwaltungsrecht, Verfassungsgeschichte sowie Finanz- und Steuerrecht. Thema seiner 1976 veröffentlichten Qualifikationsschrift war Der Haushaltsplan als Gesetz.
Nach einer Lehrstuhlvertretung 1971 wurde er als ordentlicher Professor für öffentliches Recht (Staats- und Verwaltungsrecht) an der Freien Universität Berlin berufen, 1975 wechselte er in gleicher Funktion an die Universität Mannheim. Von 1978 bis zu seiner Emeritierung war er ordentlicher Professor für öffentliches Recht, Finanz- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg und dort auch Direktor des Instituts für Finanz- und Steuerrecht. Ab 1981 leitete er das Institut gemeinsam mit Paul Kirchhof.
Mußgnug war von 1965 bis zu seinem Tod mit der Historikerin Dorothee Mußgnug, geb. Stürmer, verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Der 1997 verstorbenene ehemalige NPD-Bundesvorsitzende Martin Mußgnug war sein Vetter. Reinhard Mußgnug stand aber der NPD und allen anderen rechts- wie linksradikalen Gruppen scharf ablehnend gegenüber. 2021 wurde er Mitglied im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit.[2]
Wirken
In der Diskussion um die rechtlichen und politischen Aspekte des geplanten Verkaufs von Handschriften der Badischen Landesbibliothek bezog Mußgnug 2006 in Zeitungsartikeln und bei mehreren Medienauftritten deutlich Stellung gegen die Pläne der baden-württembergischen Landesregierung. Im September 2019 gehörte er zu den etwa 100 Staatsrechtslehrern, die sich mit dem offenen Aufruf zum Wahlrecht Verkleinert den Bundestag! an den Deutschen Bundestag wandten.[3]
Von 1976 bis 1986 war Mußgnug Richter im Nebenamt am Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim, seit 1978 Beisitzender Richter am Disziplinarhof Baden-Württemberg. Zudem bekleidete er von 1976 bis 1982 Ehrenämter im Deutschen Hochschulverband, u. a. das Amt eines Vizepräsidenten. Von 1989 bis 1993 war er Erster Vorsitzender der Vereinigung für Verfassungsgeschichte. Im Oktober 2006 trat Mußgnug eine Gastprofessur im rumänischen Cluj-Napoca an.
Schriften (Auswahl)
- Der Dispens von gesetzlichen Vorschriften, Heidelberg 1964 (zugl. Dissertation, Univ. Heidelberg, 1964).
- Das Recht auf den gesetzlichen Verwaltungsbeamten? Überlegungen zum inkompetenten Verwaltungshandeln, Göttingen 1970.
- Der Haushaltsplan als Gesetz, Göttingen 1976 (zugl. Habilitationsschrift, Univ. Heidelberg, 1969).
- Wem gehört Nofretete? Anmerkungen zu dem deutsch-deutschen Streit um den ehemals preußischen Kulturbesitz, Berlin/New York 1977.
- Das Mitbestimmungsrecht der Personalräte an den baden-württembergischen Universitäten und die Freiheit von Forschung und Lehre, Bonn 1985.
- (Hrsg.): Rechtsentwicklung unter dem Bonner Grundgesetz, Heidelberg 1990.
- (Hrsg.): Wendemarken in der deutschen Verfassungsgeschichte, Berlin 1993.
- (Hrsg. mit Gerd Roellecke): Aktuelle Fragen des Kulturgüterschutzes, Heidelberg 1998.
- mit Dorothee Mußgnug: Seine Königliche Hoheit von Gottes Gnaden Großherzog von Baden. 1818–1918, Heidelberg 2018.
Literatur
- Klaus Grupp, Ulrich Hufeld (Hrsg.): Recht, Kultur, Finanzen. Festschrift für Reinhard Mußgnug zum 70. Geburtstag am 26. Oktober 2005. Müller, Heidelberg 2005, ISBN 3-8114-5352-1 (mit Bibliographie).
Weblinks
- Literatur von und über Reinhard Mußgnug im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Publikationen Prof. Mußgnug (Universität Heidelberg)
- Vortrag „Die Staatsangehörigkeit des Kunstwerks“ auf YouTube
- Vortrag „Deutschland und Österreich am Ende des Ersten Weltkriegs – Die Geschichte einer gescheiterten Wiedervereinigung“ auf YouTube